Judo, wörtlich übersetzt "der sanfte Weg", ist eine der bekanntesten und weltweit verbreitetsten Kampfsportarten. Ursprünglich aus Japan stammend, hat Judo sowohl im sportlichen als auch im pädagogischen Bereich seinen Platz gefunden. Judo basiert auf dem Prinzip, die Kraft des Gegners für sich zu nutzen, statt ihr direkt entgegenzutreten.
Ursprünge und Entwicklung
Der Judosport entwickelte sich aus der japanischen Kampfkunst des Jiu-Jitsu, dem die Kampftechniken der Samurai im aristokratischen Japan des 4. Bis 12. Jiu-Jitsu bedeutet übersetzt in etwa „sanfte Kunst“ und enthält neben Wurftechniken auch Schlag- und Tritt-, sowie tödliche Techniken.
In der Edo-Zeit zwischen 1603 und 1868 entwickelten sich in Japan mehrere verschiedene Schulen, die unterschiedliche Stile des Jiu-Jitsu praktizierten. Jigoro Kano, der Schüler bei den größten und wichtigsten Meistern des Jiu-Jitsu seiner Zeit war, suchte nach den grundlegenden Prinzipien dieser Techniken. Er entwickelte Judo aus dem traditionellen Jiu-Jitsu weiter, indem er gefährliche Techniken entfernte und einen pädagogischen Aspekt hinzufügte. So schuf er den Begriff des Judo.
Dieser setzt sich aus den Silben „Ju“, was soviel bedeutet wie Sanftheit/ Nachgeben und der Silbe „do“, dessen Bedeutung „der Weg“ ist, zusammen. Im gleichen Jahr gründete Kano seine eigene Schule. Das moderne Judo wurde im Ende des 19. Jahrhunderts aus der antiken Kriegskunst Jujutsu von Prof. Jigoro Kano entwickelt.
Die Prinzipien des Judo
Im Mittelpunkt von Kanos Lehre standen zum einen das gegenseitige Helfen und Unterstützen, zum anderen aber auch eine besondere Ehrerbietung gegenüber dem Meister, was sich dadurch äußerte, dass im Dojo (Trainingshalle) große Bilder des Meisters an den Wänden hingen und dieser auch meistens eine erhöhte Position beim Sitzen einnahm.
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Das Gewinnen von Kämpfen ist in Judo nur zweitrangig. Wichtiger ist das Training von Körper und Geist. Die buchstäbliche Übersetzung von Judo ist "der sanfte Weg": das Sanfte überragt in Judo das Harte, d.h. Technik ist wichtiger als Kraft. Um seine Erziehungsideale zu verwirklichen, schuf Kano in Tokio den „Kodokan", die „Schule zum Studium des Weges". Diese Ausbildungsstätte für JUDO ist bis zum heutigen Tage das Zentrum für die sportlichen und geistlichen Grundlagen des JUDO geblieben.
Judo basiert auf 2 Prinzipien:
- Sei-Ryoku-Zen-Yo: Das technische Prinzip „Siegen durch Nachgeben“ oder auch „Bester Einsatz vorhandener Kräfte."
- Ji-Ta-Kyo-Ei: Das 2. Prinzip spricht die moralische Seite dieser Sportart an. Übersetzt könnte es „Gegenseitiges Helfen für den wechselseitigen Fortschritt und das beiderseitige Wohlergehen“ bedeuten.
Jigoro Kano wollte zum Ende des 19. Jahrhunderts mehr als nur eine Zweikampfsportart entwickeln, er wollte vielmehr eine Lebenseinstellung vermitteln. Kano wollte mit Judo, durch die dauernde körperliche und mentale Auseinandersetzung mit einem Partner und sich selbst, neben körperlichem Training einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung leisten.
