Kaufstart: 18. November 2016 - Jeder, der auch nur ansatzweise auf Martial-Arts-Filme und/oder Jean Claude Van Damme steht, wird diesen Streifen kennen: „Der Kickboxer“.
Erzählt wird in „Kickboxer“ die simple, aber höchst effektive Geschichte der Gebrüder Sloan. Eric, Heißsporn und Karate-Weltmeister, wird zu einem Titelkampf nach Thailand eingeladen. Sein Gegner: Tong Po, ein Meister im Muay Thai, der Eric in den Rollstuhl prügelt. Erics Bruder Kurt ist nicht bereit, diese Schmach hinzunehmen. Die Folge sind absolut ikonische Szenen, die aus heutiger Sicht vor allem trashig rüberkommen.
So sehr, dass man tatsächlich auf die Idee kam, diesen Film für ein neues Publikum neu aufzulegen. So wird alles ein wenig zwingender umgesetzt. Beispielsweise segnet Eric in „Kickboxer - Die Vergeltung“ bei dem Kampf gegen Tong Po vollends das Zeitliche. Was freilich Kurts Rachegelüste überproportional ansteigen lässt. Eine Underground-Fighting-Szene wird etabliert. Eine ermittelnde Polizistin wird eingeführt. Dazu kommen Parkour-Kämpfer, ein Fight auf den Rücken von Elefanten, viel mehr Thailand-Lokalkolorit und ordentlich Fanservice.
Handlung
Komplette Handlung und Informationen zu Kickboxer: Die Vergeltung. Handlung von Kickboxer: Die Vergeltung Nachdem der Karateprofi Eric Sloane (Darren Shahlavi) während einer China-Reise mit einem zwielichten Promoter brutal ermordet wird, macht sich Erics Bruder Kurt (Alain Moussi), ebenfall Karateprofi, auf die Suche nach seinem Mörder. Als er erfährt, dass sein Bruder in Thailand von dem brutalen Kickboxer Tong Po (Dave Bautista) ermordet wurde, holt er sich bei dem Lehrer Master Durand (Jean-Claude Van Damme) Hilfe.
Eric ist ein aufsteigender Kampfsportler, der gerade drauf und dran ist, zum nächsten Champion im Ring zu werden. Seine größte Schwäche war es allerdings schon immer, der Verlockung nach dem großen Geld verfallen zu sein. Denn als die hübsche Marcia plötzlich auftaucht und mit großen Scheinen wedelt, kann er es sich nicht nehmen lassen, die große Herausforderung anzunehmen. Dafür muss er lediglich nach Thailand reisen und es mit dem legendären und unbesiegbaren Muay Thai-Champion Tong Po aufnehmen - in einem tödlichen Kampf ohne Regeln. Obwohl sein Bruder ihn dringlichst davon abrät, macht sich Eric auf den Weg ins ferne ostasiatische Land und es passiert, was passieren muss: Er verliert nicht nur den Kampf, sondern bekommt von seinem überlegenen Gegner obendrein das Genick gebrochen. Sein Bruder hat seitdem nur noch eines im Sinn: Blutige Rache.
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Kurt Sloane (Alain Moussi) und sein Bruder David leben im kalifornischen Venice bei Los Angeles und sind erstklassige Karatesportler, was Letzterer nicht zuletzt durch die gewonnene Weltmeisterschaft unter Beweis stellt. Dadurch erregt er die Aufmerksamkeit eines zwielichtigen Promoters, der es auch schafft, den Sieger zu ködern und ihn zu einer Reise nach Hong Kong zu bewegen. Kurts Proteste bleiben ungehört und so verlässt David seine Heimat. Doch schon bald bittet dieser seinen in den USA zurückgebliebenen Bruder mit einem Brief, ihn in Thailand zu treffen. Als Kurt in Bangkok ankommt, muss er mitansehen, wie sein Bruder im Kampf getötet wird.
Von viel Geld und seiner verschlagenen Ex-Freundin Marcia (Gina Carano) hat sich Karate-Champion Eric Sloane (Darren Shahlavi) verleiten lassen, in Thailand gegen den Muay-Thai-Champion Tong Po (Dave Bautista) in den Käfig zu steigen, was er mit dem Leben bezahlte. Sein Bruder Kurt Sloane (Alain Moussi) kennt seitdem nur noch ein Ziel: Rache!
Kickboxer - Die Vergeltung ist zwar keine 1:1 Kopie des Originalfilms, glänzt aber durch unzählige Hommagen und Anspielungen, wodurch sich Fans des Films aus dem Jahr 1989 sofort heimisch fühlen dürften. Aber auch losgelöst vom Original funktioniert der Film unerwartet gut und bietet hervorragende Unterhaltung für alle Action- und Kampfsportfans, wobei die Geschichte selbstverständlich gänzlich bekannt ist und nur als Mittel zum Zweck für allerlei Prügeleien dient.
