Judoka Pierre Ederer gehört zu den vielen Olympiachampions, die eine Eliteschule des Sports besucht haben. Der Sportler vom JSC Heidelberg Rhein-Neckar setzte sich in der Klasse bis 100 kg durch und gewann vier Begegnungen. Im Finale behielt er gegen Nodari Alapishvili aus Georgien die Oberhand.
Erfolge und Auszeichnungen
Der erste Platz beim U21 European Cup und der fünfte Platz bei der U21 EM waren 2024 die größten Erfolge von Pierre Ederer. Im selben Jahr legte er erfolgreich sein Abitur ab - eine bemerkenswerte Leistung, für die der Judoka nun die Auszeichnung „Eliteschüler des Sports“ am OSP Stuttgart erhielt.
Die Anfänge
Pierre Ederer war 14 Jahre alt, als er 2017 zum ersten Mal zu einer Judomeisterschaft fuhr. „Ich wollte das einfach mal ausprobieren“, erinnert er sich. Noch überraschender ist dieser Erfolg, wenn man weiß, dass der Teenager zu diesem Zeitpunkt erst ein Jahr Judo praktizierte. „In meinem Heimatort wird traditionell Handball gespielt“, berichtet er.
Einstieg in den Leistungssport
Dies änderte sich mit dem Meistertitel schlagartig. Die Olympiastützpunkte in Heidelberg und Stuttgart meldeten Interesse an. Plötzlich waren Pierre Ederers Nachmittage verplant. Zweimal pro Woche fuhren ihn seine Eltern zum Training von Tauberbischofsheim nach Heidelberg, dreimal nach Stuttgart. „Ich habe damals viele Stunden auf der Autobahn verbracht“, erinnert er sich.
Die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule, die zum Verband der Stuttgarter Eliteschulen des Sports zählt, bot ihm ausgezeichnete Bedingungen, um Training und Schule zu verbinden. Zum Beispiel durch einen trainingsfreundlichen Stundenplan, sprich: keine Hohlstunden, wenig Nachmittagsunterricht und zweimal die Woche zwei Freistunden am Morgen zum Trainieren. Rückblickend schätzt der heute 20-Jährige vor allem, dass seine Lehrerinnen und Lehrer ihm immer wieder Extrastunden zum Nachholen des Lernstoffs anboten und ihn bei Fehlzeiten mit individuell zusammengestellten Lernmaterialien versorgten.
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Eliteschulen des Sports als Talentschmiede
Die sportlichen Erfolge blieben nicht aus. Das vergangene Jahr war besonders erfolgreich: Pierre Ederer absolvierte sein Abitur und sicherte sich wenige Wochen später den 1. Platz beim Berlin Junior European Cup 2024. Inzwischen ist er Sportsoldat bei der Bundeswehr. Zeitgleich hat an der Hochschule für Technik (HfT) in Stuttgart ein Studium in Wirtschaftspsychologie begonnen.
„Pierre Ederer ist nicht nur ein großartiger Judoka, sondern auch ein Vorbild: Er zeigt, dass Leistung etwas Positives und Wertvolles ist. Das gilt nicht nur im Sport, sondern in der Gesellschaft insgesamt“, betonte Dr. Mathias Neth bei der Übergabe der Urkunde. Hinter den Eliteschulen des Sports stehen viele Menschen, die gemeinsam dafür sorgen, dass Talente wie Pierre Ederer sportlich wie schulisch beste Entwicklungsmöglichkeiten haben.
Im Januar gab der Deutsche Judo-Bund (DJB) den Nationalkader 2025 bekannt. Pierre Ederer gehört dazu. Gleichzeitig hat sich der Sportler an der Stuttgarter Hochschule für Technik (HfT) für das Fach Wirtschaftspsychologie eingeschrieben.
Werte und Ziele
Mit 13 Jahren reizte ihn das Kämpferische am Judo, heute schätzt Pierre Ederer vor allem die tieferen Werte, die in diesem Sport angelegt sind: „Vor und nach dem Kampf verneigen sich Judokas voreinander“, erklärt er. „Es ist ein Ausdruck des gegenseitigen Respekts.“ Das gefällt ihm. Judo steht für ihn zudem für Durchhaltevermögen, Disziplin und Aufrichtigkeit.
„Die Gegnerschaft endet außerhalb der Matte“, fährt er fort. Vieles, was er im Sport erfahren hat, lässt sich für ihn auch auf das Leben übertragen: „Wenn man auf etwas Neues Lust hat, sollte man es ausprobieren. Nur weil man etwas anderes schon jahrelang macht, heißt das nicht, dass man für immer dabeibleiben muss“, rät der 20-Jährige mit Blick auf seinen relativ späten Wechsel vom Handball zum Judo.
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Dazu passt eine zweite, geradezu philosophisch anmutende Parallele: „Als allererstes lernt man im Judo das Fallen“, erklärt er. Unterricht und Training werden in den Eliteschulen des Sports minutiös aufeinander abgestimmt.
Bundesweit gibt es 43 Eliteschulen des Sports, davon sieben in Baden-Württemberg: in Freiburg, Furtwangen, Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart und Tauberbischofsheim. Jede der 43 Eliteschulen des Sports in Deutschland wählt jährlich einen Eliteschüler bzw. eine Eliteschülerin. Die Wahl versteht sich als Auszeichnung für die jungen Sportprofis. Zugleich sind sie als Persönlichkeiten Vorbilder für alle Eliteschülerinnen und -schüler des Sports. In Stuttgart wurde 2024 der Judoka Pierre Ederer zum Eliteschüler des Sports gewählt.
