Judo Anzug Kinder Ratgeber

Wenn Kinder ihren ersten Judoanzug bekommen, ist das für sie ein großes Erlebnis. Wahrscheinlich hat sich Ihr Kind schon in der ersten Judostunde darauf gefreut, auch so einen Anzug zu tragen, und nachdem feststeht, dass es nicht bei einer Stunde bleibt, ist ein echter Judoanzug der nächste Schritt! Mit dem ersten Anzug entsteht ein neues Stück Zusammengehörigkeit mit den anderen Judo-Kindern, denn die traditionelle Judokleidung sorgt dafür, dass Ihr Kind nicht nur wie ein "echter Judoka" aussieht, sondern sich auch so fühlt. Aus ganz praktischer Sicht schließlich ist der Judoanzug für Kinder genauso unerlässlich beim Training und Wettkampf wie für Erwachsene. Hier haben zusammengetragen, was für einen Kinder-Judoanzug wichtig ist.

Die Bestandteile eines Judoanzugs

Üblicherweise besteht ein Judoanzug aus drei Komponenten: der Jacke (jap. Uwagi), der Hose (jap. Zubon) und dem Gürtel (jap. Obi). Alles drei zusammen ergibt den Judo-Anzug (jap. Judogi).

  • Uwagi (Jacke): Die Jacke eines Judoanzugs ist weit geschnitten und hat eine charakteristische raue Webart, die auch Reiskornwebung genannt wird.
  • Zubon (Hose): Auch die Hose muss im Judo-Kampf einiges mitmachen. Oft wird sie Ziel eines Griffes im Unterschenkelbereich, und beim Bodenkampf wird vor allem die Kniepartie stark strapaziert.
  • Obi (Gürtel): Der Judo-Gürtel zeigt einerseits an, welchen Schülergrad das Kind gerade innehat, andererseits hält er ganz praktisch gesagt die Jacke zusammen.

Die Judojacke (Uwagi)

Die Jacke eines Judoanzugs ist weit geschnitten und hat eine charakteristische raue Webart, die auch Reiskornwebung genannt wird. Dieses charakteristische Muster, das die gesamte Jacke von oben bis zur Taille ausmacht, gibt der Judojacke die richtige Stabilität. Der Hintergrund: Bei Judogriffen wird die Jacke nicht nur gefasst und gezogen, sondern manchmal geradezu gerissen. In mancherlei Hinsicht ist der Judowettkampf zunächst der "Kampf um den besten Griff", und sowohl dabei als auch bei den dynamischen Würfen ist die Jacke immensen Kräften ausgesetzt.

Würden diese Kräfte nur in bestimmte Richtungen wirken, ließe sich das Problem mit entsprechend gesetzten Nähten und Verstärkungen lösen. Aber da die Krafteinwirkungen in Richtung und Stärke sehr unterschiedlich sind, ist es traditionell üblich, die Reiskornwebung zu verwenden. Da der "Rock" der Jacke ab der Taille abwärts dagegen nicht als Griffzone verwendet wird, ist er aus einfach gewebtem Stoff gefertigt und manchmal nur zusätzlich abgesteppt.

Vor allem bei kleinen Kindern, die Judo trainieren, ist die Reiskornwebung für die Funktionalität des Judoanzugs nicht zwingend notwendig. Es ist aber wichtig zu wissen, dass eine glatte Judojacke ohne Webmuster nicht dem klassischen Standard entspricht. Wir empfehlen daher die Reiskornwebung sowohl aus Stabilitäts- als auch aus Traditionsgründen.

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Die Judohose (Zubon)

Auch die Hose muss im Judo-Kampf einiges mitmachen. Oft wird sie Ziel eines Griffes im Unterschenkelbereich, und beim Bodenkampf wird vor allem die Kniepartie stark strapaziert, da viele Kampfaktionen im Kniestand ausgeführt werden oder ein "Kräftemessen" im Knien entsteht. Was ein Judoanzug für Kinder auf alle Fälle haben sollte, sind also verstärkte Knie. Das kann einfach durch eine zweite Lage Stoff im Kniebereich gewährleistet werden, oder aber durch ein komplett doppelt abgestepptes Bein vom Oberschenkel abwärts.

