Das Erreichen des schwarzen Gürtels im Taekwondo ist ein Ziel, das viele Kampfsportbegeisterte verfolgen. Es ist ein Meilenstein, der nicht nur technische Fähigkeiten und körperliche Fitness erfordert, sondern auch mentale Stärke und Ausdauer.
Die Reise zur Meisterschaft
Jeder, der mit dem Taekwondo beginnt, startet normalerweise mit einem weißen Gürtel, dem 10. Kup, was symbolisiert, dass man ein Anfänger ist. Mit dem 10. Kup wird dem Schüler bestätigt, dass er die Dojang Etikette beherrscht. In den ersten Monaten liegt der Fokus auf der Grundlagenausbildung, Körperbeherrschung und dem Erlernen grundlegender Techniken wie Tritte, Schläge und Blöcke.
Nachdem die Grundlagen gelegt sind und man ein gewisses Maß an technischer Beherrschung erreicht hat, werden in den meisten Taekwondo-Schulen Farbgürtelgrade verwendet, um den Fortschritt der Schüler zu markieren. Diese Grade reichen von gelb über grün, blau und rot bis hin zu braun. Jeder Farbgürtelgrad erfordert Zeit, Training und das Bestehen einer Prüfung.
Die Bedeutung der Gürtelfarben
Die farbigen Gurte der Schüler geben einen Überblick über die zu erwartenden Fähigkeiten des einzelnen Schülers. Des Weiteren dienen die Gurtfarben als Motivation für den Schüler, fleissig zu bleiben um die nächste Stufe zu erreichen. Der begehrte Schwarzgurt lässt sich schließlich nur durch kontinuierliches Training über einen langen Zeitraum erreichen.
Die Abgrenzung der einzelnen Stufen durch farbige Taekwondo Gürtel wurde aus dem Judo importiert. Anfangs benutzte man nur die Farben, welche auf der koreanischen Flagge zu sehen sind, nämlich weiß, blau, rot und schwarz. Inzwischen kamen noch gelb, grün und braun hinzu, um den Schülergrad genauer erkennen zu können.
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- Weiß: Anfänger
- Gelb: Fruchtbarer Erdboden, auf dem Wissen und Können gedeihen sollen.
- Grün: Der Sproß, der dem bestellten Boden entspringt und Richtung Sonne zur Pflanze heranwächst.
- Blau: Der Himmel und somit sinnbildlich für eine Grenze. Der Schüler muss nun zeigen, dass er in der Lage ist, Höheres anzustreben und auch zu erreichen.
- Rot: Die Sonne, von der schon eine große Kraft ausgeht, dient dem Schüler aber auch als Signal. Er steht nun kurz davor, Meister zu werden, und wird angehalten, sich noch intensiver und ausdauernder mit der Kampfkunst zu beschäftigen.
- Schwarz: Symbol für das Weltall, vereinigt alle anderen Farben in sich und ist somit die stärkste von allen. Schwarz symbolisiert die Autorität, das Wissen und die Erfahrung der Meistergrade.
Das KUP- und DAN-System
Das Gurtsystem ist unterteilt in KUP-Grade (die 10 Farbgurtstufen) und DAN-Grade (Schwarzgurtränge). Die KUP-Grade werden von 10 bis 1 rückwärts nummeriert, die DAN-Grade vorwärts gezählt. Der erste Gurt ist der Weißgurt (10. Kup).
Mit der Prüfung zum Schwarzgurt eröffnet sich schließlich ein langer Weg zu wahrer Meisterschaft. Das ist übrigens auch der Grund, warum man die Farbgurtstufen (KUP) rückwärts zählt, also von 10-1, wie einen Countdown zum Schwarzgurt. Die Schwarzgurtstufen zählt man dann wieder regulär, also aufsteigend von 1-5.
Die Gürtelprüfung
Um nun Stufe für Stufe weiterzukommen und den entsprechenden Gurt tragen zu dürfen, muss der Schüler das erforderliche Können in einer Gürtelprüfung präsentieren können. Die Zeitabstände zwischen den einzelnen Prüfungen betragen je nach Stufe zwischen drei Monate und mehrere Jahre.
