Karate Katze Fakten: Eine Aufklärung

Das Thema dieses Blogs ist Karate. Ich möchte meine Gedanken und Ideen zu diesem sehr breiten Themengebiet einfach mal niederschreiben, um auch das Chaos an Informationen in meinem Kopf etwas zu ordnen. Da Karate heutzutage hinreichend verklärt ist und viele Mythen und Missverständnisse über diese Kunst existieren, habe ich beschlossen dagegen anzugehen.

Die Ursprünge und Entwicklung des Karate

Doch wie kam es dazu? Nun das hat vielfältige Ursachen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Karate in der Vergangenheit fast ausschließlich mündlich weitergegeben wurde. Es existierten nur wenige Aufzeichnungen, von denen nicht viele in die heutige Zeit gerettet werden konnten. Wie verlässlich der mündliche Austausch von Informationen ist, lässt sich am besten durch das Kinderspiel „Stille Post“ verdeutlichen.

Ein weiterer nicht unwesentlicher Grund ist kulturell bedingt. In Japan existiert so etwas wie eine offizielle Wahrheit, auch „tanemae“ und eine tatsächliche Wahrheit, auch „honne“. Dabei wird wesentlich mehr Wert auf die offizielle Wahrheit gelegt. Dies macht es umso schwerer mündlich überlieferte Fakten korrekt einzuordnen. Historisch gesehen gibt es also nur wenige belegbare Fakten. Für den Rest an Informationen existieren dann auch meist gleich mehrere Theorien pro Fragestellung. Als ein Beispiel hierfür soll hierbei die Entstehung der Heian/Pinan Kata dienen.

Die Mission der Aufklärung

Meine Mission ist es also zu informieren und aufzuklären. Da wo harte Fakten existieren, können Informationen verifiziert und verbreitet werden. Da wo es nur Vermutungen gibt, sollte man nicht dazu übergehen, nur weil andere dies schon seit Jahrzehnten tun, Halbwahrheiten oder gar Unwahrheiten zu verbreiten.

Ich möchte mit meinen Artikeln zumindest erreichen, dass sich der ein oder andere genauer über bestimmte Aspekte im Karate informiert und darüber hinaus anregen darüber nachzudenken. Wenn einige Praktizierenden anfangen Sachen zu hinterfragen ist meine Mission erfüllt.

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Der Weg zum Karateka

Mein Name ist Holger Nietzold und eine große Leidenschaft von mir ist das Karate. Begonnen habe ich 1991 mit dem Shōtōkan Karate und bei diesem bin ich auch geblieben. Gelegentliche Blicke über den so genannten Tellerrand haben dazu beigetragen, dass ich viele Sachen im Karate, so wie es allgemein vermittelt wird, unplausibel fand. Bei Nachfrage erhielt ich zumeist für mich unbefriedigende Antworten. Also begann ich zu dem Thema viele Bücher zu lesen, viele DVDs zu schauen, viel im Internet zu recherchieren und viele Lehrgänge zu besuchen.

Ich interessiere mich besonders für die praktische Seite des Karate, also für die Kata des Karate, deren Anwendungen und die daraus resultierenden Prinzipien hinsichtlich einer effektiven Selbstverteidigung. Darüber hinaus interessiere ich mich sehr für die Geschichte des Karate, da viele Informationen erst Sinn ergeben, wenn diese in den richtigen historischen Kontext eingeordnet werden.

Karate: Mehr als nur Schlagen

“Bei Karate schlägt man doch sowieso nur aufeinander ein!” Solche und andere Vorurteile sind auf der ganzen Welt weit verbreitet. Doch ist da was dran oder sind es wirklich nur Vorurteile? Karate ist keinesfalls eine Sportart, bei der man nur wahllos aufeinander einprügelt, auch wenn das viele behaupten. Im Gegenteil, denn Karate ist eine Kampfsportart, bei der man viel Selbstkontrolle, Technik und auch Kraft braucht.

Zusammen zu trainieren, gegeneinander zu kämpfen (natürlich ohne sich zu verletzen) und miteinander zu schwitzen, macht vielen Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen sehr viel Spaß. Es finden jährlich sehr viele Karate-Wettbewerbe in Deutschland und auf der ganzen Welt statt. Seit 2000 ist diese wunderbare Sportart sogar ein Teil der olympischen Spiele und seit 1970 werden Weltmeisterschaften darin ausgetragen.

Dieses Video ist ein perfektes Beispiel dafür, dass man beim Karate auch viel Technik und sehr gute Reflexe benötigt. Natürlich sind das Profis, doch dort kann es dann umso härter zur Sache gehen.

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Der Weg zum schwarzen Gürtel

Im Karate kannst du dich bis zum schwarzen Gürtel vorarbeiten. Doch bis dahin ist es ein sehr langer Weg, bei dem man viel Willenskraft und Schweiß aufbringen muss. Bis zum ersten Schwarzgurt (erster Dan) muss man sich erst in zehn harten Prüfungen beweisen.