Das zweite interessante Detail einer Judohose ist die Schnürung. Traditionell werden Judohosen nur mit einem Zugband ohne Elastikbund geschnürt. Auf diese Weise ist die Schnürung sehr fest und stabil, sie kann aber auch "einschneiden" und sich hart anfühlen. Gerade für Kinder empfehlen wir deshalb eine Judohose mit Gummizug, der aber in jedem Fall (innen oder außen) eine zusätzliche Schnürung haben sollte, die den Elastikbund rutschfest fixiert.

Die Länge der Hose sollte so gewählt sein, dass sie maximal bis zum Knöchel geht und auf jeden Fall mindestens die halbe Wade bedeckt. Die Säume der Hosenbeine sollten im Optimalfall mit mehreren Nahtreihen eingefasst sein, um ein Ausfransen auch bei hoher Belastung zu vermeiden.

Der Judogürtel (Obi)

Der Judo-Gürtel zeigt einerseits an, welchen Schülergrad das Kind gerade innehat, andererseits hält er ganz praktisch gesagt die Jacke zusammen. Das muss er auch, da die Judojacke keine Schnürbänder besitzt (im Gegensatz zum Beispiel zu einer Karatejacke), die beim Zug an der Jacke ohnehin schnell reißen würden. Der Gürtel ist daher dafür zuständig, dass die Judojacke in Form bleibt, und das kann ein traditioneller Judogürtel auch sehr gut.

Er besteht meistens aus Baumwolle und bietet damit eine sehr hohe Reibung gegenüber der Jacke, so dass er - richtig gebunden - auch nicht so leicht aufgehen kann. Die gängigen Gürtelfarben sind: weiß, gelb, orange, grün, blau, braun (Schülergrade) sowie schwarz (Meistergrade). Bei den Schülergraden gibt es vor allem bei Kindern oft Zwischenstufen wie weiß-gelb, gelb-orange, orange-grün, grün-blau und blau-braun.

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Für Ihr Kind brauchen Sie zum ersten Judoanzug einen weißen Gürtel, der in einem Anzug für Kinder auch bereits enthalten sein sollte. Dieser Gürtel muss so lang sein, dass er zweimal komplett um die Taille herum gelegt werden kann, bevor er vorne vor dem Bauchnabel verknotet wird. Die losen Enden sollten danach noch ca. 20 cm auf jeder Seite überstehen. Die Größen von Judogürteln reichen traditionell von 180 cm bis 320 cm in Abständen von 20 cm. Bei besonders großem oder kleinen Taillenumfang orientieren Sie sich einfach eine Größe nach oben oder unten.

Die Bedeutung des Judoanzugs

Charakteristisch für die Kampfsportart Judo sind die weißen Anzüge mit den verschiedenfarbigen Gürteln, die jeweils den Übungs- bzw. Erfahrungsstand wiedergeben. Der Judoanzug erfüllt in dieser Kampfsportart gleich mehrere Aufgaben. Zum einen steht er für eine jahrhundertealte Tradition - und Traditionen spielen in allen fernöstlichen Kampfsportarten eine große Rolle. Andererseits erfüllt der Judoanzug auch rein praktische Funktionen. Eine solche Funktion ist z. B. die maximale Bewegungsfreiheit, welche durch den speziellen Schnitt von Hose und Jacke ermöglicht wird. Des Weiteren erfüllt auch das Material einen praktischen Zweck - die (meist recht dicke) Baumwolle schützt den Körper vor Verletzungen und saugt den während des Trainings bzw. Kampfes entstehenden Schweiß auf.

Durch das Tragen eines einheitlichen Anzugs verschwinden sozielen die Unterschiede zwischen den Kindern, die man an Alltagskleidung oft ablesen kann. Was auf der Matte zählt, ist der respektvolle Umgang miteinander und mit der Tradition der Disziplin. Jeder beginnt mit einem weißen Gürtel als "unbeschriebenes Blatt" und gewinnt nach und nach Erfahrung und Kompetenz dazu. Jeder neue Gürtel um den Judoanzug muss erarbeitet werden, und auch das geht nur mit der Hilfe eines Partners.

