KARAT: Eine musikalische Reise durch fünf Jahrzehnte

Längst hat es die Runde gemacht: Die Berliner Kultband KARAT feiert 2025 ihr 50jähriges Jubiläum. 50 Jahre - das sind zwei Generationen und fast ein Leben. Es gibt nur wenige Bands von Rang, die auf eine solche lange Geschichte zurückblicken. Die meisten davon sind dabei längst zu nostalgischen Coverbands ihrer selbst geworden.

Die Anfänge und der Durchbruch

KARAT entstand 1974 aus der bekannten Soul-Rockband PANTA RHEI. Die seit 1970 existierende Gruppe löste sich nach diversen Umbesetzungen auf. Die ehemaligen Mitglieder Ulrich "Ed" Swillms, Henning Protzmann und Herbert Dreilich formierten sich neu und gründeten KARAT.

1975 entstand die Band aus der Gruppe „Pantha Rei“, mit Sängerin Veronika Fischer an der Spitze. Nachdem die Sängerin der Band abhandengekommen war, formierten sich die Bandmitglieder Herbert Dreilich, Henning Protzmann und Ulrich Swillms kurzerhand neu. Es entstand die Band Karat.

Als das Jazzkonzept seiner Gruppe Panta Rhei Mitte der 1970er Jahre an Popularität verlor, entschloss sich der Bassist Henning Protzmann, eine neue Band zu gründen. Das Ziel war die Produktion publikumswirksamerer, aber trotzdem anspruchsvoller Musik.

Nachdem sie ihre ersten vier Aufnahmen beim Rundfunk erstellt hatten, gaben Karat am 22. Bis Ende 1975 produzierte Karat insgesamt 13 Rundfunkaufnahmen, die die Gruppe schnell bekannt machten, obschon die Kritik bezüglich der ersten Songs durchaus geteilter Meinung war. Seit Juni 1976 ersetzten Bernd Römer (Gitarre) und Michael Schwandt (Schlagzeug), die beide von der Horst-Krüger-Band kamen, Ulrich Pexa und Konrad Burkert.

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1977 trat Hans-Joachim „Neumi“ Neumann schließlich seinen Militärdienst an, wodurch Herbert Dreilich, vormals Gitarrist und Sänger zugleich, zum alleinigen Sänger wurde. Seine Stimme wurde schließlich zum Markenzeichen von Karat. In der Zwischenzeit hatten sich mit den lyrischen Titeln Märchenzeit und Abendstimmung die ersten größeren Erfolge eingestellt, die die Basis für die für Karat typische Stilistik bildeten.

Durch den Gewinn des Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival 1978 mit den Titeln König der Welt und Über sieben Brücken mußt du gehn gelang Karat der endgültige Durchbruch.

Der Erfolg von "Über sieben Brücken"

1979 veröffentlichte die Band einen Ausnahmehit: Über sieben Brücken musst du gehen. Wenig später coverte Peter Maffay das Stück. Damit wurde Karat auch im Westen berühmt.

Bereits 1979 wurde das zweite Album Über sieben Brücken bei Amiga herausgebracht. Im September 1979 durfte Karat erstmals kommerziell in West-Berlin auftreten.

KARAT war neben den PUHDYS die erfolgreichste Band der DDR. An erster Stelle ist hier der Titel "Über sieben Brücken" der Gruppe KARAT zu nennen, der durch Peter Maffay auch in der Bundesrepublik eine beachtliche Popularität erreichte.

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Erfolge in Ost und West

Die zweiten Album der Band wurde unter dem Namen Albatros in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht. Für Albatros erhielt Karat 1984 eine Goldene Schallplatte. Nach einer ausgedehnten Tourneesaison mit zahlreichen Gastspielen im Ausland erschien im Frühjahr 1980 das von lyrischen Stücken geprägte Album Schwanenkönig, dessen Texte hauptsächlich vom Journalisten Norbert Kaiser stammten.

Im September 1981 stellte Karat im Rahmen eines Live-Auftritts zum Weltfriedenstag auf dem August-Bebel-Platz in Ost-Berlin erstmals das Lied Der blaue Planet vor. Die wenig später erschienene Single wurde zum Verkaufsrenner und ließ die Erwartung des Publikums und der Medien auf das neue Album erheblich steigen.

