Karate ohne Gegner Übungen: Kata als Weg zur Perfektion

Im Karate-Do ist die Effektivität und die starke Technik von grösster Bedeutung. Jeder kann sich aussuchen, was er möchte. Doch was bringen die besten Selbstverteidigungs-Tricks ohne die Anwendung geübt zu haben?

Die Essenz der Karate-Kata

Die Karate-Kata sind die Essenz aller okinawanischen Kampfkünste des Karate. Die Übungssysteme der Karate-Stile (Karate Ryū) begründen sich auf ihren Kata, da sie stets den Code konstituieren, der den Zugang zum Verständnis ihrer inneren Stilstruktur liefern. Nur durch ihre genaue Analyse (Bunkai) lassen sich die spezifischen Elemente der jeweiligen Stile feststellen.

Kata Bunkai: Analyse und Studium

Diese Art, die Kata zu betrachten, nennt man Kata Bunkai. Damit bezeichnet man die Aufgliederung, die Analyse und das Studium eines Stils (Ryū), basierend auf der Entschlüsselung seiner Kata. Weder ihr Ablauf (Genkyo) noch ihre Anwendung (Ōyō) sind dabei formell relevant. Es ist lediglich das „Wie“ in der Lehre eines Sensei und die Absicht des Schülers, zur inneren Vervollkommnung zu streben.

Das geschlossene System eines Stils ist unsichtbar für den Nichteingeweihten in den Kata enthalten. Gelehrt wird es heute (anders als früher, als es nur Kata gab), indem es zuerst in seine Bestandteile (Kihon und Kumite) auseinandergenommen und zum besseren Verständnis in seinen Einzelteilen (Waza) geübt wird. Die Begriffe Kihon und Kumite entstanden also, indem man die Kata in ihre Einzelteile zerlegt und diese als isolierte Trainingskomponente zu üben begann.

Die Einzeltechnik der Kata wird zu Kihon (Grundschule), während man dieselbe Technik in der Anwendung mit dem Partner als Kumite (Partnerübung) bezeichnet. Die Kata ist immer der Ausgangspunkt. Sie enthält sowohl Kihon als auch Kumite. Durch die Isolation des Kihon aus der Kata und dessen Wiederholung als Einzeltechnik fließen die in einer solchen Übung möglichen Erfahrungen erneut in die Kata zurück und erheben diese auf ein höheres Niveau.

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Durch die Wiederholung der einzelnen Technik mit dem Partner (Kumite) fließt die Erfahrung dieser Übung als besseres Verständnis der Kampfprinzipien in die Kata zurück (Distanz, Timing, Kampfgeist usw.). Das auf beiden Seiten neu Erfahrene (Kihon und Kumite) wird in der Kata wieder zusammengefügt und erhebt das Niveau der Kampfkunst. Dieser Kreislauf hat kein Ende.

Gesundheitliche Wirkung und Hintergründe

Der bloße Formaspekt der Kata spielt angesichts dieser Schwerpunkte nur eine untergeordnete Rolle, bzw. nur wenn die Kata als Weg (Dō) geübt wird, können auch ihre Hintergründe sichtbar werden. Doch als Vorbedingung zum Verständnis dessen, was Kata jenseits ihrer Form bedeutet, wird sie in allen traditionellen Systemen des Karate wie gesehen in ihre Bestandteile zerlegt, um auf diese Weise wichtige Voraussetzungen, wie korrekte Form, Entwicklung von Kraft, Timing, Distanz usw. zu schulen.

Aus diesen Überlegungen entstand die Übung der Grundtechniken (Kihon) und die Übung mit dem Partner (Kumite). Diese werden nach stilspezifischen Maßstäben erneut unterteilt, doch ihr Ursprung ist die Kata. Kata-Kumite nennt man die in den Kampf übersetzte Selbstverteidigungsmethode der Karate-Kata.

