Die Oberbayerischen Meisterschaften in Karate und Para-Karate 2024 fanden am letzten Januar Wochenende in der Agnes-Bernauer-Halle in Vohburg statt.
Die Karate-Abteilung des TV Vohburgs richtete diese Meisterschaft aus, nachdem sie bereits 2012 die Oberbayerische Meisterschaft in Karate und Para-Karate nach Vohburg geholt hatte.
Insgesamt waren über 370 Sportler in allen Altersklassen gemeldet, was aufgrund der Mehrfachstarts einiger Karatekas zu über 560 Starts führte. Durch die neuen Regeln, die ab 2024 gelten, kam es zu über 1900 Kämpfen.
Für den TV Vohburg gingen insgesamt 12 Kumite-Kämpfer an den Start, die sich zusammen 20 Medaillenplätze erkämpften und somit den 4. Platz im Medaillenspiegel belegten.
Erfolge der Nachwuchssportler
Am Samstag kämpften 7 Nachwuchssportler in den Kategorien Schüler bzw. Jugend um den Titel des Oberbayerischen Meisters. Da die Kämpfe teilweise zeitgleich stattfanden, wurden Sie von Nilifer Gök, Franz Binder, Florian Kamerl, Lale Knupfer und Lena Mick gecoacht.
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- Alisan Selek, der 2023 schon bei der Deutschen Meisterschaft mitkämpften durfte, wurde oberbayerischer Meister.
- Venice Baranyai erkämpfte sich zweimal den Titel des Vizemeisters.
- Timo Kürzinger stand auf dem Siegerpodest auf jedem Platz: 1. Platz in seiner Gewichtsklasse, 3. Platz in der Allkategorie und 2. Platz im Team mit Moosburg.
- Paul Breiting erkämpfte sich die Bronze-Medaille sowohl in seiner Gewichtsklasse als auch in der Allkategorie.
- Sophia Mohr wurde Oberbayerische Meisterin und belegte zusätzlich noch den 3. Platz.
- Sophie Martins wurde einmal Vizemeisterin und gewann einmal den 3. Platz.
Erfolge der Erfahrenen Kämpfer
Am Sonntag waren dann die erfahrenen Kämpfer an der Reihe.
- Lena Mick, die noch in der Klasse U21 starten darf, holte sich hier die Gold-Medaille, ebenso in der Leistungsklasse in ihrer Gewichtsklasse.
- Lale Knupfer wurde Oberbayerische Meisterin in der Leistungsklasse Allkategorie, nachdem sie Lena Mick im Finale knapp besiegte. Lena Mick wurde hier Vizemeisterin. In ihrer Gewichtsklasse wurde Lale Knupfer ebenfalls 1. Zusammen mit Isabella Engelbrecht bildeten die beiden noch ein Team und holten sich auch hier den 1. Platz.
- Christian Frey holte sich bei den Männern ebenfalls den Titel des Oberbayerischen Meisters.
- Florian Kamerl gewann in der Leistungsklasse einmal den 1. Platz und einmal den 3.
Karate als Schulsport in Bayern
Bayern ist derzeit das einzige Bundesland, in dem "normaler" Karateunterricht offiziell mit kultusministerieller Genehmigung an Schulen gegeben werden kann, über örtlich und zeitlich begrenzte schulische Arbeitsgemeinschaften hinaus.
Dies war durch die offene und verständnisvolle Haltung der zuständigen Stellen des Kultusministeriums möglich, die wohl auch auf entsprechende positive Unterstützung und Fürsprache seitens des BLSV zurückgeht, in dem der BKB einer der sich am dynamischsten entwickelnden Verbände darstellt.
Es hat in Bayern schon immer karatetreibende Lehrer gegeben, die ihre Karatebegeisterung an ihre Schüler in Form von Arbeitsgemeinschaften außerhalb der Unterrichtszeit weitergegeben haben. Unterrichtet wird zurzeit nach einem Lehrplan, der auf einen Entwurf des ehemaligen BKB-Schulsportreferenten Andreas Schölz zurückgeht.
