Die Bedeutung von "Über sieben Brücken musst du gehn" von Karat

„Über sieben Brücken musst du gehn“ ist eines der bekanntesten und beliebtesten deutschsprachigen Lieder. In dem Lied „Über sieben Brücken musst du gehn“ von Karat, erschienen im Jahr 1978, geht es um die schlechten und guten Zeiten im Leben und dass man im Leben viel Geduld haben soll. Die Hintergründe zur Veröffentlichung und Verbreitung des Songs geben auch Einblicke in die Geschichte des geteilten Deutschlands.

Die 1975 in Ost-Berlin gegründete Rockband Karat entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Bands der DDR. Den größten Erfolg feierten Karat mit dem Lied „Über sieben Brücken musst du gehen“, mit dem sie 1978 den Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival gewannen. Schon vor der sehr erfolgreichen 1979 veröffentlichten LP „Über sieben Brücken“ erschien der Song als Single. Der Text des Liedes stammt nicht von Karat selbst, sondern ist ein Werk des Schriftstellers Helmut Richter.

Entstehung und Bedeutung des Liedes

Die Geschichte des Hits „Über sieben Brücken musst du geh´n“ beginnt in den 60iger Jahren im Leipziger Südraum. Seine Entstehung ist eher zufällig, aber auch ein Zeugnis der politischen Verhältnisse. Am Anfang stand ein Auftragswerk des FDGB. Es entstehen mehrere Reportagen, die unter dem Titel „Schnee auf dem Schornstein“ 1969 in einem kleinen gelb-schwarzen Taschenbuch im Mitteldeutschen-Verlag mit einer Auflage von 5.000 Stück erscheinen.

Der Film wird im Frühjahr 1978 ausgestrahlt. Er handelt von einer unerfüllten Liebe zwischen einer Deutschen und einem Polen in einem DDR-Großbetrieb. 1979 - ein Jahr später - wird der Film aus politischen Gründen verboten. Die DDR-Politführung missbilligt die Entwicklung in Polen. Der neue Papst, Johannes Paul II., kommt aus diesem Land, und die polnische Gewerkschaft "Solidarnosc" demonstriert und streikt. Eine freiheitliche Öffnung in Richtung Polen passt der DDR-Führungsriege nicht.

Der Erfolg des Songs "Über sieben Brücken musst du gehen" ist dagegen nicht mehr zu stoppen. Er bahnt sich seinen Weg, wird in Ostdeutschland zu einem Hit. Die Menschen verstehen zwischen den Zeilen die Botschaft. Die Kernaussage des Gedichts "Über sieben Brücken musst du gehen" drückt aus, dass das Leben voller Herausforderungen und Veränderungen ist sowie traurige Aspekte beinhaltet.

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Der Text und seine Interpretation

Das Gedicht handelt von einem Lebensweg des lyrischen Ichs, welcher Probleme und Schwierigkeiten beinhaltet. Das Gedicht erzählt eine Lebensgeschichte, in welcher das lyrische Ich eine schwere Phase durchlebt, die mit vielen widersprüchlichen Situationen verbunden ist. Nach den schlechten Zeiten des Lebens kommen gute Zeiten, die wieder Hoffnung bringen.

Die erste Strophe beschreibt das lyrische Ich, welches „ohne Blick“ (V. 1) , in Gedanken versunken, durch seine Straßen läuft, wehmütig in die Vergangenheit blickt, sich „sein Schaukelpferd“ (V. 2) zurück wünscht und sich nach seiner unbeschwerten Kindheit sehnt. Dies wirkt traurig und beklemmt. Es weiß nicht wohin mit sich, ist „ohne Rast und Ruh“ (V. 3), zieht sich zurück „schließt alle Türen nach sich zu“ (V. 4) und ist sehr bei sich.

