„KARATE - Das Buch für Kinder“ ist ein faszinierendes Lese- und Lernbuch, das junge Karateka begeistert und ihnen spannende Einblicke in die Welt des Karate und die japanische Kultur bietet. Geschrieben von der japanischen Weltmeisterin Marie Niino, ist dieses Buch ideal für Kinder ab 4 Jahren und vermittelt kompaktes Wissen über die Grundtechniken im Karate. Mit über 300 reichhaltigen und liebevollen Illustrationen entführt das Buch die Leser nach Japan, lässt sie in eine exotische Kultur eintauchen und gibt anschauliche Informationen zu Land, Geschichte und traditionellen Märchen.
In lebhafter und bildhafter Sprache erklärt Marie Niino Themen wie das Binden des Gürtels für Anfänger, Dehn- und Atemtechniken sowie spannende Details über Muskeln und Bewegungen im Karate.
Die Wurzeln des Karate in Okinawa
Jeder Mensch trägt die Fähigkeit in sich, sich zu wehren (okinawanisches Sprichwort).
Okinawa, auch bekannt als Oki Nawa, bedeutet „Meer“ (Oki) und „Schnur“ (Nawa). Die Inselgruppe um die Hauptinsel Okinawa ist lang und schmal geformt, wie eine Perlenkette zwischen Japan und China im Pazifik aufgereiht. Früher wurde die Inselgruppe Ryu Kyu oder auch Loo Choo genannt. Die Breite Okinawas beträgt zwischen 5 und 25 km, während die Länge etwa 100 km entspricht. Die Inseln reichen von Kyushu bis nach Taiwan und trennen an dieser Stelle den Pazifik vom Ostchinesischen Meer. Die Blüte des indischen Korallenbaums wurde zum Symbol für die Präfektur Okinawa.
(Kara-) Te wird selbst in Volkstänzen sichtbar bzw. Elemente der Tänze wurden ins sich entwickelnde Karate integriert. Wahrscheinlich bereits ab dem 7. Jhdt entwickelte sich mit der Te (okinawisch »De«) genannten Kampfkunst eine native Form des Zweikampfes. Das Te zeichnet sich im Gegensatz zum To-de durch weitläufige, kreisende Bewegungen aus, während das To-de die direktere Linie sucht.
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Besonders die Motobu Familie hat nach eigenen Angaben über den 1926 verstorbenen Motobu Choyu die Kunst des Te bewahrt. Nach Choyuns Tod hat Uehara Seikichi den Stil fortgeführt und etwa 1945 „Motobu-Ryu“ benannt. Es gibt allerdings Zweifel daran, ob tatsächlich das alte „Te“ bewahrt wurde oder nicht doch weitreichende Veränderungen eingeführt wurden. Man sieht Bewegungsprinzipien des Karate und des Te in verschiedenen okinawischen Tänzen. Die tiefe Verwurzelung der Kampfkunst in die okinawischen Kultur wird erkennbar.
Prinzipien der kämpferischen Bewegungsart derart in die Gesellschaft zu integrieren, so dass sich jeder automatisch damit beschäftigt, ist eine sehr originelle Idee. Auch Kinder und Frauen sind automatisch involviert. Wer sich später für den Weg der Kampfkunst entschied, war bereits in gewisser Weise vorbereitet.
Die Tänze trainieren u.a. das Setzen der Füße, das Halten des Körpers, Prinzipien des Chinkuchi und Gamaku. Wer die Tänze genau beobachtet, kann Mechanismen, die hinter dem („alten“) Karate stehen, vielleicht besser verstehen. Viele Tänze erzählen Geschichten. Ebenso erzählen die Kata des Karate vielleicht Geschichten über bestimmte Meister und deren favorisierte Techniken in Form von praktisch zu studierenden Büchern.
Die gebräuchlichsten Waffen der Krieger Ryu Kyus zur Zeit der ersten Sho-Dynastie (1409-1469) waren das Schwert und der Speer. Bis zu dieser Zeit waren die RyuKyu Inseln untereinander oft in Kleinkriege verwickelt. Der bewaffnete Kampf war natürlich besonders ausgefeilt und anhand der Erfahrungen auf Kampfschauplätzen verfeinert. Der unbewaffnete Kampf ist immer das letzte Mittel, um sich gegen einen unbekannten Aggressor zur Wehr zu setzen. Die Motorik des Karate erlaubt den Einsatz verschiedener Gegenstände als Waffe, um die eigenen Chancen zu erhöhen.