Gürtelgrade im Karate

  1. 9. Kyu-weißer Gürtel
  2. 1. bis 10.
  3. 8.
  4. 7.
  5. 6.
  6. 5. bis 4.
  7. 3. bis 1.

Da Karate ein beliebter Sport für jung und alt ist, gibt es fast in jedem Verein eine Karateabteilung. Zum Beispiel gibt es auch hier in Landshut ein vielfältiges Karateprogramm in fast allen Vereinen. Und wer weiß, wenn du jetzt mit Karate anfängst, wirst du vielleicht mal ein berühmter Karateka wie der Deutsche Noah Bitsch.

Historischer Kontext: Von Okinawa nach Japan

Nach vielen Jahrhunderten Krieg um die Herrschaft übernimmt Mutsuhito den japanischen Kaiserthron. Zu dieser Zeit vollzieht sich ein grundlegender Wandel. Die Privilegien der damals regierenden Kriegerfürsten und der ihnen untergebenen Samurai wurden aufgehoben. Japan wandelte sich vom Feudalstaat zur konstitutionellen Monarchie durch die Verfassung von 1889. Auch die arme "Bauerninsel" Okinawa, längst an Japan angegliedert, wurde 1895 die 47. Präfektur Japans.

Ein Mann namens Kanryo Higashionna war Bürger Okinawas. Er wurde später als der Heilige des Faustschlags bekannt. Seit frühester Jugend zeigte er Interesse an den bestehenden Kampfkünsten der Insel. Durch seine Arbeit als Matrose auf einem Handelsschiff fuhr er regelmäßig von Naha nach China. Dort wurde er über 16 Jahre von einem chinesischen Meister im sogenannten "Chuanfa" unterrichtet. Nach seiner Rückkehr schuf er eine Synthese aus allem bisher Gelernten. Diese Kunst wurde Naha-te (Kunst aus Naha) genannt.

Die Entwicklung des Goju-Ryu

Im Jahr 1902 wurde ihm der 14-jährige Chojun Miyagi vorgestellt, der aufgrund einer Erbschaft sehr vermögend war. Nach Auffassung seiner Familie sollten ihm die Kampfkünste dabei helfen die große Verantwortung zu tragen. Anstatt sein Geld in ein Unternehmen zu investieren reiste er nach China und studierte die Künste wie sein Vorbild. Als er 1920 wieder auf Okinawa war entwickelte er die beiden Formen der Gekisai Kata. Gleichzeitig schuf er sein Meisterwerk, die Kata Tensho.

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Um das Karate Miyagis zu verbreiten nahm einer seiner Schüler in Japan im Jahre 1929 an einer großen Demonstration der Kampfkünste teil. Auf die Frage nach dem Namen des Stils wurde dieser mit Hanko-Ryu bezeichnet um das Gesicht Meister Miyagis zu wahren. Hanko bedeutet halbschwierig. Miyagi zitierte daraufhin einige Zeilen aus dem Bubishi wo Universum, Leben und Kampfkünste zusammenfließen. Dort ist von schweren und leichten Zeiten die Rede.

Auf seinen Reisen zwischen 1929 und 1935 lernet der Meister den jungen Gogen Yamaguchi kennen, der später sein Nachfolger in Japan werden sollte. Yamaguchi begann früh mit dem Training von Judo, Kendo und Karate. Außerdem interessierte er sich für Buddhismus und Shintoismus, der japanischen Naturreligion.

Yamaguchi strebte ehrgeizig die Verbreitung des Karate an, gründete an der Ritsumeikan-Universität des erste Karate-Dojo. Gleichzeitig führte er als erster den freien Kampf (Jiyu-Kumite) ein. Zwischen 1935 und 1937 begleitete er seinen Lehrer nach Okinawa. Während des mandschurischen Konfliktes geriet er dann in Gefangenschaft und im Zweiten Weltkrieg verbrachte er 2 Jahre in sowjetischen Lagern.

Wieder zurück in Japan widmete sich der Meister Yamaguchi intensiv dem Studium von Zen, Shinto und Yoga. Er verband diese Prinzipien mit dem Goju-Ryu. In den 50er Jahren reorganisierte Meister Yamaguchi seine bereits verbreitete Organisation, die er Goju-Kai nannte. Symbolisch dafür steht die Jahre zuvor eigenhändig gezeichnete "Goju-Ryu Faust". Am 20.05.1989 stirbt Gogen Yamaguchi Hanshi 10. Dan. Wegen seiner schnellen und geschmeidigen Techniken nannte man ihn auch "die Katze".

Tipps vom Experten: Soke Inoue Yoshimi

KARATEbyJesse ist vielen Karateka ein Begriff. Dahinter verbirgt sich der Schwede Jesse Enkamp, Mitglied der Kata-Nationalmannschaft und Inhaber eines eigenen Dojos, der sich mit interessanten und gut recherchierten Artikeln zum Karate und angrenzenden Themenbereichen sowie mit ansprechenden Videos von Turnieren und Lehrgängen im Internet einen Namen gemacht hat.

