Karate ist eine traditionelle Kampfkunst mit Ursprung auf Okinawa (Japan) und hat Wurzeln in chinesischen Kampfsystemen, deren Sinn die Verbindung gesunder Bewegung mit Selbstverteidigung war - ein weiterhin praktizierter Zweck.
Was ist Karate? Wörtlich übersetzt bedeutet es „Der Weg der leeren Hand“.
Daraus lässt sich erkennen, dass Karate eine waffenlose Kampfkunst ist. Durch das Training soll der Karateka befähigt werden, seinen Körper als „Waffe“ einzusetzen.
Es werden überwiegend Fußtritte, Faust-, Handkanten-, Finger-, Unterarm-, und Ellenbogentechniken trainiert. Diese Techniken erfordern ein gewisses Maß an Koordination und Beweglichkeit. Sich diese Fähigkeiten anzueignen, ist ebenfalls Bestandteil des Trainings.
„Karate ni sente nashi!“ - „Es gibt keinen (ersten) Angriff im Karate!“. Dieser Ausspruch macht deutlich, dass das Karate Do eine friedliche Kampfkunst ist, die über die körperliche Ertüchtigung hinaus, ausschließlich der Selbstverteidigung dient.
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Karate besitzt außerdem einen philosophischen Hintergrund als Lebensweg (Do) und wird als Sport praktiziert: bei den olympischen Spielen 2020/21 in Tokyo wurde Karate aufgeführt und wird für die Spiele 2028 in Los Angeles wieder beworben.
Auch heute noch spiegelt sich im Karate-Do die fernöstliche Philosophie wieder. Übersetzt bedeutet "Karate-Do" so viel wie "der Weg der leeren Hand". Im wörtlichen Sinne heißt das: Der Karateka (Karatekämpfer) ist waffenlos, seine Hand ist leer.
Das "Kara" (leer) ist aber auch ein ethischer Anspruch. Danach soll der Karateka sein Inneres von negativen Gedanken und Gefühlen befreien, um bei allem, was ihm begegnet, angemessen handeln zu können.
Im Training und im Wettkampf wird dieser hohe ethische Anspruch konkret: Nicht Sieg oder Niederlage sind das eigentliche Ziel, sondern die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung und äußerste Konzentration. Die Achtung vor dem Gegner steht an oberster Stelle.
Im Training und Wettkampf werden Fuß- und Fauststöße vor dem Auftreten abgestoppt. Voraussetzung dafür ist Selbstdisziplin, Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Partner und natürlich eine gute Körperbeherrschung, die im Kihon (Grundschule) systematisch aufgebaut wird.
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Aufgrund seiner vielseitigen Anforderungen an Körper und Geist, ist Karate ideal als Ausgleich zu den Anforderungen des Alltags: Der Karateka trainiert Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Das macht fit! Mit Entspannungstechniken, Atemübungen und Meditation steigert er seine Konzentrationsfähigkeit und schult die eigene Körperwahrnehmung.
Viele Karateka üben ihren Sport aus, um sich im Notfall selbst verteidigen zu können. Und tatsächlich ist Karate eine wirksame und praktikable Verteidigungsart. Kraft und körperliche Statur spielen in der Karate-Selbstverteidigung nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Gelassenheit. Nur wer bei einem Angriff nicht in Panik gerät, kann sich sinnvoll verteidigen.
Die drei Säulen des Karate-Trainings
Das Training im Karate lässt sich wie folgt unterteilen: Kihon, Kata sowie Kumite und alles „überspannend“ die Selbstverteidigung. Die Grenzen zwischen den Übungsformen sind fließend. Über die Zeit haben sich auch verschiedene Stilrichtungen entwickelt.
- Kihon: Grundschule
- Kata: Eine Abfolge von Schritten in der man gegen mehrere imaginäre Gegner kämpft.
- Kumite: der Freikampf
Ablauf eines typischen Karatetrainings
Bevor man mit dem Karatetraining beginnt, müssen sich die Schüler erst einmal aufwärmen. Das Aufwärmtraining kann von Stunde zu Stunde unterschiedlich sein, damit einem nicht langweilig wird. Es besteht zum Teil aus Laufübungen oder auch Dehnübungen, damit man sich nicht leicht verletzen kann.
