Das Angebot an Kampfsportarten ist groß. Von Aikido und Kickboxen bis Taekwondo ist es gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Viele, die heute Kampfsport ausüben, möchten ihre körperliche Fitness und ihr Selbstbewusstsein stärken.
Östliche und westliche Kampfsportarten
Mit Kampfkunst (engl.: martial art; martial heißt „kriegerisch“ und art „Kunst“) sind in der Regel Selbstverteidigungstechniken aus östlichen Kulturen gemeint, etwa chinesische Kampfkünste wie Kung-Fu, japanische wie Aikido oder das koreanische Taekwondo. Kampfsportarten mit einer langen Tradition in Europa sind Ringen, Boxen und Fechten. Zum Fechten gehört eine Waffe, weshalb diese Kampfsportart eine Sonderrolle einnimmt. Es gibt auch asiatische Kampfsportarten, die mit Waffen betrieben werden, etwa das japanische Kendo, eine Art Schwertkampf. Olympische Kampfsportarten sind Boxen, Fechten, Judo, Karate, Ringen und Taekwondo.
Technische Unterschiede bei Kampfsportarten
Jeder Kampfsport hat eigene Techniken und Schwerpunkte. Beim Ringen besteht ein enger Körperkontakt und beim Boxen werden Schläge primär aus der Distanz abgegeben. Bei einigen Kampfsportarten sind Tritte verboten, bei anderen geben sie gerade den Ausschlag. Manche Kampfsportarten lassen sich den Stilen „weich“ und „hart“ zuordnen. Weich bedeutet, die Energie von gegnerischen Angriffen aufzufangen und umzuleiten. Eigene Attacken werden nicht in voller Härte ausgeführt (zum Beispiel beim Aikido). Harte Kampfsportarten zielen ursprünglich darauf ab, das Gegenüber zu verletzen. Zu dieser Art Kampfsport gehört zum Beispiel Taekwondo.
Allgemeine Eignung von Kampfsportarten
In Deutschland etablierte Kampfsportarten wie Judo oder Karate werden in vielen Sportvereinen angeboten. Bei Disziplinen wie Krav Maga, die erst langsam an Bekanntheit gewinnen, gibt es meist nur in größeren Städten entsprechende Trainingsangebote. Generell ist jede Kampfsportart für alle Altersgruppen geeignet: Kinder lernen ihren Körper und körperliche Koordination besser kennen. Älteren Menschen kann Kampfsport helfen, körperliche Fähigkeiten aufrechtzuerhalten. Viele Sportvereine bieten altersgerechte Trainigsmöglichkeiten an, die die individuellen Voraussetzungen der Teilnehmenden berücksichtigen. Allerdings beanspruchen bestimmte Kampfsporttechniken den Bewegungsapparat stark. Bei Rücken- und Gelenkproblemen ist Kampfsport daher nur bedingt zu empfehlen. Außerdem sollten schwangere Frauen bedenken, dass Kampfsport mit einer Sturzgefahr verbunden ist und vor allem bei „harten“ Disziplinen Tritte und Schläge die Kindesgesundheit gefährden. Auch für Menschen mit gesundheitlichen oder körperlichen Einschränkungen ist in jedem Fall eine ärztliche Beratung und Untersuchung vor dem ersten Training sinnvoll.
Um Ihnen eine Entscheidungshilfe zu geben, welcher Kampfsport für Sie in Frage kommt, folgen hier elf populäre Kampfsportarten im Kurzportrait. Diese Kampfsportarten-Liste lässt Sportarten wie Fechten oder Kendo aus, für die eine (kostspielige) Spezialausrüstung erforderlich ist.
Lesen Sie auch: Ratgeber zur Wahl der passenden Kampfsportart
Kampfsportarten im Überblick
Aikido
Aikido ist eine japanische Kampfkunst aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Kampfsportart Aikido ist defensiv: Hauptziel ist, die Bewegunsgenergie, die in einem Angriff steckt, abzuleiten und es dem Gegner oder der Gegnerin zu erschweren, den Angriff fortzuführen. Dazu gibt es spezielle Wurf- und Haltetechniken. Auf einen Gegenangriff wird verzichtet. Die Grundidee beim Aikido ist nicht, die angreifende Person zu bezwingen, sondern sie zur Aufgabe zu bewegen. Beim Aikido gibt es weder Alters- oder Gewichtsklassen noch eine Aufteilung nach Geschlechtern. Alle trainieren miteinander.