Vom Königreich zur Präfektur: Okinawas Wandel
Okinawa entwickelte sich bis ungefähr ins 14. Jhrt hinein unbeeinflusst von japanischer oder chinesischer Kultur. Über die Jahrhunderte bildeten sich aus den verstreut wachsenden Siedlungen drei Machtzentren auf der Hauptinsel aus. So waren die Ryu Kyu Inseln um 1400 in die drei Herrschaftsreiche Hokuzan, Chuzan und Nanzan zersplittet. Alle drei Reiche betrieben zu der Zeit bereits Handel nach Übersee.
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Etwa 1440 begann Ryu Kyu erste Handelsbeziehungen zu Japan zu pflegen, welche historischen Schriften folgend mit einem Geschenk Ryu Kyus an Japan in Form von Goldmünzen begann. Zu dieser Zeit waren in Japan hauptsächlich Kupfermünzen üblich und Goldstaub mußte aus China bezogen werden. Daher war dieses Geschenk herzlich willkommen. Zur japanischen Provinz Satsuma pflegte Ryu Kyu in der Folgezeit besondere Beziehungen. China betrieb als Reich der Mitte einen regen Tributhandel und entwickelte verstärktes Interesse an Okinawa als Handelsdrehscheibe. Mit dem hoch entwickelten China Handel treiben zu dürfen, vereinfachte und bereicherte das Leben.
So war es wohl auch dieser Kampf um die Vormachtstellung in Handelsangelegenheiten, welcher zwischen den drei Machtzentren immer wieder zu Auseinandersetzungen führte. Der chinesiche Kaiser der Ming Dynastie war an einer friedlebenden Handelsplattform im Pazifik interessiert und unterstützte Ryu Kyu dabei, ein geeintes Königreich zu werden. König Sho Hashi kam 1422 auf den Thron. Er vereinigte die drei Reiche und legte den Grundstein für das Königgreich Ryu Kyu. Es wird berichtet, dass der chinesische Kaiser 30 Schiffe zur Unterstützung dieses Vorhabens schickte. Mit an Bord waren auch das erste königliche Ornat im kaiserlichen Gelbton, ein Staatssiegel und die Krone für Sho Hashi. Somit war es letztlich der Kaiser, welcher Ryu Kyu zum Königreich erhob.
König Sho Hashi ließ das Schloss Shuri (Shurijo) im chinesischen Stil erbauen. Um 1429 legte er das Kapitol und die Verwaltung in das Schloß und war damit den größten Handelshäfen in Tomari und Naha sehr nah. Ryu Kyu gelang es so, als Interimshändler sehr wertvoll für viele asiatischen Länder zu werden, die dadurch Handel mit China betreiben konnten. Noch heute ist eine große Glocke erhalten, welche die Rolle Ryu Kyus als Brücke zwischen den Ländern und dessen engste Verbindung mit den Ming/ China, Korea und Japan bestärkt. Dazu befindet sich eine entsprechende Inschrift auf der 1458 gefertigten Glocke.
Zur Zeit der Meji Restauration um 1868 änderte sich der Status des Königreichs Ryu Kyu und 1879 wurde es schließlich als eigene Präfektur Okinawa durch Japan übernommen. Taiwan wurde dagegen durch Japan als Kolonie behandelt.
In das Hauptgebäude Saiden des Shurijo gingen lediglich der König oder chinesische Oberhäupter direkt hinein. Aufgrund der doppelten Abhängigkeit aber auch des daraus gezogenen Nutzens für Ryu Kyu, wurden zwei Nebengebäude gebaut. Der Nanden Nordpalast galt der Unterkunft und der Unterhaltung der obersten Reihen der Japaner des Satsuma Clans. Für diesen Palast wurde aus Japan eingeführtes Holz benutzt. Der Südpalast wurde Hokuden genannt und früher gebaut. Er stand den Obersten der chinesischen Gesandschaften (Sapposhi) zur Verfügung und wurde aus chinesischem Holz gebaut.