Nun beginnt das eigentliche Training. In jeder Stunde können unterschiedliche Aspekte trainiert werden. Es kann Kumite (der Freikampf) oder auch Katas drankommen.
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Katas sind eine Abfolge von Schritten in der man gegen mehrere imaginäre Gegner kämpft. Dies hat den Zweck, dass man auch alleine ohne einen Partner, den man im Freikampf benötigt, Trainieren kann. Es gibt viele verschiedene Katas, die immer komplizierter und anspruchsvoller werden.
Das Training ist nun beendet. Die Schüler stellen sich wieder in einer Reihe auf und verbeugen sich. Nun folgt die Absage. Alle setzen sich wieder aufrecht auf ihre Knie. Der Trainer beginnt mit der Absage, nun spricht der Schüler mit dem höchsten Gurt die Absage für den Trainer. Wenn der Trainer das Signal gibt, stehen alle wieder auf. Sie stellen sich mit den Füßen zusammen bereit, um sich noch einmal zu verbeugen. Danach können die Schüler aus der Halle gehen, doch auch hier muss man sich noch ein letztes Mal vor der Halle verbeugen.
Die Bedeutung von Respekt im Karate
Am Training teilzunehmen bedeutet nicht nur pünktlich zu erscheinen, seinen Karate Gi anzuziehen und dann „mal gucken, was heute so dran ist“. In dem Moment, in dem man das Dojo betritt, muss man auch bereit sein, sich auf das Karate Do einzulassen und versuchen, sich vom Alltag zu lösen. Das heißt, sich dem unterrichtenden Meister unterzuordnen und sich in die Trainingsgruppe einzufügen.
Daher sollte das Verhältnis zwischen Meister und Schüler sowie der Schüler untereinander immer von Respekt und Achtung voreinander gekennzeichnet sein. So wird im Partnertraining nicht nur Angriff und Abwehr geübt. Man erkennt auch, dass man dem Partner gegenüber Verantwortung hat - nämlich ihm das richtige Üben zu ermöglichen und ihn beim Üben nicht zu verletzen.
Der Karateka muss lernen, seinen Körper und seine Gefühle unter Kontrolle zu behalten. So ist es auch im Kampf und nicht zuletzt in der Selbstverteidigung. In dem man sich beim Üben an seine Leistungsgrenzen führen lässt, werden nicht nur die Karatetechniken präziser, schneller und kraftvoller. Es kann dadurch auch gelingen, Eigenschaften wie Durchhaltevermögen, Ausdauer und Willenskraft zu entwickeln oder weiterzu-entwickeln.
Die zu übenden Techniken und Bewegungsabläufe erfordern zusätzlich ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration. In der Summe sind dies alles Eigenschaften, die auch im Leben außerhalb des Dojos eine wichtige Rolle spielen.
Auch beginnt und endet jedes Karatetraining, jede Übung und jede Kata mit einem Gruß. Dadurch wird das erste Prinzip der 20 Regeln von Gichin Funakoshi zum Ausdruck gebracht: „Karate wa rei ni hajimari rei ni owaru koto“ - „Karate beginnt und endet mit Respekt!“
Die Dōjōkun und Shōtō Nijū Kun
Verdeutlicht werden diese Aspekte auch durch die 5 Dōjōkun (Regeln für das Training der Kampfkünste), welche von Teruya Kanga Sakugawa entworfen wurden:
- HITOSU, JINKAKU KANSEI NI TSUTOMURU KOTO - Es ist wichtig, nach der Vervollkommnung Deines Charakters zu streben
- HITOSU, MAKOTO NO MICHI O MAMORU KOTO - Es ist wichtig, dass Du in Redlichkeit, Ehrlichkeit und Treue den Weg verteidigst
- HITOSU, DORYOKU NO SEISHIN O YASHINAU KOTO - Es ist wichtig, dass Du die Bemühungen um die richtige Geisteshaltung pflegst
- HITOSU, REIGI O OMONZURU KOTO - Es ist wichtig, auf Respekt, Anstand und Höflichkeit größtes Gewicht zu legen
- HITOSU, KEKKI NO YU O IMASHIMURU KOTO - Es ist wichtig, die Kampfbereitschaft und den ungestümen Mut zu zügeln
Daneben gibt es noch die 20 Shōtō Nijū Kun (die 20 Regeln von Shōtō ), welche das Verhalten eines Karatekas verdeutlichen sollen. Sie wurden von Gichin Funakoshi entworfen:
Karatedo wa rei ni hajimari, rei ni owaru koto wo wasuruna. Vergiss nie: Karate beginnt mit rei und endet mit rei. (rei bedeutet: Respekt, Höflichkeit)
Karate ni sente nashi. Im Karate gibt es kein Zuvorkommen.
