Paris, 2024 - Die Olympischen Spiele stehen wieder einmal im Zeichen der sportlichen Höchstleistungen und fairen Wettbewerbe. Doch dieses Jahr sorgt die Teilnahme zweier transgender bzw. intersexueller Boxerinnen am Frauenboxen für erhebliche Diskussionen. Die Entscheidung, Männer am Frauenboxen teilnehmen zu lassen, hat eine intensive Debatte über Geschlechtergerechtigkeit im Sport ausgelöst.
Befürworter argumentieren, dass das Zulassen von Transgender-Athleten und Athleten, die sich als Frauen identifizieren, ein Schritt in Richtung Inklusion und Akzeptanz ist.
Physiologische Unterschiede und ihre Auswirkungen
Ein grundlegender Aspekt der Diskussion sind die physiologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Männer haben im Allgemeinen eine höhere Muskelmasse und Knochendichte.
Anatomisch unterscheiden sich Männer und Frauen ebenfalls erheblich. Männer haben breitere Schultern, größere Hände und längere Arme, was ihnen im Boxen einen Vorteil verschafft.
Die biologische Entwicklung während der Pubertät spielt eine entscheidende Rolle. Jungen erleben einen erheblichen Anstieg des Testosteronspiegels, der die Entwicklung von Muskelmasse und Kraft fördert. Mädchen erfahren ebenfalls hormonelle Veränderungen, jedoch sind diese stärker auf die Vorbereitung des Körpers auf die Fortpflanzung ausgerichtet, was oft mit einer Zunahme an Körperfett und einer anderen Muskelverteilung einhergeht.
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Die Teilnahme von Männern am Frauenboxen erhöht die Verletzungsgefahr für die Athletinnen erheblich. Boxen ist ein Kampfsport, bei dem die physische Überlegenheit eine entscheidende Rolle spielt.
Studien und Richtlinien
Mehrere Studien haben sich mit der Teilnahme von Transgender-Athleten und genderübergreifendem Sport beschäftigt. Die Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) besagen, dass Transgender-Frauen ihren Testosteronspiegel mindestens zwölf Monate vor dem Wettkampf auf unter 10 nmol/L senken müssen.
Der Fall Imane Khelif und Lin Yu-ting
Imane Khelif aus Algerien und Lin Yu‑ting aus Taiwan waren bei der Box-WM 2023 ausgeschlossen worden, weil ihre DNA-Tests ergeben hatten, dass sie keine Frauen seien und XY-Chromosomen haben. Verschiedene Medien berichten, Khelif sei intersexuell. Weder von Khelif selbst, noch vom algerischen Olympischen Komitee gibt es dazu eine Aussage. Es liegt die Vermutung nahe, dass sie ohne sichtbare männliche Sexualorgane zur Welt kam, aber aufgrund ihres männlichen Chromosomensatzes eine männliche Pubertät durchlaufen und sich dementsprechend körperlich männlich entwickelt hat.
Der Internationale Boxverband (IBA) bestätigte damals: Zu gefährlich für die Gegnerin.
Die Teilnahme von Imane Khelif und Lin Yu-ting bei den Olympischen Spielen 2024 ist ein enormes Politikum. Also hatte zum Beispiel der internationale Schwimmverband „World Aquatics“ beschlossen, dass nur Transfrauen an Profi-Wettkämpfen teilnehmen dürfen, die vor der Pubertät transitioniert haben und deren Testosteronspiegel dauerhaft dem einer durchschnittlichen Frau ähnelt. Auch der internationale Leichtathletikverband „World Athletics“ schloss sich an: „Transfrauen in der Leichtathletik, die erst am Ende der Pubertät in den Frauensport einsteigen, könnten auf Anhieb alles gewinnen, was zu gewinnen ist. Die Verbände für Radsport, Gewichtheben oder Rugby sehen es genauso: „Es gilt, die weibliche Kategorie zu schützen“ und „Wettbewerbsverzerrung zu unterbinden“.
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Das gilt umso mehr, als dass Frauensport überhaupt erst in jüngster Zeit zum Männersport aufgeschlossen hat. Nach 124 (!) Jahren sind die Spiele in Paris die ersten mit Geschlechterparität.
Seit Jahren versuchen Sportlerinnen, sich gegen die Teilnahme von Transfrauen zu wehren. Sie werden dafür postwendend als „transphob“ gebrandmarkt und laufen Gefahr, wichtige Sponsoren zu verlieren. Sie verlieren Chancen auf Titel, jahrelanges hartes Training ist für die Katz.