Kata-Kumite: Selbstverteidigungsmethode

Auf der ersten Stufe dieser Übungen gibt es in jeder Kata-Anwendung eine Grundform, in der die kämpferischen Prinzipien der Kata noch verschlüsselt sind, die aber notwendig ist, um Kihon-mäßige Basisprinzipien (starke Abwehrtechniken, gute Stellungen, starkes Kime, richtige Distanz usw.) zu erarbeiten. Um dieses grundlegende Kata-Kumite besser verstehen zu können, kann es zu verschiedenen Kumite-Übungsformen aufgesplittet werden (Kihon Sanbon-Kumite, Kihon Ippon-Kumite, Jiy- Ippon-Kumite usw.).

Man übt darin die Beispiele aus den Kata als Abwehr gegen Angriffe, als Befreiungstechniken gegen Halten und als Würfe. Mit dem weiteren Fortschritt darin werden neue Möglichkeiten sichtbar. Das Kata-Kumite ist der Ausgangspunkt für alle Formen des Kumite, die auf den jeweiligen Stufen geübt werden. Das Kata-Kumite ist das Beispiel, auf dem sich die anderen Formen des Kumite begründen. Auch zeichnet das Kata-Kumite die charakteristische technische Linie durch den gesamten Stil. Ohne Kata-Kumite gibt es zwischen den kämpferischen Aspekten des Stils und den Kata des Stils keine Verbindung.

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Um eine Kata zu meistern, ist jedoch der Weg durch das gesamte Bunkai notwendig. Jede Kata hat ihre eigenen Methoden, einen Angreifer zu besiegen, und erst wenn man diese im Zusammenhang mit ihren vielfältigen anderen Aspekten verstanden hat, kann man von einem höheren Kataverständnis sprechen. Die Form der Kata ist vergleichbar mit einem unausgefüllten Kreuzworträtsel, nur dass die Inhalte viel tiefer versteckt sind. Man muss sich viele Jahre lang bemühen, um die Lösungen zu finden.

Die Bedeutung der inneren Haltung

Der Weg zur Kata führt über das Studium ihrer Tradition und über die Perfektion der eigenen Haltung (Shisei). Diese in Verbindung mit der hingebungsvollen Suche nach Tiefe in der Technik liefert den Schlüssel zur wahren Kata, denn aus der rechten Haltung erwächst eine innere Kontrollinstanz für den eigenen Weg. Die kämpferische Botschaft einer Kata lehrt Angriffen aller Art richtig zu begegnen und durch entsprechende Abwehren oder Konter auf die gegnerischen Vitalpunkte den Kampf auf dem schnellsten und einfachsten Weg zu beenden.

Darin miteinbegriffen sind nicht nur die technischen Methoden, sondern viele psychologische und physiologische Kampfkunstgrundlagen, die im einzelnen nicht erklärbar, aber in der Unterrichtsweise eines erfahrenen Meisters „zwischen den Zeilen“ enthalten sind. Manche Bewegungen der Kata sind dazu gedacht, die eigenen Energiezentren zu stimulieren und die psychischen Grundstrukturen zu stabilisieren.

Durch viele Übungen, die für den Uneingeweihten unsichtbar sind und ihm daher nutzlos erscheinen, lehrt die Kata durch Atemkoordination und Energiekontrolle gegnerische Schläge zu neutralisieren, sich selbst in einem perfekten körperlichen und seelischen Gleichgewicht zu erhalten und durch geistiges Training Problemsituationen beherrschen zu lernen.

Die körperliche Technik, die über die Kata für die Selbstverteidigung ausgebildet wird, unterscheidet sich sehr von der Technik des Jiyu-Kumite. Sie erfordert kürzere Distanzen, eine hochpefektionierte Kraftübertragung und eine stärkere Verbundenheit mit dem Stand.

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Kata als Lebensbegleiter

Kata üben heißt nicht nur ihre Form zu wiederholen. Kata üben heißt, das Wesen der Kampfkünste zu studieren. Man kann die Formen vieler Kata üben, doch um nur eine einzige in der Tiefe zu perfektionieren, braucht man ein ganzes Leben. Jede Kata ist ein in sich abgeschlossener Kampfstil, d.h. jede Kata ist ein System - eine eigene Schule. Wenn in den modernen Karatestilen viele Kata enthalten sind, bedeutet das nicht, dass Fortschritt darin besteht, sie alle zu lernen.

