Die Geschichte der mexikanischen Wrestler-Maske

Lucha Libre, was übersetzt "freier Kampf" bedeutet, ist in Mexiko mehr als nur ein Sport; es ist ein Spektakel, ein Kult und ein wichtiger Teil der mexikanischen Identität. Seit Jahrzehnten gehört Lucha Libre hier zu den beliebtesten Vergnügungen. Ein zentrales Element dieses Sports ist die Maske, die von den Luchadores getragen wird. Diese Masken sind nicht nur ein Kostüm, sondern ein Symbol für Identität, Tradition und die ewige Schlacht zwischen Gut und Böse.

Ursprünge der Lucha Libre und ihre Masken

Die Geschichte der Lucha Libre reicht bis in die 1930er Jahre zurück, als Salvador Lutteroth das Wrestling aus den USA nach Mexiko brachte. Lutteroth erkannte das Potenzial dieses Sports und entwickelte ihn zu einer einzigartigen mexikanischen Form weiter. Er maskierte fast alle seine Wrestler, entwarf ihnen fiktive Schurken- und Superheldenidentitäten und erweiterte das Geschehen im Ring um die theatralische Nuance Gut gegen Böse. Dies war die Geburtsstunde der Lucha Libre Maske.

Mit der Gründung der Empresa Mexicana de Lucha Libre (heute CMLL) 1933 begann der Siegeszug des mexikanischen Wrestlings. Besonders in den 1950ern wurde Lucha Libre so richtig populär: Durch das Fernsehen fanden die Kämpfe ihren Weg in die Wohnzimmer der Menschen. Luchadores wie El Santo wurden zu echten Nationalhelden, nicht nur im Ring, sondern auch auf der Leinwand.

Die Bedeutung der Maske

Die Maske ist heilig: Während im US-Wrestling die Identität der KämpferInnen meist bekannt ist, bleiben Luchadores oft jahrelang oder für immer anonym. Ihre Maske ist ihr Alter-Ego, ihr Markenzeichen. Für viele MexikanerInnen ist Lucha Libre mehr als nur ein Abendprogramm. Es ist Teil der Alltagskultur, ein Stück Identität und oft eine echte Kindheitserinnerung. Familien gehen gemeinsam in die Arena, feiern Geburtstage oder verbringen einfach einen lauten, wilden Abend zusammen.

Die Masken der Luchadores sind farbenfroh und stellen oft Figuren aus Heldensagen, Mythen oder Märchen dar. Sie können auch direkt auf Heilige und Comic-Helden verweisen. Die Maske ist mehr als nur ein Kostüm; sie ist ein Ausdruck der Persönlichkeit und des Charakters des Luchadors. Sie ermöglicht es ihm, eine Rolle zu verkörpern und eine Geschichte zu erzählen.

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Die Maske ist ein Symbol für die Identität des Luchadors und seine Verbindung zur mexikanischen Kultur. Sie schützt nicht nur die Identität des Trägers, sondern verleiht ihm auch eine mystische Aura. Das Tragen einer Maske ist eine Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Im Ring stehen sich bei Lucha Libre immer zwei Seiten gegenüber: die Guten (Técnicos) gegen die Bösen (Rudos). Die Técnicos sind die Helden, die fair kämpfen, sportlich bleiben und sich an die Regeln halten.

El Santo: Der Heilige mit der Silbermaske

Einer der bekanntesten Luchadores Mexikos war „El Santo - der Heilige“, welcher seine wahre Identität bis ins hohe Alter geheim hielt und seine Maske auch nach seiner Karriere trug. Rodolfo Guzmán Huerta wurde unter einer silbernen Maske, die er mit 24 Jahren im Jahr 1942 zum ersten Mal aufsetzte, zum bekanntesten aller Luchadores - zu "El Santo", dem Heiligen. Die Namenswahl entpuppte sich im streng katholisch geprägten Mexiko als gelungene PR-Strategie. Nach seinem Tod wurde er sogar mit seiner Maske begraben.

Um ihn durch Geheimhaltung seiner Identität noch mysteriöser erscheinen zu lassen wurde beschlossen, daß Rodolfo Guzman Huerta alias El Santo sich fortan auch außerhalb des Rings nur noch in seiner Lucha Libre Maske zeigen sollte. Dies wird von vielen Luchadores auch heute noch so gehandhabt - während aber fast jeder mexikanische Lucha Libre Wrestler irgendwann im Laufe seiner Karriere einmal demaskiert wird, hat El Santo das Gesicht unter seiner mexikanischen Wrestling Maske tatsächlich nie als Resultat eines verloren gegangenen Ringkampfs preisgeben müssen.

Santo wurde zu einem Star über die Grenzen des Sports hinaus, als Lucha Libre in den fünfziger Jahren durch Fernsehübertragungen einen riesigen Boom erlebte. Der heilige Kämpfer mit silbernem Umhang, der Bösewichter auf die Bretter schickte, wurde in Mexiko bald zum Symbol für das Gute schlechthin.