Auch Angela Carini trainierte jahrelang für ihre zweite Olympia-Teilnahme. Auch der Fall der südafrikanerischen Läuferin Caster Semenya sorgte für heftige Diskussionen. Semenya wurde, wie Boxerin Imane Khelif, bei der Geburt als Mädchen eingetragen. Sie ist jedoch intersexuell, hat also ebenfalls XY-Chromosomen und schlug aufgrund ihrer hohen Testosteronwerte ihre Gegnerinnen um Längen. "World Athletics" beschloss daraufhin, dass Semenya ihren Trestosteronspiegel medizinisch an den durchschnittlichen Wert von Frauen anpassen müsse. Caster Semenya klagte dagegen und verlor mehrmals.
Warum das IOC nun gerade beim Boxen, dem martialischsten Sport aller Olympia-Disziplinen, die Regeln aufweicht, ist schlicht nicht zu begreifen.
IOC-Sprecher Mark Adams begründet die Entscheidung wie folgt: „Wir geben keine Kommentare zu Einzelfällen ab. Jede Starterin in den Frauenkategorien erfüllt die Teilnahmebedingungen. Sie sind laut ihres Passes Frauen. Sie sind nach den Regeln des Verbands teilnahmeberechtigt.
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Deutliche Worte zu der zweifelhaften Premiere im Boxen fand Ex-Tennisprofi Martina Navratilova. „Die Frau verliert so oder so - wenn man kämpft, kann man sich schwer verletzen. Oder man kämpft aus Protest nicht, und viele Jahre des Trainings sind umsonst.
Inzwischen wurde bekannt, dass Imane Khelif offenbar nicht psychisch trans-, sondern physisch intersexuell ist, also keine eindeutigen äußerlichen Geschlechtsmerkmale hat - aber doch einen XY-Chromosomensatz. Genauere Informationen dazu fehlen allerdings noch immer, da weder Imane Khelif noch das Internationale Olympische Komitee sich dazu äußern. Das ändert an der berechtigten Kritik an der Entscheidung des IOC allerdings nichts. Trotz Khelifs eventueller Zuordnung als „weiblich“ bei der Geburt (kein sichtbarer Penis) hat er/sie eine männliche Pubertät durchlaufen, wie man dem Körper überdeutlich ansieht. Genau das hatte der Internationale Boxverband berechtigterweise so entschieden.
Er kritisiert darum das IOC in seiner aktuellen Erklärung scharf: „Am 24. März 2023 disqualifizierte die IBA die Sportlerinnen Lin Yu-ting und Imane Khelif von den IBA Women's World Boxing Championships New Delhi 2023. Diese Disqualifikation war eine Folge ihrer Nichterfüllung der in den IBA-Regeln festgelegten und festgelegten Teilnahmekriterien für den Frauenwettbewerb. Diese Entscheidung, die nach sorgfältiger Prüfung getroffen wurde, war äußerst wichtig und notwendig, um das Maß an Fairness und größtmöglicher Integrität des Wettbewerbs aufrechtzuerhalten. Zu beachten ist, dass die Sportlerinnen keiner Testosteronuntersuchung unterzogen wurden, sondern einem gesonderten und anerkannten Test, dessen Einzelheiten vertraulich bleiben. Dieser Test ergab schlüssig, dass beide Sportlerinnen die erforderlichen Teilnahmekriterien nicht erfüllten und im Vergleich zu anderen weiblichen Teilnehmerinnen Wettbewerbsvorteile hatten.“
Der Boxverband ist „besorgt über die inkonsistente Anwendung der Teilnahmekriterien durch andere Sportorganisationen, darunter auch jene, die die Olympischen Spiele beaufsichtigen.
Olympische Spiele sind auch immer die Zeit der Skandale. Oft ging es um Doping, manchmal um vertriebene Obdachlose, neuerdings um das Ausspionieren mit Drohnen. All das wurde auch schon aus Paris berichtet. Der neueste - und hier muss man hinzufügen: angebliche - Skandal macht derweil besonders in konservativen Medien die Runde. Da sollen doch zwei trans Frauen beim Boxen starten dürfen, obwohl sie noch vor einem Jahr bei einem Geschlechtstest durchgefallen seien und disqualifiziert wurden.
Dabei wird nicht nur wie üblich beim Thema Transgender im Sport auf eine angebliche Ungerechtigkeit verwiesen. Da es ein Kampfsport ist, wird gleich Gefahr für Leib und Leben der Gegnerinnen herbeigerufen.