Boxen
Boxen gilt neben Ringen als die älteste Kampfsportart der Welt: Schon auf über 5000 Jahre alten Höhlenzeichnungen sind Boxer und Ringer abgebildet. Beim modernen Boxen versuchen die Sportler und Sportlerinnen Schläge auf den gegnerischen Kopf oder den Oberkörper zu landen, um Punkte zu erzielen oder einen Kampf durch K. O. zu gewinnen. Schläge auf den Kopf oder andere empfindliche Körperteile sind auch mit angemessener Schutzbekleidung gefährlich. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland das Leichtkontaktboxen. Hier sind harte Schläge verboten, um Verletzungen zu vermeiden. Es gibt keinen K. O.: Über Sieg und Niederlage wird ausschließlich nach Punkten entschieden. Wer boxt, trainiert nicht nur seine Kurzzeitausdauer, sondern auch Arme und Reaktionsfähigkeit, geht an seine Maximalkraft und muss mit hoher Körperspannung arbeiten, um seine Deckung zu halten. Darüber hinaus werden Koordination und Selbstbewusstsein gefördert.
In Studios laufen die Kurse meistens unter „Fitness-Boxen“. Hierbei werden die klassischen Box-Moves mit Aerobic- und Workout-Elementen kombiniert. Boxen dient als guter Einstiegssport, um Grundtechniken zu erlernen und sich in den Kampfsportbereich vorzutasten. Auch weniger Fitte können mit Boxen anfangen.
Capoeira
Die afro-brasilianische Kampfkunst Capoeira vereint Kampf, Musik und Tanz. Capoeira entstand im 17. Jahrhundert unter den Sklaven auf den Plantagen Brasiliens als eine Art Kampftanz. Im 20. Jahrhundert kamen Einflüsse anderer Kampfsportarten hinzu. Bei Capoeira kämpft man nicht gegen sein Gegenüber, sondern spielt mit ihm. Zwei Personen inszenieren in fließenden Bewegungen einen Kampf. Es gibt eine Vielzahl von Bewegungen und Bewegungskombinationen, darunter Kopfstöße, Würfe und Fußfeger, wobei Angriffe im letzten Moment gestoppt werden oder der Gegner oder die Gegnerin ausweicht. Den Bewegungsabläufen liegen unterschiedliche erlernbare Regeln zugrunde. Es gibt Capoeira-Meisterschaften, aber nicht alle betrachten Capoeira als Wettkampfsport, da der Wettkampfgedanke nicht zum kulturellen Hintergrund der Capoeira passe.
Jiu Jitsu
Die Kampfsportart Jiu Jitsu geht auf die japanischen Samurai zurück. Die Grundidee ist „Siegen durch Nachgeben“. Deshalb ist die erste Verteidigungsmaßnahme beim Jiu Jitsu schnelles und geschicktes Ausweichen, um dann die Kraft eines Angriffs gegen die angreifende Person selbst zu verwenden. Dazu stehen verschiedene Wurf-, Griff-, Hebel- und Schlagtechniken zur Verfügung. Je nach Art des gegnerischen Angriffs gehören zur Selbstverteidigung beim Jiu Jitsu auch Tritte und Würgen. Es gibt verschiedene Schulen des Jiu Jitsu, in denen jeweils unterschiedliche Techniken bevorzugt werden.
Lesen Sie auch: Traditionelle japanische Kampfkünste
Jiu-Jitsu wird nicht umsonst als „sanfte Kunst“ bezeichnet. Anstatt Kraft gegen Kraft zu wenden, soll möglichst viel von der Kraft des Angreifers gegen ihn selbst gewendet werden. Das Erlangen von Schnelligkeit und Stabilität stehen beim Training im Vordergrund, verschiedene Wurftechniken fördern eine stabile Körperhaltung. Erlaubt sind Fußtritte, Faustschläge, Würfe und Hebeltechniken.
Im Vordergrund stehen Schnelligkeit und Explosivität. Vor allem das Wurftraining erfordert eine stabile Körperhaltung, eine schnelle Reaktionsfähigkeit und ein gutes Gleichgewicht. Der Selbstverteidigungscharakter ist besonders hoch. Workout-Elemente sind Sandsack-, Pratzen- und Seilsprungtraining sowie Schattenboxen.