Organisationsformen für Karate an Schulen
Folgende Organisationsformen, innerhalb derer Karate als Sportart außerhalb des Basissportunterrichtes an der Schule angeboten werden kann, sind möglich:
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- Zusätzlicher Sportunterricht (3. bzw. 4. Sportstunde) durch einen Lehrer der Schule mit Fachübungsleiter- bzw. Trainer-C- Lizenz für Karate, der im Rahmen seines Pflichtstundenmaßes Karate unterrichtet.
- Wahlunterrichts- und Neigungsgruppen sowie Arbeitsgemeinschaften an der Schule, wobei der Leiter ein Lehrer der Schule, aber auch ein lizenzierter Übungsleiter sein kann.
- Projekttage als mehrtägiges "Kompaktangebot" an die Schüler durch einen karatekundigen Lehrer oder einen außerschulischen Übungsleiter.
- Im "Wahlbereich" innerhalb des Sport-Pflichtunterrichtes durch den karatekundigen Sportlehrer.
- Kooperationsmodelle Schule - Sportverein.
- Talentförderungsmaßnahmen (Leistungsgruppen) im Rahmen der Schule und/oder in Zusammenarbeit mit anderen Schulen und mit Vereinen.
Modell Sport nach 1 - Kooperation Schule/Verein
Im Sachgebiet "Schule und Sportverein" der Bayerischen Landesstelle für den Schulsport laufen alle wichtigen Fäden und Informationen des Kooperationsmodells Sport nach 1 zusammen.
Pflichtsportunterricht, Schulsport-Wettbewerbe, Sport nach 1 und das im Jahr 2000 eingeführte Modellprojekt "Bewegte Schule" bilden das Gesamtkonzept in Bayern für tägliche körperliche Aktivitäten bei Schülern und Schülerinnen. Schon seit 1991 ist Sport nach 1 im Rahmen des Kooperationsmodells eine wichtige Ergänzung des Pflichtsportunterrichts mit zusätzlichen freiwilligen Sportangeboten in enger Zusammenarbeit zwischen Schule und Sportverein.
Mit freizeitorientierten und gesundheitsbezogenen Sportarbeitsgemeinschaften (SAG) wird versucht, Schüler für den Sport zu gewinnen, um sie zu einer gesunden Lebensführung und sinnvollen Freizeitgestaltung anzuleiten. Selbstverständlich bietet Sport nach 1 auch die Möglichkeit einer leistungssportlich orientierten Förderung von sportlich talentierten Schülern. Alle Schulen und Sportvereine sind deshalb zu einer verstärkten Kooperation aufgerufen.
„Sound"-Karate oder „normales" Karate?
Die Konzeption „Schulprojekt Sound - Karate" eignet sich in ganz besonderer Weise für die Umsetzung an öffentlichen Schulen in allen 16 Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland. Sie wurde vom italienischen Karateverband adaptiert und auf Grundlage und im Einklang mit den gültigen Lehrplänen und dem nach wie vor bundesweit gültigen Verbot von „Sportarten mit gefährlichen Schlagtechniken" von Ralf Brünig, DKV-Schulsportreferent, konzipiert.
Allerdings muss festgestellt werden, dass in Bayern als einzigem Bundesland „normales" Karate an Schulen nach einem verbindlichen Lehrplan unterrichtet werden darf, allerdings mit der Einschränkung auf „absoluten Verzicht auf Trefferwirkung".
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Deshalb ist es sinnvoll, an bayerischen Schulen zuerst das in den Dojos übliche Karate anzubieten, das jedoch durch die Konzeption des Sound-Karate ergänzt werden kann. Eine alleinige Reduktion auf das Unterrichten des Sound-Karate an den bayerischen Schulen halte ich nicht für sinnvoll.
Nutzen des Karate an Schulen
Karate bedeutet die Erziehung zur Fairness durch den Verzicht auf Trefferwirkung - die Techniken werden kontrolliert ausgeführt, d. h. zwar mit voller Dynamik, aber vor dem Ziel abgestoppt.
Karate bedeutet zu lernen, mit eigenen und fremden Aggressionen verantwortungsvoll umzugehen.
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen sogar, dass richtig angewandtes Karate als Anti-Aggressivitäts-Training zur Abbau von Gewaltbereitschaft beiträgt.