Das Problem an dem Skandal: Es ist womöglich keiner. Es steht nicht mal fest, ob die beiden Sportlerinnen Imane Khelif (Algerien) und Lin Yu-ting aus Taiwan überhaupt trans Frauen sind.
An dem Geschlechtstest bei der WM 2023 muss auch gezweifelt werden, und selbst die erhöhte Gesundheitsgefahr scheint in diesem Fall eher beschworen als real, auch wenn sie nach Khelifs Auftaktkampf am Donnerstag in Paris, bei der ihre italienische Gegnerin schon nach 46 Sekunden aufgeben musste, sicher erneut hervorgebracht werden dürfte.
Schon der Begriff Transgender scheint hier unangebracht zu sein. Dass die beiden als Männer geboren wurden, bleibt jedoch völlig unbewiesen.
Transgender wird jedoch als Bezeichnung für derlei Wechsel der Identitäten von Frau zu Mann oder andersherum genutzt, oft, aber nicht immer begleitet von operativer oder hormoneller Behandlung, um das Aussehen dem gefühlten Geschlecht anzupassen. Warum also diese Bezeichnung?
Hier kommt neben Unwissenheit wohl der ominöse Geschlechtstest aus dem Jahr 2023 ins Spiel. Dort sei je nach Quellenlage bei einer der Boxerinnen oder beiden bei einer DNA-Analyse das Chromosomenpaar XY nachgewiesen worden. Also Mann, also Betrug, also disqualifiziert.
Ist es nur leider nicht. Seit den 50er Jahren wurden Sportlerinnen körperlichen Untersuchungen unterzogen, später Chromosomentests und schließlich hormonellen Kontrollen. Die Chromosomentests werden nicht mehr genutzt, weil das XY-Paar kein eindeutiger Beweis für Männlichkeit ist. Vielmehr gibt es in seltenen Fällen sogenannte XY-Frauen, die anatomisch die äußeren Geschlechtsorgane des weiblichen Geschlechts besitzen, obwohl ein Y-Chromosom vorhanden ist. Anatomisch und hormonell sind sie weiblich. Ob dies bei den Boxerinnen zutrifft, ist nicht geklärt.
Die 28-jährige Lin hat sich öffentlich nicht dazu geäußert. Die drei Jahre jüngere Khelif sprach laut AFP von einer »Verschwörung gegen Algerien«, sodass im Falle eines Titelgewinns die Landesflagge nicht gehisst werde. Warum wurde der Test dann durchgeführt?
Die WM in Delhi im März 2023 wurde von der International Boxing Association (IBA) veranstaltet und stand schon damals unter keinem guten Stern. Zu dieser Zeit schlossen die meisten Verbände im Zuge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine noch alle Russen aus. Die IBA aber ließ sie zu - auf Wunsch ihres Präsidenten Umar Kremlew, ein ehemaliges Mitglied der nationalistischen Motorradrocker Nachtwölfe und enger Vertrauter von Russlands Staatspräsident Wladimir Putin.
Damals führte die IBA auch die umstrittenen DNA-Tests wieder ein. Auch das, so ist zu vermuten, auf Wunsch von Kremlew. Denn in Russland wird seit Jahren eine transfeindliche Politik gefahren. Die Disqualifikation von Khelif und Lin hatte das Geschmäckle eines Exempels, das hier medienwirksam statuiert werden sollte. Wenige Monate später wurde in Kremlews Heimat ein Gesetz verabschiedet, dass Geschlechtsangleichungen verbietet. Der Geschlechtseintrag im Pass kann nicht mehr geändert werden. Transmenschen wurde untersagt, Kinder zu adoptieren. Bestehende Ehen wurden für ungültig erklärt.
Ob die beiden Boxerinnen nun trans Menschen sind, intergeschlechtlich oder etwas ganz anderes, kann das »nd« nicht verifizieren. Vor allem aber: Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) scheint dazu nicht in der Lage.
Das IOC hat die IBA schon vor vielen Jahren wegen diverser Korruptions- und Betrugsfälle unter Kremlews Ägide suspendiert und richtet das Boxturnier selbst aus. Schon 2021 hatte das IOC den Fachverbänden per Richtlinie empfohlen, keine Grenzwertdiskussionen mehr zu führen und stattdessen immer im Einzelfall zu entscheiden, ob eine Sportlerin, ob nun trans oder intergeschlechtlich, einen Vorteil hat oder eine Gefahr für ihre Kontrahentinnen darstellt. Wenn nicht, sollte einem Start zugestimmt werden.