Judo in Deutschland und der Welt
1906 wurde schließlich in Berlin die erste deutsche Jiu-Jitsu Schule von Erich Rahn gegründet. So entstand schließlich 1932 der Deutsche Judo-Ring, der allerdings bereits 1933 in das Fachamt Schwerathletik des Deutschen Reichsbundes eingegliedert wurde. In den Jahren des Nationalsozialismus wurde bis 1941 jährlich eine deutsche Meisterschaft ausgerichtet.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Judo zunächst, weil es als Kampfsportart galt, von den Alliierten verboten. 1953 gründete sich schließlich der Deutsche Judo-Bund in der BRD und 1958 der Deutsche Judoverband in der DDR. Ende 1990 schloss sich der der Deutsche Judoverband dem Deutsche Judo-Bund an, der heute als einziger nationaler Verband vom Kodokan anerkannt ist. Über 150 Länder praktizieren heute noch Judo zur Selbstverteidigung und als Wettkampfsport, aber auch als Kunstform und als Lebensstil. Es ist heutzutage die am weitesten verbreitete Kampfsportart auf der Welt. 1906 kam Judo erstmals nach Deutschland und erfreut sich seitdem auch hierzulande wachsender Popularität.
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Trainingsbekleidung und Dojo-Sitten
Der Judoka ( =Judosportler) trägt im Training und beim Wettkampf einen Judogi (=Judoanzug), der aus Hose und Jacke besteht, die aus reißfestem Baumwollstoff gefertigt sind. Dazu gehört der entsprechende Gürtel, der gleichzeitig Auskunft über den Ausbildungsstand des Judokas gibt.
Hierbei unterscheidet man zunächst in zwei große Gruppen: Schüler und Meister. Die Schüler tragen farbige Gürtel (die sogenannten KYU-Grade). Sie werden mit steigendem Rang dunkler. Die Meister tragen schwarze Gürtel (DAN-Grade).
Der Trainingsraum wird im JUDO mit DOJO bezeichnet. "DO" bedeutet Weg und "JO" bedeutet Platz. Das DOJO ist demzufolge ein Ort zum Studium des Weges, also der Trainingsraum. Da im DOJO ohne Fußbekleidung trainiert wird und sich beim Training die Partner oft "sehr nahe' kommen, muss ein Judoka sehr auf körperliche Hygiene bedacht sein. Dazu gehört das Tragen von Schlappen auf dem Weg vom Umkleideraum ins Dojo genauso wie das Waschen der Füße vor dem Training.
Die Wertungen im Judo
Beim Judo wird nicht nur belohnt, es gibt auch Strafen. Die verbotenen Handlungen sind in „leichte“ Regelverstöße und in „schwere“ Regelverstöße unterteilt.
- Koka: ist die kleinste Wertung.
- Yuko: ist die nächst höhere Wertung.
- Wazaari: ist die zweithöchste Wertung.
- Ippon: ist die höchste Wertung.
Leichte Regelverstöße: Werden mit Shido bestraft.Die kleinste Strafe ist das Shido. Schwere Regelverstöße: Werden direkt mit Hansoku-make bestraft. Die höchste Strafe heißt Hansoku-Make.
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Hier eine Tabelle mit den Wertungen und Strafen im Judo:
| Wertung | Beschreibung |
|---|---|
| Koka | Kleinste Wertung |
| Yuko | Nächsthöhere Wertung |
| Wazaari | Zweithöchste Wertung |
| Ippon | Höchste Wertung |
| Shido | Strafe für leichte Regelverstöße |
| Hansoku-Make | Strafe für schwere Regelverstöße |
Techniken im modernen Judo
Im Judo werden keinerlei Gegenstände als Waffen eingesetzt. Stattdessen liegt der Fokus auf geschickten, unvorhergesehenen Angriffen, die den Gegner unvorhergesehen zu Boden bringen oder zum Aufgeben bewegen. Judo-Techniken lassen sich in vier Gruppen unterteilen. Man unterscheidet zwischen den Wurftechniken (Nage Waza), den Bodentechniken (Katame / Ne Waza), den Falltechniken (Ukemi Waza) sowie den Schlagtechniken (Atemi Waza). Die Schlagtechniken kommen jedoch nur in Kata vor.
- Wurftechniken (Nage Waza): Hand-, Arm-, Fuß-, Bein-, Hüft- und Selbstfallwürfe.
- Bodentechniken (Katame / Ne Waza): Festhaltetechniken, Hebeltechniken und Würgetechniken.