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Wenn man bedenkt, dass die Segelschiffe mit dem Monsun kamen und gingen, ist es klar, dass sich die Gesandschaften nicht langweilen. Der Monsun wechselt schließlich nur alle 6 Monate seine Richtung. So brauchte Ryu Kyu einen sehr umfangreichen administrativen Apparat und es gab sehr viele Ränge und Mitarbeiter in diesem Bereich. Tanz und Theater wurden entsprechend der Vorlieben der jeweiligen Besucher entwickelt und vorgeführt. Die Gärten wurden möglichst sio eingerichtet, dass man das Meer nicht auf beiden Seiten gleichzeitig sehen konnte. Aufgrund der schmalen Geografie der Insel, ist dies an vielen erhobenen Stellen der Fall und könnte den Langzeitbesuchern ein beengtes Gefühl vermitteln.
Chinesische Einflüsse auf Okinawa
Um 1400 siedelten chinesische Familien nach Okinawa um. Sie werden die »36 Familien« genannt. Ihnen zu Ehren ist auch heute noch ein schiffsförmiges Monument aus Stein auf Okinawa zu finden. Dieses Monument trägt die 36 Wappen dieser Familien und steht im ehemaligen Ortsteil Kumemura nahe eines ebenfalls extra angelegten chinesischen Gartens. Hier wurde ein Teil des Zentrums Okinawas für die chinesische Kultur bereitgestellt und der Austausch zwischen Chinesen und Einheimischen optimiert. Die Chinesen sollten ihre Kultur und damit einhergehend auch chinesische Kampfkunst mit nach Okinawa bringen.
Regelmäßig fanden in Kumemura wissenschaftlich und künstlerisch angelegte Übungen und Vorführungen statt. Es gab dazu sogar Programmhefte von denen eines aus dem Jahre 1867 noch erhalten ist. In ihm findet sich die vielleicht erste schriftliche Bezeichnung, welche mit „To De“ bzw. „Karate“ zu lesen ist. Auch Kata waren im Programm enthalten und sind beispielsweise mit „108 Schritten“ bezeichnet. Es gibt einen Bericht, nach dem während des „Kiyari“ Festes am Schloss Shuri Kampfkünstler aus Kumemura die Kata Kushanku und Passai vorführten.
Dieses Fest geht auf die Renovierung eines Palastes des Schlosses zurück, welcher aufgrund der verwendeten Holzart regelmäßig erneuert werden musste. Es dürfte sich um den Nordpalast „Hokuden“ gehandelt haben, der zu Ehren der chinesischen Gesandschaften errichtet worden war. Verwendet wurde chinesisches Holz, welches mit dem okinawanischen Klima zu kämpfen hatte.
Wer versucht, das alte Karate in Stile und Meister-Schüler Linien fest zu legen, dessen Arbeit wird durch derartige Berichte erschwert. Kumemura gilt als Inbegriff für die chinesisch geprägte Richtung Shorei Ryu des Karate. Warum führen Kampfkünstler aus Kumemura dann Kata des Shorin Ryu vor? Warum passen schon alleine die Altersangaben von oft publizierten Meister-Schüler Linien so oft nicht zusammen? Oftmals ist ein Meister bereits im hohen Alter und sein Schüler (als Fortführer der Linie) bei dessen Tod wenn überhaupt im Jugendlichenalter war.
Das Bubishi: Ein Schlüssel zum Verständnis
Wahrscheinlich über diese Chinesen gelangte ein bedeutendes Buch über die chinesische Kampfkunst und die Medizin (das Bubishi) nach Okinawa und auch in die Hände der dortigen Meister. Die 32 Kapitel des Bubishi behandeln nicht nur Kampftechniken, sondern auch den menschlichen Körper, dessen Vitalpunkte sowie medizinische Aspekte der Heilung. Anderen Berichten nach, kam das Bubishi jedoch über Higaonna Kanryo nach Okinawa, nachdem dieser es während seines Aufenthalts in China um 1865 bei seinem Lehrer abschreiben durfte.
Im Park von Kume befindet sich ein Ehrenstein, welcher chinesische Schriftzeichen und Figuren zeigt. Die Figuren stammen aus dem Bubishi. Es ist ein Gedenkstein zu Ehren der beiden Sensei Miyagi und Higaonna. Auf sie geht das stark chinesisch geprägte Goju Ryu Karate der Shorei Ryu Linie zurück. Links in klein gehalten ist die Signatur des Steinmetzes. Die chinesischen großen Kanji besagen, dass dieser Stein hoch gestellten (Schicht) Menschen von absolut exzellenter Fertigkeit gewidmet ist.