An die Richtlinie hielten sich viele Verbände nicht, im Boxen aber hat das IOC komplett selbst das Sagen und lässt Khelif und Lin nach eigener Prüfung kämpfen: »Jede Starterin erfüllt die Teilnahmebedingungen. Sie sind laut ihrer Pässe Frauen. Sie nehmen seit vielen Jahren an Wettbewerben teil und sind nicht plötzlich aufgetaucht.
In konservativen Foren aber werden Studien zitiert, nach denen Männer 162 Prozent härter schlagen als Frauen. Es sei doch viel zu gefährlich, wenn sich das IOC irre. Doch sind die Algerierin und die Taiwanesin wirklich so übermächtig? Ein Blick in ihre Bilanz bei großen Turnieren zeigt das nicht: Khelif hat nur neun ihrer 13 Kämpfe in der Klasse bis 66 Kilogramm gewonnen, davon beendete ein Ringrichter nur einen vorzeitig. Ihr größter Erfolg war WM-Silber 2022. Lin ist in der noch mal neun Kilo leichteren Gewichtsklasse schon besser: 24:2 Siege und zwei WM-Titel hat sie vorzuweisen. Vorzeitig gewann aber auch sie nur zweimal.
Auch Angela Carini wankte am Donnerstag trotz einer starken Rechten von Khelif nicht. Vielmehr brach die Italienerin den Kampf ab, weil sie »einen starken Schmerz in der Nase« spürte. Es sei eine reife Entscheidung gewesen, die Gesundheit nicht aufs Spiel zu setzen. Danach weinte sie kniend auf dem Ringboden. Das habe jedoch nur mit dem Tod ihres Vaters zu tun gehabt. Der war in der Nacht vor ihrem ersten Kampf in Tokio 2021 verstorben, und Carini daraufhin nicht angetreten. Auf ihre Kontrahentin angesprochen, sagte die Italienerin: »Es ist nicht an mir zu sagen, was richtig und was falsch ist. Ich wünsche ihr, dass sie es bis zum Turnierende schafft und glücklich sein kann.
Nasenbrüche beim Boxen sind keine Seltenheit. Derlei Verletzungsgefahren sind vielmehr eingepreist. Eine Kämpferin wird mit dem Sieg belohnt und nicht wegen Körperverletzung verklagt, wenn sie ihre Gegnerin bewusstlos schlägt. Bei Männern wird sogar auf einen Kopfschutz verzichtet. Warum also diese selektive Aufregung, wie etwa von der australischen Boxerin Caitlin Parker, die von einer »unglaublichen Gefahr« sprach? Sie sei nicht mit der Starterlaubnis einverstanden, und »damit sollte sich mal ernsthaft jemand befassen«, forderte sie noch.
Hardbodyideal und Weiblichkeit im Wrestling
Wrestling ist ein "Spektakel des Exzesses", wie Roland Barthes sagte, und das gilt auch für die Körper. Vielleicht sind Frauenkörper im Wrestling deshalb besonders spannend. Spätestens seit den Achtzigerjahren war amerikanisches Professional Wrestling, insbesondere in den weltweit bekannten Ligen wie der WWE und der WCW, ein Format, in dem es immer auch um Männlichkeit ging. In Teilen gilt das heute noch.
Es geht um ein Hardbodyideal, wie Philipp Kutzelmann in seiner 2014 erschienenen Studie Harte Männer über das US-Wrestling feststellt, oder ein apollinisches Ideal, wie es Camille Paglia im Kontext des Body Buildings nennt: ein wie aus Stein gemeißelter, seine Konturen betonender Körper, der alle natürlichen Eigenschaften von Fleisch hinter sich zu lassen scheint. Kein Gramm Fett, große Muskelberge, Sehnen wie bei Michelangelos Plastiken. Ein Körper, der Stuhlschlägen wie Stürzen aus großer Höhe standhält. Ein Ideal, das sich mit unseren Vorstellungen von Weiblichkeit, in dem Schwäche physisch wie psychisch irgendwie ganz sexy sein soll, offensichtlich nicht deckt.
Dass starke Frauen Männern Angst machen, ist ja eine Binsenweisheit. Wenn sich die Stärke vor allem physisch manifestiert, erzeugt sie zusätzlich Ekel. Die Bezeichnung "Mannsweib" ist da vermutlich noch eine der harmloseren Beleidigungen.
Im Wrestling jedenfalls führt das Hardbodyideal zu einem faszinierenden Effekt bei den weiblichen Protagonistinnen: Entweder verkörpern sie eine Form der Hyperweiblichkeit, deren individuelle Ausgestaltung mithilfe von Fake-Brüsten, Fake-Haaren, Fake-Wimpern und String Tangas sich aus Bildbeständen der Pornokultur speist, oder sie versuchen, sich mit dem männlichen Ideal zu messen.