Besetzung und Charaktere
- Jean-Claude Van Damme: Übernimmt die Rolle des Trainers von Kurt und darf in dieser ein paar tolle Fights absolvieren.
- Alain Moussi: Kann einige Kicks von Van Damme toll nachahmen, ansonsten ist er aber deutlich der Tony-Jaa- und Scott-Adkins-Abteilung zuzurechnen.
- Dave Bautista: Darf seinen Tong Po herrlich souverän anlegen.
- Gina Carano: Sie darf nur ein intrigantes Miststück von einer Fight-Promoterin geben und ausschließlich dekorativ in der Gegend herumstehen.
- Sara Malakul Lane: Ergeht es nicht viel besser, aber zumindest hat ihre Rolle der Polizistin, in der sie wieder einmal ihren prachtvollen Vorbau präsentieren darf, Sinn für den Film.
Dass Jean-Claude van Damme zuletzt in die Rolle eines Muay Thai-Kämpfers schlüpfte, ist bereits einige Jahr her. Den meisten Fans ist dabei aber natürlich sofort klar, dass es sich bei Jean-Claude van Damme um einen mittlerweile 56-jährigen alten Mann handelt, der wohl nicht mehr lange bis zur Rentenzeit vor sich hat. Optisch zwar immer noch gut durchtrainiert, überlässt er den großen Showdown inzwischen wohl doch lieber jemand anderem.
Denn anders als noch im alten Original schlüpft Van Damme nun nicht mehr in die Rolle des Bruders Kurt, der letztlich im finalen Kampf den großen Champion besiegen soll, sondern mimt nur noch dessen Trainer, der der Kurt möglichst gut vorbereitet. Schauspielerisch kann er diese Figur zwar durchaus glaubwürdig darstellen, zumal er selbst immer noch einige Moves drauf zu haben scheint, aber die tatsächlich beeindruckende Actionchoreographie übernimmt er nun nicht mehr selbst.
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Highlight ist dahingehend natürlich das Mitwirken von Jean Claude Van Damme („Harte Ziele“), der die Rolle des Trainers von Kurt übernimmt und in dieser ein paar tolle Fights absolvieren darf. Doch auch als weiser Lehrer macht er viel Spaß. Bringt etwas Augenzwinkern in die abgefahrenen Trainingsmethoden, bei denen natürlich auch Palmen gekickt werden. Und Baseballschläger. Und es wird unter Wasser Fahrrad gefahren. So wirklich ernst kann man das nicht nehmen, aber das Training Kurts ist enorm kurzweilig montiert und macht richtig Spaß.
Beginnt also als „simpler“ Vollkontaktsport, zollt dann dem „Glashandschuh-Finish“ des Originals Respekt und geht in einen Schwertkampf über. Vor allem bei letzterem wirken sowohl Tong-Po-Darsteller Dave Bautista als auch Kurt-Darsteller Alain Moussi etwas überfordert, im restlichen Fight geben sie sich aber amtlich Saures. Hier darf vor allem Alain Moussi („Wolves“) einige coole Moves raushauen. Allgemein kann der zwar einige Kicks von Van Damme toll nachahmen, ansonsten ist er aber deutlich der Tony-Jaa- und Scott-Adkins-Abteilung zuzurechnen. Der Typ hat eine wahnsinnige Körperbeherrschung und eine enorm elegante Anmutung. Dazu kommt, dass er rein äußerlich einen ähnlichen Milchbubi abgibt wie Van Damme im Original. Allerdings kann er etwas besser spielen als Van Damme damals.
Bautista („Spectre“) darf derweil seinen Tong Po herrlich souverän anlegen. Wenn Kurt und Co. nach amtlichen Flugkicks an ihm abprallen wie an einer Mauer, ist das schon ein krasser Überlegenheitsbeweis. In Sachen Fitness macht dem WWE-Superstar sowieso keiner etwas vor und in den Muay-Thai-Choreografien macht er eine starke Figur. Einzig die Bedrohlichkeit Tong Pos aus dem Original kann er nicht so wirklich aufbauen.
In weiteren Rollen sind noch einige Kampfsportler mehr untergekommen. Darunter UFC-Fighter Georges St-Pierre („Killing Salazar“), T.J. Storm („The Martial Arts Kid“) und UFC-Fighter Cain Velasquez („Term Life“). Die Damenriege wird derweil von Gina Carano und sexy Sara Malakul Lane befeuert.