Je nach Graduierung wird ein entsprechendes Pflichtprogramm abgeprüft.
Das Prüfungsprogramm der KUP-Grade umfasst die Bereiche:
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- Grundtechnik (bahnenweises Laufen)
- Formen (Kreuzformblocks, Poomse)
- Ilbo taeryon (Ein-Schritt-Kampf = Partnerweise Anwendung von Grundtechniken)
- Selbstverteidigung
- Bruchtest (ab dem 4.Kup!)
- Theorie (Koreanische Begriffe, Etikette, Selbstverteidigungs- Paragraph, Wettkampfregeln, Organisationsstrukturen im Verband etc.)
Die Anforderungen an die einzelnen Gürtelstufen
Die Prüfungen bestehen aus verschiedenen Elementen, welche je nach Gürtelstufe variieren und im Taekwondo Training geübt werden.
Kup-Grade (Schülergrade)
9. Kup (Weiß-Gelb-Gürtel): Der Prüfling muss Grundschultechniken, Steppübungen, Pratzenübungen und einen 1-Schritt-Kampf mit Partner zeigen. Kenntnis der verwendeten Techniken in beiden Sprachen wird abgefragt.
8. Kup (Gelb-Gürtel): Zusätzlich zu den Anforderungen des 9. Kup muss der Prüfling erste Freikampfübungen und Selbstverteidigungstechniken gegen Handangriffe zeigen. Kenntnis des Notwehrrechts und der Hintergründe des Taekwondo wird abgefragt.
7. Kup (Gelb-Grün-Gürtel): Die 1. Form Taeguk il-chang sowie die Grundformen der Falltechniken müssen beherrscht werden.
6. Kup (Grün-Gürtel): Die 2. Form Taeguk ih-chang muss beherrscht werden. Der Prüfling muss sich in einer gespielten Situation aus der Nahdistanz verteidigen. Theoretische Kenntnisse über die geistigen Hintergründe des Taekwondo werden abgefragt.
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5. Kup (Grün-Blau-Gürtel): Die 3. Form Taeguk sam-chang sowie verschiedene Pratzenübungen, Freikampfübungen und Selbstverteidigung gegen kombinierte Angriffe aus der nahen und mittleren Distanz müssen gezeigt werden.
4. Kup (Blau-Gürtel): Die 4. Form Taeguk sa-chang muss erlernt werden. Der Prüfling soll zeigen, dass er sich gegen Angriffe aus allen Distanzen verteidigen kann. Der Bruchtest ist hier erstmals vertreten.
3. Kup (Blau-Rot/Blau-Braun-Gürtel): Der Prüfling muss sich gegen abgesprochene Stockangriffe und abgesprochene Angriffe in Bodenlage verteidigen. Die 5. Form Taeguk oh-chang und zwei Bruchtests gehören ebenfalls zum Programm.
2. Kup (Rot/Braun-Gürtel): Die 6. Form Taeguk yuk-chang und eine Ausweitung der Selbstverteidigung auf abgesprochene Messerangriffe sowie freie Stockangriffe werden erwartet. Zwei Bruchtests und die allgemeine Lernfortschrittskontrolle gehören selbstverständlich dazu.
1. Kup (Rot-Schwarz/Braun-Schwarz-Gürtel): Die 7. Form Taeguk chil-chang muss beherrscht werden. Die Selbstverteidigung wird auf Angriffe mit mehreren Gegnern ausgeweitet. Drei Bruchtests sind zu absolvieren.
Dan-Grade (Meistergrade)
1. Dan: Die 8. Form Taeguk pal-jang muss beherrscht werden. Der Prüfling muss sich gegen verschiedene unbewaffnete wie bewaffnete Techniken verteidigen können, einen 1-Schritt-Kampf sowie Freikampf vorzeigen und 3 Bruchtests absolvieren, wobei eine 2er Kombination gezeigt werden muss.
2. Dan: Die 9. Form Koryeo und 4 Bruchtests, wobei nun eine Sprungtechnik enthalten sein muss.
3. Dan: Die 10. Form Kumgang, Selbstverteidigung gegen mehrere Gegner und 5 Bruchtests mit einer 3er Kombination und zwei Sprungtechniken.