Eine größere Anzahl von Kata bietet durch die Vielfalt ihrer Formen wohl erweiterte Möglichkeiten, doch allein die Formen zu kennen, ist kein Fortschritt. Die Kata ist ein durchs ganze Leben begleitender Lehrer. Dies kann sie aber nur dann, wenn der Übende ihr mit der richtigen Haltung begegnet. Doch die Haltung ist keine Angelegenheit des körperlichen Trainings allein, sondern eine Sache der Bekenntnis zum Weg (Dō), in der die Dōjōkun, die Lehrer/Schüler Beziehung (Shitei) und die gesamte psychologische Grundlagenstruktur des Budō ausschlaggebend sind.

Dieser wesentliche Teil der Kampfkunstübung wird häufig übersehen, und daher führt die Übung der Kata statt zur Freiheit manchmal in die Gefangenheit ihrer Form. Das, was den Fortgeschrittenen vom Anfänger wirklich unterscheidet, sind nicht die gewonnen Wettbewerbe und nicht die Anzahl der gelernten Kata-Abläufe, sondern die sich heranbildende Perfektion im Umgang mit sich selbst. Die Kata ist ein Weg zur Vollkommenheit. Sie hat einen eigenen Geist, der aber von jenem nicht erkannt werden kann, der nichts anderes als ihre Form im Auge hat. Jedes darüber hinausgehende Verständnis erfordert die Perfektion der inneren Haltung. Diese anzustreben, ist die wichtigste Aufgabe jedes Budō-Übenden.

Bloße Formen gibt es in allen Wegkünsten, doch keine von ihnen hat einen Wert, wenn der Übende ihr keinen Inhalt und sich keinen Sinn gibt. Ohne Sinn und Inhalt bleibt nur die Jagd nach neuen Formen. Die Kampfkünste enthalten viele Aspekte, doch ein Schritt über die Form hinaus ist nur auf dem Weg (Dō) möglich. Die Kata kann auf den Weg führen, doch sie tut es nicht als Form, sondern als Ideal.

Geheimhaltung und Tradition

Die Übersetzung und Perfektionierung der Kata-Methode, sowohl vom technischen, psychologischen und therapeutischen Standpunkt aus gesehen, unterliegt in allen klassischen Schulen strengster Geheimhaltung. Die meisten der modernen Schulen haben daher überhaupt kein kataorientiertes Unterrichtssystem, sondern entwickeln neben den formalen Kata-Übungen ein eigenes Stilkonzept. In den alten Schulen wurden die Ausbildungkonzepte immer aus den Kata abgeleitet.

Die Methoden, wie dies zu geschehen hatte, waren geheim und nicht selten in Mandala (geometrische Bildkonstruktionen) verschlüsselt oder sind als Densho (verschlüsselte Geheimdokumente) überliefert worden. Dies sind Papierrollen (Makimono), die für den Uneingeweihten Symbole oder nicht entschlüsselbare Texte enthalten. Was in den traditionellen Schulen als „geheimes Ausbildungssystem“ gilt, darf nicht mit dem modernen Trainingskonzept der Wettkampfausbildung verwechselt werden.

Die Uchi- und Soto-Linien

In den klassischen Stilen gibt es eine esoterische Hintergrundstruktur, die das „Wie“, „Wann“ und „Warum“ aller Einzelkomponenten in der Weg-Ausbildung definiert. Die Techniken können durchaus bekannt sein, ohne dass aber der Zusammenhang, der verschlüsselt in der Kata liegt, sichtbar wird. Solche Zusammenhänge werden in allen klassischen Schulen vor der Öffentlichkeit geschützt. Selbst wenn das Technik-System des Stils in die Öffentlichkeit gelangt (was sehr selten passiert), bleibt immer noch das unlösbare Problem, wie sich der Gesamtkomplex der vielen Hintergründigkeiten in der praktischen Übung zusammensetzt.

