Auch als Hosenschwingen bezeichnet, ist es eine typisch schweizerische Sportart. Sie wird in der Regel von Personen mit körperlich anstrengenden Berufen wie Landwirten, Käsern, Metzgern oder auch Zimmerleuten ausgeübt. Diese sind mit einem Sennenhemd bekleidet.
Dennoch ist der Sport im Laufe der Jahre so beliebt geworden, dass er auch in städtischen Gebieten demokratisiert wurde, wo er in Turnvereinen ausgeübt wird. Der Sport wird auf einem Sägemehlkreis mit einem Durchmesser von 7 bis 14 m im Eins-gegen-Eins ausgetragen.
Die Regeln des Schwingens
Jeder Gegner trägt über seiner Kleidung eine weite Leinenhose, die mit einem Gürtel versehen ist. Zu Beginn jeder Runde verbeugen sich die Schwinger und nehmen dann die Startposition ein, bei der sie den Gegner mit der rechten Hand am Gürtel und mit der linken Hand am Hosenbein packen. Während des gesamten Kampfes müssen beide Kämpfer immer den Griff um die Hose des Gegners beibehalten.
Wie bei anderen Kampfsportarten werden verschiedene Techniken, die in einem Handbuch beschrieben sind, angewendet. Zu den wichtigsten gehören der Kurtz, der Brienzer, der Burm, die Hüftdrehung oder auch der Kreuzsprung. Am Ende des Durchgangs ist es üblich, dass der Gewinner das Sägemehl vom Rücken des Verlierers entfernt.
Schwingen - ist eine Sportart, die mit dem Ringen verwandt ist. Es ist ein Kampf Mann gegen Mann und wer zuerst auf dem Rücken liegt hat verloren. Soweit die elementarsten Erklärungen!
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Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest
Alle drei Jahre findet das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest statt. Drei nationale Sportarten stehen bei diesem Ereignis im Mittelpunkt: Schwingen, bei dem der Schwingerkönig gekürt wird, Hornussen und das Unspunnensteinstossen. Der Titel des Schwingerkönigs bleibt auch dann erhalten, wenn ein neuer König gekrönt wird. Dieser gewinnt kein Geld, sondern erhält verschiedene Sachpreise wie einen Stier, ein Schaf, Glocken oder auch rustikale Möbel.
Aber Schwingen ist der urschweizerischste Sport überhaupt und das "Eidgenössische Schwing- und Aelperfest", das nur alle drei Jahre stattfindet, der grösste Anlass in unserem Land. Dieses Jahr wurde im französischen Teil der Schweiz, in Estavayer-le-Lac die Arena für 52'000 Zuschauer aufgebaut. Alles war tip-top organisiert und die über 280'000 Zuschauer konnten problemlos an- und abreisen, verpflegt werden etc.etc. Das Schweizer Fernsehen SRF hat zwei ganze Tage lang non stop darüber berichtet und wie immer, sind die Einschaltquoten sicher super.
Die Schwinger, die am Eidgenössischen teilnehmen möchten, müssen sich an regionalen Schwingfesten bewährt haben und Siege und Kränze eingeholt haben. Die "Bösen" (so nennt man auch die Schwinger) sind alles kräftige Mannsbilder mit bis zu 150 kg Lebendgewicht - aber durchtrainiert und sehr gelenkigIn 7 Sägemehl-Kreisen wird gleichzeitig geschwungen.
Beim Schwingen gibt es noch einige Eigenheiten: Man nennt alle Schwinger zuerst beim Nachnamen und dann beim Vornamen. Also beim diesjährigen Schwingerkönig: Glarner Matthias.
Alle Schwinger sind trotz des intensiven Trainings noch berufstätig und ich bin immer wieder erstaunt, wie redegewandt, höflich und intelligent diese doch so imposanten Männer sind.
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Verhaltenskodex für Schwingfestbesucher
Es gibt da einen Verhaltenskodex für Schwingfestbesucher:
- Was ich an einem Schwingfest tun darf:
- Alkohol trinken (Bier und Kafi Schnaps)
- Znüni (Zwischenverpflegung) selber mitbringen - diese aber mit den Sitznachbarn teilen
- Schwingerhemd (Edelweiss) tragen
- Pünktlich zum ersten Gang Platz nehmen
- Mich sportlich, fair und respektvoll verhalten
- Nicht vor dem Schlussgang abreisen
- Was ich an einem Schwingfest nicht tun sollte:
- Champanger trinken
- Im Anzug oder eleganter Kleidung erscheinen
- Englische Ausdrücke verwenden
- Kampfrichter oder Schwinger auspfeifen
- Reklamieren bei strittigen Entscheidungen
- Regen- oder Sonnenschirm mitbringen
Die Kameradschaft wird gross geschrieben, so putzt der Sieger dem Verlierer das Sägemehl vom Rücken und reicht ihm die Hand zum Aufstehen.
