Karate, Küsse, blonde Katzen (1974): Eine trashige Co-Produktion und ihre Bedeutung

Der 1974 entstandene Karate, Küsse, blonde Katzen ist eine legendär-schräge Co-Produktion von der Münchener Rapid-Film mit der Shaw Brothers-Produktionsschmiede aus Hongkong.

Ernst Hofbauer übernahm den deutschen Regiepart und man bekommt allerlei dämliche Zoten geboten, dazu Piraten und die Helden sind in den absurden Kampf-/Traingsszenen stets oben ohne unterwegs.

Ein Fest für den geneigten Trash-Freund - aber leider international eine fassungstechnisch komplizierte Angelegenheit, denn tatsächlich sind im Grunde weltweit nur Auswertungen in Deutschland bekannt.

Fassungstechnische Komplikationen und Schnittversionen

Der Film wurde jahrelang als geschnitten eingestuft, ohne dass man dies mit ausländischen Alternativen klar nachweisen kann.

Wer die VHS noch hat, konnte nach dem 2010 erschienenen DVD-Release von Camera Obscura (CO) immerhin schon feststellen, dass bei der DVD ein kleiner Dialogmoment beim Ende einer Kampfszene gegenüber der VHS verloren gegangen war.

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Ob das aber in beiden Fassungen der einzige Cut war, ließ sich wie gesagt nicht klar sagen.

Nachdem filmArt bereits 2015 eine Blu-ray angekündigt hat, dauerte es mal wieder etwas länger: Seit dem 06. Mai 2022 ist die entsprechende VÖ endlich erhältlich.

Wie schon bei der DVD, ist als Bonus noch die 50-minütige Super-8-Fassung an Bord, in der man den VHS-Zusatzmoment aber nicht zu sehen bekommt.

Tatsächlich gibt es immerhin klitzekleine Abweichungen im Framebereich, die sich jedoch auf gerade mal eine Sekunde summieren.

Den "Hauptanteil" des Schnittberichts stellt somit der Abgleich zur etwas längeren VHS dar, bei der wir allerdings nicht jede belanglose Mini-Abweichung unter 0,5 sec aufgeführt haben.

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Schade, dass der Film weiterhin unvollständig bleibt und die filmArt-Blu-ray, ähnlich wie zuletzt auch die erweiterte Fassung von Ti Lung - Die tödliche Kobra, sogar etwas deutsche Originalsynchro missen lässt.

Trotz dieses Abzugs in der B-Note sei die Blu-ray Interessenten aber auch hier klar ans Herz gelegt.

Zu Beginn gibt es bei der deutschen VHS die Shawscope-Einblendung, während DVD und Blu-ray das Constantin-Logo zeigen.

Gleich bei der ersten Szene auf dem Wasser gehen der DVD/Blu-ray 10 Frames verloren.

Nochmal 4 Frames als der Typ kurz darauf den Mädels etwas Essen bringt.

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Im weiteren Verlauf fehlen öfter mal einzelne Frames (< 0,5 sec).

Auch der VHS hat hier und da einzelne Frames weniger, wenngleich sich bis zum Ende des Films insgesamt rund 6 Sekunden gegenüber der DVD/Blu-ray angesammelt haben.

Jedenfalls hatte die VHS ganz klar ein anderes Master, während DVD und Blu-ray (bis auf die weiter unten einzeln beschriebenen Abweichungen) framegenau identisch zueinander sind.

Framegenau identisch fehlt auf DVD und Blu-ray hier das kurze Ende der Szene auf dem Dach.

Bevor der Bösewicht sich am Holzbalken hochzieht und Anna gegen den Nacken tritt, beginnt die Aufnahme etwas früher.

Im Grunde nur eine weitere, recht belanglose Mini-Abweichung unter 0,5 sec.

Nun noch ein Vergleich zwischen deutscher DVD (erster Timecode) und deutscher Blu-ray (zweiter Timecode).

Prinzipiell nutzen diese wie gesagt das gleiche Master, fast vollständig framegenau identisch.

Nur die folgenden Mini-Abweichungen findet man hier noch zugunsten der Blu-ray.

Die DVD blendet die letzte Einstellung des Films 1 sec früher schwarz ab.

Dass die deutschen Fassungen geschnitten sind merkt man besonders am Finale: woher kommt z.B. Richtig. Er hat von einer Einstellung zur nächsten ein Schwert aus dem Rücken ragen.

Und danach muss auch noch was fehlen, denn zwei/drei Einstellungen später ist das Schwert plötzlich nicht mehr da.

Hofbauer oder Kuei Chih-Hung: Wer führte Regie?

Ich bin auch bis heute ziemlich davon überzeugt, dass der Regie-Credit von Ernst Hofbauer ein reiner Alibi-Credit ist und das Ding in Wirklichkeit komplett unter der Regie von Kuei Chih-Hung entstanden ist.

Hofbauer hat sicherlich Geld in die Produktion investiert und das Drehbuch abgesegnet bzw. ggf. die ein oder andere westliche Darstellerin für den Streifen vermittelt, aber ansonsten sieht der von vorne bis hinten nach typischer Shaw-Brothers-Stangenware aus, gewürzt mit dem üblichen albernen Hong-Kong-Slapstick-Humor und einem etwas erhöhten Sex-Anteil.