Die Geschichte des Karate
Karate ist ein Kampfsport, dessen Ursprünge bis etwa zum Jahr 500 n. Chr. zurückreichen. Chinesische Mönche, die keine Waffen tragen durften, entwickelten aus gymnastischen Übungen im Laufe der Zeit eine spezielle Kampfkunst zur Selbstverteidigung. Diese Kampfkunst galt auch als Weg der Selbstfindung und Selbsterfahrung.
Als Sport ist Karate relativ jung: Erst Anfang des vergangenen Jahrhunderts entstand in Japan aus der traditionellen Kampfkunst ein Kampfsport mit eigenem Regelwerk.
Karate-do bedeutet “Weg der leeren Hand” und wird heute weltweit als japanische Kampfkunst verstanden.
Japan ist jedoch nur der letzte Teil der langen Geschichte einer Kampfkunst, die in Indien und Vorderasien vor sehr langer Zeit ihre Ursprünge hat. Vielmehr stammt der Großteil des Wissens, der Techniken und der Philosophie, die hinter dieser Kampfkunst stehen, aus China.
Diese kurze Geschichte des Karate-do erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern versucht einen Überblick über die Entstehung der Kampfkunst Karate-do und einiger ihrer Hauptstilrichtungen zu geben.
Ein buddhistischer, aus Indien stammender Wanderpriester namens Bodhidharma kam auf seinen Reisen (im 6. Jahrhundert n.Chr.) nach China.
Bodhidharma war nicht nur Priester, sondern auch ein guter Kämpfer, eine zu dieser Zeit, wegen häufiger Raubüberfälle und Gefahren durch wilde Tiere, nicht seltene Kombination.
Es wurde darin auch kein Widerspruch gesehen, gleichzeitig ein fähiger Kämpfer und ein Mann des Friedens und der Liebe zu sein. In China lehrte er seinen (Zen-) Buddhismus und seine Kampfkünste in einem Kloster, das auf chinesisch Shao-lin, auf japanisch Shorin genannt wird. Die Künste die er lehrte haben ihre historischen Wurzeln ca. 3000. Jahre v. Chr. Es gibt Quellen, die behaupten sie stammen aus Vorderasien (Persien). Bodhidharma bereicherte sie um Meditationsübungen aus dem Yoga und dem Zen-Buddhismus.
Auch nach Okinawa, einer Insel südlich von Japan und unweit der chinesischen Küste, die regen kulturellen Austausch mit China pflegte, kamen 36 vornehme, vom chinesischen Hof entsendete Familien. Unter Ihnen waren mehrere Meister der Kampfkünste. Umgekehrt bereisten auch viele Okinawaner China und kamen so mit verschiedenen Meistern in Kontakt und wurden in deren Kunst unterwiesen. Es kam so zu einer Durchmischung lokaler und chinesischer Kampfkünste.
1429 wurde auf Okinawa der Besitz von Waffen durch einen Erlass des damaligen Königs Sho Hashi verboten.
Seit dieser Zeit begannen die waffenlosen Kampfkünste an Bedeutung zu gewinnen, da man sich doch auch gegen Räuber und die in der wechselreichen Geschichte verschiedenen Besatzer zur Wehr setzen mußte.
Der Unterricht dieser Künste, sowie die Verwendung von bäuerlichen Geräten als Waffen (Kobudo) wurden geheim gelehrt, häufig in Klöstern und man erzielte beachtliche Erfolge im Kampf gegen bewaffnete Gegner. Diese Kampfkunst wurde nach und nach “ToDe” bezeichnet.
TO war die Bezeichnung für die chinesische Tang-Dynastie (618 - 906) gewesen und wurde in der Folge als Synonym für China verwendet.DE bedeutet “Technik”, Tode ist also „die Technik, welche aus China kommt”.
Die drei Ursprungsorte der großen Richtungen im Karate-do sind: Naha (“Naha-te”), Shuri (“Shuri-te”) und Tomari (“Tomari-te”).