4. Dan - 7. Dan: Für jede Prüfung müssen 2 Formen vorgezeigt werden. Weiterhin wählt der Prüfling eine Form zur Vorkenntniskontrolle und einen freien 1-Schritt-Kampf selbst aus. Der Bruchtest besitzt ab hier ebenfalls keine Vorgaben mehr und soll eigenständig in entsprechender Schwierigkeit gewählt werden.
8. Dan: Die Kontrolle der Vorkenntnisse entfällt. Die Formen Cheonkwon und Hansu müssen beherrscht werden. Selbstverteidigung gegen einen oder mehrere Gegner muss vorgezeigt werden, ebenso ein freier 1-Schritt-Kampf und ein angemessener Bruchtest.
9. Dan: Das Programm ist identisch mit der Prüfung zum 8. Dan, außer dass hier die Formen Hansu und Illeyo vorgezeigt werden müssen.
10. Dan: Der 10. Taekwondo Dan existiert zu jeder Zeit nur einmal auf der Welt und wird dem Präsidenten der WTF ehrenhalber verliehen.
Der Gipfel erreicht
Der schwarze Gürtel im Taekwondo ist ein Zeichen für Expertise und jahrelange Hingabe zum Sport. Es gibt verschiedene Stufen des schwarzen Gürtels, die durch Dan-Grade gekennzeichnet sind, wobei der erste Dan der Anfang ist. Um den schwarzen Gürtel zu erreichen, muss man eine Prüfung ablegen, die Technik, Formen, Selbstverteidigung und Sparring umfasst.
Mindestens fünf Jahre aktive Trainingszeit sind die Regel für die Prüfung Schwarzgurt, dem I. DAN. Dieser stellt den Eintritt in die Meisterklasse dar.
Mit dem Erreichen des Schwarzgurtes endet die Ausbildung nicht - sie hat gerade erst richtig begonnen!
Individuelle Faktoren
Die Frage, wie lange es dauert, einen schwarzen Gürtel im Taekwondo zu erreichen, hat keine eindeutige Antwort.
- Trainingshäufigkeit: Je häufiger man trainiert, desto schneller kann man Fortschritte erzielen.
- Engagement: Das persönliche Engagement und die Hingabe zum Training spielen eine große Rolle.
- Talent und körperliche Voraussetzungen: Manche Menschen haben natürliche Anlagen oder körperliche Voraussetzungen, die ihnen helfen, schneller Fortschritte zu machen.
Organisationen und Verbände
Taekwondo Vaterstetten ist Mitglied in der Deutschen-/Bayerischen Taekwondo Union (DTU/BTU). Diese wiederum sind Mitglied in der World Taekwondo Federation WTF mit Sitz in Seoul/Südkorea. Innerhalb Deutschlands ist die DTU mit ihren Landesverbänden der einzige anerkannte Taekwondo-Verband im offiziellen Sportverkehr.
Anerkannte Meisterschaften und die olympische Qualifikation werden nur in unserem Verband für Taekwondo durchgeführt. Projekte im Schulsport mit Taekwondo werden über unseren Verband, in Bayern die BTU, vom Kultusministerium anerkannt, durchgeführt.
Eine dieser Regeln besagt, dass Graduierungen (Gürtel) nur gültig sind, wenn diese im Rahmen einer Prüfung von einem Prüfer der BTU abgenommen werden.
Funktionen des Gürtels
Das sichtbar zur Schautragen des Ranges ist nur vordergründig der Sinn der Gurte ("Ty") im Unterricht. Viel wichtiger ist der funktionelle, gesundheitliche Aspekt des Gurttragens: zwei fingerbreit unter dem Bauchnabel liegt der Körperschwerpunkt, in den asiatischen Quellen "Hara" (jap.) bzw. "Ha bog bu" genannt. Nach der Auffassung der Traditonellen Chinesischen Medizin (TCM) und vergleichbarer Lehren wird dort die Lebenskraft (Chi) erneuert und sozusagen gespeichert. An dieser Stelle und mit dem richtigem Druck gebunden, hilft der Gürtel dabei, den gesamten Körper blitzartig anzuspannen - um zum Beispiel einen Tritt gezielt auszuführen oder um einen Treffer „einzustecken“.