Die anschließende Tour fand ihren Höhepunkt in einem großen Konzert in der ausverkauften Waldbühne in West-Berlin. Im Frühjahr 1983 erhielt die Band in der Bundesrepublik Deutschland eine Goldene Schallplatte für den Blauen Planeten.

Im gleichen Jahr wurde Karat auf Kuba von der dort größten Jugendzeitschrift zu einer der zehn international beliebtesten Rockgruppen gewählt. 1985 feierte Karat mit einer ausgedehnten Tour und der Veröffentlichung des Live-Albums Auf dem Weg zu euch und einer Single mit zwei neuen Songs das zehnjährige Bandjubiläum.

Die Band hat während der bis heute andauernden Karriere zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem 1979 den „Kunstpreis der DDR“, „Die Goldene Europa“ und einen „Goldenen Bong“.

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Gleich im ersten Jahrzehnt entstehen etliche Meilensteine, in der BRD ehrt man sie mit Goldenen Schallplatten, sie sind Gast bei „Wetten dass…“ und Peter Maffay feiert seinen bisher größten Hit mit dem Karat-Cover „Über sieben Brücken musst du gehn“ - das alles war nicht nur höchst erfreulich, sondern eine Sensation - für eine Band aus dem Osten.

Die Zeit nach der Wende

Als die Gruppe am 9. November im AMIGA-Studio an dem Duett Über sieben Brücken mußt Du geh’n von Herbert Dreilich und Peter Maffay arbeitete, öffnete sich in unmittelbarer Nähe des Tonstudios die Berliner Mauer. Das später von zahlreichen Radiosendern gespielte Duett wurde in Folge zur „Hymne des Jahres“ und zum „Lied der deutschen Wiedervereinigung“.

Die zu diesem Zeitpunkt noch ausbleibenden Konzerttermine und der geringe Erfolg des neuen Albums veranlassten Thomas Kurzhals 1992 dazu, sich von Karat zu trennen, um ein eigenes Tonstudio aufzubauen. An seine Stelle trat Martin Becker, der vorher unter anderem bei Frank Schöbel Keyboarder war.

1995, zum 20-jährigen Bandjubiläum, lief der Vertrag mit „Extra Records and Tapes“ aus, und Karat veröffentlichte ihr zehntes Album Die geschenkte Stunde bei K&P Music, dem Label von Toni Krahl und Fritz Puppel von der Gruppe City. Der Erfolg des Albums konnte als gutes Zeichen gewertet werden, genauso wie der Erfolg der Tour und des großen Jubiläumskonzertes auf der Trabrennbahn in Berlin-Karlshorst.

Der Verlust von Herbert Dreilich und ein Neuanfang

Am 9. Oktober 1997 erlitt Herbert Dreilich bei einem Konzert in Magdeburg einen Schlaganfall, was die Zukunft der Band zunächst ungewiss erscheinen ließ. Doch schon 1998 kehrte er auf die Konzertbühne zurück.

Am 23. August 2003 fand das letzte Konzert von Karat mit ihrem langjährigen Sänger Herbert Dreilich in Neustadt (Orla) statt; bei ihm wurden kurze Zeit später zunächst ein Magengeschwür und schließlich Leberkrebs diagnostiziert. Für 2004 wurden alle geplanten Konzerte und Vorhaben abgesagt. Herbert Dreilich starb am 12. Dezember 2004 im Alter von 62 Jahren an Krebs.

Eine neue Ära beginnt mit der vierten Dekade, denn mit Claudius Dreilich als neuem Sänger erleben KARAT den Glücksfall, dass die Band den schweren Abschied zur Chance für die Zukunft umgedeutet hat.

Am 10. Januar 2005 wurde von Seiten der Band offiziell bestätigt, dass Herbert Dreilichs Sohn Claudius die Nachfolge als Sänger übernimmt. Die Ähnlichkeit seiner Stimme mit der seines Vaters wurde bereits beim Jubiläumskonzert in der Berliner Wuhlheide im Jahr 2000 während eines Beitrags der Kinder der Bandmitglieder bemerkt. Die erste Tour mit neuem Sänger verlief erfolgreich und zeigte die Sympathien der Zuhörer gegenüber dem neuen Bandmitglied.

