Am 28. August brachte Netflix die Karate-Serie „Cobra Kai“ ins Wohnzimmer. Die Serie „Cobra Kai“ startete 2018 als Premium-Angebot bei YouTube und wurde direkt zu einem Hit. Nach zwei erfolgreichen Staffeln erfolgte nun der Wechsel zu Netflix. Der Streamingdienst veröffentlicht die 20 etwa halbstündigen Episoden der ersten beiden Staffeln am 28. August.
Jon Hurwitz, Josh Heald und Hayden Schlossberg entwickelten ursprünglich die Idee zu „Cobra Kai“. Später stießen James Lassiter und Caleeb Pinkett zum Produzententeam. „Cobra Kai“ ist als Sequel zu den Kultfilmen der „Karate Kid“-Reihe angelegt und setzt 34 Jahre nach den Ereignissen des ersten Films ein.
Die Hauptfiguren
Johnny Lawrence: Johnnys Hauptrolle als Antagonist in „Karate Kid“ war erst die zweite Rolle von William Zabka überhaupt und machte den damals 19-Jährigen über Nacht zum Star. In „Cobra Kai“ schlüpft Zabka wieder in die Rolle des Johnny Lawrence. Anders als in den Filmen wird sein Charakter hier allerdings deutlich vielschichtiger präsentiert.
Daniel LaRusso: Ralph Macchio verfügte bereits über deutlich mehr Schauspielerfahrung als sein Kollege Zabka, als er 1984 für die Hauptrolle des Daniel LaRusso in „Karate Kid“ gecastet wurde. Darüber hinaus war Macchio in den „Karate Kid“-Sequels „Karate Kid II - Entscheidung in Okinawa“ und „Karate Kid III - Die letzte Entscheidung“ zu sehen. Auch Macchio verkörpert in „Cobra Kai“ wieder seinen „Karate Kid“-Charakter Daniel LaRusso.
Miguel Diaz: Xolo Maridueña begann im Alter von elf Jahren mit seiner Schauspielkarriere und landete gleich eine große Rolle. In der Dramedy-Serie „Parenthood“ spielte er zwischen 2012 und 2015 Victor Graham und gehörte ab der vierten Staffel zur Stammbesetzung. Innerhalb der vorangegangenen Geschichte wurde Miguel auf seiner Schule ständig zum Opfer von Mobbing und kleineren Schlägereien, bis er seinen Nachbarn Johnny um Rat fragte und sich mit Karate zur Wehr setzte. Maridueña verkörpert einen der spannendsten Charaktere in „Cobra Kai“, weil Miguel von Beginn an eine Entwicklung durchmacht.
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John Kreese: Martin Kove war Teil der „Karate Kid“-Filmreihe, nachdem er bereits 13 Jahre vorher ins Schauspielgeschäft eingestiegen war. Der Durchbruch gelang Kove aber erst mit „Karate Kid“. Nach zahlreichen Engagements in diversen kleineren Produktionen landete Kove mit seiner altbekannten Rolle als Karate-Sensei John Kreese in „Cobra Kai“ wieder einen größeren Auftritt.
Robby Keene: Tanner Buchanan gehört zur jungen Riege im Cast von „Cobra Kai“. In „Cobra Kai“ verkörpert Buchanan Robby Keene, Johnnys Sohn, der eine schwierige Beziehung zu seinem Vater hat. Buchanan beschrieb seinen Charakter gegenüber Celebmix genauer: „Ich bin der Bad-Boy-Typ und gerate mit dem richtigen Publikum gern in Schwierigkeiten. Mein Vater war nie für mich da und ich habe keine Vaterfigur.
Handlung der Serie "Cobra Kai"
Die Rivalität zwischen ihm und Daniel LaRusso ist noch alberner als im Originalfilm, doch wird diese mit einem großen Augenzwinkern erzählt. Inhaltlich arbeitet sich die Serie an den zu erwartenden Handlungselementen ab und kontrastiert Johnnys 80er-Jahre-Macho-Attitüde perfekt mit modernen Einflüssen. Hinzu kommt ein wenig Teenie-Soap und fertig ist der süchtig machende Mix, der überraschend gut funktioniert.
Staffel 2: Cobra Kai vs. Miyagi-Do
Mit dem Aufbau von Miyagi-Do als Konkurrenz-Dojo zu Cobra Kai wird die Rivalität zwischen Johnny Lawrence und Daniel LaRusso in der zweiten Staffel auf die Spitze getrieben. Eigentlich könnten die beiden ja ganz gut miteinander auskommen, wäre da nicht John Kreese, der die Rivalität stets befeuert. Diese schlägt auch zwischen den Karateschüler:innen durch, was speziell dem besonderen Beziehungsgeflecht von Miguel, Sam und Robby geschuldet ist. Auch der Teenie-Soap-Aspekt wird demnach auf die Spitze getrieben und ist dabei sehr unterhaltsam. Man könnte vermuten, dass inzwischen eine deutliche Gut-Böse-Einteilung stattfindet, doch alle Figuren sind erstaunlich differenziert gezeichnet. John Kreese vielleicht ausgenommen. Allein das Finale war mir etwas zu übertrieben, sogar für diese Serie.
