Karate Tiger 6 - Entscheidung in Rio: Ein kritischer Blick

Alle guten Dinge sind 3 - oder wie im Falle von "Kickboxer 3 - The Art of War" auch 6, denn der Titel wurde vom deutschen Publisher Ascot hier zu Lande zwecks Marketingstrategie in "Karate Tiger 6 - Entscheidung in Rio" umbenannt. Die Bezeichnung "Fließbandproduktion" wäre hier fast schon ein hochgegriffenes, geschmeicheltes Kompliment, die Definition "Qualitätsfremde Ausschussware mit vereinzelten Lichtblicken" trifft das Ganze schon eher und nennt das Kind genau beim Namen.

Handlung und Drehbuch

Inhaltlich knüpft die Story direkt an Kickboxer 2 (1991) an. Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist wieder Kickbox Weltmeister David Sloane (Sascha Mitchell) den es mit seinem Mentor Xian (Dennis Chan) wegen eines geplanten Titelkampfes gegen den argentinischen Muay-Thai Champion Eric Martine (Ian Jacklin) an die Copacabana (Rio De Janeiro) verschlägt. Kaum gestrandet werden sie vom Straßenjungen Marcos (Noah Verduzco) sowie dessen reizender Schwester Isabella (Alethea Miranda) bestohlen und nach einem kurzen Disput freunden sich die Bestohlenen mit den Dieben an.

Doch Martines korrupter Manager Frank Lane (Richard Comar) betreibt nebenbei einen illegalen Mädchenhandel, er entführt Isabella und erpresst Sloane gleichzeitig: Wenn er die Kleine jemals wieder lebend sehen möchte, muss er gegen Martinez verlieren, was sich Sloane natürlich nicht gefallen lässt, gemeinsam mit Xian versucht er Lane und seinen Komplizen das Handwerk zu legen...

Ich denke, Drehbuchautor Dennis A. Platt hatte bestimmt die besten Absichten, als er versuchte, den in zahlreichen Kampfsportfilmen oft thematisierten Titelkampf ambitionierter Champion gegen vorlauten Herausforderer mit einem exotischen Schauplatz und einer von ihrem Grundtenor her mal etwas anderen Krimigeschichte zu verknüpfen. So muss sich das Auditorium mit einer teilweise grenzdebilen Charakterzeichnung und bescheuerten Dialogen abfinden, ein Klischee jagt das andere und eine ketzerische Frage an die Verantwortlichen sei mir noch gestattet: Was war den eigentlich eure Hauptintension, wolltet ihr erreichen, dass der Zuschauer dank geistiger Unterforderung freiwillig abschaltet oder aber vorher wegen akuter Langeweile einschläft?

Mangelhafte Actionrealisierung

Denn das primäre Problem von Kickboxer 3 ist nämlich die mangelhafte Actionrealisierung und hier darf sich Regisseur Rick King gerne angesprochen fühlen. Ein Kampfsport Actionfilm ohne überzeugende Fights ist wie eine Komödie ohne Humor, wie ein Horrorfilm ohne Gruselmomente oder wie ein Porno ohne Titten, es fehlt das, warum ein Genrefan sich so einen Film überhaupt antut. King gelingt es so gut wie gar nicht, die viel zu spärlich vorkommenden Martial-Arts Zweikämpfe ansprechend in Szene zu setzen, Kamera Einstellungen die als annehmbar durchgehen, sind eindeutig in der Unterzahl, kein Vergleich zu der tollen Visualisierung Albert Puyns im direkten Vorgänger.

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In einem späteren Interview schob er den schwarzen Peter Hauptdarsteller Sascha Mitchell zu, die Zusammenarbeit wäre auf Grund tobsuchtartiger Wutanfälle Mitchells fast unmöglich gewesen. Ich glaube, Mitchell wird sich einfach nur (zu Recht) über Kings Unfähigkeit echauffiert haben was dieser dann wohl nicht verkraften konnte, die Wahrheit tut bekanntlich weh.

Bekannter Weise kann Sascha Mitchell, der Träger des schwarzen Gurtes in Teakwondo ist, eigentlich hervorragend kämpfen, was in der ein oder anderen doch geglückten Aufnahme von Kickboxer 3 zu sehen ist. Neben den streckenweise unterdurchschnittlich choreographierten Auseinandersetzungen gibt es fairhalber erwähnt aber auch ein paar schick gefilmte blutige Schießereien, zum Beispiel bei der Erstürmung der Villa, die mich einigermaßen versöhnlich stimmen konnten, was aber insgesamt gesehen deutlich zu wenig ist um den Streifen spürbar aufzuwerten .

Schauspielerische Leistungen und Budget

Über die schauspielerische Leistung der gesamten Crew lege ich lieber den allseits beliebten Mantel des Schweigens, diese passt sich freundlichst formuliert problemlos der wertfreien Optik und dem Minimalbudget des Gesamtprojektes an. Nichtsdestotrotz dürfen die begrenzten finanziellen Mittel meiner Meinung nach nicht als alleinige Entschuldigung bei dieser Montagsproduktion herhalten, es gibt genügend B-Action Werke die mit ähnlich bescheidenen Möglichkeiten zumindest mit ein bis zwei Bierchen kurzweilige No-Brainer Actionkost servieren können.

Fazit

Egal ob es jetzt Kickboxer 3 oder Karate Tiger 6 heißt, der Name spielt so gesehen nur eine untergeordnete Rolle. Da "Entscheidung in Rio" aka "The art of war" es meiner Ansicht nach nicht in ausreichendem Maße gelingt, die Grundbedürfnisse seiner potenziellen Interessenten zu befriedigen, fällt mein Urteil auch dementsprechend ernüchternd aus.

Mit Kickboxer 3 bzw. Karate Tiger 6 - Entscheidung in Rio, unter welchem Titel der Film hierzulande vermarktet wird, wurde die Saga um David Sloan (Sasha Mitchell) weitergesponnen. Auch von diesem Teil brachte Kinowelt eine geschnittene FSK 16-Fassung sowie eine ungeprüfte Version auf den Markt.

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Der Film, der für Kampfsportfans ohnehin ziemlich wenig an Schauwerten bietet und seinem Namen beinahe schon spottet (von der Indizierung, die im Juni 2018 nach 25 Jahren dann auch folgerichtig wieder aufgehoben wurde, mal ganz zu schweigen), blieb zum Glück in den Kämpfen unangetastet, musste dafür aber in diversen Shootouts zensiert werden.

Ursprünglich im deutschsprachigen Raum als Teil der Jekami-Martial-Arts-Reihe "Karate Tiger" veröffentlicht (als Vol. 6), ist das eigentlich der 3. Mit Handlungsort Rio de Janeiro kehrt wie im 1. "Kickboxer" (in Thailand) die schwüle Exotenkulisse zurück, was sicher positiv zu werten ist. David Sloan muss sich hier mit einem Lokal-Mafioso und Mädchenhändler herumschlagen, wobei seine Wandlung vom sympathischen und nachdenklichen Kampfsportler und Trainer (aus KB 2) zum recht kaltblütigen, auch schon mal munter herumballernden Möchtegern-Rambo (gibt einige Kills, und einige recht überflüssige dazu.. siehe Spoiler) ziemlich unglaubwürdig daherkommt.

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