Doch keineswegs ist Claudius Dreilich eine Kopie, sowohl mit seinem Gesang, als auch mit seinem Charisma und seiner dennoch nahbaren Extrovertiertheit avanciert er zu einer Künstlerpersönlichkeit. So kann er der Band heute genauso Motor sein, wie es sein Vater 30 Jahre lang war.

Namensstreitigkeiten und die Rückkehr zum alten Namen

Knapp ein Jahr nach dem Tod Herbert Dreilichs versuchte dessen Witwe, die Verwendung des Namens „Karat“ für die Formation mit Claudius Dreilich rechtlich einschränken zu lassen und für die Namensnutzung Gebühren zu verlangen. Hintergrund des Ganzen war die Eintragung des Markennamens „Karat“ durch Dreilich im Jahre 1998, wovon die anderen Mitglieder nichts wussten.

Bis zu einer endgültigen gerichtlichen Klärung der möglichen Ansprüche auf die Marke bzw. den Markenlöschungsantrag der Bandmitglieder konnte die Band daher den Namen „Karat“ nicht verwenden. Ab dem 1. Januar 2006 musste die Band einen vorläufigen provisorischen Ersatznamen nutzen. Am 29. Im April 2006 veröffentlichte man eine Maxi-Single (Der letzte Countdown) und begann die erste Tour unter dem vorläufigen Bandnamen „K…!“.

Am 17. April 2007, dem ersten Verhandlungstermin im Namensstreit, legte das Gericht den Beteiligten nochmals eine Einigung nahe, die jedoch nicht zustande kam. Am 19. Im Sommer 2007 ging Karat mit dem Filmorchester Babelsberg sowie den Puhdys, Silly, Dirk Michaelis, Ute Freudenberg, Werther Lohse (Lift) und Veronika Fischer auf die Tour Ostrock in Klassik, bei der bekannte Titel der Interpreten durch Teilnahme des Sinfonieorchesters im klassischen Gewand präsentiert wurden.

Am 18. August 2007 wurde die Band im Zuge des fünfjährigen Jahrestages des Elbhochwassers 2002 mit dem Frank-Köckritz-Preis für Fluthelfer als Ehrung für ihre Benefizkonzerte unmittelbar nach der Flut ausgezeichnet.

Tatsächlich muss für eine Weile die kastrierte Kurzform K.... herhalten, bevor das Berliner Landgericht im Juni 2007 der Band ihren vollen Namen zurückgibt.

Das 35-jährige Jubiläum und die Gegenwart

Im Jahr 2010 beging Karat sein 35-jähriges Bandjubiläum mit zwei Jubiläumskonzerten am 9. und 10. April 2010 in der Alten Oper Erfurt und anschließender Tournee. Für den schon 1992 erschienenen Best-Of-Sampler Vierzehn Karat erhielt die Band eine Goldene Schallplatte. Zeitgleich wurde das neue Album Weitergeh’n herausgebracht, nachdem schon wenige Wochen zuvor ein biografisches Buch, geschrieben von Christine Dähn, erschienen war.

In der Konzertsaison 2012 spielten Karat erstmals in ihrer Bandgeschichte ein Unplugged-Programm.

KARAT sind einen anderen, ihren eigenen Weg gegangen: Dem der permanenten Suche, der ständigen Bewegung und Selbstbefragung.

Die fünfte Dekade steht ebenso für einen weiteren Besetzungswechsel: Daniel Bätge sowie Heiko Jung sind die Neuzugänge an Bass beziehungsweise Schlagzeug. Man kennt die gestandenen Musiker beispielsweise aus ihrer Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg, Wolfgang Niedecken, Jan Josef Liefers oder Clueso. Nun sorgen sie mit Groove, Leidenschaft und musikalischem Können für ein neues Energielevel bei KARAT.

Auch in der bisher letzten Dekade befinden sich KARAT auf der Überholspur, so wird mit Universal Music ein neuer Vertriebspartner für die neuen Alben gefunden und selbst eine Pandemie kann diese Band nicht stoppen: KARAT melden sich mit Auto- und Hotelzimmer- sowie ca. 40 Konzerten mit eingeschränkter Zuschauerzahl aus der Covid19-Versenkung zurück.