“Ich hatte die einmalige Gelegenheit hatte, privat mit dem weltbesten lebenden Kata-Trainer zu trainieren. Soke Inoue Yoshimi. Die Liste seiner berühmten Schüler liest sich wie ein Epos: Rika Usami, Atsuko Wakai, Antonio Diaz… Er ist eine regelrechte Kata-Champion-Maschine. Also… Was ist sein “Geheimnis”? Hallo? Machst du Witze? Er hat so um die tausend davon! Und einige muss ich einfach mit euch teilen. Klingt das gut? Prima.

  • 25. 0,2 Sekunden. So schnell sollte deine Technik sein. Das ist ein Blinzeln.
  • 26. Es ist okay, den Ablauf/die Abfolge einer Kata vom Video zu lernen.
  • 27. „In meinem Dojo fangen wir mit dem Training um 9 Uhr morgens an und hören um 11 Uhr abends auf. Manchmal vergessen wir sogar zu essen.“ (Moment…warte.
  • 28. Die Leute denken, Kata sei eine Aneinanderreihung von Positionen. Aber das ist falsch. Kata ist nicht A, B, C oder D - es geht darum, wie du von A nach B nach C nach D kommst. Daher sollte ein guter Sensei, Trainer oder Kampfrichter immer auf die Bewegungen zwischen den Techniken achten und nicht nur auf die Endpositionen.
  • 29. Entfaltung. Schnüre niemals deine Techniken ab, quetsche sie nicht. Lustigerweise machen die meisten Leute genau das und nennen es dann “Kime”. Aber nach Inoue solltest du genau das Gegenteil tun. Stelle dir vor, du trittst einen Fußball. Du spannst dich im Moment des Auftreffens nicht an, oder? Natürlich nicht. Der Ball würde dann gar nicht fliegen. Das gleiche gilt für einen Baseball oder Golfball. Am Ende deiner Bewegung dehnst du dich richtig aus, damit der Ball fliegt, nicht wahr? Also mach das gleiche bei deinen Karate-Techniken. Statt dich zu sperren und deinen Körper im Endpunkt zu verkrampfen, entfalte dich und lass es weiter fließen. Keine Anspannung.
  • 30. Bei Seitwärtstritten (Yoko Geri), halte deinen Fuß wie beim Vorwärtstritt (Mae Geri).
  • 31. Wenn du gehst/gleitest und schlägst, stoppe eine Millisekunde vor deinem Schlag. Das ermöglicht es, die Bewegungsenergie in deinen Arm zu übertragen. Das ist wie bei einem fahrenden Auto, das crasht: Das Auto stoppt abrupt (dein Körper), aber der Insasse fliegt durch das Fenster (dein Arm). Also schlage nicht gleichzeitig mit der Bewegung. Aber schlage auch nicht zu spät.
  • 32. Es gibt drei Drehpunkte. Ferse, Mittelfuß und Fußballen. Welchen Teil solltest du benutzen?
  • 33. Wenn du in der Katzenfußstellung vorwärts gehst (Neko Ashi Dachi), drehe auf deinem Mittelfuß. Nicht auf der Ferse. Nicht auf den Zehen. Sondern auf deinem Mittelfuß. So ist es richtig im Neko Ashi Dachi.
  • 34. Das Ein-Bein-Prinzip. Du benutzt nie beide Beine gleich. Ein Bein ist immer das “Kraft-Bein”. Wenn du herausfindest, welches Bein jeweils bei einer bestimmten Technik das Kraft-Bein ist, wird deine Kraft explodieren. Das ist großartig. Zum Beispiel, wenn du rechts einen tiefen Block (Gedan Uke/Barai) in Shiko Dachi/Kiba Dachi machst, ist das linke Bein dein Kraft-Bein. Da sollte alle Kraft sein.
  • 35. Die Stände sind für Westländer schwierig, weil unsere Beine so lang sind. Deshalb ist Kata für japanische Menschen einfacher.
  • 36. Entspanne das Schulterblatt = knallige Technik. Dein Schulterblatt ist die Basis deines Arms und muss locker sein.
  • 37. „Die Kampfkunst unterstützt die Schwerkraft. Sie sind Freunde.“ Um dich schneller zu bewegen, arbeite mit der Schwerkraft zusammen.
  • 38. Beim Drehen senkst du dich um 4-5 cm. Wenn dein Körper sich senkt, drehe dich und fange ihn im nächsten Stand.
  • 39. Du fühlst dich lustlos? Gib deinem Sensei die Schuld. Wenn ein Sensei mit müder Stimme zählt („ichi, ni, san…“), ist es schwierig, deine beste Technik zu zeigen. Ein Sensei sollte mit großer Leidenschaft zählen („ICHI, NI, SAN!“), um dich zu inspirieren und alle zu ermutigen, das Beste zu geben.
  • 40. Anfänger schlagen mit der Hand. Experten schlagen mit dem Schulterblatt.
  • 41. Du kannst dich entschuldigen oder du kannst besser werden.
  • 42. Öffne deinen Mund.