In Neu Wulmstorf bietet Stefan Kurtz (65) Karate für (untrainierte) Ältere an. Was ungewöhnlich klingt, ist ein guter Weg, seinen Körper schonend zu trainieren, sagt Trainer Stefan Kurtz (65). Ein Kampfsporttraining für Best Ager, die auf diesem Gebiet noch nie aktiv waren?
Die Geschichte von Stefan Kurtz und sein Weg zum Karate
Stefan Kurtz besitzt in der Kampfkunst den schwarzen Gürtel - obwohl der früher gar nicht sein Ziel war. „Ich bin über das Fallschirmspringen zum Karate gekommen“, erzählt der ehemalige Airbus-Statiker. „Es gab dort einen Ausbilder, der neben dem Springen auch zusätzlich Karate gemacht hat, das fand ich beeindruckend.“ Nach vier Jahren habe er dann zum Kampfsport gewechselt. „Dabei wollte ich nur bis zum violetten Gürtel machen.
Dass er auch als Trainer aktiv wurde, hatte sich durch Zufall ergeben. „Ich kam aus einem Urlaub zurück und fand zur Trainingszeit die Halle leer vor“, erinnert sich der Sportler. Als er erfuhr, dass der eigentliche Trainer sich anderweitig orientiert hatte, bot Kurtz an, spontan als Übungsleiter einzuspringen. Nach seinem Umzug von Hamburg nach Neu Wulmstorf gründete Stefan Kurtz den Verein Kanga Heidesiedlung. Dort bot er Schwimmkurse für Kinder an, später dann Karatekurse, auch für Erwachsene, immer ehrenamtlich.
Karate für Ältere in Neu Wulmstorf
Inzwischen trainiert er zwölf Kinder in einer Gymnastikhalle in der Grundschule an der Heide, eine zweite Trainerin hat die Erwachsenengruppe übernommen. „Jetzt möchte ich eine Gruppe für ältere Menschen aufbauen und ihnen den Sport näherbringen. Vorkenntnisse sind dabei nicht notwendig“, sagt Kurtz. Der Schwerpunkt des 90-minütigen Trainings liege in der ersten Hälfte auf „weicher Technik“, auf Bewegungen, die im Alltag geläufig sind und dann in Karate-Bewegungen übergehen. Danach gebe es, so Kurtz, „ein Herantasten an das, was der Körper bereit zu leisten ist“.
Das Training findet ab sofort freitags von 9.30 bis 11 Uhr in der Gymnastikhalle zwei in der Grundschule an der Heide statt. Die Buslinie 440 hält direkt vor der Schule an der Breslauer Straße. Weitere Erwachsenengruppen gibt es montags (18.30 Uhr) und mittwochs (18 Uhr).
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Karate als Lebensretter: Die Geschichte von Cornelia Winkler
Dass Ältere oder Menschen mit Handicaps die asiatische Kampfsportart beherrschen, klingt eher unwahrscheinlich. Und doch ist es möglich, sagt Cornelia Winkler. Die Schwarzgurtträgerin ist der beste Beweis. „Es war schon immer mein Traum, Karate zu machen“, erzählt sie. Wegen des Gerüchts, es sei brutal, habe sie sich aber als junge Frau nicht getraut. Dann kam der Unfall. 1979 stürzte sie die Treppe herunter und verletzte sich schwer am linken Sprunggelenk. Trotz mehrerer Operationen blieb der Fuß steif, eine Gehbehinderung und Schmerzen, die bis in den Rücken ausstrahlten, waren weitere Folgen.
Aber damit wollte sich Cony Winkler nicht abfinden. Als sie 2002 einen Artikel über Karatetrainer Stefan Kurtz in der Zeitung las, der Werbung für eine neue Gruppe „Karate über 30“ machte, nahm sie all ihren Mut zusammen und wandte sich an den Coach, ob er sie denn auch unterrichten würde. „Viel mehr konnte sich die Sache ja nicht verschlimmern, dachte ich mir“, erzählt die 52-Jährige. Es sei auch ein bisschen Wut dabei gewesen, sagt sie heute. Mit dieser Einstellung kam sie zum Training und blieb dabei, obwohl es ihr nach mancher Stunde „saudreckig“ ging.
Ihre Trotzhaltung zahlte sich aus: Nach einem halben Jahr machten sich ein verbesserter Gleichgewichtssinn, eine erhöhte Standfestigkeit und ein deutlich gesünderes Allgemeinbefinden bemerkbar. Das war ihr Ansporn, weiterzumachen. Jetzt kam sie nicht mehr nur einmal die Woche zum Training, sondern sogar sonntags. Ihr Ehrgeiz war geweckt. Das Virus Karate hatte sie infiziert und brachte sie erst zum Braungurt und dann zum Schwarzgurt.
Cornelia Winkler als Trainerin und ihre Philosophie
Da lag es nahe, selbst andere zu unterrichten, ein „Job“, den sie seit Jahren mit viel Engagement im Kanga-Verein Heidesiedlung Neu Wulmstorf ausübt. „Ich glaube im Nachhinein, Karate hat mich gerettet, mich aus meiner Lethargie befreit und mir einen neuen Lebenssinn gegeben, den ich nach meinem Arbeitsunfall beinah verloren hatte“, ist sie überzeugt. Weil ihr der Sport so viel Spaß macht, besucht sie Kurse, Workshops und Seminare, um ständig auf dem Laufenden zu sein.
Auf diese Weise eignete sie sich im Laufe der Jahre nicht nur eine Menge Wissen über Kampfsportarten, sondern auch über alltagstaugliche Selbstverteidigung an. Einfache Übungen, die jeder nachmachen kann. Selbst für Rollstuhlfahrer gibt es Verteidigungsmöglichkeiten, ist sie sicher. Oder für Senioren und Menschen, die lange kein Sport gemacht haben, hält sie Tipps und Tricks parat. In ihren Stunden montag- und mittwochabends zeigt die Schwarzgurttrainerin, wie jeder mit einfachen Bewegungen sich einen Angreifer vom Hals halten kann.
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Allerdings sei es wichtig, 1000 Mal und mehr zu trainieren, um im Ernstfall automatisch richtig zu reagieren. So ganz nebenbei verbesserten sich auch die Beweglichkeit und das physische wie psychische Wohlbefinden und das Selbstvertrauen, das weiß Winkler aus eigener Erfahrung. Deshalb empfiehlt sie allen, die es ausprobieren wollen, eine Probestunde. „Unter uns nennen wir uns auch die Trümmertruppe, das heißt nicht, dass wir alles um uns herum zertrümmern, sondern dass wir uns selbst nicht so ernst nehmen“, sagt sie mit Blick auf ihre eigene Gruppe.
Jeden Montag (von 18.30 Uhr bis 19 Uhr) und jeden Mittwoch (von 18 bis 19.30 Uhr) sind Interessierte zum kostenlosen Probetraining in der Sporthalle der Grundschule Breslauer Straße willkommen.
Trainingszeiten im Überblick
| Tag | Zeit | Ort | Zielgruppe |
|---|---|---|---|
| Freitag | 9.30 - 11.00 Uhr | Gymnastikhalle 2, Grundschule an der Heide | Ältere Menschen |
| Montag | 18.30 - 19.00 Uhr | Sporthalle der Grundschule Breslauer Straße | Erwachsene |
| Mittwoch | 18.00 - 19.30 Uhr | Sporthalle der Grundschule Breslauer Straße | Erwachsene |
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