Moussi zeigt später in einzelnen Momenten, dass er vor allem in Sachen Muay Thai eine Menge drauf hat, doch das Drehbuch beharrt zu lange darauf, ihn als Greenhorn zu zeichnen und selbst gegen Handlanger und Stümper in massive Probleme laufen zu lassen. Fraglich in diesem Zusammenhang auch, weshalb man plötzlich so unvermittelt zum Finalkampf übergeht, anstatt Moussi zunächst noch etwas an schwächeren Herausforderern im Ring üben zu lassen.
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Dave Bautista hat als Endgegner zwar die gewünschte Masse und Aura der Unbesiegbarkeit und weiß im Ring mit purer Physis zu überzeugen, jedoch reicht er nicht an die fast schon mystische Bedrohlichkeit heran, die Michel Qissi im Original zu erzeugen vermochte.
Van Damme hingegen ist immer noch in hervorragender Form und weiß den Film mit einigen coolen Auftritten zu veredeln. Dem Klischee des alten chinesischen Meisters widersprechend wird er eingeführt und verhält sich während des gesamten Films entsprechend alternativ, meist gekleidet mit Hut, Sonnenbrille und eventuell einem locker geknöpften oder geöffneten Hemd und stets bereit zum Kampf.
Schwächen des Films
Im Vergleich zum Kampf gegen Tong Po erscheinen die Trainingsszenen nämlich geradezu weich. Und auch sonst handelt es sich bei dem Reboot um eine leider vergleichsweise schwache Umsetzung der Story. So fehlt etwa die im Original noch auftretende Dramatik komplett, die dadurch entstand, dass Hauptfigur Eric einst querschnittsgelähmt aus dem Kampf ging. Die dazugehörigen Emotionen können somit also kaum auftreten, wenn Darren Shalavi in der Rolle des Eric bereits zu Beginn des Films umgebracht wird. Damit ist auch die Rachestory schnell nur noch eine von vielen, bei der es an Höhepunkten ziemlich mangelt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es dem Zuschauer doch recht schwer fallen dürfte, sich in die Figur des Kurt einzufühlen. Im Gegensatz zu Van Damme gelingt es diesem nämlich schauspielerisch auf keinste Weise, sein Motiv und seine emotionale Situation rüberzubringen und den Zuschauer damit zu fesseln. Dass auch das Drehbuch derweil nicht besonders besser zu sein scheint, verhilft dem Film allerdings auch nicht dazu, etwas mehr Spannung aufzubauen.
Man könnte auch sagen, dass „Kickboxer - Die Vergeltung“ sich in insgesamt drei, jeweils 30 Minuten lange Abschnitte einteilen lässt. Da wäre zunächst der Tod des Bruders Eric, der in einer etwas temposchwachen und zu langsamen Einführung das nötige Motiv für die Hauptfigur herstellen soll. Anschließend kümmert sich Van Damme um das Training von Kurt, wodurch nun zumindest die Spannung ein klein wenig steigt, bis zuletzt ein 30-minütiger Kampf als Showdown auf das Publikum wartet. Mit dieser Einteilung begeht man allerdings den Fehler, die Handlung noch deutlich dünner zu gestalten, als dies im Original der Fall war. Denn bis auf diese drei vollkommen vorhersehbaren Abschnitte gibt die Story absolut nichts her. Keine Wendung, keine interessanten Charaktere und schon gar keine komplexe Geschichte.
Über 15 Jahre nach dem Original präsentiert uns Regisseur John Stockwell ein schwaches Reboot, bei dem Fans von Jean-Claude Van Damme kaum so sehr auf ihre Kosten kommen, wie zu früheren Zeiten. Noch dazu verringert man die Dramatik mit einer Abspeckung der Story deutlich.
Nicht zuletzt auch deshalb, weil es dem Zuschauer doch recht schwer fallen dürfte, sich in die Figur des Kurt einzufühlen. Im Gegensatz zu Van Damme gelingt es diesem nämlich schauspielerisch auf keinste Weise, sein Motiv und seine emotionale Situation rüberzubringen und den Zuschauer damit zu fesseln. Dass auch das Drehbuch derweil nicht besonders besser zu sein scheint, verhilft dem Film allerdings auch nicht dazu, etwas mehr Spannung aufzubauen.
So wirkt z.B. die Musikauswahl nicht immer geglückt, wenn z.B. eine längere Trainingssequenz mit Rap (oder war´s Hip-Hop?) unterlegt wird, so als müsse man unbedingt das jüngere Publikum noch mit ins Boot holen, das das Original wahrscheinlich ohnehin nicht kennt. Orchestralere, epischere Musik wäre in Sequenzen wie dieser angebrachter gewesen.