Staffel 3: Dramatische Wendungen
Am Anfang der dritten Staffel haben sich meine Befürchtungen aus dem Vorjahr leider bestätigt. Es wird ziemlich dramatisch und die Nachwehen des High-School-Kampfes bestimmen einen Großteil der Handlung. Gerade Miguels schwere Verletzung fühlt sich wie ein Fremdkörper in der ansonsten eher cheesy-leichten Serie an. Aber diese Ausgangslage bringt ihn und Johnny Lawrence wieder enger zusammen. Seine Reha-Routine war für mir mich eines der Highlights der Staffel. Überhaupt hatte ich das Gefühl, die Episoden haben sich nach hinten raus wieder eher positiv entwickelt. Wobei ich auch sagen muss, dass ich keine Folge schlecht fand. Nur haben sie teils außerhalb des völlig übertriebenen Wohlfühlkosmos stattgefunden, den ich der Serie zuvor attestiert hatte. John Kreeses Hintergrundgeschichte fand ich teils unnötig, aber wer weiß, was sie noch daraus machen? Famos fand ich Ali Mills‘ (Elizabeth Shue) Rückkehr, welche natürlich komplett auf Nostalgie setzt, für mir aber gerade deshalb wunderbar funktioniert, obwohl ich überhaupt keine nostalgischen Gefühle haben dürfte. Schließlich kannte ich „Karate Kid“ zum Zeitpunkt der Sichtung erst seit ein paar Monaten. Das Finale wirkte auf mich auch wieder recht übertrieben, findet aber ein deutlich versöhnlicheren Abschluss als das des Vorjahres.
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Staffel 4: Neue Allianzen und Rivalitäten
In der vierten Staffel taucht Terry Silver, der Bösewicht aus „Karate Kid III: Die letzte Entscheidung“, wieder auf und verbündet sich mit John Kreese. Die daraus entstehende Dynamik ist wenig spannend, doch fand ich es schön, dass auch schräge Nebenfiguren aus den Filmen ihren Platz in der Serie finden. Weiterhin betritt eine neue Generation an jüngeren Schülern die Arena. Daraus wird noch nicht sonderlich viel gemacht und gerade Anthony LaRusso ist als Figur ziemlich nervig. Das war es auch schon an neuen Elementen und der Rest darf sich wieder rund um Johnny vs. Daniel, Miguel vs. Robby, Sam vs. Tory und überhaupt Cobra Kai vs. Eagle Fang & Miyagi-Do drehen. Das sind alles super klischeehafte Zutaten und so langsam beginnen sich auch Abnutzungserscheinungen zu zeigen, doch habe ich einfach immer noch unfassbar viel Spaß mit dieser Serie und ihren Figuren. Die letzten beiden Episoden, die komplett auf dem All Valley Karate Tournament spielen, sind dann das erwartete große Finale.
Staffel 5: Ein Ausflug nach Mexiko und das große Finale
Die Staffel beginnt mit einem Ausflug nach Mexiko, was ungewöhnlich erscheint, aber doch eine gute Grundlage ist, um die Spannungen zwischen Johnny, Robby und Miguel aufzulösen. Terry Silver mutiert zum Überbösewicht und das inzwischen sehr deutlich befreundete Trio aus Johnny, Daniel und Chosen versuchen ihm Einhalt zu gebieten. Das alles ist so völlig übertrieben und doch spannend und unterhaltsam erzählt, dass es eine wahre Freude ist. Es tauchen noch mehr Figuren aus „Karate Kid III: Die letzte Entscheidung“ auf, worüber ich mich sehr gefreut habe. Das große Finale ist wieder völlig drüber (inklusive abgehacktem Finger, was sehr deutlich gezeigt wurde), was man inzwischen ja von „Cobra Kai“ kennt. Am Ende ist John Kreese zurück und wird vermutlich erneut als Gegenspieler agieren.
