Tosei Ryu Tanjojutsu ist eine japanische Kampfkunst und ein äußerst effektiver, japanischer Stockkampf-Stil, der hauptsächlich mit dem Tanjō, einem 90cm langen Stock (Gehstock) ausgeübt wird. Der Stil ist rein kampfbetont und dank seiner einfachen, direkten und effizienten Technik äußerst gut für Selbstverteidigungszwecke geeignet.
Während man bei japanischer Kampfkunst häufig an den Samurai und das Katana denkt, war das Führen dieser Waffe nur Angehörigen dieses Kriegerstandes erlaubt. Vielen anderen Ständen war das Besitzen und Nutzen jeglicher Art von Waffe untersagt. Um sich trotzdem gegen Banditen oder andere Angreifer zu wehren, haben die einfachen Leute gelernt, sich mit Alltagsgegenständen zu wehren. Eine wichtige Verteidigungswaffe waren unter anderem Stöcke. Daraus haben sich die unterschiedlichsten Stockkampf-Variationen entwickelt, wie das Tosei Ryu Tanjōjutsu.
Merkmale und Prinzipien des Tosei Ryu
In der Kampfkunst Tosei Ryu steht neben der effizienten Nutzung der Waffe vor allem das Verständnis für den Körper, Bewegung, die Körperachse und Dynamik im Vordergrund. Im Kampfgeschehen schult es Distanz und Reaktion auf den Gegner. Die Techniken des Tosei Ryu lassen sich auch mit verschiedenen alltäglichen Gegenständen wie zum Beispiel einem Regenschirm, Gürtel und vielen anderen ausführen.
Das Training
Das Training wird mit gepolsterten Waffen ausgeführt, um den Schüler ohne Verletzungsgefahr an Kampf-Kontakt zu gewöhnen. Die Techniken werden anfangs langsam, locker und sauber einstudiert. Mit steigender Erfahrung erhöht sich die Geschwindigkeit und auf Wunsch des Schülers, auch die Kraft der Angriffe.
Ein weiterer Aspekt des Stockkampf-Training im Tosei Ryu ist der Freikampf. Hier wird ohne Regeln in Schutzausrüstung frei miteinander gekämpft. Die praktische Kampferfahrung schult Reaktion, Distanzgefühl und Timing. In dieser sicheren Umgebung erlernen die Schüler das Treffen und Getroffen werden.
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Ablauf eines Stockkampf-Trainings in Köln
Zu Beginn jedes Stockkampf-Trainings in Köln erfolgt die traditionelle Eröffnung der Unterrichtsstunde. Mit einer kurzen Meditation und der Begrüßung des Lehrers und der Mitschüler kann der Geist geschärft und die Alltagsprobleme hinter sich gelassen werden. Nach einer Aufwärmphase folgt das Drehtraining. Hier werden Stockdrehungen, Übergänge von einer Hand in die andere und Würfe geübt. Ziel dieses Teils des Stockkampf-Trainings ist es, ein Gefühl für den Stock und seine Handhabung zu erhalten.
Im Anschluss folgt die direkte Anwendung im Schlagtraining gegen einem imaginären Gegner. Die unterschiedlichen Schlagwinkel werden mit Präzision durchgegangen und trainiert. Durch die Wertlegung auf Sauberkeit kann der Schüler ein Muskelgedächtnis aufbauen und so aus einem Repertoire an Grundangriffen schöpfen.
Dem Erlernen des Angreifens schließt sich im Stockkampf-Training das Erlernen des Blockens an. In Partnerübungen erarbeiten sich die Schüler das Verständnis der passenden Blocks für unterschiedliche Angriffe. Auch hier liegt das Ziel des Stockkampf-Trainings wieder auf dem Aufbau eines Muskelgedächtnisses. Das Angreifen und Verteidigen wird schließlich in verschiedenen Katas miteinander verbunden. Mit diesen komplexen Bewegungsabläufen wird der Kampf gegen einen Partner geübt. In diesen Zweiergruppen ist immer ein Partner der festgelegte Angreifer und der andere der Verteidiger. Im Tosei Ryu beginnen die Katas aus dem Gehen heraus.
Um alle theoretischen Aspekte auch praktisch umzusetzen, bietet das Tenshinkai Dojo Köln im Stockkampf auch freies Kämpfen an. Hier wird ohne Regeln, in Schutzausrüstung und mit gepolsterten Schaumstockstöcken frei miteinander gekämpft.
Die Katas
In den ersten Kata, die ein Schüler beim Stockkampf in Köln im Tenshinkai Dojo lernt, benutzen beide Partner ein Tanjō. Zu Beginn liegt das Hauptaugenmerk auf dem richtigen Ablauf, sowie der korrekten Ausführung der Kata. Mit zunehmender Erfahrung verinnerlichen die Schüler den richtigen Angriff sowie die korrekte Distanz. Nach jeder, auf Wunsch abgelegten, Prüfung erlernen die Schüler neuer Katas. So wird parallel zu der steigenden Sicherheit der Umgang mit neuen Waffen gelernt.
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Das Tenshinkai Dojo Köln und Tosei Ryu
Das Tenshinkai Dojo Köln unterrichtet den vergleichsweise jungen Stockkampf-Stil Tosei Ryu Tanjōjutsu unter Luciano Gabriel Morgenstern Shinryu Sensei. Er ist der direkte Schüler des japanischen Großmeisters Niina Toyoaki Gyokusou Soke und trägt den 7. Dan Kyoshi im Tosei Ryu. Dieser äußerst effektive Stil wurde 1988 von dem Großmeister Niina Soke aus dem Shintō Musō Ryu (Kampfkunst mit dem Jō), Ikkaku Ryu (Kampfkunst mit Jitte und Tessen), Uchida Ryu und Mugai Ryu entwickelt.
Das Stockkampf-Training in Köln lehrt den Umgang mit dem Tanjō, einem 90 Zentimeter langen Holzstock. Dadurch lernt der Schüler gleichzeitig, sich auch gegen unterschiedlichste Waffen zu verteidigen.
Erweiterung des Curriculums
Im Rahmen unseres Stockkampf-Curriculums ist ein gradueller Übergang zu weiteren Holzwaffen inbegriffen. Startet der Schüler mit einem Tanjō, kommt mit steigender Sicherheit ein zweites hinzu. Zusätzlich wird im Stockkampf-Training in Köln der Umgang mit dem ca. 120 Zentimeter langen Jō, sowie dem ca. 180 Zentimeter langen Bō gelehrt. Um unterschiedliche Kampfsituationen im Stockkampf zu simulieren, werden die Waffen in Partnerübungen in den unterschiedlichsten Konstellationen und auch gegen ein Bukotō genutzt.
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