Der Fokus liegt darauf, das Gegenüber durch Nachgiebigkeit zu schwächen, indem seine Kraft gegen ihn selbst gewendet wird. Kraft und Stärke stehen nicht im Vordergrund, daher ist Jiu-Jitsu auch für Schwächere und Frauen geeignet.
Judo
Der Jiu-Jitsu-Lehrer Jigoro Kano entwickelte Judo (deutsch: der „sanfte Weg“) Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Jiu Jitsu. Kano setzte den Schwerpunkt beim Judo auf Griffe, Hebel und Würfe - gefährliche Kampftechniken wie Schläge und Tritte strich er zugunsten von Fallübungen aus dem Training. Bei einem Judo-Wettkampf ist das Ziel, den Gegner oder die Gegnerin zu Boden zu bringen und dort für eine bestimmte Zeit festzuhalten. Außerdem gibt es Punkte für eingesetzte Wurf- und Grifftechniken.
Judo stammt aus Japan und bedeutet wörtlich „Siegen durch Nachgeben“ beziehungsweise die Kunst, eine maximale Wirkung durch ein Minimum an Aufwand zu erzielen. Auf Matten werden das Werfen, das Fallen und der Bodenkampf trainiert - gut zum Austoben auch für Kleinere, die gerne Ringen. Judo ist nicht nur Kampftechnik, sondern auch ein Weg zur Persönlichkeitsentwicklung. Die Schüler üben das gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt sowie den bestmöglichen Einsatz von Körper und Geist.
Lesen Sie auch: Gürtelsystem im Karate
Karate
Um 500 nach Christus erschufen chinesische Mönche aus gymnastischen Übungen eine waffenlose Kampfkunst zur Selbstverteidigung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich diese Kampftradition in Japan unter dem Namen Karate als Sport mit eigenem Regelwerk. Beim Karate erlernt man Stoß-, Schlag- und Tritttechniken. Schläge und Tritte müssen aber im Training und im Wettkampf abgestoppt werden, bevor sie den Gegner oder die Gegnerin berühren. Das erfordert eine gute Körperbeherrschung, die bei dieser Kampfsportart systematisch trainiert wird.
Bei der waffenlosen Kampfsportart mit Wurzeln im Zen-Buddhismus lernt man vor allem Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken sowie Fußfegetechniken. Karate trainiert Kondition, Beweglichkeit, Schnelligkeit und eine generelle Belastbarkeit. Jedes Karatetraining beginnt und endet traditionell mit einer kurzen Meditation, die den friedfertigen Zweck der Übungen zum Ausdruck bringt. Dies lässt auf eine Tradition als Weglehre schließen, auch wenn das heutige Training meist mehr nach modernen sportlichen Gesichtspunkten ausgerichtet ist.
Kickboxen
Kickboxen nahm als „Sport-Karate“ seinen Anfang in den USA der 1970er Jahre. Die Kampfsportart verbindet Schlagtechniken des klassischen Boxens mit Tritttechniken aus Karate und Taekwondo. Es gibt verschiedene Wettkampfarten des Kickboxens. Die Hauptvarianten sind Leicht-, Semi- und Vollkontakt. Die ersten beiden werden wie Karate auf der Matte ausgeübt. Es geht um die Anzahl der gelandeten Treffer und darum, wie sauber die Kämpfenden die Schlag- und Kicktechniken ausführen. Beim Vollkontakt-Kickboxen im Boxring ist ein Sieg auch über K. O. möglich. Wer das Boxtraining noch mit Fußtechniken kombinieren will, probiert es mal mit dem anspruchsvolleren Kickboxen.
Kickboxen kombiniert verschiedene Kampfsportarten. Die Fußtechniken entstammen dabei dem Karate, die Fausttechniken dem Boxen. oder Schlagpolstern statt.
Gelenkigkeit und Körperbeherrschung werden ebenso trainiert wie Körperspannung, Reaktionsfähigkeit, Beweglichkeit, Kraft und Schnelligkeit. Zusätzlich zu den klassischen Box-Moves (Gerade, Haken, Aufwärtshaken) kommt der Einsatz der Beintechniken hinzu (Kniestöße, Kicks mit Schienbein), wodurch der Sport anstrengender und vielseitiger ist als das reine Boxen - immerhin befindet sich ein Drittel unserer Skelettmuskulatur in Beinen und Po und muss beim Training mit Energie und Sauerstoff versorgt werden. Neben dem Fitnesswert besitzt das Kickboxen einen hohen Selbstverteidigungswert.