Materialien und Stoffstärke

Zum Einsatz kommt in fast allen Fällen reines Baumwollgewebe, da dieses alle Anforderungen an den Judoanzug sehr gut erfüllt. Allerdings gibt es mittlerweile auch Judoanzüge aus einem Mischgewebe, bestehend aus Baumwolle und einem gewissen Anteil aus Elasthan. Diese sind insbesondere für Anfänger sehr gut geeignet, da sich der Kämpfer bzw. sein Gegner hier auch einmal Fehlgriffe erlauben kann, ohne dass dies gleich schwerwiegende Folgen hat.

Die in Unzen pro Quadratyard, kurz oz, angegebene Stoffstärke ist unter anderem ausschlaggebend für die Belastbarkeit des Materials. Durch den härteren Stoff ist ein Gegner nicht so leicht in der Lage, Griffe anzusetzen. Außerdem wirkt sich die Stoffstärke sehr stark auf die Regulierung der Temperatur aus. Die Gefahr bei einer zu gering gewählten Stoffstärke ist, dass die Jacke schweißnass am Körper festklebt und sich nicht nur unangenehm anfühlt, sondern Euch massiv behindert. Generell gilt: Wer einen Judoanzug kaufen möchte, macht mit einer Stärke ab 12 oz nichts verkehrt.

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Die richtige Größe finden

Beim Judoanzug bestimmt die Körpergröße automatisch die Kleidungsgröße. Aufgrund des Schnittes passen die Jacken nahezu jedem von Euch, der in die besagte Größenkategorie fällt. Lediglich in Ausnahmefällen, wenn Ihr beispielsweise 1,77m groß seid und sehr breite Schultern habt, kann es vorkommen, dass die Jacke für 1,80m bis 1,90m besser passt. Wenn Ihr einen Judoanzug kaufen wollt, seht Euch vorher auf jeden Fall die Größentabellen des jeweiligen Herstellers an. Bei manchen von ihnen finden sich noch zusätzliche Infos.

Wenn ihr eurem Kind einen Judoanzug kaufen möchtet, dann müsst ihr vor allem darauf achten, dass dieser richtig sitzt! Das heißt, die Ärmel sollten keinesfalls über die Handgelenke reichen und auch die Hosenbeine sollten nicht über die Knöchel gehen. Sind beide zu lang, dann kann es zu schweren Verletzungen der Finger und Zehen kommen, wenn sich diese im Eifer des Kampfes in dem Stoff verfangen. Was die Größenangaben angeht, so bestehen diese bei den Judoanzügen zumeist aus Zentimeter-Angaben.

Das Beste ist es, zur Wahl der richtigen Größe, nach der vorigen Berücksichtigung des Anzug-spezifischen Einlaufverhaltens, die Körpergröße des Kindes zu ermitteln und diese dann auf die nächste Zehnerstelle aufzurunden. Dabei handelt es sich um die sicherste Methode, denn ein etwas zu großer Anzug lässt sich in der Regel „einschrumpfen“.

Bekannte Hersteller von Judoanzügen

Einige der bekanntesten Hersteller von Judoanzügen sind:

  • Adidas
  • Danrho
  • Ju-Sports
  • KWON

Pflegehinweise für Judoanzüge

Wenn es darum geht, einen Judogi, also einen Judoanzug zu waschen, dann muss auf ein paar Dinge geachtet werden. Zuerst wäre da, dass der Judoanzug garantiert beim ersten Waschen etwas einläuft. Zudem ist es von dem jeweiligen Anzug abhängig, wie viel er einläuft, aber das könnt ihr der Produktbeschreibung entnehmen. In der Regel beläuft sich der Wert zwischen drei und 10 cm.

Generell ist es empfehlenswert, den Anzug bei den ersten fünf bis 10 Mal bei 30 Grad zu waschen und danach auf der Leine zu trocknen. So kann ein zu starkes Einlaufen verhindert werden. Ist der Judoanzug dann in dem normalen Trainingsbetrieb, dann kann die normale eingenähte Waschanleitung befolgt werden und hier sind in der Regel 60 Grad angegeben, um eine gute Hygiene zu gewährleisten. Zudem sollte auf Weichspüler verzichtet werden, denn diese schwächen das Material auf die Dauer und der Gegner findet einen deutlichen festeren Griff.

Grundsätzlich sollte der Judoanzug gewaschen werden, wenn er nach dem Training durchgeschwitzt ist.