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Die Filme, in denen El Santo als Held auftrat, halfen wesentlich, den Mythos um den Heiligen mit der Silbermaske in Mexiko anzuheizen. Am 12. September 1982, nur eine Woche vor seinem 65. Geburtstag, fand sein letzter Kampf als "El Santo" statt, bei dem Huertas jüngster Sohn Jorge als sein offizieller Nachfolger mit dem Namen "El Hijo del Santo" (Sohn des Santo) vorgestellt wurde.

Demaskierung: Eine ultimative Demütigung

Möchte ein Luchador den anderen wirklich erniedrigen, so wird dieser versuchen, den Anderen zu demaskieren. Es gibt keine größere Demütigung als die Demaskierung! Für viele Luchadoren bedeutet eine Demaskierung meist auch das Karriereende, wobei dieser Schritt bei den meisten Kämpfern vorab so geplant wird.

Bei den Luchas de Apuestas setzen die KämpferInnen bewusst ihre Maske (oder ihr Haar) aufs Spiel. Für viele ist das ein Wendepunkt in der Karriere. Manche hören danach auf, andere kämpfen unmaskiert weiter. Aber dieser Moment, wenn die Maske fällt, ist immer ein großes Ding.

Lucha Libre heute

Lucha Libre findet längst nicht mehr nur im Ring statt. Sie ist fester Bestandteil der mexikanischen Popkultur - von Filmen, Dokus, Serien bis hin zu Kunst oder Mode. Einige Museen widmen sich der Geschichte und Ikonografie der Masken und Kämpfer.

Auch im deutschen Fernsehen werden von Zeit zu Zeit ähnlich gestaltete Duelle mit ins Programm eingebunden wie erst kürzlich beim „Duell um die Welt“, als Yoko („Yoko und Klaas“) sich während der Sendung von einer Luchadorin verprügeln ließ.

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Lucha Libre ist kein Nischenphänomen für Nerds - es ist Popkultur, Volksfest, Identifikation und oft auch Ventil für Emotionen. Es ist grelles Volkstheater, vor allem für die ärmeren Schichten. Ganze Familienclans strömen mindestens einmal pro Woche in die Arenen - vom Kind bis zu 80-jährigen Greisinnen. Zu den schrillen maskierten Kämpfern zählt sogar ein Priester.

Ein Besuch in der Arena

Die bekannteste Spielstätte ist die Arena „La catedral de la lucha libre“ in Mexiko-Stadt. In Mexiko City gibt es zwei offizielle Arenen, in denen du Lucha Libre ansehen kannst. Zum einen die riesige Arena México und zum anderen die Arena Coliseo. Ein Lucha Libre-Abend dauert Stunden.

Ein typischer Abend dauert etwa zwei bis drei Stunden und besteht meist aus drei bis sechs Kämpfen. Dabei steigert sich die Spannung von Match zu Match, bis zum großen Finale. Das Publikum? Voll dabei. Viele tragen Masken ihrer Lieblingsluchadores und alle kommentieren lautstark jeden Move. Es wird geflucht, gejubelt, beleidigt und gelacht.

Wenn du Lucha Libre live erleben willst, kannst du das wöchentlich mehrfach tun. Arena México*: Die größte Arena des Landes, mitten in Mexiko City. Hier finden mehrere Shows pro Woche statt: dienstags, freitags und sonntags.

Die Preise variieren je nach Stadt, Arena und Sitzplatz. Online kannst du Tickets ab ca. 10 € kaufen. Vor Ort gibt es sie teilweise schon ab 2-3 €, wenn du weißt, wo du fragen musst. Die teuersten Plätze sind in der untersten Reihe ganz vorne am Ring. Da bist du super nah dran und es kann durchaus vorkommen, dass du Teil der Show wirst (keine Sorge, du musst aber nicht in den Ring). Allerdings kann es sein, dass du manche Stunts nicht richtig sehen kannst, da sie sich außerhalb deines Blickwinkels abspielen. Je höher du kommst, desto günstiger wird es und desto besser wird der Gesamtblick auf den Ring.

Die Stimmung ist blendend in der Arena Mexico, der riesigen Halle mitten im Zentrum von Mexiko-Stadt. Fans nennen sie die Kathedrale der Lucha Libre. Es ist Domingo Familiar, und wie an jedem dieser Familiensonntage füllen tausende von Männern, Frauen und Kindern die Ränge. Es riecht nach Bier, Popcorn und Schweiß.

Preise für Lucha Libre Tickets:

Platzkategorie Ungefährer Preis (MXN) Ungefährer Preis (EUR)
VIP-Bereich (nah am Ring) 300-600 15-30
Mittlere Ränge 150-300 10-15
Oberränge/Seitlich Ab 50 Ab 2.50

Wenn es so richtig voll ist und Du die Halle betrittst. Wenn das Publikum in Fahrt kommt, Dich bejubelt, Deinen Namen skandiert. Das ist mein Lebenselixier. Die Liebe des Publikums, das Gefühl, die Leute zu bewegen. Nicht zuletzt kann man mit der Lucha Libre auch den sozialen Aufstieg schaffen und reich werden.