Das Karate, welches heutzutage praktiziert wird, unterscheidet sich von dem Karate, das vor einigen Jahren geübt wurde. Viele Karateka sind sich nicht bewusst, dass sie ein auf den sportlichen Wettkampf getrimmtes Karate betreiben, obwohl die Mehrheit nicht am Wettkampfgeschehen teilnimmt. Will man den Weg des Budo/der Kampfkunst sein Leben lang und vor dem Hintergrund einer Hilfe in Notsituationen betreiben, dann sollte das Training entsprechend ausgerichtet sein.
Die Grundlagen des Karate
Karate (dt. “leere Hand“) ist eine der wohl bekanntesten und meistbetriebenen Kampfsportarten der Welt. Im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene Stilrichtungen, die unter den 4 Hauptströmen Gōjū-Ryū, Shitō-Ryū, Wadō-Ryū und Shōtōkan zusammengefasst werden können. Shotokan Karate ist das am weitesten verbreitete System. Als Begründer dieser Karate-Schule gilt der von der japanischen Insel Okinawa stammende Gichin Funakoshi. Charakteristisch für diese Form von Karate ist ein tiefer Stand, der besonders dynamische und kraftvolle Bewegungen möglich macht.
Trainingseinheit im Karate
Eine Trainingseinheit besteht aus diesen 4 Elementen:
- Rei: Die Begrüßung
Als Ausdruck von Höflichkeit und Respekt beginnt ein typisches Training mit dem Begrüßungsritual, bei dem man sich verbeugt.
- Aufwärmen
Nach dem Ritual beginnt die Aufwärmphase. Hier treffen wir auf klassische Elemente wie Hampelmann und funktionelle Dehnungs- und Kräftigungsübungen. Zum Aufwärmprogramm eines ausgewogenen Karatetrainings gehören außerdem Koordinationsübungen.
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- Übungen
Shotokan Karate ist ein waffenloser Sport, der sich vor allem durch geradlinige Tritt-, Stoß-, Schlag- und Blocktechniken auszeichnet. Ihre Arme und Beine werden zu Ihren einzigen Waffen. Sie trainieren vor allem Ihre Schnellkraft, denn Sie versuchen praktisch aus dem Stillstand Hände und Füße mit einer hohen Geschwindigkeit zu schlagen. Das erfordert ein hohes Fitnesslevel und bringt Sie richtig ins Schwitzen.
- Partnertraining
Nachdem Sie die ersten Übungen allein absolviert haben, geht es ans Partnertraining, wo Sie das Gelernte im Kampf anwenden. Dabei werden Sie von einem Trainer angeleitet, sodass Sie die Techniken richtig ausführen. Viele denken, Karate sei eine Sportart, bei der man nur mit Armen und Beinen agiert, aber tatsächlich geht es dabei um eine Ganzkörperbewegung, die aus der Mitte gesteuert wird.
Die Philosophie des Karate
Karate ist mehr als nur eine Sportart, es ist eine Lebensschule. Karate ist sowohl eine Kampfkunst als auch ein Kampfsport. Es vereint die klassischen, traditionellen Elemente der Kampfkunst mit der Philosophie des Zen-Buddhismus. Als Kampfsport hat Karate natürlich eine wettbewerbsorientierte Seite. Anders als wir das aus vielen Martial Arts Filmen kennen, geht es beim Karate aber nicht um das Durchschlagen von Brettern, sondern viel mehr um das Dō, also den Lebensweg oder auch die Lebenseinstellung des Schülers.
Die 20 Regeln des Karate
Der Begründer des Shotokan-Karate, Funakoshi Gichin, hat basierend auf seiner Lebenserfahrung 20 Regeln aufgestellt, die alle Karate-Schüler auf Ihrem Weg (Dō) berücksichtigen sollen und die ihnen auch außerhalb des Sports den Weg weisen:
- Karate beginnt und endet mit Respekt.
- Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.
- Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.
- Erkenne dich selbst zuerst, dann den anderen.
- Intuition ist wichtiger als Technik.
- Lerne deinen Geist zu kontrollieren und befreie ihn dann.
- Unheil geschieht durch Nachlässigkeit.
- Karate ist nicht nur im Dojo.
- Die Ausbildung im Karate geht ein Leben lang.
- Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, das ist der Zauber der Kunst.
- Wahres Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht beständig erwärmst.
- Denke nicht ans Gewinnen, denke darüber nach wie du nicht verlierst.
- Wandle dich abhängig vom Gegner.
