Die Kampfkunst Karate entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte auf der Insel Okinawa, Japan. Ursprünglich als waffenlose Kampfkunst konzipiert, um sich gegen Angriffe zu verteidigen, durchlief Karate eine stetige Evolution, die zur Herausbildung verschiedener Stilrichtungen führte. Die erste bekannte schriftliche Erwähnung des Begriffs "Karate" auf Okinawa stammt aus dem Jahr 1867.
Es gibt im Karate vier große Stilrichtungen, nämlich Goju-Ryu, Shotokan, Shito-Ryu und Wado-Ruy. Diese sind, unter anderen, aus den weit verbreiteten okinawanischen Stile Shorei-Ryu und Shorin-Ryu entstanden, die wiederum auf eine Vielzahl anderer Stile zurückgehen. Der Begriff "Ryu" heißt aus dem japanischen übersetzt soviel wie "Stil" oder "Schule". In den frühen Ursprüngen hatten zudem Religion, Philosophie und die japanische Kriegskunst einen starken Einfluss auf die Entwicklung des Karate. Die vier Stile unterscheiden sich erst einmal in ihrer historischen Herkunft, Philosophie und Entwicklung.
Im Folgenden werden die bekanntesten Karate-Stile und ihre charakteristischen Merkmale vorgestellt:
Die vier großen Stilrichtungen
Shotokan
Shotokan ist der am häufigsten vertretene Karate-Stil weltweit. Er wurde von dem Okinawa-Meister Gichin Funakoshi gegründet. Dank ihm wurde 1922 das Karate in Japan eingeführt. Er stammt aus den zwei Schulen Shuri-te und Tomari-te. Abgeleitet von seinem Pseudonym “Shoto” entstand auch der Name der Stilrichtung. Das Wort “kan” bedeutet Gebäude, weshalb die Stilrichtung als “die Schule/ das Dojo von Shoto” verstanden werden kann. Dies bezieht sich auf das Dojo, indem Funakoshi lehrte. Diese Bezeichnung etablierte sich unter seinen Schülern, auch wenn es für ihn nur ein einziges Karate gab.
Shotokan kombiniert tiefe Stellungen mit starken Techniken und einer hohen Dynamik. Im Shotokan spielt eine gute Dehnung eine Rolle, das viele Techniken eine gute Beweglichkeit benötigen. Die meisten Schläge und Tritte werden im mittleren Bereich ausgeführt. Jede Technik ist gleichzeitig als Angriff und Abwehr gedacht. Es wird mit als Tiger-Stil bezeichnet, da hier der direkte Angriff nach vorne grundlegend ist.
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Shotokan zählt zu den vier größten japanischen Seit neuerer Zeit auch von der SKI (Shotokan Karate International, Hirokazu Kanazawa) vertreten und in vielen Verbänden außerhalb Japans vor allem in Europa verbreitet. Seit 1949 in der JKA (Japan Karate Association, unter Masatoshi Nakayama) organisierter moderner Wettkampfstil, der sich auf das Erbe Funakoshis beruft, ohne jemals dessen offizielle Unterstützung erhalten zu haben.
Goju-Ryu
Chojun Miyagi, ein Schüler Higashionnas, gründete den Stil Ende der zwanziger Jahre auf Okinawa. 1933 wurde das Goju vom Butokukai auch als japanischer Karatestil anerkannt. Das System enthält verschiedene Kata, die für die beiden Elemente „hart“ (go) und „weich“ (ju) stehen und oftmals auf kraftvoller Atmung (Ibuki) basieren.
Heute wird der Stil in drei Abteilungen vertreten: auf Okinawa durch Anichi Miyagi und Morio Higaonna, in Japan durch Gogen Yamaguchi und in den USA durch Peter Urban. Ein moderner japanischer Wettkampfstil von Masutatsu Oyama, einem Schüler Funakoshis (Shotokan) und Nei-Chu Sos (Goju-Ryu). Er gründete das System 1955 und kombinierte darin die Grundlagen und die Kata von Shotokan und Goju mit einem eigenen Kampfkonzept. Danach wird im Kyokushin mit vollem Kontakt ohne Schutzausrüstung gekämpft.
Shito-Ryu
Ein 1939 in Japan gegründeter traditionsbewußter Mischstil aus dem okinawanischen Shorin- und Shorei-Ryu, in dem Kenwa Mabuni die Lehren seiner beiden Meister, Higashionna und Itosu, vereinigte („Shito“ enthält Schriftzeichen aus den Namen beider Meister). Der Stil gehört zu den vier großen japanischen Karatesystemen und wird heute von vielen Schülern Mabunis in individuell interpretierten Varianten unterrichtet.
