Der jüngste Fall des sexuellen Missbrauchs einer minderjährigen Sportlerin durch einen Kampfsporttrainer in Dessau-Roßlau verdeutlicht die Notwendigkeit frühzeitiger Präventionsmaßnahmen gegen sexuelle Gewalt auch im BKB und seinen Vereinen.
Eine junge Weltcup-Siegerin (16) aus Sachsen-Anhalt wurde jahrelang sexuell von ihrem Karate-Trainer Gunter M. (53) ausgebeutet. Was ihr angetan wurde, sollen andere Nachwuchs-Sportler niemals erleben müssen. Heute kämpft sie dafür, dass es künftig keine abgeschotteten Einzel-Trainings mehr gibt, die Übergriffe und Missbrauch möglich machen.
Der perverse Trainer wurde zu fast zehn Jahren Haft verurteilt. Er muss außerdem 25.000 Euro Schmerzensgeld bezahlen und bekam ein Berufsverbot (Az. 1 KLs 282 Js 30474/23). Die nächsten Jahre verbringt der Dessauer im Hochsicherheitsgefängnis in Burg bei Magdeburg.
Ein Justizsprecher bestätigt gegenüber BILD: „Das Urteil der 1. Strafkammer wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen ist rechtskräftig. Das Gericht hatte gegen den Angeklagten eine Gesamtfreiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verhängt.“ Der Bundesgerichtshof (BGH) wird das Urteil nicht noch einmal überprüfen.
Reaktion und Prävention
Die Kampfsportlerin war neun Jahre alt, als der Missbrauch begann. Nach der Verurteilung ihres Peinigers sagte sie: „Ich bin froh, dass es nahezu zehn Jahre Haft geworden sind.“ Sie verfolgte das Strafverfahren mit ihren Eltern als Nebenklägerin. Inzwischen trainiert sie in einem neuen Verein, in anderen Hallen, mit einem neuen Trainer: „Ich werde mich nicht von meinem Sport trennen. Ich mache mit großen Ambitionen weiter.“
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Was der Athletin wichtig ist: „Es darf im Sport kein Klima geben, das Missbrauch ermöglicht. Eltern dürfen nicht ausgeschlossen werden, müssen jederzeit beim Training dabei sein dürfen, wenn sie wollen.“ Dazu gehört auch das abgeschirmte Einzel-Training, wie ich es lange erlebt habe.
Das hat auch der frühere Karate-Verein des verurteilten Trainers inzwischen verstanden. Außerdem verspricht der Verein: „Zukünftig werden strengere Auswahlverfahren eingeführt, um eine gründliche Überprüfung von neuen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern sicherzustellen.“ Offiziell teilt der „Shotokan Dojo Dessau-Rosslau“ mit: „Einzel-Trainings finden nicht mehr statt, um die Sicherheit unserer Mitglieder zu gewährleisten.“
Keine Sportart, so auch Karate, bleibt von solchen Fällen verschont, die es damals wie heute gibt. Und die Dunkelziffer ist extrem hoch, wie auch eine Studie der Sporthochschule Köln herausgefunden hat, wo in einer anonymen Befragung von 1800 Nationalkaderathleten ein Drittel der Sportler über sexuelle Gewalt in ihrer Laufbahn berichtet. Präventionsarbeit in Sportvereinen ist essenziell, um solche Vorfälle zu verhindern.
Maßnahmen des Bayerischen Karate Bundes (BKB)
Im Bayerischen Karate Bund (BKB) wurden umfassende Maßnahmen zur Prävention sexueller Gewalt etabliert. Der BKB führt regelmäßige Schulungen für Kadertrainer und seine Kampfrichter durch, um sie für die Anzeichen von Missbrauch zu sensibilisieren und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um angemessen zu reagieren.
Sandra Aichner, Präventionsbeauftragte des BKB, besucht regelmäßig den Kader als Ansprechpartnerin für die Sportler. Ein wichtiger Aspekt ist die Implementierung strenger Überprüfungsmechanismen bei der Einstellung von Trainern und Betreuern. Das Thema Prävention ist fest in den Ausbildungen des Verbandes verankert. Der BKB stellt sicher, dass seine Funktionäre umfassend überprüft werden.
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Eine offene Kommunikationskultur innerhalb der Vereine und BKB ist entscheidend. Kinder und Jugendliche müssen ermutigt werden, ihre Sorgen zu äußern. Jeder Verein kann dies fördern, indem er Vertrauenspersonen benennt. Es ist wichtig, die Kinder in den Vereinen zu sensibilisieren. Durch Selbstbehauptung, Bildung und Wissen kann die Wahrscheinlichkeit gesenkt werden, dass Kinder zu Opfern werden.