Mich wundert ja tatschlich etwas, dass man bisher keine einzige anderweitige noch existierende Kopie des Films gefunden hat.

Bruce Lee und die Shaw Brothers

Zu den Shaws wollte Lee nicht, weil Run Run Shaw ihm nur einen Zeitvertrag mit fester Gage angeboten hat.

Shaw hätte ihn dann wie jeden anderen ihrer Contract-Player in jeden beliebigen ihrer Filme stecken können, und er hätte so viele Filme pro Jahr drehen müssen, wie sie von ihm verlangt hätten, ohne das für ihn dafür irgendetwas herausgesprungen wäre.

Übrigens befindet sich die zweite Cut-Stelle bei DVD und Blu-ray auch genau an einer der Stellen, wo im Showdown definitiv was zenisert wurde (nämlich die von Fu_Sheng2007 und mir bereits erwähnte Stelle, wo der Bösewicht vom Schwert durchbohrt wird).

Handlung und Inhalt

Fünf britische Mädchen werden von chinesischen Piraten gekidnappt und an den Hof des Verbrecherbosses Chao gebracht.

Unter schlimmsten Umständen sollen die Mädchen binnen kürzester Zeit zu Prostituierten ausgebildet und anschließend an gehobene Kundschaft verkauft werden.

Ko Mei Mei, eine Dienerin Chaos, bildet die taffen Schönheiten insgeheim zu tödlichen Kriegerinnen aus und sieht in ihnen die Chance, endgültig mit Chao abzurechnen und für Frieden im Dorf zu sorgen.

Ihr Bruder Ko Pao hat währenddessen eine neue Schwertkampftechnik erlernt und holt zum ersten, tödlichen Schlag gegen die Verbrecherbande aus.

Letztendlich handelt der recht simpel gehaltene Plot von Menschenhandel und Rache, die meiste Zeit über wird hier jedoch eine Menge an nackter Haut gezeigt.

Diese armen Schauspielerinnen verbringen beinahe den gesamten Film damit oben ohne herum zu hüpfen, gefesselt zu sein oder sich simulierten Vergewaltigungsversuchen zu erwehren.

Nun ja, das sind eben die Opfer, die man bringen muss, wenn man in einem Film über fünf von Piraten entführte europäische Frauen mitspielt, die Kung Fu lernen und sich an ihren Entführern rächen.

Der Streifen scheut jedenfalls nicht davor zurück, so „trashig“ zu sein, wie es eben nur geht, wobei man zugeben muss, dass die fast ununterbrochene Nacktheit der Frauen dem Film eine Realitätsqualität verleiht, die er ansonsten nicht vorweisen könnte.

Gestaltet sich diese Nacktheit als überflüssig?

Selbstverständlich, doch aufgrund der unerbittlichen Aggressionen der Bösewichte verliert man die Angst und Verletzlichkeit der Frauen nie aus den Augen.

Die Regie: Eine deutsch-chinesische Zusammenarbeit

Karate, Küsse, blonde Katzen wurde gemeinsam vom österreichischen Softcore-Filmemacher Ernst Hofbauer (Rapid Film, München) und Chih-Hung Kuei, einem aufstrebenden Schock-Künstler der Shaw Brothers Studios, inszeniert.

Folglich fühlt sich der Streifen einerseits genauso wie ein Shaw-Film an und andererseits überhaupt nicht wie ein Shaw-Film an, was schwierig zu beschreiben ist.

Ein recht offensichtlicher visueller Hinweis besteht darin, dass der traditionelle Shaw-Aufnahmestil hier weitgehend fehlt, also erwarte man nur wenige Snap-Zooms und dergleichen.

Das lässt vermuten, dass Hofbauer für den größten Teil der Regiearbeit verantwortlich gewesen ist, zumal Karate, Küsse, blonde Katzen auch viele Aufnahmen der gleichen alten Shaw-Sets aus neuen und völlig anderen Blickwinkeln enthält.

Die Action gestaltet sich reichhaltiger, als gedacht und erweist sich überraschenderweise auch als kompetent, wenn man bedenkt, dass die fünf europäischen Hauptdarstellerinnen noch nie zuvor in einem Kung-Fu-Film mitgespielt haben!

Selbstverständlich stehen sie dabei auf recht wackligen Beinen, liefern aber trotzdem annehmbare Arbeit ab, wodurch sich der Spaß vervielfachen kann, während der Flick so langsam in sein actiongeladenes Finale übergeht.

Donna (Sonja Jeannine) kann man dabei am meisten „bewundern“, wobei sie schon Einiges an Tanz- und/oder Kampfsporterfahrung gehabt haben muss, da sie es bestens versteht aufeinanderfolgende Tritte und Schwerthiebe mit Leichtigkeit zu bewältigen.

Jedes Mädchen lernt zudem auf amüsante Art und Weise eine Spezialtechnik (wie das Härten der Handflächen durch Schlagen auf glühende Ziegelsteine usw.), doch leider spielen diese Elemente in den eigentlichen Kämpfen kaum eine Rolle.