So gründete Teruo Hayashi das Kenshin-Ryu (oder Hayashi-Ha Shito-Ryu), Ryusho Sakagami das Itosukai-Ryu, Yoshinao Nanbo das Nanbu-Do, Kanei Uechi das Shito-Ryu Kempo, Chojiro Tani dasTani-Ha Shito-Ryu (oder Shukokai), Shinpan Shiroma das Shiroma Shito-Ryu, Kosei Kokuba das Seishinkan-Ryu und Kensei Kaneshiro das Tozan-Ryu.
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Wado-Ryu
„Der Weg des Friedens“ - japanischer Stil von Hironori Otsuka, einem Schüler Funakoshis. Er gilt als einer der vier großen japanischen Karatestile und basiert auf einem energieökonomischen Bewegungsprinzip. Häufige Ausweichtechniken sind stets verbunden mit gleichzeitigen Angriffen auf Vitalpunkte, die Ausführung der Kata zeichnet sich kurze Stellungen sowie durch Geradlinigkeit und Leichtigkeit aus.
Weitere Karate-Stile
Neben den vier großen Stilrichtungen gibt es noch zahlreiche weitere Karate-Stile, die sich in ihren Schwerpunkten und Techniken unterscheiden. Einige Beispiele sind:
- Isshin-Ryu: „Weg der vereinten Herzen“ - Dieser okinawanische Stil kombiniert Shorei- und Shorin-Prinzipien und wurde in den fünfziger Jahren von Tatsuo Shimabukuro gegründet.
- Kobayashi-Ryu: „Kleine Waldschule“, ein Ableger der Itosu-Schule, der 1920 von Choshin Chibana gegründet wurde.
- Kyokushin: Ein moderner japanischer Wettkampfstil von Masutatsu Oyama, einem Schüler Funakoshis (Shotokan) und Nei-Chu Sos (Goju-Ryu).
- Matsubayashi-Ryu: Shoshin Nagamine lernte unter Chibana, Taro Shimabukuru, Ankichi Aragaki und Chotoku Kyan, bevor er 1953 diesen klassischen Shorin-Stil gründete.
- Matsumura-Seito Shorin-Ryu: Um 1950 gegründeter klassischer okinawanischer Karatestil, der in direkter Linie auf Sokon Matsumura und dessen Shorin-Ryu zurückgeht.
- Sukunaihayashi-Ryu: Eine Weiterführung von Kyans Sukunai Hayashi-Ryu, die von Taro Shimabukuro vertreten wird.
- Shotokai: Nach dem 2. Weltkrieg entstandenes System der 1. japanischen Schülergeneration Funakoshis unter Shigeru Egami und Genshin Hironishi, das sich auf die Lehren von Yoshitaka und Gichin Funakoshi beruft.
- Shorin-Ryu (Kyan-ha): Dieser wichtige traditionelle okinawanische Shorin-Ryu-Stl geht auf Chotoku Kyan (1870-1945) zurück, der u.a. unter Matsumora, Matsumura, Oyadomari, Maeda und Yara lernte, und wird heute unter verschiedenen Bezeichnungen von seinen Schülern weitergeführt.
- Tozan-Ryu: Dieser Begriff gilt als Stilbezeichnung für zwei verschiedene Karatesysteme: Kaneshiro Tozan-Ryu und Kaneshima Tozan-Ryu.
Die Vielfalt der Karate-Stile im Deutschen Karate Verband (DKV)
Unter dem Dach des DKV haben sich zahlreiche Stilrichtungen versammelt, wobei die Unterschiede von Stilrichtung zu Stilrichtung mitunter nur Nuancen betragen. Die Stilrichtungen Shotokan, Wado-Ryu, Goju-Ryu und Shito-Ryu sind von der WKF und der EKF anerkannt. Alle im DKV anerkannten Stilrichtungen haben gleiche, in der DKV-Satzung verankerte Rechte. Der DKV selbst ist an keine Stilrichtung gebunden.
Im DKV sind folgende Stilrichtungen vermerkt:
- Shotokan
- Goju-Ryu
- Wado-Ryu
- SOK
- Koshinkan
- Shito-Ryu
- Shorin-Ryu Seibukan
- JKD
- Wado-Kai
- JKA Shokukai
- JKF Goju-Kai
- Intern. Goju-Kan
- Shoto-Ryu
- Kempo
- AKS-Karate
- Kyokushin-Kai
- Yoshukai
- Koreanisches Karate
- Shorin-Ryu-Siu Sin Kan
- Tang Soo Do
- SOK - Kobudo
- Vollkontakt ähnlich wie Kyokushin
Welcher Karate-Stil passt zu mir?
Die Wahl des richtigen Karate-Stils hängt von den persönlichen Vorlieben, Zielen und körperlichen Voraussetzungen ab. Ein Probetraining in verschiedenen Dojos kann helfen, den passenden Stil und Lehrer zu finden. Wichtig ist, dass der Unterricht Spaß macht und die eigenen Interessen und Fähigkeiten fördert.
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