Es gibt Berichte zweier weiterer Schriften, die offenbar nicht zum Bubishi gehören. Diese sollen auf den indischen Mönch Dharuma (Bodhidharma) zurück gehen, der sie dem Shaolin Tempel hinterließ. Dharuma gelangte um das Jahr 500 nach China zum Shaolin Tempel und lehrte dort den Buddhismus. Er lehrte die Mönche eine Form der kampfkunstbasierten Methodik, um sie körperlich und mental stark zu machen, damit sie die langen Meditationen durchhalten, gesund bleiben und wahrscheinlich auch den Tempel im Notfall verteidigen können. Diese Schriften heißen „Ekkinkyo“ und „Senzukyo“ und beziehen sich auf äußerliche Aspekte der Kampfkunst, Abhärtung und Stärkung, sowie auf tief ins Innere (Knochen, Gelenke und Sehnen optimierende) des Körpers wirkende Übungen. Man kann davon ausgehen, dass sie die Basis des Shaolin Kung-Fu und des Qi-Gong darstellen. Texte aus diesen Büchern existieren auch heute noch und verschiedene okinawanische Meister um 1900 verwendeten Auszüge in ihren Schriften.
Die Namen der Kata zeigen den Einfluß chinesischer Kampfkünstler auf das Karate auf. Es sind Namen wie Chinto (moderner Name Gangaku), Kushanku (Kanku), Wanshu (Enpi). Die chinesischen Kampfkünste hatten den waffenlosen Kampf bereits sehr weit entwickelt.
Das chinesische Schriftzeichen für »Wu« (von Wu Shu, japanisch »Bu«) bedeutet soviel wie »stoppe Waffen (Lanzen)« in einer weiteren Bedeutung, einen Kampf direkt zu beenden oder aber abwenden zu können. Viele chinesische Lehrer bekräftigen mit dieser Erklärung auch einen »pazifistischen« Charakter ihrer Kampfkunst. So ist es demnach das Grundziel einer Kampfkunst, den physischen Kampf zu vermeiden oder bereits im Keim zu ersticken.
Der Oberbegriff für chinesische Kampfkünste »Wu Shu« ist relativ modern und wird in China oftmals lediglich mit Bezug auf die modernen und aus den klassischen Kampfstilen abgeleiteten Kampfsportarten gebraucht. In nicht so sehr staatlich beeinflussten Gefilden wie Taiwan wird eher von Gong Fu oder Quan Fa gesprochen. Gong Fu bedeutet »Zeit, Energie« und »Arbeit« und beschreibt den Umstand, dass viel Zeit und Mühe investiert werden muß, um ein körperliches und geistiges Verständnis für die Techniken, Prinzipien und der Motorik der Kampfkünste zu erlangen. Quan Fa kann man als die »Methode der Faust« oder einfach Fausttechnik übersetzen. Während sich Gong Fu nicht allein auf das Meistern der Techniken der Kampfkünste bezieht, so ist der Begriff Quan Fa nur für diese reserviert. Nach Japan importierte Quan Fa Stile finden sich dort unter dem Sammelbegriff »Kempo« wieder.
Mythos Waffenverbote und Karate
Zur Zeit der Sho-Dynastie geschahen die beiden Ereignisse, die später irrtümlich zu den beiden strikten Waffenverboten aufgebauscht wurden, aus denen letztlich das Karate hervorgegangen sein soll. Die zweite Sho-Dynastie dauerte von 1470-1879. Vieles wurde geschrieben, über die Eroberung Ryu Kyus durch Samurai, manchmal auch über eine vermeintliche Zurückschlagung des Angriffs der Samurai durch wehrhafte Bauern, über brutale Jahrhunderte und über strikte Waffenverbote. Geschichten in Karatebüchern, dass ein Dorf während der Samuraiherrschaft lediglich ein bewachtes oder angekettetes Messer benutzen durfte, sind Legenden.
Waffenverbote werden dann auch für die Entwicklung des Karate verantwortlich gemacht. Daraus entstand die Geschichte des waffenlosen Volkes, welches sich gegen bewaffnete Samurai wehren konnte. Manchmal wird geschrieben, dass in Karate und Kobudo versierte Bauernarmeen halfen, dem Angriff der Samurai zu trotzen. Menschen mögen mythische Geschichten und erzählen sie gerne weiter. Auch bekannte okinawanische Meister schrieben in ihren Büchern über die angebliche Schreckensherrschaft und westliche Buchautoren übernahmen diese Schilderungen. Tatsächlich gibt es einen Bericht, wonach ein im Karate und Kobudo versierter Meister, einen Samurai davon abbrachte, sich einer Frau gegen ihren Willen anzunähern. Derartige Ereignisse wurden in den Erzählungen gern ausgeschmückt, ergänzt und endeten vielleicht in der Bauernarmee, die die Samurai vertrieb.