Im Refrain schöpft es Hoffnung und versteht, dass es nach vorne blicken und Hürden, also die „Sieben Brücken“(V. 9), überwinden muss. Das lyrische Ich begreift, dass nach „Sieben dunklen Jahren“ (V. 10) und sieben mal „die Asche“ (V. 11) sein, also nach den schlechten Zeiten, gute Folgen und man „einmal auch der helle Schein“ (V.12) sein wird. Der Refrain wirkt hoffnungsvoll und vielversprechend auf den Leser.

In der zweiten Strophe fängt das lyrische Ich an zu reflektieren und berichtet über die „Uhr des Lebens“ (V. 13), welche still steht. Dies ist der Wendepunkt in seinem Leben, an welchem er nicht weiterkommt und „nur im Kreis“ (V.14) geht. Das lyrische Ich ist nachdenklich und begreift, dass sich etwas ändern muss. Es sitzt „still auf einer Bank“ (V. 16) und dabei herrscht eine ruhige aber auch bedrückende Stimmung.

Der Titel „Über sieben Brücken musst du gehen“ und der Inhalt entsprechen einander. Die Überschrift des Gedichts findet sich im Refrain wieder. Der Vers „Über sieben Brücken musst du gehen“ ist mit einer der wenigsten Verse die sich im Gedicht wiederholen. Dieser Vers ist wichtig für das Verständnis und hat viel Bedeutung. Es ist der Anfang des Lebensweges, der erste Schritt.

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Stilmittel und Struktur

Das Gedicht enthält eine Vielzahl von Substantiven, die eine wichtige Rolle bei der Beschreibung des Gesamtbildes und der Emotionen spielen. Adjektive werden verwendet, um die Substantive näher zu beschreiben und die Atmosphäre im Gedicht zu verstärken. Verben sind wichtig, um die Handlung im Gedicht zu beschreiben und die Bewegung darzustellen.

Die zentrale Metapher des Gedichts sind die "sieben Brücken". Diese Brücken stehen metaphorisch für die Hindernisse und Herausforderungen im Leben. Die "Brücken", die "Türen" und der "Glücksstern" sind starke Symbole im Gedicht. Das Gedicht enthält einige Kontraste, wie zum Beispiel "dunkel" und "hell". Diese Kontraste dienen dazu, die Schwierigkeiten und die Momente der Klarheit oder Erkenntnis im Leben hervorzuheben.

Das Gedicht ist syntaktisch einfach und klar strukturiert. Die Sätze sind kurz, was dazu beiträgt, dass die Botschaft deutlich hervortritt. Andere wiederum bestehen aus einfachen Haupt- und Nebensätzen. Zum Beispiel die wiederholte Verwendung des Wortes "Manchmal", am Anfang mehrerer Verse, erzeugt eine Anapher. Diese Wiederholung betont die verschiedenen Facetten des Lebens.

Das Gedicht "Über sieben Brücken musst du gehen" besteht aus fünf Strophen und 28 Versen. Das Metrum des Gedichts ist trochäisch. Das Reimschema des Gedichts ist abccdd. Die Struktur des Gedichts unterstützt die bildhafte Sprache und die klare Struktur ermöglicht es den Bildern, die man sich vorstellt, dem Leser einen starken Eindruck zu hinterlassen.

Der Erfolg und die Coverversion von Peter Maffay

Die Ausstrahlung des Films sowie die Grand-Prix-Auszeichnung sorgten dafür, dass in Ost- und Westdeutschland großes Interesse an der Band entstand. So kam es, dass einem anderen Künstler mit „Über sieben Brücken musst du gehen“ der ganz große Erfolg gelang. Bereits ein Jahr nach der Karat-LP „Über sieben Brücken musst du gehen“ veröffentlichte der westdeutsche Rockmusiker Peter Maffay eine Coverversion des Songs.

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Seine Version unterscheidet sich in Arrangement und Instrumentalisierung vom Original, ohne es aber in der musikalischen Grundform oder der emotionalen Aussage abzuändern. Maffays Version wurde ein gigantischer Erfolg. Auch wenn der Band Karat der ganz große Erfolg versagt blieb, so äußerte sich die Band immer positiv zur Maffay-Version und freute sich über den Erfolg ihres Liedes, der zum Teil auch auf die Band abstrahlte.

