Judo mag für den einen oder anderen nicht ganz so massentauglich und spannend wirken, wie Karate oder Kickboxen, aber Deutschlands Judoka sorgen international immer wieder für Erfolge.
Obwohl ein Blick auf den Medaillenspiegel der Judo Weltmeisterschaften verrät, dass Japan zweieinhalbmal so viele Goldmedaillen besitzt, wie das zweitplatzierte Frankreich, so gibt es doch einige deutsche Weltmeister, die dem Gründerland im Judo Wettkampf erfolgreich entgegentraten.
Deutsche Judo-Erfolge bei Olympischen Spielen
Rein auf die olympischen Spiele bezogen sind die erfolgreichsten deutschen Frank Wieneke und Ole Bischof, die jeweils eine Gold- und eine Silbermedaille gewannen.
So gab es bisher drei Olympiasiege, bei den Männern durch die Halbmittelgewichtler Frank Wieneke (1984 in Los Angeles) und Ole Bischof (2008 in Peking), als einzige deutsche Frau triumphierte Yvonne Bönisch 2004 in Athen.
Bedeutende Persönlichkeiten
Dietmar Lorenz war der erste deutsche Olympiasieger im Jahr 1980 und trägt ebenfalls den 7. Dan. Frank Wieneke war außerdem 8 Jahre lang Bundestrainer und trägt den 7. Dan.
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Deutsche Judo-Weltmeisterinnen
Die erste deutsche Weltmeisterin in der Gewichtsklasse bis 72 kg wurde Barbara Claßen im Jahr 1982.
Die wohl erfolgreichste deutsche Judoka ist Yvonne Bönisch, die 2004 in der Kategorie bis 57 kg die erste deutsche Goldmedaille der Frauen bei Olympia holte. Bereits im Alter von 15 Jahren gewann sie erstmals den Meistertitel bei den deutschen Meisterschaften der U19 und war in Judo Ranglisten immer oben vertreten. In den Jahren 2003 und 2005 gewann sie bei den Weltmeisterschaften Silber und bekam im Jahr 2004 das silberne Lorbeerblatt überreicht. Im Februar 2010 wurde ihr der 6. Dan verliehen und sie ist damit die jüngste Trägerin des 6. Dan aller Zeiten.
Alexander Wieczerzak: Ein Vorbild für die Jugend
Alexander Wieczerzak, Judo-Weltmeister von 2017, ist neuer „Jugend trainiert“-Pate und will als erste Amtshandlung in seiner neuen Rolle das Herbstfinale des Schulsportwettbewerbs besuchen. Als ehemaliger Bundesfinalteilnehmer weiß er, was es für junge Sporttalente bedeutet, bei einem solchen Großereignis dabei zu sein und auf sportliche Vorbilder zu treffen.
Alexander ist sechs Jahre alt, als er die Sportart für sich entdeckt, die fortan sein Leben verändern und prägen wird. Aufgrund seines Bewegungsdrangs empfahl man der Mutter, den Jungen zum Judo zu schicken.
Der internationale Durchbruch gelang Wieczerzak noch während seiner Schulzeit, als er 2010 bei den U20-Weltmeisterschaften den Titel gewann. Nach dem Abitur 2012 zog es ihn dann nach Köln, wo er zusammen mit weiteren Mitgliedern der Nationalmannschaft bis heute am Olympiastützpunkt perfekte Trainingsbedingungen vorfindet.
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Der Weg zum WM-Gold
Seinen größten sportlichen Triumph feierte er aber zu einem Zeitpunkt, als am wenigsten damit zu rechnen war. Als 24. 14 Jahre lang war das keinem deutschen Athleten mehr gelungen. Ein Jahr zuvor hatte Wieczerzak noch die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro verpasst. Erst warfen ihn Verletzungen zurück, dann erkrankte er Anfang 2016 nach einem Grand Prix in Havanna am Tropenfieber.