Weil ein Gimmick eine Verkörperung ist, hätte Jazzy Gabert schwerlich die zierliche, verletzliche Elfe mimen können. Die Rolle der toughen Frau ist ihr auf den Leib geschrieben.
Trotzdem sagt sie: "Ich entscheide mich aktiv und bewusst für die männliche Rolle. Ich weiß, dass ich im Ring keine Schönheit bin. Ich würde Alpha Female niemals daten. Aber ich weiß, es ist halt nur eine Rolle. Und ich hoffe, dass die Zuschauer das auch verstehen." Das ist nicht immer der Fall.
Am Abend unseres Interviews, bei Next Step Wrestling im Alten Heizwerk in Dresden, kämpft Jazzy im Rahmen einer Battle Royal: Dutzende Männer betreten den Ring, Gabert ist die einzige Frau und tritt als Stargast auf. Gemeinsam mit meinem Sohn schaue ich ihr dabei zu, wie sie Männer aushebelt, auf ihre Schulter hebt und aus dem Ring wirft. Zum Schluss ist der Ring leergefegt und Jazzy die strahlende, bejubelte Siegerin. Nach ihrem Auftritt in der Datingshow übrigens bekam Jazzy Gabert zahlreiche Kennenlernanfragen.
Kampfsport als Mittel zur Überwindung von Hemmschwellen
1. Frauen können gucken, ohne gleich befürchten zu müssen hart dran genommen zu werden, falls sie das befürchten sollten. Hemmschwellen werden abgebaut. Vor allen Dingen lernen sie den Trainingspartner als Trainingspartner (bei uns sind in dieser SV natürlich die armen Männer das Opfer ) kennen, und dass Männer einem nahe kommen, ohne an die Wäsche zu wollen.
2. das Distanzbrechen in diesem Fall nur was mit dem Sport zu tun hat. Meine Schwester hasst es z. B., wenn im Alltag jemand eine gewisse Distanz unterschreitet und das wäre im Kampfsport ja ständig der Fall. Also würde sie von vorneherein nicht gleich in eine KK-Schule gehen, um sich das anzuschaun. Dieses Distanzbrechen gilt es als normal anzusehen lernen auf der Matte. Und ein Kerl in einem Rundumschutz sieht ja auch recht unkaputtbar aus, also kann man mal machen, was sonst so nicht erlaubt ist. (Zuschlagen bis der Arzt kommt... -nee, Quatsch! Aber wie oft kamen Frauen mit ihren kleinen Fäustchen durch den Kopfschutz und sahen wie leicht man jemand ein Veilchen schlagen kann. Einige machen halt tatsächlich weiter.
Und dem Argument, "das ist zu hart, tut doch weh", kann man damit begegnen, dass es einen Unterschied ist, ob du im Training sparrst oder nur mittrainierst.
Fairness und Sicherheit im Sport
Die Teilnahme von trans- oder intersexuellen Sportlern am Frauenboxen bei den Olympischen Spielen in Paris wirft komplexe Fragen zur Fairness und Sicherheit im Sport auf. Aus sportmedizinischer Sicht sind die physiologischen, anatomischen und biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen erheblich und nicht vollständig durch Hormontherapie oder Training auszugleichen.
Es ist unerlässlich, dass die sportlichen Regelwerke die Unterschiede zwischen den Geschlechtern berücksichtigen, um die Sicherheit und Fairness für alle Athletinnen und Athleten zu gewährleisten. Die Olympischen Spiele sollten ein Fest der sportlichen Exzellenz und des fairen Wettbewerbs bleiben.
Referenzen
- Janssen, I., Heymsfield, S. B., Wang, Z. M., & Ross, R. (2000). Skeletal muscle mass and distribution in 468 men and women aged 18-88 yr.
- Nielsen, B. S., & Faulkner, R. A. (2004). Gender differences in the functional significance of bone size.
- Kadi, F., & Ponsot, E. (2010). The biology of human hypertrophy: Mechanisms and applications.
- Lystad, R. P., Gregory, K., & Wilson, J. (2014). The epidemiology of injuries in mixed martial arts: A systematic review and meta-analysis.
- Harper, J., O’Donnell, E., Sorouri Khorashad, B., McDermott, H., & Witcomb, G. L. (2021). How does hormone transition in transgender women change body composition, muscle strength and hemoglobin? Systematic review with a focus on the implications for sport participation.