Solche Konzepte wurden allesamt auf den Uchi-Linien (innere Linien) der Stile von Meister zu Schüler vererbt oder auf neu entstandenen Soto-Linien (äußeren Linien) von einem besonders fähigen Experten gegründet. Sie sind nach wie vor die Essenz aller klassischen Systeme, durch die die Wegausbildung (Dō) gewährleistet wird. Die Meisterschaft eines Stilkomplexes ist nur auf dem Weg (Dō) möglich und nicht identisch mit dem ausschließlichen Training der Technik.

Im Laufe der Kampfkunstgeschichte sind viele großartige Stile mit ihrem Meister gestorben, weil der Meister keinen würdigen Nachfolger unter seinen Schülern fand und deshalb die hintergründige Stilzusammensetzung nicht preisgab. Selbst die fortgeschrittensten Schüler, die viele Jahre unter seiner Anleitung geübt hatten, waren nicht in der Lage, den Stil zu definieren. Die Überlieferung der Stilerbschaften geschah immer auf einem geradlinigen System der Weitergabe vom Meister zum Schüler.

Viele Stile haben sich auf diese Weise über Jahrhunderte auf einer geraden Linie vererbt. Diese Linie nannte man Uchi-Linie (innere Linie), während der offizielle Erbe Uchi-Deshi (innerer Schüler) hieß. Nur selten gelang es einem Soto-Deshi (äußerer Schüler) ein gleichwertiges Konzept zu gründen.

Die dreiteilige Methode

Alle traditionellen Lehren bestehen aus einer dreiteiligen Methode, in der Waza (die technischen und taktischen Verfahren), Shin (Schulung des Geistes, der inneren Haltung und der Selbsterkenntnis) und Ki (Kontrolle der vitalen Energie, Vitalpunktlehre, Therapie und Gesundheitslehre) miteinander verbunden sind und sich bildlich als ein überdimensionales Liniennetz darstellen. Darin ist jede einzelne Linie genau determiniert. Wurde diese Struktur nicht in vollem Umfang auf einen Nachfolger übertragen (Menkyo-Kaiden - Zeugnis vom Meister), bewirkte der Mangel an Wissen über die Bedeutung und den Zusammenhang der einzelnen Komponente entweder das Ableben des Stils oder seine Neustrukturierung durch einen besonders fähigen Meister der Soto-Linie.

Dem in der Tafel dargestellten Technik-System (Waza) fehlen die netzartigen Verbindungslinien zwischen den Teilen, die die gegenseitigen Abhängigkeiten ausweisen und die Zuordnung der darin verwendeten Termini zu den spezifischen Übungen. Hinzu kommen noch die Systeme Shin (Geist) und Ki (Energie), die in sich erneut strukturiert sind und miteinander kommunizieren.

Aber man darf nicht vergessen, dass die Kata der Systeme selbst den Code enthalten, der die innere Struktur einer Schule jederzeit preisgeben kann. Daher ist es verständlich, dass sie bis zur Unkenntlichkeit verschlüsselt wurden und dass es einen enormen Aufwand an Arbeit kostete, sie zu übersetzen. Doch die Geschichte der Kampfkünste weist viele Fälle auf, wo dies geschah.

  • Chojun Miyagi gründete als Soto-Deshi von Meister Higashionna das Goju Ryū
  • Yasutsune Itosu beeinflusste als Soto-Deshi von Matsumura das gesamte okinawanische Shuri-Te
  • Kenwa Mabuni, ebenfalls ein Soto-Deshi, gründete das Shito-Ryū

Jeder klassische Stil besteht aus einer lückenlosen Konstruktion von übereinandergeschichteten Bausteinen, die immer in der Reihenfolge Waza, Shin.

Bestandteile des Karate Trainings

Karate Training hat eine Menge Vorteile, ob Karate für Frauen oder für Kinder - es ist eine Sportart, die für die gesamte Familie geeignet ist. Karate lernen kann eine Menge Spaß bereiten, aber auch durchaus gewaltige Anstrengung voraussetzen. Charakteristisch für Karate sind die vielen verschiedenen Schläge und Tritte sowie deren schnelle und präzise Ausführung. Egal ob Schläge, Tritte oder Stöße, es wird bei jeder Technik großer Wert auf die Schnellkraft gelegt. Für die korrekte Ausführung der Techniken wird eine enorme körperliche Fitness benötigt.