Längst hat Alexander Wieczerzak begonnen, seine Popularität zu nutzen, um den nächsten Generationen im (Judo-)Sport etwas zurückzugeben. Gerne absolviert er mit dem Nachwuchs Trainingseinheiten und gibt dabei seine jahrelange Erfahrung weiter.
Beim Herbstfinale will Wieczerzak neben den Wettbewerben auch die Abschlussveranstaltung in der Max-Schmeling-Halle besuchen. Er freue sich darauf, die Nachwuchstalente zu treffen und den besten deutschen Schulmannschaften im Judo ihre Medaillen überreichen zu dürfen.
Judo: Mehr als nur ein Kampfsport
Der Kampfsport Judo hat seine Wurzeln im achten Jahrhundert, übersetzt heißt es „sanfter Weg“. Die Übungen dienten einst der Persönlichkeitsentwicklung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Judo zu einem Wettkampfsport, es ist die weltweit am meisten verbreitete Kampfsportart.
Auf Kraft, Schnelligkeit und koordinative Fähigkeiten kommt es an. Einerseits. Aber Judo ist nicht nur ein Sport, sondern auch eine Philosophie zur Persönlichkeitsentwicklung. Das gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen sowie der bestmögliche Einsatz von Körper und Geist liegen der japanischen Kampfsportart als Prinzipien zugrunde. Der respektvolle Umgang miteinander gehört ebenso wie Disziplin zu den Grundtugenden.
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Die Bedeutung von Judo im Film
Interessanterweise gibt es kaum nachweisbare Einflüsse des Judo auf die Filmwelt. Viele Schauspieler lernen bekanntlich genau das, was sie für ihre Rolle benötigen und tragen deshalb nicht unbedingt den schwarzen Gurt, auch wenn sie in ihrer Rolle einen großen Meister verkörpern.
Ein Grund ist mit Sicherheit, dass die Techniken des Judo darauf geschliffen wurden, um für den sportlichen Wettkampf geeignet zu sein. Das ist kein Problem für den Wettkampf, aber ein Problem für Hollywood, wenn Ihr versteht. Hier werden in der Regel Techniken aus Sportarten genutzt, die dramatischer wirken, als sie in Wahrheit sind.
Wenn Ihr jedoch den einen oder anderen Film dieses Genres anschaut, dann wird Euch auffallen, dass sich doch die eine oder andere Technik aus dem Judo versteckt. Der klassische Schulterwurf beispielsweise ist häufig zu sehen, wobei der Gegner normalerweise noch auf einen Gegenstand geworfen wird, um die Wirkung zu verstärken. Im Allgemeinen ist Judo aber schlicht und einfach nicht für den Film, sondern für die Wettkampfmatte geeignet.
Erfolge bei Weltmeisterschaften 2023
Erst ein Freudentanz, dann das Siegerlächeln: Am Schlusstag der Weltmeisterschaft in Budapest haben die deutschen Judokas einen weiteren Erfolg verzeichnet. Das Mixed-Team gewann am Freitagabend das kleine Finale gegen Italien und sicherte sich somit Bronze.
Der Deutsche Judo-Bund (DJB) beendet das Turnier mit insgesamt vier Medaillen. Gegen Italien gelang dem Mixed-Team um die Olympiazweiten Miriam Butkereit und Eduard Trippel sowie die Europameisterin Seija Ballhaus ein deutliches 4:1.
Die entscheidenden Siege im Bronze-Duell erkämpften sich Losseni Kone, Ballhaus, Butkereit und Trippel. Einzig Igor Wandtke verlor sein Duell gegen Giovanni Esposito. Auf dem Weg ins Bronze-Match hatten die deutschen Judokas zunächst Aserbaidschan (4:1) und danach Brasilien (4:3) aus dem Weg geräumt. Am Mittwochabend hatte Anna Monta Olek überraschend Silber in der Klasse bis 78 kg gewonnen.
| Jahr | Wettbewerb | Athleten | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 2023 | Mixed-Team | Miriam Butkereit, Eduard Trippel, Seija Ballhaus, Losseni Kone | Bronze |
| 2023 | Einzel (bis 78 kg) | Anna Monta Olek | Silber |