Sehr intensives Training, das Kraft und Ausdauer fordert, weshalb man einen gewissen Fitnessgrad haben sollte. Im Fokus steht die Verbesserung der Kurzzeitausdauer. Egal ob am Sandsack oder beim Zirkeltraining: Der Puls schlägt während des Trainings (dauert meistens 60 bis 90 Minuten) mindestens mit 120 bis 140 Schlägen pro Minute, denn sämtliche Übungen werden im intensiven Intervalltraining durchgeführt. Durch den hohen anaeroben Stoffwechsel wird das Boxtraining so zum ultimativen Fettkiller.
Krav Maga
Krav Maga ist hebräisch und bedeutet auf Deutsch „Kontaktkampf“. Der Selbstverteidigungsstil wurde für israelische Sicherheitskräfte entwickelt. Nach eigenem Selbstverständnis ist Krav Maga kein Sport, sondern ein Selbstverteidigungssystem. Deshalb gibt es auch keine sportlichen Wettkämpfe. Krav Maga beruht vor allem auf den intuitiven menschlichen Reaktionsmustern und Reflexen. Es geht weniger um Spezialtechniken wie in der asiatischen Kampfkunst, sondern um einfache und dennoch effektive Methoden, um sich gegen Angriffe zu wehren.
Fokussiert auf Selbstverteidigung ist Krav Maga oder ein Selbstverteidigungskurs. Als effektivste Kampfsportart zur Selbstverteidigung können wir Euch guten Gewissens das Krav Maga empfehlen. Der Begründer legte großen Wert darauf, dass es effektiv ist, schnell erlernt werden kann und dabei keine allzu hohen körperlichen Anforderungen benötigt. Ihr erlernt hier gezielt jene Techniken, die Euch im Notfall helfen können.
Mixed Martial Arts (MMA)
Durch die Kombination aus Boxen, Kicken, Ringen und Bodenkampf bietet MA von den Kampfkünsten das umfassendste und vielseitigste Training. Es beinhaltet auch Übungen aus dem Functional Training, bei dem mit Medizinbällen oder Boxsack als Gewicht gearbeitet wird. Neben Fußtritten, Faustschlägen und Kniestößen werden auch Ringertechniken trainiert. Die wenigsten Martial-Arts-Trainierenden haben das Ziel zu kämpfen, sondern lieben das intensive Training.
Das Training ist extrem anstrengend und nichts für Anfänger. Wer aber richtig fit werden will, nicht zimperlich ist und beim Sport Stress abbauen möchte, wird am Ende mit einem Topkörper belohnt.
Ringen
Seit 708 vor Christus ist Ringen eine Disziplin der antiken olympischen Spiele und ist bis heute olympisch. Schon in der Antike waren beim Ringen Schläge und Tritte verboten. Heute geht es bei der Kampfsportart darum, den Gegner oder die Gegnerin mit beiden Schultern auf die Matte zu bringen oder Punkte zu sammeln. Es gibt zwei Ringstile: griechisch-römisch und Freistil. Beim griechisch-römischen Ringen dürfen nur die Arme und der Oberkörper eingesetzt und festgehalten werden. Beim Freistil setzen die Sportler und Sportlerinnen auch ihre Beine ein und dürfen ihr Gegenüber auch unterhalb der Taille festhalten. Punkte gibt es für Techniken wie Würfe, Schleuder- und Hebelgriffe.
Taekwondo
Taekwondo ist eine koreanische Kampfsportart und bedeutet auf Deutsch „Fuß, Faust, Disziplin“. Taekwondo stammt aus der Zeit um 50 vor Christus und ist seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts der populärste Kampfsport in Korea. Es ähnelt vordergründig chinesischen oder japanischen Selbstverteidigungsstilen, ist aber eine selbständige Kampfsportart, die seit dem Jahr 2000 olympische Disziplin ist. Besondere Merkmale von Taekwondo sind die ausgeprägten Fußtechniken, Tritte, Drehungen und Sprünge. Der Gebrauch der Hände ist erlaubt, sie werden aber nicht so oft eingesetzt wie etwa beim Karate.