Als Basil Hall (geb. 1788) im 19. Jhdt Ryu Kyu mit seinem Schiff besuchte, schafften es die Ryu Kyuaner ihn und seine Mannschafft glauben zu lassen, sie würden derart friedlich mit anderen Nationen zusammen existieren, so dass sie sogar ohne Waffen auskommen. Seine ausführlichen Reiseberichte Berichte sind im Internet zu finden. 1817 verfasste er „A Voyage of Discovery to the Western Coast of Corea and the Great Loo-Choo Island in the ...
Karate Bücher
Leidenschaftliche Buchsammler wissen: Ein gutes Buch muss man besitzen. „Das wird der beste Tag meines Lebens“ Wenn man wie Kanazawa Sensei mit dieser Einstellung jeden Tag beginnt, kann nichts mehr schief gehen.
„Secrets of Uechi Ryu Karate: And the Mysteries of Okinawa“ von Alice Dollar bietet einen tiefen Einblick in die Kampfkunst des Uechi Ryu Karate, das seinen Ursprung auf Okinawa hat. Das Buch erforscht nicht nur die technischen Aspekte und Prinzipien dieser speziellen Karate-Stilrichtung, sondern taucht auch in die kulturellen und historischen Hintergründe Okinawas ein. Alice Dollar beleuchtet die philosophischen Grundlagen und Traditionen, die diese Kampfkunst prägen, und gibt dem Leser Zugang zu den verborgenen Geheimnissen und weniger bekannten Aspekten des Uechi Ryu.
Die Wiege der Kampfkünste
Archäologen fanden Belege dafür, dass die Krieger Ägyptens schon vor über 6000 Jahren Techniken benutzten, die dem modernen Ringen und Boxen ähnelten. Wenn man heute über Kampfsport oder Kampfkunst spricht, fallen den meisten Menschen wahrscheinlich zuerst die ostasiatischen Vertreter wie Judo, Karate, Kung-Fu oder Taekwondo ein.
Das griechische Pankration (griechisch παγκράτιον „Allkampf, Gesamtkampf“) ist eine der ältesten Kampfkünste. Es lässt sich bis zum 5. Jahrhundert vor Christus nachverfolgen. Es ist davon auszugehen, dass Pankration eine Mischung aus Boxen und Ringen war. Auch Tritte waren im Kampf erlaubt. Die Kämpfe waren äußerst brutal und ohne Regeln. Siegertafeln sowie Vasenzeichnungen beweisen, dass Schattenboxen sowie Sandsacktraining und Krafttraining in Griechenland ihre Anfänge hatten.
Leider ist von diesen Kampfkünsten nicht viel übrig geblieben, da die Kenntnisse über die Originaltechniken nicht erhalten blieben. Das regelmäßige Üben der Techniken auch außerhalb der Wettkämpfe wurde seinerzeit als ganz selbstverständlich angesehen. Sogar das Training unter erfahrenen Trainern (Paidotriben) war äußerst üblich. Dieses fand meist in einem speziellen Übungsraum (Kōrykeion) statt und diente sowohl dem Erlernen der verschiedenen Techniken, als auch der Abhärtung des Körpers und der Verbesserung der Gesundheit.
Ein wesentlicher Teil des Trainings bestand aus dem Skiamachia (Schattenboxen), das auch besonders als Gesundheitsübung empfohlen wurde. Diese Übung diente vornehmlich dem Erlernen und Verbessern bestimmter Schlag- und Trittkombinationen. Darüber hinaus trainierten die Pankrationisten auch ausgiebig am Kōrykos, einem mit Feigen, Körnern oder Sand gefüllten, hängenden Ledersack. Dieser war größer als der von den Boxern verwendete Sandsack und diente somit auch besonders dem Training der Standfestigkeit. Für das Tritttraining wurde ein mit Wein gefüllter großer Schlauch verwendet. Weiterhin sind auch schon Formen der Abhärtung durch regelmäßiges Schlagen auf spezielle Holzpfähle überliefert.
Ganz zweifellos gibt es viele Parallelen zwischen dem griechischem Pankration und der asiatischen Kampfkunst. Durch die Einführung der Schusswaffen starben in Europa die Kampfkünste als Kriegsmittel aus.