Außerdem wirken einige Figuren etwas verschenkt, wie z.B. die von Gina Carano dargestellte Fight-Promoterin Marcia oder Sara Malakul Lane (Sharktopus, 2010) als Polizistin Liu. Letztere bleibt die ganze Zeit über eher blass und wenn man schon eine Kämpferin wie Carano im Cast hat, sollte man ihr eine etwas actionbetontere Rolle geben. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass Carano ihre (leider nicht sehr zahlreichen Auftritte) als kaltherziges Biest überzeugend spielt.
Weniger überzeugend ist dagegen Tong Pos „Hausverwalter“, der gleichzeitig als Ringrichter fungiert und dabei mit pathetischen Sprüchen nervt. Das Tüpfelchen auf dem I: Dier deutsche Synchronisation hat sein „Check it out!“ tatsächlich mit „Checkt es aus!“ übersetzt!
Fazit
Insgesamt gibt es einfach ein paar coole Moves zu wenig, ein paar Filmfehler und Schlampigkeiten zuviel und die auch hier vorzufindende Simplizität der Handlung wird nicht ausreichend in einen memorablen Charme umgewandelt.
„Kickboxer - Die Vergeltung“ ist sich sichtlich bewusst, auf was für einen Kult er hier aufbaut. Gleichzeitig ist der Film angenehm modern und flott in Szene gesetzt, bietet tolle Schauplätze, sympathische Darsteller, sehr feine Action mit zeitgemäßen Einsprengseln und eine Story, die auch neue Generationen von Martial-Arts-Fans mitreißen sollte. Modernisierung absolut gelungen.
Dass der Finalkampf trotz der Wiederholung der berühmten Glasscherben-Szene aus dem Original mit einem schlecht inszenierten Schwertkampf-Intermezzo etwas enttäuschend ausfällt, schmälert den Genuss von „Kickboxer: Die Vergeltung“ nur ein wenig, denn die zahlreichen vorherigen Actionszenen sind dafür umso besser gelungen.
Immer wieder findet sich Gelegenheit, die Hauptfigur in den Clinch mit einem oder mehreren Gegnern zu schicken und mit abwechslungsreichen Szenarien wird dafür gesorgt, dass niemals Langeweile aufkommt: Es wird sogar ein auf Elefantenrücken (!) ausgetragener Kampf gegen Ninjas (!) sinnvoll in die Handlung eingebaut.
Und dass hier fast ausschließlich Kampfsportprofis am Werk sind, zeigt sich in der Wucht und Unmittelbarkeit der handgemachten und erstklassig choreografierten Action.
Kickboxer - Die Vergeltung ist ein überdurchschnittlicher, knüppelharter Martial-Arts-Streifen, der Van Damme-Fans und Freunde des Genres mehr als zufriedenstellen sollte und dem gern die - im Falle eines Erfolgs geplanten - beiden Sequels folgen dürfen.
In der besten Szene, jener kurz vor dem Abspann, hüpft Alain Moussi tanzend aus einer Gefängniszelle und verarscht Jean-Claude Van Damme, dessen legendäre Tanzszene aus dem originalen „Kickboxer“ von rechts langsam zum Vergleich eingeschoben wird. Der belgische Veteran ist dann in seiner neuen Rolle als Trainer auch das einsame Highlight in einem eher unnötigen Neuaufguss des Prügelklassikers von 1989, dessen naiver Charme zu keinem Zeitpunkt erreicht wird. Und das, obwohl Alain Moussi, der bis hierhin hauptsächlich als Stuntman beschäftigt war, durchaus die Naivität ins Gesicht geschrieben steht.
Den größten Lacher hebt sich Stockwell für den Abspann auf. Im Split-Screen-Verfahren tanzt hier Moussi den legendären Tanz von Van Damme nach und imitiert den Belgier geradezu perfekt. Da bleibt wahrlich kein Fan-Auge trocken. Selbiges erspähte kurz zuvor einen weiteren Grund zur Freude. Denn in einer wundervoll getimten Szene raunzt hier Original-Tong-Po-Darsteller Michel Qissi Van Damme an, ob er ihn etwa vergessen habe, was der mit einem wundervoll verwirrten Blick quittiert.
Kurzum: Es fällt schwer, „Kickboxer - Die Vergeltung“ irgendetwas übel zu nehmen. Dieser Film ist stellenweise purer Fanservice und stimmt einen mehr als wundervoll nostalgisch. Selbst die Nok-Su-Kow-Rufe (in der deutschen Fassung leider blöd synchronisiert) ertönen irgendwann und verursachen beim wissenden Zuschauer eine Gänsehaut.