- Der Kampf hängt von der Handhabung des Treffens und des Nicht-Treffens ab.
- Stelle dir eine Hand und deinen Fuß als Schwert vor.
- Wenn man das Tor zur Jugend verlässt, hat man viele Gegner.
- Das Einnehmen einer Haltung gibt es beim Anfänger, später gibt es den natürlichen Zustand.
- Übe die Kata (imaginärer Kampf) korrekt, im echten Kampf ist das eine andere Sache.
- Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell - alles in Verbindung mit der richtigen Atmung.
- Denke immer nach und versuche dich ständig an Neuem.
Kata, Kihon und Kumite
Die Lehrgrundlage der Kampfkunst basiert stets auf praktischer Weitergabe und viel Übung, dem „Lernen durch sehen-erkennen-tun“. Kata - das praktische Konzept der Weitergabe führte zum universellen Medium der Kata als Basis für Gymnastik, Grundschule, Partnerübungen und Kampfübungen. Die Bezeichnung „Bücher der Gesten“ von Roland Habersetzer halte ich für sehr passend. Es gibt zwei japanische Kanji für das Wort Kata. Die verbreitete Variante setzt sich aus den Worten „Wasser“ und „Gestalt“ zusammen, während die ältere Variante aus den Zeichen für „Schmerz, Qual, Bestrafung “ und „Boden“ zusammen gesetzt ist.
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Kata-kumite nennt man die in den Kampf übersetzte Selbstverteidigungsmethode der Karate-Kata. Auf der ersten Stufe dieser Übungen gibt es in jeder Kata-Anwendung eine Grundform, in der die kämpferischen Prinzipien der Kata noch verschlüsselt sind, die aber notwendig ist, um kihonmäßige Basisprinzipien (starke Abwehrtechniken, gute Stellungen, starkes Kime, richtige Distanz usw.) zu erarbeiten. Um dieses grundlegende Kata-kumite besser verstehen zu können, kann es zu verschiedenen Kumite-Übungsformen aufgesplittet werden (kihon sanbon-kumite, kihon ippon-kumite, jiy- ippon-kumite usw.). Man übt darin die Beispiele aus den Kata als Abwehr gegen Angriffe, als Befreiungstechniken gegen Halten und als Würfe. Mit dem weiteren Fortschritt darin werden neue Möglichkeiten sichtbar.
Das Gürtelsystem im Karate
Die Einstufung des Könnens erfolgt im Karate über ein Gürtelsystem. Das System unterscheidet zwischen Schülergraden, den sogenannten „Kyū“, und Meistergraden, den „Dan“. In dem in Deutschland meistverwendeten System gibt es 9 Kyū- und 10 Dan-Grade. Um den nächsthöheren Gürtel zu erlangen, muss eine Prüfung abgelegt werden.
| Gürtelfarbe | Stufe | Beschreibung |
|---|---|---|
| Weiß bis Orange | Grundstufe (9. bis 7. Kyū) | Die Gürtel bieten vor allem für jüngere Anfänger eine Motivation, weiterzumachen und besser zu werden. |
| Grün, Blau oder Violett | Mittelstufe (6. bis 4. Kyū) | Um von der Grundstufe zur Mittelstufe aufzusteigen, können Sie ungefähr 1-2 jähriges Training einplanen. |
| Braun | Fortgeschritten (3. bis 1. Kyū) | Den braunen Gürtel erlangen Sie nach ungefähr 3-5 jährigem Training. |
| Schwarz | Dan Grad | Das Erlangen des berüchtigten "schwarzen Gürtels" ist nach etwa 5-7 Jahren intensiven und regelmäßigen Trainings möglich. |
Wie man den richtigen Verein findet
- Probestunde vereinbaren: Nehmen Sie die einzelnen “Dojos“, wie die Vereine oder Clubs auch genannt werden, genauer unter die Lupe! Meist kann man dort eine kostenlose Probestunde vereinbaren.
- Achten Sie auf den Frauenanteil: Wer in ein Dojo kommt sollte sich als Frau vor allem wohl und nicht in der Unterzahl fühlen. Beobachten Sie wie die Trainer mit den Schülerinnen umgehen und welches Konzept des Kampfsports sie vermitteln.
- Sprechen Sie mit anderen Karateka: Haben Sie Freunde die bereits Karate machen oder haben bei der Probestunde jemanden kennengelernt? Dann stellen Sie dieser Person alle ihre Fragen. Das Zugehörigkeitsgefühl ist beim Karatesport extrem wichtig.
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