Staffel 6: Das Finale der Serie
Fast zwei Jahre haben wir auf das Finale von „Cobra Kai“ warten müssen. Natürlich hätten wir die sechste Staffel auch gestückelt sehen können, doch wollten wir die 15 Episoden in einem Rutsch durchschauen. Wenn ich in einem Rutsch sage, dann meine ich natürlich alle paar Tage eine bis zwei Episoden. Insgesamt bietet die finale Staffel genau das, was man sich nach sechs Jahren „Cobra Kai“ erwartet: Eine große, emotionale Seifenoper mit völlig hanebüchenen Handlungselementen, viel Herz und Nostalgie. Ein paar Elemente, wie z.B. der kurze KI-Auftritt von Mr. Miyagi, waren unnötig und doch kann ich der Serie nicht böse sein. Auch der Ausflug nach Barcelona zum Sekai-Taikai-Turnier war an vielen Stellen zu langgezogen und drüber. Hinzu kommt ein seltsam kühles Color Grading, was für Spanien seltsam wirkt. Aber nun gut, spätestens bei der Trainingsmontage von Johnny und Daniel hatte ich am Ende Tränen der nostalgischen Rührung in den Augen. Für alle Figuren gibt es ein übertriebenes Happy End, was andere Serien komplett im Kitsch hätte versinken lassen, hier jedoch gut passt. John Kreese darf noch einmal den Helden spielen, bevor er mit Terry Silver in einem übertrieben großen Feuerball das Zeitliche segnet. Ach, „Cobra Kai“, du wundervollstes aller Legacy-Sequels.
Die "Karate Kid"-Filme in der Übersicht
1984 wurde der Film "Karate Kid" zu einem kulturellen Phänomen. Die ersten drei Filme der "Karate Kid"-Reihe wurden vom Autoren-Regie-Duo Robert Mark Kamen und John G. Avildsen auf die Beine gestellt. In den Hauptrollen sind Ralph Macchio als Daniel LaRusso und Pat Morita als Mr. Miyagi zu sehen.
- Karate Kid (1984): Im ersten "Karate Kid"-Film aus dem Jahr 1984 zieht der Teenager Daniel LaRusso (Ralph Macchio, "Die Outsider") mit seiner alleinerziehenden Mutter nach Kalifornien. Wegen eines Mädchens legt sich Daniel mit seinem Mitschüler John an, der einer der besten Karatekämpfer des Cobra-Kai-Dōjōs ist, und unterliegt ihm.
- Karate Kid II - Entscheidung in Okinawa (1986): Die Fortsetzung "Karate Kid II - Entscheidung in Okinawa" aus dem Jahr 1986 knüpft an die Geschichte von "Karate Kid" an und handelt von Daniel, der mit Mr. Miyagi auf die Insel Okinawa Hontō reist, welche als "Mutterland des Karate" bezeichnet wird. Miyagi besucht dort seinen im Sterben liegenden Vater und seine erste Liebe Yukie, nachdem er seine Heimat Japan vor über 40 Jahren verlassen hatte.
- Karate Kid III - Die letzte Entscheidung (1989): In "Karate Kid III - Die letzte Entscheidung" aus dem Jahr 1989 wird die Handlung des ersten Films der Reihe fortgesetzt, wo Daniel als Sieger aus den Meisterschaften hervorgeht. Nach dieser Niederlage verlassen alle Schüler den Cobra-Kai-Sensei John Kreese, weshalb dieser Daniel die Schuld gibt und ihn in einem neuen Kampf demütigen will.
- Karate Kid IV - Die nächste Generation (1994): Julie ist nach Daniel die neue Schülerin von Mr. Myagi, der erneut von Pat Morita gespielt wird.
- Karate Kid (2010): In "Karate Kid" von 2010 werden keine Figuren aus den Originalfilmen übernommen. Es wird auf sie auch kein Bezug genommen. Jaden Smith spielt die Rolle des Dre Parker und Jackie Chan die seines Meisters Mr. Statt Karate wird Kung Fu trainiert.
- Karate Kid: Legends (2025): Inhaltlich soll sich der Martial-Arts-Film an die finale Handlung von Staffel 6 von "Cobra Kai" anschließen.
Die richtige Reihenfolge des "Karate Kid"-Universums
Hier ist die Reihenfolge, in der Sie das "Karate Kid"-Franchise ansehen können, nach Erscheinungsdatum:
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- „Karate Kid“ (1984)
- „Karate Kid II: Entscheidung in Okinawa“ (1986)
- „Karate Kid III: Die letzte Entscheidung“ (1989)
- „Karate Kid“-Zeichentrickserie (1989)
- „Karate Kid IV: Die nächste Generation“ (1994)
- „Karate Kid“ (2010)
- „Cobra Kai“ (2018-2025)
- „Karate Kid: Legends“ (2025)
Fazit
Die "Karate Kid"-Saga hat sich seit den 80er Jahren stetig weiterentwickelt und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Mit der Serie "Cobra Kai" wurde die Geschichte um Daniel LaRusso und Johnny Lawrence auf neue Weise erzählt und eine neue Generation von Fans gewonnen. Die Filme und die Serie bieten eine Mischung aus Action, Humor und emotionalen Momenten, die sie zu einem zeitlosen Klassiker machen.