Schnell, dynamisch, kraftvoll und damit DER ultimative Booster für die Ausdauer. Die Kombination aus Hand- und Fußtechniken („Tae“ steht für die Fußtechniken, „Kwon“ für die Handtechniken und „Do“ für den Weg) schult die Koordination.
Schnelle Fußtritte stehen beim Training im Vordergrund, gekickt wird hauptsächlich mit den Beinen. Die Beinmuskulatur wird stark durchblutet und die Beweglichkeit und Flexibilität der Hüfte und der Beine (die meisten Fußtritte zielen im klassischen Kampf auf den Kopf ab) extrem geschult. Durch die Vielzahl der Beintechniken, die mit Drehungen einhergehen, liegt der Fokus auf Kraftausdauer und Orientierungsfähigkeit. Das Training erfolgt an Sandsäcken oder Pratzen (Schlagpolstern).
Wer den Kopf frei bekommen und sich richtig auspowern will, ist hier genau richtig. Zwar dauert es eine Zeit lang, die Techniken zu erlernen - das Training selbst ist aber ein effektives Workout, das auch weniger erfahrene Sportler fit macht.
Tai-Chi
Tai-Chi ist eine meditative, sanfte Kampfkunst (auch „chinesisches Schattenboxen“ genannt), die ein hohes Maß an Konzentration erfordert.
Während Tai-Chi in seinen Anfangszeiten eine Form des Kung-Fu war und als Nahkampfsystem zur Selbstverteidigung eingesetzt wurde, entwickelte es sich im Lauf der Zeit zu einer inneren Form des Kämpfens weiter. Tiefe Standpositionen stärken die statische Beinkraft und die Ganzkörperspannung und fördern die Balance. Die Bewegungen, eine Abfolge traditioneller chinesischer Körperübungen, sind langsam und fließend, die Atmung ist entspannt. Zwar zielen sie auf die körperliche Leistungsfähigkeit und ein gesundes Herz-Kreislauf-System ab, der Fokus ist aber nach innen gerichtet - um das Chi, die Lebensenergie, zu fördern. Dadurch entsteht auch eine tiefe psychische Entspannung.
Kann auch von Anfängern betrieben werden, da wenig Kraft und Vorkenntnisse nötig sind. Tai-Chi dient in erster Linie dem Stressabbau, Erlangen von innerer Ruhe und mentaler Stärke und schult die Körperbeherrschung.
Wing Chun (Wing Chun Kung-Fu, Wingtsun)
Wing Chun ist ein spezieller Kung-Fu-Stil. Kung-Fu ist der Oberbegriff für unterschiedliche chinesische Kampfkünste. Ähnlich wie bei Aikido kommt es auch beim Wing Chun darauf an, die Kraft des gegnerischen Angriffs durch Schritttechniken und geschickte Wendungen abzuleiten.
Kampfsport und Gesundheit
Menschen verfolgen mit Kampfsport in der Regel zwei Ziele: Sie möchten ihre Fähigkeit zur Selbstverteidigung steigern und ihre körperliche Fitness verbessern. Tatsächlich trainieren die meisten Kampfsportarten körperliche Fähigkeiten wie Beweglichkeit, Gleichgewicht, Koordination und Kondition. Studien haben positive Effekte von regelmäßigem Kampfsporttraining auf die körperliche Fitness nachgewiesen. Außerdem scheinen die Bewegungsabläufe bei asiatischen Kampfkünsten die Knochengesundheit besonders gut zu fördern. Studien haben zum Beispiel eine verbesserte Knochendichte bei jungen Menschen nachgewiesen, die Judo, Karate und Taekwondo ausüben. Als Gesundheitssport für Menschen über 60 Jahre sind vor allem „weiche“ Kampfsportarten gut geeignet.
Kampfsport kann sich zudem günstig auf die psychische Gesundheit auswirken. Die Rituale für Achtsamkeit, die Teil traditioneller asiatischer Kampfkünste sind, fördern die Selbstachtung und die Wertschätzung des Gegenübers. Eine neuere Studie liefert Hinweise darauf, dass Menschen, die japanische Kampfkünste über einen längeren Zeitraum regelmäßig ausüben, zufriedener und weniger anfällig für psychische Erkrankungen sind als der Durchschnitt der Bevölkerung. Außerdem lassen sich mit Kampfsportarten Aggressionen zielgerichtet abbauen. Und schließlich verleiht Kampfsport Sicherheit. Das Wissen, sich bei Gefahr angemessen verteidigen zu können fördert die Selbstsicherheit und das Selbstbewusstsein.