Nach der Wende spielten Karat und Maffay das Lied mehrmals zusammen, sowohl im Tonstudio als auch live - unter anderem zur 10-jährigen Jubiläumsfeier des Tags der Deutschen Einheit in Berlin am 3. Oktober 2000. Zahlreiche andere Künstler habe das Lied ebenfalls gecovert, doch Maffays Version ist auch heute noch jene, die am meisten gespielt wird.

Die Zusammenarbeit von Karat und Peter Maffay

Maffay ging ins Studio und spielte „Über sieben Brücken musst du gehn“ inkl eines neuen Saxophon-Solos neu ein. Karat hatten zu dieser Zeit viele Angebote mit dem Song im West-Fernsehen aufzutreten, mussten all diese Angebote aber ablehnen. Die offizielle Begründung: DDR-Kulturschaffende dürfen nicht in Westmedien erscheinen. "Wir haben ihm zu verdanken, dass das Lied im Westen so bekannt wurde. "Ich hab gespürt, mit diesem Lied hat jemand etwas geschaffen, was wirklich gültig ist.

Nach 1990 sangen Peter Maffay und Herbert Dreilich einige Male gemeinsam ihren berühmten Song. Für nicht wenige Ostdeutsche ist das Lied „Über sieben Brücken musst du gehn“ eine Art Hymne. Quasi ein Symbol ostdeutscher Lebensleistung, die eng mit ihrem Leben, ihren Gefühlen und ihrer Sozialisierung verbunden ist. Dagegen sind noch immer nicht wenige „Altbundesbürger“ überrascht, wenn sie erfahren, dass der Hit nicht von Peter Maffay getextet und komponiert wurde.

Die beiden Hauptakteure, der Literat Helmut Richter sowie der Musiker und Komponist Ulrich „Ed“ Swillms, denen wir diese Rock-Ballade verdanken, weilen nicht mehr unter uns. Sie starben am 3. November 2019 bzw. am 27. Juni 2023. Aber bis heute lassen sich die einzigartige Geschichte und die emotionalen Erinnerungen an dieses Lied, das bisher in 30 Sprachen übersetzt und von mehr als 100 Interpreten gesungen wurde, fortschreiben.

Die Geschichte des Liedes ist zugleich auch ein Zeugnis der Widersprüche und Konflikte, mit denen Künstler der DDR umgehen mussten.

Zusammenfassung

Insgesamt handelt das Gedicht von einem Lebensweg indem das lyrische Ich immer wieder Problemen und Schwierigkeiten gegenübersteht. Die „sieben Brücken“ repräsentieren dabei die Hürden und Herausforderungen die es zu überwinden gilt. Das Gedicht wirkt etwas bedrückend aber auch hoffnungsvoll. Es regt dazu an sich auf den Weg zu machen, obwohl man weiß, dass er nicht einfach wird.

Der Titel „Über sieben Brücken musst du gehn“ ist mehr als nur ein Liedtitel; er ist eine Metapher für die Herausforderungen des Lebens und die Hoffnung, die uns durch schwierige Zeiten trägt. Die Geschichte des Liedes, von seiner Entstehung in der DDR bis zu seiner Popularität im wiedervereinigten Deutschland, spiegelt die kulturellen und politischen Veränderungen wider, die das Land erlebt hat.

Aspekt Details
Entstehung Auftragswerk des FDGB, literarische Begleitung des Braunkohlenkraftwerks Thierbach
Text Helmut Richter, inspiriert von einer deutsch-polnischen Liebesgeschichte
Musik Ulrich „Ed“ Swillms, Keyboarder der Band Karat
Veröffentlichung 1978 als Single, 1979 auf dem Album „Über sieben Brücken“
Coverversion Peter Maffay, 1980, trug maßgeblich zur Popularität bei
Bedeutung Metapher für die Überwindung von Schwierigkeiten und die Hoffnung auf bessere Zeiten