Die in diesen Städten sesshaft gewordenen Familien, Experten und deren Nachfahren zeichneten für das an Tendenzen, Stilen und Richtungen reiche Spektrum der Kampfkünste unter dem Überbegriff "Tode" verantwortlich. Die Bezeichnungen Naha-te, Tomari-te und Shuri-te wurden erst im Nachhinein eingeführt.
Erst 1904 wurde Tode offiziell in Schulen und Universitäten Okinawas gelehrt. Nach Japan kam diese Kampfkunst erst 1922, wo sie während eines großen Sportfestes unter riesigem Beifall von Gichin Funakoshi, dem Begründer des modernen, heute weltweit verbreiteten Karate, vorgestellt wurde.
Er war es auch, der die chinesischen Ideogramme für “ToDe” japanisch interpretierte und so das Wort Karate (leere Hand) begründete. In Japan waren bis dahin nur die Kampfkünste der Samurai so z. B. LaiDo (der Weg des Schwertes) und Jujitsu (sanfte Technik), sowie der daraus hervorgegangene “Volkssport” Judo (der sanfte Weg) bekannt.
Da Karate nicht nur als Kampfkunst, sondern auch ganz besonders als Geistesschule mit religiösen Elementen verstanden wurde, wurde der Name auf Karate-Do (DO = der geistige Weg) erweitert - es hat sich von einer Bujitsu (= Kriegskunst) zu einer BuDo weiterentwickelt.
Bekannte Karatestile
Gichin Funakoshi, ein Repräsentant des Shuri-te nannte seine Schule Shotokan.Unter dem Pseudonym Shoto hatte er in Japan Gedichte publiziert, Kan bedeutet Haus. Er war eng mit zwei weiteren Karatemeistern, nämlich Kenwa Mabuni und Chojun Miyagi. Mabuni nannte seinen Karatestil Shito-ryu (“Schule nach Higaonna und Itosu” - seinen beiden Lehrern), Miyagi seinen Goju-ryu (Go bedeutet “hart”, und Ju “weich” - also “Hart-und-weich-Schule”).
Ein Schüler von Gichin Funakoshi, Hironori Otsuka, der selbst bereits Großmeister des Jujitsu war, gründete nach Jahren des Trainings bei Funakoshi seine eigene Karate-Schule, Wado-ryu (Wa bedeutet “Frieden”, do “der Weg” und ryu “Schule”).
Heute gibt es sowohl in Japan als auch in Okinawa viele Stile des Karate-do, jeder mit gewissen Vorzügen und Eigenheiten. In Japan selbst hat Karate nicht die Anerkennung wie andere Budo, die aus den Kampfkünsten der Samurai entstanden, gefunden. Es wird häufig als “von Bauern stammend” abgelehnt.
Die heute weltweit am häufigsten betriebenen Stile sind Shotokan-Ryu, Shito-Ryu, Wado-Ryu, Kyokushin und Goju-Ryu. In Japan bzw. Okinawa existieren jedoch noch einige, deren Name zum Teil außerhalb der Landesgrenzen jedoch kaum bekannt sind (z.B.: Pangai-Noon, Gembukai, Ryuei-Ryu) Einige der bekannteren sind noch die verschiedenen Shôrin-Stile und das Shorinji-Kempo.
Karate in Europa
Nach Europa kam das Karate-do mit Henry Plée ca. 1947. Henry Plée, heute 9. Dan und Ehrenpräsident der FFKAMA (=Féderation Française de Karaté et Arts Martiaux Affinitaires) gründete in der Rue de la Montagne Sainte Geneviève im 5. Arrondissement in Paris, das heute noch existierende erste Karate Dojo in Europa.
Die Titel im Karate
Wie auch in anderen Lehrsystemen, z. B. Universitäten, existieren in den japanischen Kampfkünsten eine ganze Reihe von Bezeichnungen, die verwendet werden, um den Status eines Menschen oder dessen Beziehung zu anderen innerhalb des Systems zum Ausdruck zu bringen.
Die bekannteste (und wahrscheinlich auch am meisten missverstandene) Bezeichnung ist das Wort Sensei. Wörtlich bedeuten die Schriftzeichen des Wortes Sensei „vorher geboren“, bezeichnen also im engeren Sinne jemanden, der älter ist als man selbst oder schon vor einem selbst da war.