Im Ablauf des Trainings kann es deutliche Unterschiede geben. Die Feinheiten richten sich danach, worauf Euer Verein spezialisiert ist. Ein Wettkampfverein in der Kategorie Kumite setzt andere Schwerpunkte als ein Kata-Wettkampfverein, vom Verein, welcher nur zur sportlichen Ertüchtigung auf Gürtelprüfungen vorbereitet, ganz zu schweigen.

Ablauf einer Trainingseinheit

  1. Die Begrüßung: Beim Betreten der Halle ist es üblich, auf der Türschwelle kurz innezuhalten und sich in Richtung der Mitte des Dojos, der Trainingshalle, zu verneigen. Dies gilt als Zeichen des Respekts vor der gemeinsamen Trainingsstätte und vor jenen Karateka, die bereits anwesend sind. Die Begrüßung mit dem Sensei, dem Trainer, erfolgt auf die traditionelle japanische Art, wie sie bei vielen anderen Kampfsportarten anzutreffen ist. Der Ablauf kann minimal variieren, wenn der Sensei einzelne Teile weglässt.
  2. Die Aufwärmphase: Nach der Begrüßung folgt das Aufwärmen mit verschiedenen Laufübungen oder laufintensiven Sportarten. Das kann zum Beispiel mit klassischen Ballsportarten wie Fußball oder Brennball geschehen, oder der Trainer schickt Euch durch einen kleinen Hindernisparcours. Das Wichtigste ist hierbei, dass Ihr Euch sehr viel bewegt und dabei möglichst viele Muskelgruppen ansprecht. Die Aufwärmphase dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten und wird mit ein paar Dehnübungen abgeschlossen.
  3. Grundschule (Kihon): Im Kihon, auch Grundschule genannt, werden einzelne Techniken oder deren Kombination trainiert. Im Regelfall stehen die Schüler hier in einer Linie und der Sensei gibt die Kommandos. Beim Kihon entsteht das Bild, welches Ihr aus den Kampfsportfilmen kennt, nur dass fast alle Techniken mit einer Bewegung ausgeführt werden.
  4. Kata: Die Kata, der Formenlauf, bezeichnet eine Abfolge von Bewegungen und Techniken nach einem vorgeschriebenen Muster. Diese Karate Techniken werden Euch im ersten Moment recht nutzlos erscheinen, wenn es um die Selbstverteidigung geht, was daran liegt, dass sie von ihren Schöpfern „verschlüsselt“ wurden, damit nicht jeder ihren Sinn erkennt. Während die Kata beim Karate für Anfänger nur wenige Techniken enthalten, so steigt der Anspruch mit dem Trainingsfortschritt des Schülers an. Spätere Kata beinhalten deutlich mehr Techniken mit höherem Schwierigkeitsgrad und müssen mit größerer Geschwindigkeit ausgeführt werden.
  5. Bunkai: Zum Karate lernen unverzichtbar ist das Bunkai, welches die Analyse der Techniken einer Kata beinhaltet. Schließlich war Karate zu jener Zeit, als diese Kata erfunden wurden, strengstens verboten und wurde nur mündlich vom Meister zum Schüler weitergegeben. Manchmal wird versucht, die Bewegungen der Kata eins zu eins auf einen Kampf mit Gegner zu übertragen, was allerdings nur sehr selten in sinnvollem Zusammenhang funktioniert. Es gibt im Bunkai kein „Richtig“ oder „Falsch“, solange die Anwendung funktioniert, daher kann die Interpretation der Kata auch von Trainer zu Trainer unterschiedlich ausfallen.
  6. Kumite: Das Kumite, der Kampf mit Partner, besitzt viele Formen, deren Schwierigkeit mit Eurem Ausbildungsfortschritt ansteigt. Im Training bezeichnet das Kumite die Übung mit einem Partner, wobei der Angriff anfangs angesagt wird, um eine richtige Anwendung der passenden Blocktechnik zu erlernen.
  7. Freikampf: Ein Freikampf, in dem annährend auf Wettkampfniveau trainiert wird, muss nicht in jedem Karate Training enthalten sein. Es hängt von der Spezialisierung Eures Vereins und von Euren individuellen Fähigkeiten ab, ob Ihr mit diesem konfrontiert werdet.