Selbst erfolgreiche Sportkarrieren enden in der Regel zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Anders als z. B. in den USA können Profisportlerinnen und -sportler in Deutschland in der Regel nicht vom Sport leben. Bereits junge Athletinnen und Athleten benötigen deshalb ein zweites berufliches Standbein. Die Voraussetzung dafür ist ein anerkannter Bildungsabschluss.
Mit rund 109 Millionen Euro (2023) ist die Sparkassen-Finanzgruppe der größte nicht-staatliche Sportförderer in Deutschland. Sie fördert sowohl den Spitzen- wie den Breitensport. Besonderes Augenmerk richtet die Sparkassen-Finanzgruppe auf die Nachwuchsförderung, indem sie junge Sporttalente langfristig und systematisch in ihrer gesamten Entwicklung unterstützt und begleitet.
Der Sparkassenverband Baden-Württemberg erhöht diese Summe durch eine Zusatzförderung: Aufgrund seiner Größe erhält der Eliteschulverband Stuttgart vom Sparkassenverband Baden-Württemberg weitere 8.500 Euro.
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Der Deutsche Judo-Bund (DJB) hat den Nationalkader für das Jahr 2025 bekannt gegeben - darunter auch Pierre Ederer von der Judo-Abteilung des TSV Tauberbischofsheim. Im Jahr 2016, also mit 12 Jahren begann Pierre Ederer mit dem Judosport in der Kreisstadt unter der Leitung von Trainer Joachim Fels. Sehr schnell war zu erkennen, dass hier ein Talent auf der Matte steht. Seinen ersten Durchbruch hatte er 2021 in der Altersklasse U18 mit dem Gewinn der Silbermedaille bei den Deutschen Einzelmeisterschaften.
Um seine gesteckten Ziele zu erreichen, einmal nach Olympia zu kommen, musste er ins Sportinternat nach Heidelberg wechseln. Seinen ersten Titel als Deutscher Meister in der Altersklasse U21 holte er im Jahr 2022 und nochmals 2023. Im gleichen Jahr erkämpfte er sich bei der Junioren-Europameisterschaft die Bronzemedaille. Zwischenzeitlich wechselte er zum Olympiastützpunkt nach Stuttgart, wo er sein Abitur mit Erfolg ablegte. Mittlerweile ist er in der Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen, wo er als „Profi-Athlet“ angestellt ist.
Das Sportjahr 2024 war für den Ausnahmekämpfer ein sehr intensives Jahr. Für Freizeit blieb da nicht viel Zeit übrig. Denn zwischen den einzelnen DJB-Trainingslagern und Abitur, war er auch fleißig als Nationalkämpfer im Einsatz. So belegte er den 1. Platz beim European Cup in Berlin. Weiter ging es mit dem 2. Platz beim European Cup in Sarajevo, dem 3. Platz in Gradec, 5. Platz in Malaga sowie einem 7. Platz in Prag. Bei der Europameisterschaft belegte er einen guten 5. Platz, sowie bei den Internationalen Masters in Bremen einen 7.
Für seine bislang überragenden Erfolge in der U21 auf Europäischer Ebene, wurde er dadurch vom Deutschen Judo-Bund zur Weltmeisterschaft in 2024 nominiert. Es ging gleich richtig los für ihn im Herrenbereich, denn ein Trainingslager im Mutterhaus des Judo dem „Kodokan“ in Japan und in Maintal. Den Jahresauftakt macht er derzeit in Mittersill, dem größten Trainingscamp der Welt im Judo. Mit nahezu 850 Teilnehmern aus 44 Nationen sind fast alle Top-Kämpfer und viele Olympia-Medaillengewinner dabei. Natürlich auch alle DJB - Nationalathleten.
Nach dem Sieg des European Cups in Berlin stehen für den Hardheimer Pierre Ederer weitere Höhepunkte seiner Karriere bevor: Er hat sich für die Junioren-EM und -WM qualifiziert.
Seinen ersten Kampf gegen Vid Kamik aus Slowenien gewinnt er bereits nach 53 Sekunden mit Ippon. Gegen Silvan Bulthuis aus den Niederlanden gewinnt er ebenfalls mit Ippon.
Die Medaillenbilanz von Pierre Ederer
| Wettbewerb | Platzierung | Jahr |
|---|---|---|
| U21 European Cup, Berlin | 1. Platz | 2024 |
| European Cup, Sarajevo | 2. Platz | 2024 |
| European Cup, Gradec | 3. Platz | 2024 |
| European Cup, Malaga | 5. Platz | 2024 |
| European Cup, Prag | 7. Platz | 2024 |
| Junioren-Europameisterschaft | 3. Platz | 2023 |
| Europameisterschaft | 5. Platz | 2024 |
| Internationale Masters, Bremen | 7. Platz | 2024 |
| Deutsche Einzelmeisterschaften (U18) | 2. Platz | 2021 |
| Deutsche Meisterschaft (U21) | 1. Platz | 2022 |
| Deutsche Meisterschaft (U21) | 1. Platz | 2023 |
Sein größtes Ziel: Er trainiert für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