- Falltechniken (Ukemi Waza): Techniken, um schmerzfrei und verletzungsfrei zu fallen.
- Schlagtechniken (Atemi Waza): Armtechniken (Ude-Ata-Waza) und Beintechniken (Ashi-Ate-Waza).
Der Judoka lernt, in jedem Moment auf potenzielle Angriffe vorbereitet zu sein und sich gegen Angreifer jeder Größe und jeder Stärke behaupten zu können.
Judo als Wettkampfsport
Während seiner Anfangsjahre in Europa galt Judo überwiegend als Nahkampfsystem. Jedoch änderte sich dies in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es wandelte sich zunehmend, zu einem Wettkampfsport. Techniken, die den Gegner ernsthaft verletzen, wurden als für den Wettkampf unnötig erklärt und auch in den Schulen nicht mehr unterrichtet.
1956 fanden die ersten Weltmeisterschaften in Tokio statt. Seit 1964 ist die Kampfart auch ein olympischer Sport, seit 1992 ist sogar Frauen-Judo Teil des olympischen Programms. Ausschließlich im Zweikampf wird Judo als Sportart ausgeführt. Ziel dabei ist es, den Gegner kontrolliert auf den Boden zu werfen. Dies passiert durch geschicktes Anwenden verschiedener Techniken, wobei vor allem Schnelligkeit und Kraft entscheidend sind.
Graduierungen im Judo
Den Ausbildungsstand des Judoka ist an der Farbe seines Gürtels zu erkennen. Hier unterscheidet man zwischen Schülergraden und Meistergraden. Zu Beginn seines Trainings erhält der Anfänger einen weißen Gürtel und durch das Absolvieren einer Prüfung hat er die Möglichkeit, den nächsthöheren Grad zu erlangen.
Die fünf Gürtelfarben für Schüler im europäischen Judo sind gelb, orange, grün, blau und braun. Höhere Grade kommen selten vor, da es hierfür keine Prüfungen mehr gibt, die bestanden werden können. Der rot-weiße und der rote Gürtel können nur verliehen werden und repräsentieren das bisherige Lebenswerk des Judoka.
Der 10. Dan, der höchste Grad im Judo, kann ausschließlich von der International Judo Federation oder dem Kokodan, der ältesten Judoschule Japans, verliehen werden und stellt somit eine große Besonderheit dar.
Die Vorteile des Judo-Trainings
Judo ist nicht nur Selbstverteidigung und Wettkampfsport. Der Schwerpunkt des Sports liegt in der sportlichen Ertüchtigung und hat zum Ziel, Körper und Geist durch das Trainieren verschiedener Angriffs- und Verteidigungsformen zu stärken. Dennoch eignet Judo sich auch zur Selbstverteidigung.
Die japanische Kampfkunst fördert die Geschicklichkeit und die Achtsamkeit und Wachsamkeit - Die richtige Technik, besiegt den Gegner. Der Judoka lernt, in jedem Moment achtsam und aufmerksam zu sein und sein Umfeld genauestens wahrzunehmen. Die geistige und körperliche Gesundheit des Schülers werden auf allen Ebenen gefördert.
Judo fördert die Fitness und wirkt Haltungsschwächen entgegen. Die Kampfsportart bezieht den ganzen Körper mit ein. Zudem wirkt sich Judo positiv auf das Selbstbewusstsein aus. Gerade für Menschen, die sich häufig schwach und dem Geschehen schutzlos ausgeliefert fühlen, bietet Judo zur Selbstverteidigung eine gesunde Lösung. Durch regelmäßiges Judotraining wird das Selbstwertgefühl gestärkt und die Körperhaltung ändert sich.
Judo ist nicht nur Selbstverteidigung und Sport, sondern fördert auch die Sozialfähigkeit. Die Sportart fördert den Respekt vor dem Menschen und ist offen für Interessierte jeder gesellschaftlichen Herkunft. Innerhalb der Gruppe der Praktizierenden stärkt das Verhalten gegenüber den Mitmenschen, den Respekt und die Akzeptanz. Somit hat die Kampfsportart auch eine gewaltpräventive Wirkung.