Die vier Stufen des Kata-Trainings

  1. Das Üben der Solo-Form
  2. Die praktischen Anwendungen der Kata-Bewegungen (Bunkai)
  3. Variationen der Techniken trainieren
  4. Die Techniken, Variationen und Prinzipien der Kata im freien Fluss einsetzen

Frei fließendes Partnertraining ("Live Sparring") und die Solo-Übung einer Kata mögen völlig unterschiedlich aussehen, aber letztlich sind sie ein und dasselbe. Man kann sich die Kata wie einen Eisblock vorstellen. Die Form des Eisblocks bleibt immer gleich. Gibt man jedoch Hitze dazu, wird das Eis zu Wasser und seine Form passt sich den Gegebenheiten an. Der Eisblock und das frei fließende Wasser mögen ganz unterschiedlich aussehen, aber sie sind letztlich ein und dasselbe (die selben Moleküle aus Wasserstoff und Sauerstoff).

Obwohl die vier Stufen des Kata-Trainings unterschiedlich aussehen, ist es entscheidend zu verstehen, dass sie alle im Kern identisch sind. Diese vier Stufen gibt es natürlich nicht bloß im Karate. Beim Boxen zum Beispiel wird einem Schüler zuerst beigebracht, wie die grundlegenden Schläge funktionieren (Stufe eins). Dann übt er diese Schläge gegen Sandsack, Pratzen und mithelfende Partner in Schutzausrüstung (Stufe zwei). Wenn er das gut kann, übt der Schüler Kombinationen, die Übergänge zwischen den Schlägen usw. (Stufe drei).

Das Lernen beginnt mit Stufe eins und geht weiter bis Stufe vier, doch sollte man daran denken, dass man die vorangegangenen Stufen nicht hinter sich lässt, sondern ebenfalls übt. Stufe-vier-Training kommt der Wirklichkeit zweifellos am nächsten, dennoch sollte man die anderen drei Stufen nicht hinter sich lassen, wenn man einmal beim Kata-based Sparring angelangt ist. Das Üben der Solo-Form erlaubt uns, Technik, Visualisierung und Geisteshaltung zu verfeinern, frei vom Druck durch einen Partner (es ist außerdem eine gute Übungsform, wenn unsere Trainingspartner mal nicht zum Training kommen können).

Das Üben der Bunkai (Stufe zwei) und Variationen (Stufe drei) helfen ebenfalls, uns technisch zu verbessern. Als Kämpfer wird man außerdem vielseitiger, denn durch Stufe-drei-Training wächst das Verständnis für die Kernprinzipien der Kata. Die Katas sind wahre Meisterwerke, die dem praxisorientierten Karateka eine ganze Menge zu bieten haben. Um einer Kata alles zu entlocken, was sie zu bieten hat, müssen wir die Kata in ihrer Gesamtheit üben. Auch wenn die Solo-Übung der Kata sehr wichtig ist, stellt sie doch nur die Einstiegsstufe dar.

Karate: Mehr als nur Kämpfen

Gerade Katas sind besondere Angriffs- und Verteidigungselemente, die früher von den Meistern nur an die besten Schüler weitergeben wurden. Kata gilt als die hohe Schule des Karate. In seiner Karateschule Dokan steht Wallmann im weißen Karateanzug vor seinen Schülern - mehrmals in der Woche wird hier Kata trainiert. Männer und Frauen, Jungs und Mädchen stehen in einer Reihe und machen synchron die gleichen Bewegungen.

Präzise Techniken, Konzentration, Kraft, Timing, Spannung und Entspannung - Kata gilt als die hohe Schule des Karate. Abgesehen davon, dass eine Kata konditionell anstrengend ist, ist sie ein Weg zur Selbstfindung und zur Perfektionierung der eigenen Fähigkeiten.