Was ist echt bei WWE? Eine Analyse des Show-Kampfsports

Beim Wrestling war man schon in der Zeit vor Fake-News nicht immer sicher, was echt und was erfunden ist. Wrestling ist in seiner Mischung aus Sport und Show etwas typisch Amerikanisches. Charakteristisch ist das verwirrende Verhältnis zwischen Realität und So-tun-als-ob: Das Publikum soll glauben, es handle sich um einen echten Kampf; in Wirklichkeit ist jedoch alles inszeniert und einstudiert. Was allerdings nicht ausschliesst, dass es trotzdem immer wieder zu schweren Verletzungen kommt.

Für dieses Spiel mit Fakt und Fake gibt es sogar einen eigenen Ausdruck: «Kayfabe». Er bedeutet, dass zwar alles simuliert ist, man aber so tut, als sei es bitterer Ernst. So fielen die Gegner bewusst aus der Rolle, indem sie sich zum Beispiel nach dem Kampf umarmten. Unter McMahon wurde das verboten.

Die Rolle von Vince McMahon

Es war vor allem McMahon, der diesen theatralischen Aspekt, der sich selbst kaschiert, seit den achtziger Jahren auf die Spitze trieb. Vorher war Wrestling in weiten Teilen Amerikas ein mehr oder weniger normaler Sport gewesen, und die Unterhaltungselemente waren für das Publikum leicht durchschaubar. Durch diese Dramatisierung machte McMahon Wrestling zu einem gigantischen Business und sich selbst zu einer prägenden Figur der amerikanischen Populärkultur.

Stars wie Dwayne «The Rock» Johnson, «Stone Cold» Steve Austin, John Cena, Dave Bautista, Bret «The Hitman» Hart und Hulk Hogan haben ihren internationalen Ruhm ihm zu verdanken. McMahon war ursprünglich selbst Wrestler und kaufte die damalige World Wrestling Foundation, die später in WWE umbenannt wurde, seinem Vater ab. 2021 machte die WWE einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar.

Donald Trump und das Wrestling

McMahon ist aber auch deshalb wichtig, weil er einer der engsten Freunde und wichtigsten Spender Donald Trumps ist. Letzterer hat bei McMahon möglicherweise die wichtigsten Tricks gelernt, die ihn zum Show-Präsidenten machten. Trump hat sich auch selbst als Wrestler inszeniert: 2007 rasierte er McMahon, der so tat, als wehrte er sich mit Händen und Füssen dagegen, beim sogenannten «Battle of the Billionaires» im Rahmen der Wrestlemania 23 in Detroit im Ring die Haare ab.

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Viel von Trumps Rhetorik könnte direkt aus einem Wrestling-Drehbuch stammen, so etwa die Übernamen, die er seinen Kontrahenten verpasst, um sie lächerlich zu machen. Im Januar 2016 warf er Gegner aus einer Wahlkampfveranstaltung in Vermont. In publikumswirksamer Wrestling-Manier befahl er seinen Sicherheitsleuten, «den Demonstranten die Mäntel abzunehmen und sie dann in die Kälte hinauszuschmeissen». Auch Trumps comicartiges Gut-Böse-Denken und das Liebäugeln mit Gewalt passen zum Wrestling.

Man könnte glauben, die Zeit dieses fröhlichen Nihilismus sei längst vorbei, aber sie ist lediglich in anderer, mächtigerer Form wiederauferstanden, wie Riesman schreibt: «McMahon hatte der Wrestling-Welt gezeigt, was Trump später allen anderen zeigte: Nichts ist wahr, und alles ist erlaubt.»

Die Faszination des Wrestlings

Es ist vielsagend, wie sehr sich auch in den USA die Geister am Wrestling scheiden. Die Gebildeten und Progressiven rümpfen die Nase über das vulgäre Vergnügen, das für sie in derselben reaktionären Schmuddelecke wie Schiessen, Axtwerfen oder Rodeo angesiedelt ist.

Bei den Veranstaltungen selbst ist allerdings auffällig, wie gemischt das Publikum ist: Weisse, Schwarze, Latinos, Männer, Frauen, Jugendliche und Grosseltern. Die Begeisterung für den jeweiligen Helden ist grenzenlos und ebenso der Hass auf dessen Gegner, der aus vollem Hals und nonstop beschimpft wird. Dass der ganze Ablauf einem Skript folgt, vergisst man sofort. Kayfabe funktioniert, jeder V-Effekt wird vermieden.