Zusätzliche Überlegungen bei der Wahl der Kampfsportart
Bei der Wahl der richtigen Kampfsportart sollten Sie folgende Aspekte berücksichtigen:
- Zielstellung: Möchten Sie sich verteidigen können, Ihre Fitness steigern oder Ihren Geist schulen?
- Härte: Sind Sie bereit für eine harte Kampfsportart wie Kickboxen oder bevorzugen Sie sanftere Abläufe wie beim Tai Chi?
- Probetraining: Besuchen Sie Probetrainings, um das Umfeld, die Trainingspartner und den Trainer kennenzulernen.
Auch die Komplexität des Erlernens und die Effektivität im Ernstfall sind wichtige Faktoren. Einige Kampfsportarten, wie Krav Maga, sind schnell zu erlernen und auf Selbstverteidigung ausgelegt, während andere, wie traditionelle Kung-Fu-Stile, jahrelange Übung erfordern.
Häufige Fragen zum Kampfsport
Hier finden Sie Antworten auf häufige Fragen rund um das Thema Kampfsport:
Kann man einen Kampfsport zuhause erlernen?
Nein, eher nicht. Sicherlich können Sie Ihre Fitness verbessern und Grundtechniken zur Abwehr und zum Angriff üben. Fehler in der Stellung und Lücken in der Abwehr werden Sie allerdings nicht bemerken. Zudem fehlt Ihnen ein ganz wichtiger Baustein: Die Partnerübungen und Übungskämpfe. Im Verein oder mit erfahrenen Übungspartner lernen Sie die richtigen Grundlagen, machen schneller Fortschritte und schärfen Ihr Auge für Bewegungen. Kurzum, zu Beginn sollten Sie auf alle Fälle in einen Verein gehen, Bewegungsabläufe können und sollten aber zuhause vertieft werden.
Wann ist man bereit für einen Wettkampf?
Es dauert mindestens Jahre bis man im Vollkontakt kämpfen kann, und nicht völlig untergeht. Je nach Kampfstil müssen Kampftechniken, Hebel, Faustkampf, Fußtechniken, Bodenkampf oder der Kampf mit Waffen lange geübt und perfekt beherrscht werden, bevor man für einen Wettkampf bereit ist. Man muss zwar keinen schwarzen Gürtel haben, bis man an einem Wettkampf teilnehmen kann, allerdings sollte man schon fortgeschrittener sein.
Wie oft sollte man Kampfsport trainieren?
Das ist ganz von Ihrem Ziel abhängig: Wenn Sie an einem Wettkampf teilnehmen und sich mit den besten messen wollen, dann sollten Sie täglich trainieren oder mindestens 5-mal die Woche. Und das über mehrere Jahre. Wenn Sie sich fit halten und im Ernstfall verteidigen möchten, dann ist es ausreichend, wenn Sie zweimal die Woche trainieren. Und noch einen weiteren Sport (Joggen, Schwimmen, Fitnessstudio…) ausüben. Wenn Ihr Ziel ist, besser auf einen Ernstfall vorbereitet zu sein, dann sollten Sie ein paar Intensivkurse besuchen.
Was kostet eine Mitgliedschaft in einem Kampfsport-Verein?
Die Mitgliedschaft im Verein für Kampfkunst variiert sehr nach Region und beläuft sich auf 30€ bis 100€ im Monat. Das hängt ganz davon ab, wie viele Mitglieder es gibt, wie teuer die Miete ist, welche Ausrüstung vorhanden ist. Ein reiner Selbstverteidigungskurs, der einen Nachmittag lang geht, kostet meist um die 100€.
Fazit
Egal, für welche Kampfsportart Sie sich entscheiden, die richtige Kleidung ist ein unverzichtbarer Bestandteil Ihres Trainings. Ob MMA, Kickboxen, Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ), Muay Thai, Boxen oder Krav Maga - jede Disziplin hat ihre eigenen Merkmale, und es ist wichtig, diejenige zu wählen, die zu den eigenen Zielen und Interessen passt. Wichtig ist, dass Sie eine Kampfsportart wählen, die Ihnen Spaß macht und Ihnen hilft, Ihre Ziele zu erreichen. Und nur mal so: Jeder dieser Kampfsportarten wird Sie selbstbewusster und stärker machen!!