Gerade im Karate gibt es Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche früh zu fördern. Im Bayerischen Karate Bund gibt es mit Sandra Aichner eine speziell ausgebildete Ansprechpartnerin für Fragen und Probleme rund um das Thema Safe Sport und Prävention sexueller Gewalt.
Karate-Vereine in Sachsen-Anhalt
Hier ist eine Liste von Karate-Vereinen in Sachsen-Anhalt:
- Karate - Do Egeln e.V.
- BSG Medizin Dessau e.V. Abt.
- BSV Heide 90 e.V. Abtlg.
- Dojo Kanku Magdeburg e.V.
- HKC Magdeburg-Barleben e.V.
- Karate-Schule-Zerbst e.V.
- Musashi e.V.
- Namiki Budokai e.V.
- PSV - Anhalt Zerbst e.V.
- Shintei Wiedemar e.V.
- Sportverein 1885 Teutschenthal e.V.
- Sportverein Zörbig e.V. Abtlg.
- SV Grün - Weiß Wittenberg - Piesteritz e.V. Abtl.
- SV Lokomotive 1949 e.V.
Karate verbindet: Familie Gelbrich trainiert für die WM
In Sandersdorf findet die Karate-WM 2024 statt - Familie Gelbrich trainiert für die Titelverteidigung. Ein gezielter Tritt, ein lauter Schrei. Melina Gelbrich wirkt zufrieden. Sie ist bereit für ihre Mission: "Ich will unbedingt meinen Titel verteidigen, gerade bei der WM zu Hause in Sandersdorf", sagt die 14-Jährige in ihrem weißen Kampfanzug und schaut hinüber zu ihren älteren Geschwistern Mattis und Tessa.
"Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, das macht so viel Spaß", erzählt die 17 Jahre alte Kämpferin Tessa voller Freude. Und bekommt Zustimmung von ihrem großen Bruder Mattis. Fünf Jahre ist der Triumph der Sandersdorfer nun her. In Südafrika konnte die Familie 2019 viermal Gold gewinnen.
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"Ich bin wahnsinnig stolz auf meine Kinder. Man sieht, wie sie sich entwickeln und natürlich ist so ein Erfolg eine Riesensache und Bestätigung für das fleißige Training", sagt Vater Thomas Gelbrich. "Die Titelkämpfe 2019 liefen super für uns als Familie", sagt der Schwarzgurt. Ein ziemlicher Druck sei das gewesen, erinnert sich der 50-Jährige. "Das verbindet uns ja auch und dadurch haben wir alle noch viel mehr Spaß und haben einfach dieses Familiengefühl", meint Tessa.
Die Sandersdorfer Kämpfer leben ihren Sport. "Für mich war Karate als kleiner Junge immer so eine Wunschvorstellung. Während des Studiums in Magdeburg kam er dann doch in Berührung mit der japanischen Kampfkunst. "Das sind jetzt 30 Jahre, ich habe das nie bereut, ich mag es, wenn man sich einfach mal auspowern kann.
"Papa ist mein Vorbild", erzählt Tessa. Sie findet es schön einen "Familiensport" zu haben: "Ist doch toll, wenn wir alles zusammen machen können". "Man lernt immer neue Techniken und wie man sich verteidigen kann und dadurch wird man auch selbstbewusster", beschreibt die Jüngste im Bunde. Für die Heim-Weltmeisterschaft sind Gelbrichs gut gerüstet.
Die Geschwister erzählen, wie fleißig sie trainiert, wie akribisch sie auch an Kleinigkeiten gefeilt haben. "Die Aufregung steigt, aber die Vorfreude ist noch größer", sagt die 17-Jährige Tessa. Und Melina ist stolz: "Stolz, dass wir unseren Karate-Verein so präsentieren und den Sport allen zeigen können.
Die Konkurrenz bei den Titelkämpfen ist groß. "Wir erwarten Kämpfer aus acht Nationen, darunter aus Südafrika und Australien", sagt Thomas Gelbrich, der auch Vorsitzender ist beim Sandersdorfer Karateverein mit 40 Mitgliedern. Den Zuschauern in der Ballsporthalle verspricht er "Einblick in eine hochkarätige Sporttechnik". Und auch die vier Gelbrich-Kämpfer werden natürlich ihr Bestes geben. Das Ziel des Quartetts lautet: Titelverteidigung.