Die Tragik hinter der Show

Doch was Roman Reigns am Montagabend in «Raw» enthüllt, ist traurige Wahrheit. Der WWE-Superstar hat Leukämie. Reigns betritt den Ring in Providence wie üblich unter Buhrufen - er spielt einen Bösewicht. Doch in der Arena wird es bald still. Der 33-Jährige verkündet, dass er an Blutkrebs erkrankt sei und deshalb seinen Titel niederlegen müsse. Reigns war Universal Champion, der höchste Titel der WWE-Show «Raw».

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«Ich habe euch hier Woche für Woche angelogen. Die Realität ist: Mein richtiger Name ist Joe und ich lebe seit elf Jahren mit Leukämie», sagte der Wrestler. «Leider ist die Krankheit zurück.»

Leati Joseph Anoa'i, so sein bürgerlicher Name, war ein hoffnungsvoller Footballspieler. Zu diesem Zeitpunkt hatte Anoa'i bereits die Leukämie-Diagnose erhalten. «Das war damals mit 22 Jahren die härteste Zeit meines Lebens», blickte er nun zurück. Glücklicherweise habe er die Krankheit damals rasch besiegen können.

Der Kampfsportler betonte in seiner Rede, dass er nichts von einem Rücktritt wissen wolle. «Wenn ich der Leukämie ein weiteres Mal in den Arsch getreten habe, dann komme ich zurück!»

Als Roman Reigns den Gürtel des Universal Champions in den Ring legt und sich verabschiedet, buht keiner mehr. Stattdessen schallen laute «Thank you, Roman!»-Rufe durch die Halle.

WWE 2K25: Ein Spiel der Widersprüche

Jedes Jahr ein neues «WWE 2K». Und jedes Jahr dieselbe Frage: Ist es mehr als ein teures Update? Mit «WWE 2K25» steht der neueste Ableger der Wrestling-Simulation in den Startlöchern. Nach dem katastrophalen «WWE 2K20» hat 2K in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt. Nun stellt sich die Frage: Setzt «2K25» diesen positiven Trend fort?

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Das Gameplay von «WWE 2K25» bleibt dem Stil der Vorgänger in weiten Teilen treu. Das bewährte Steuerungssystem mit leichten und schweren Angriffen sowie Kontern ist weiterhin angenehm zu erlernen, aber schwer zu meistern. Vor allem auf höchster Stufe kann es anspruchsvoll sein.

Optisch weiß «WWE 2K25» zu gefallen - zumindest auf den ersten Blick. Die Gesichtsmodelle der Superstars sind detaillierter denn je, besonders bei den Main Eventern wie Roman Reigns, Cody Rhodes oder Seth Rollins. Auch die Lichteffekte in den Arenen sorgen für eine packende Atmosphäre. Leider gibt es weiterhin einige Superstars mit wenig Liebe zum Detail, was besonders bei manchen weiblichen Wrestlerinnen auffällt.

«WWE 2K25» bietet eine große Auswahl an Spielmodi: Vom Karrieremodus über den Universe-Mode bis hin zu Online-Wettkämpfen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich auszutoben. Allerdings können mich die wenigsten Modi wirklich überzeugen. Die meisten fristen trotz neuer Features ein tristes Dasein.

Herzstück von "WWE 2K25" ist demnach offenbar ein neuer Island-Mode - allerdings nur auf den Next-Gen-Konsolen, denn er wird exklusiv dafür verfügbar sein. Darin musss der Tribal Chief Roan Reigns, welcher bekanntlich auch auf dem Cover sein wird, beeindruckt werden. Abseits davon ist das Roster noch einmal angewachsen und zwar auf über 300 Wrestler. An Details wurde auch geschraubt. "WWE 2K25" erscheint am 14.

Das Roster von «WWE 2K25» ist erneut beeindruckend groß. Ich habe die Auswahl zwischen mehr als 300 Charakteren. Es deckt eine breite Palette von aktuellen Superstars, NXT-Talenten und Legenden aus den unterschiedlichsten Dekaden ab. Neben etablierten Stars wie Roman Reigns, Seth Rollins und Becky Lynch gibt es auch eine Vielzahl von Debütanten wie Jacob Fatu, den aktuellen NXT-Champion Oba Femi, Kelani Jordan und Lola Vice. Dazu kommen zahlreiche Legenden: von Peter Maivia über Andre The Giant, Diesel, Batista bis hin zu dem vor zwei Jahren viel zu jung verstorbenen Bray Wyatt.