Es werden auch Dopingtests durchgeführt.
Damit ein solcher Grossanlass problemlos durchgeführt werden kann, braucht es auch viele Helfer. Das Militär, der Zivilschutz und über 4000 freiwillige Helfer sind dabei.
Jetzt noch zum Edelweiss-Heimd. Dieses ist in der Schweiz weit verbreitet und es hat sich zum absoluten "Swissness-Kleidungsstück" entwickelt.
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Geschichte des Schwingens
Obwohl es schwierig ist, den Ursprung des Schwingens genau zu bestimmen, zeigt ein Wandgemälde aus dem 13. Jahrhundert an der Kathedrale von Lausanne zwei Schwinger, die einen für das Schwingen typischen Griff mit der Unterhose ausführen. Die ersten Berichte, die den Sport als alpinen Brauch schildern, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Franz Joseph Stadler beschrieb den Sport erstmals in einem Handbuch aus dem Jahr 1797, in dem er die Bewegungen und die verschiedenen Regeln des Schwingens zusammenfasste.
Im Jahr 1805 wurde der Schwingsport durch das erste Unspunnen-Alpfest in der Stadt bekannt.
Das Schwingen im Wandel der Zeit
Dabei verläuft die Geschichte des Schwingens nicht so linear, wie es die Traditionalisten des Sports gern hätten. "Das Schwingen hat sich mehrmals neu erfunden", sagt Linus Schöpfer, Schweizer Journalist und Autor, der gerade das Buch "Schwere Kerle rollen besser" über die Geschichte des Schwingens veröffentlicht hat. Er räumt darin mit einigen Mythen auf, den "uralten" Wurzeln zum Beispiel.
Das Ur-Schwingfest, auf welches das heutige Schwingen zurückgeht, habe erst 1805 stattgefunden, sagt Schöpfer. "Der Eidgenössische Schwingerverband wurde sogar erst 1895 gegründet - es gibt Schweizer Fußballklubs, die älter sind."
In seinem Buch zeichnet Schöpfer nach, wie die Schwinger seither versuchen, eine Balance zwischen Sport, Geld, Politik und Tradition zu finden. "Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gab es Versuche der politischen Vereinnahmung", sagt er, "am erfolgreichsten von den Konservativen." Auch das umstrittene Thema Geld ist Schöpfer zufolge nichts Neues.
Schwinger, die ihr Können zu Geld machen wollten, habe es immer gegeben: den Bündner Johannes Lemm zum Beispiel, der als "Swiss Hercules" Erfolge in den USA feierte. Oder Ruedi Hunsperger, der in den 1970er Jahren so hemmungslos Werbung machte, dass ihn der Schwingerverband schließlich sperren ließ. Heute hat sich das strikte Verbot gelockert - eine nicht unerhebliche Neuerung im vermeintlich uralten Schwingen.
Die Popularität des Schwingens steigt
Und nun, etwa seit der Jahrtausendwende, der Boom. Was ist passiert? Gibt es einen Zusammenhang mit dem parallel erfolgten Aufstieg der Rechtskonservativen in der Schweizer Politik, wie viele meinen? Oder gehört das Schwingfieber zu den Begleiterscheinungen der Globalisierung, die in vielen Ländern neue Sehnsucht nach Tradition und Wurzeln ausgelöst hat?
Der Autor Schöpfer hält eine andere Erklärung für plausibler: die Neuerfindung des Schwingens als TV-Sport. In den Neunzigerjahren gab es die ersten Live-Übertragungen, und als das Schweizer Fernsehen merkte, welche Quoten Schwingfeste erzielten, etablierte sich das Fernsehschwingen immer mehr. "Es funktioniert einfach auf den Bildschirmen", sagt Schöpfer. Die Schwingvereine verzeichnen trotz wachsender Beliebtheit nicht mehr Nachwuchs - für Schöpfer ist das ein weiterer Beleg seiner These.