Neben vielen eigenen Tourneen sind sie Teil der „Ostrock Klassik“-Konzerte, holen sich für eine Weihnachtstour ein A cappella-Frauenquintett dazu, kollaborieren mit den Kieler Philharmonikern und freuen sich über die Interpretationen ihrer Songs von (u.a.) Helene Fischer, Chris de Burgh und Max Raabe. Nicht zuletzt gibt es mal wieder eine Goldene Schallplatte (2010 für „Vierzehn Karat“) und fünf Jahre später die Goldene Henne.

Das 50-jährige Jubiläum

Womit dem großen Jubiläumsjahr 2025 nichts mehr im Wege steht. Mit einer umfangreichen Tournee, die mindestens so viel Konzerte wie die Band an Jahren hat, mit einem neuen Album, einer TV-Doku, einem neuen Buch und einer großen Jubiläums-Kreuzfahrt mit der AIDAdiva nach Norwegen im nächsten Mai werden KARAT fünf Jahrzehnte Revue passieren lassen und damit auch an die verstorbenen Musiker Herbert Dreilich, Thomas Kurzhals sowie Ed Swillms erinnern.

50 Jahre KARAT sind zuallererst die etlichen, großen Hits - inzwischen allesamt gestandene Klassiker. Aber sie passen wunderbar ins Hier und Jetzt, weil sie im eigentlichen Sinne zeitlos sind: Hier wird nicht die Asche des Feuers angebetet, sondern dessen Glut weitergetragen. 50 Jahre KARAT sind fünf Dekaden deutsch-deutsche Musikgeschichte.

Mit jedem Ton werden sie deutlich machen, dass mit ihnen nach wie vor zu rechnen ist und sie weiterhin nicht zur Oldiekapelle mutieren.

Die heute den 50. Bandgeburtstag feiern, kommen zum Teil aus anderen Generationen, bieten von ihrer Lebenserfahrung her ein breit gefächertes Spektrum. Und trotzdem, oder vielmehr: Gerade deshalb blieb die Idee dahinter immer jung.

Exemplarisch deutlich wird diese einzigartige Bandentwicklung als offenes Kreativsystem in der Position den Frontmanns: Die hatte Herbert Dreilich drei Jahrzehnte inne. Dabei wurden die größten Erfolge der Band gefeiert, er hat ihnen quasi ein Gesicht gegeben. Seit zwei Jahrzehnten steht sein Sohn an seiner Stelle. Er brachte die Skeptiker längst zum Schweigen und hat den Beweis angetreten, dass er seinem Vater nicht nur äußerlich ähnlich sieht, sondern auch dessen kreative Energie geerbt hat.

Bandmitglieder von Karat

NameGeburtsdatumSternzeichenWohnortAusbildungAugenfarbe
Claudius Dreilich8. September 1970JungfrauBerlinHotelkaufmannbraun
Bernd Römer06. September 1952JungfrauFunkmechanikerblau
Christian Liebig22. Dezember 1954SteinbockElektromonteurblau
Ulrich Swillms07. März 1947FischeTanzmusikblau
Martin Becker30. Juni 1961KrebsElektromechanikerblau
Michael Schwandt04. November 1947SkorpionBergfeldegrün

Album-Übersicht (Diskographie)

  • 1978: Karat
  • 1979: Über sieben Brücken
  • 1979: Albatros
  • 1980: Schwanenkönig
  • 1982: Der Blaue Planet
  • 1984: Die sieben Wunder der Welt
  • 1985: 10 Jahre Karat - Auf dem Weg zu Euch
  • 1987: Fünfte Jahreszeit
  • 1990: …im nächsten Frieden
  • 1991: Karat (1991)
  • 1992: vierzehn Karat - Die größten Hits
  • 1995: Die geschenkte Stunde
  • 1997: Balance
  • 1998: sechszehn Karat - Ihre größten Hits
  • 2000: Ich liebe jede Stunde
  • 2001: 25 Jahre - Das Konzert
  • 2003: Licht und Schatten
  • 2005: 30 Jahre Karat
  • 2010: Weitergeh´n
  • 2013: Symphony
  • 2014: Rock-Legende (Puhdys, City, Karat)
  • 2015: Rock-Legende-Live (Puhdys, City, Karat)
  • 2015: 40 Jahre-Live von der Waldbühne Berlin
  • 2015: Seelenschiffe
  • 2017: Rock-Legende- Vol.2 (Puhdys, City, Karat)
  • 2018: Labyrinth