Natalie Zimmermann (42), die Schäferstochter, hatte einen Traum: einmal Hauptkämpferin sein und um einen großen Titel boxen. Am Freitag wurde dieser Traum wahr, als sie im Fußball-Stadion von Doncaster/England vor mehr als 10.000 Fans gegen Lokalmatadorin Terri Harper (28) um die WBO-WM im Leichtgewicht (61,2 Kilo) kämpfte.
Dabei kam Zimmermann erst spät zum Boxsport. Vom Taekwondo wechselte sie zunächst zum Kickboxen. Dort blieb sie zehn Jahre, wurde sogar in die Nationalmannschaft berufen und 2019 auch noch Vizeweltmeisterin. Vor fünf Jahren wechselte sie vom Kickboxen zum klassischen Faustkampf.
Der Kampf ihres Lebens
„Das wird der größte Kampf meines Lebens“, sagte Zimmermann. „Ich will fighten und zeigen, was ich kann.“ Harper (Kampfbilanz: 15 Siege, 2 Niederlagen, 2 Unentschieden) gilt als eine der besten Boxerinnen der Welt. Zimmermann (13 Siege) fehlte es als Weltmeisterin des kleineren Verband WBF an Erfahrung gegen so hochkarätige Gegnerinnen. Dennoch sagte sie: „Klar, sie ist der Local Hero und ich habe Respekt. Aber es ist Boxen, da kann alles passieren.“
Anders als bei all ihren Kämpfen zuvor ging Zimmermann am Freitag jedoch nicht als Favoritin in den Ring: Harper hatte als Lokalmatadorin nicht nur das Publikum hinter sich. Trotz ihres vergleichsweise jungen Alters hat sie die größere Boxerfahrung: In ihren bislang 15 Profikämpfen, von denen sie zwei verlor, hatte sie einige namhafte Gegnerinnen bezwungen, die in den Ranglisten weit oben standen.
Schicksalsschlag vor dem Kampf
In der Vorbereitung mit Trainer André Walther (54) musste die Physiotherapeutin jedoch einen Schicksalsschlag wegstecken: Ihr Vater Heinrich (83) starb vor zwei Wochen nach langer Krankheit!
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„Zum Glück hatten wir anderthalb Jahre Zeit, uns von ihm zu verabschieden“, sagte Zimmermann. Ihr Vater hütete die Schafe auf einem Truppenübungsplatz an der Ostsee. Und war anfangs nicht begeistert, von den Kampfsportplänen einer seiner fünf Töchter. „Nachdem ich meinen ersten WM-Titel gewonnen hatte, hat sich das dann geändert. Bevor er starb, hat er noch gesagt: ‚Gewinn das Ding!‘“
Vergangenen Donnerstag war die Beerdigung. Zimmermann muss tief durchatmen: „Ich denke jeden Tag an meinen Vater. Und ich habe das Gefühl, dass er mich unterstützt.“
Unterstützung von Udo Lindenberg
Doch er ist nicht der Einzige: Vor dem Fernseher drückt auch Udo Lindenberg (79) die Daumen! Zimmermann ist seit zehn Jahren die Personal-Trainerin des Panik-Rockers. Lindenberg: „Wir sind das Monster-Team. Und wenn Natalie in England um die Boxweltmeisterschaft fightet, dann bin ich natürlich dabei.“
Niederlage und Zukunftspläne
Die Hamburger Boxerin Natalie Zimmermann musste am Freitag ihre erste Niederlage einstecken. Über alle zehn Runden des Kampfes hinweg war Zimmermann jedoch letztlich chancenlos gegen die Engländerin. Schon ab der ersten Runde musste sie viele Schläge einstecken, sobald sie sich Harper näherte. Und das auch noch, als sie in der letzten Runde durch eine Platzwunde über dem rechten Auge schon arg lädiert wirkte, nachdem Harper und Zimmermann unglücklich mit dem Kopf zusammengestoßen waren.
Seither hat sie sich eine makellose Bilanz erkämpft: In den ersten 14 Kämpfen blieb sie unbesiegt, drei davon gewann sie durch K. o.
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Sollte Zimmermann die Sensation gelingen und gewinnen, hat sich Harpers Promotion GBM einen Rückkampf vertraglich garantieren lassen. Ob sie im Falle einer Niederlage weitermacht, ist offen. Zimmermann lacht: „Am Ende der Vorbereitung auf große Kämpfe habe ich immer gesagt: Ich mach‘ den Scheiß nie wieder! Aber das vergisst man dann schnell wieder.
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