Bevor sie den Sprung nach Hollywood schafften, bescherten uns Donnie Yen und Michelle Yeoh bereits jede Menge Action-Highlights. Michelle Yeoh und Donnie Yen sind bereits seit einigen Jahren auch in Hollywood äußerst gefragte Action-Stars - deren weltweite Popularität mit „Everything Everywhere All At Once“ und „John Wick 4“ zuletzt aber nochmal einen ordentlichen Sprung gemacht hat.
Die beiden bescherten Action-Fans allerdings schon lange vor ihrem Durchbruch in der Traumfabrik zahlreiche spektakuläre, akrobatische und brachiale Kracher, die bis heute vergleichsweise unbekannt sind. Ein wahres Genre-Juwel, für das die beiden sogar gemeinsam vor die Kamera treten, steht nun aber davor, endlich mehr Aufmerksamkeit zu bekommen: „Wing Chun - Gefährlich wie ein Pantherkatze“ mit Michelle Yeoh und Donnie Yen gibt es seit dem 3. November 2023 zum allerersten Mal auf Blu-ray - und feierte damit sein längst überfälliges Heimkino-Comeback.
Der Film wurde nach seiner hiesigen DVD-Premiere kurz nach der Jahrtausendwende im Jahr 2008 zwar noch einmal neu aufgelegt, doch selbst der Re-Release ist seit geraumer Zeit nur noch über den Drittmarkt zu bekommen. Zumindest für den Autor dieses Artikels geht damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Für ihn ist „Wing Chun“ nicht nur einer der besten Martial-Arts-Filme der 90er, sondern auch ganz klar die stärkste Zusammenarbeit von Yeoh und Yen - die bekanntlich auch in Netflix' „Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword Of Destiny“ sowie auch schon in „Die Macht des Schwertes“ Seite an Seite zu sehen waren. Die Blu-ray ist damit ein absolutes Must-Have für ihn.
Martial-Arts-Spektakel der alten Schule: Das ist "Wing Chun"
Im Zentrum der Geschichte steht die geübte Kämpferin Wing Chun (Michelle Yeoh), deren kleines Dorf regelmäßig von einer Räuberbande heimgesucht wird. Doch genug ist genug: Die junge Frau will die Ausbeutung und Unterdrückung nicht länger in Kauf nehmen - und beschließt, den Verbrechern den Kampf anzusagen.
„Wing Chun“ lebt vor allem von seinen spektakulären Kampfszenen, die nicht nur Yeoh und Yen, sondern vor allem auch Regisseur Yuen Woo-Ping zu verdanken sind - einer der prägendsten Figuren des Martial-Arts-Kinos. Der feierte einst nicht nur seinen Einstand mit den Jackie-Chan-Klassikern „Die Schlange im Schatten des Adlers“ und „Drunken Master“ alias „Sie nannten ihn Knochenbrecher“, sondern zeichnete im Laufe seiner über 50-jährigen Karriere auch für zahlreiche weitere Kult-Hits verantwortlich.
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Was im Falle von „Wing Chun“ natürlich ebenfalls dabei half, Action auf Film zu bannen, die auch drei Jahrzehnte später noch verblüfft: Michelle Yeoh und Donnie Yen waren zu jener Zeit (Mitte der 90er) vor allem physisch auf ihrem absoluten Höhepunkt. Das macht sich in jeder einzelnen Actionszene bemerkbar, in der die beiden die Fäuste fliegen lassen, die Schwerter schwingen oder durch die Lüfte sausen. Doch auch wenn dem Film eine gewisse Brachialität zugrunde liegt, sollte man sich hier auf keinen knallharten Reißer einstellen.
„Wing Chun“ ist ein überspitzter Kracher, der vor allem Spaß machen soll - und zwar mit einem Mix aus Action und Comedy.
Das sind Michelle Yeoh & Donnie Yen
Michelle Yeoh und Donnie Yen zählen zu den größten Action-Stars Hongkongs. Yeoh feierte in den 80ern und 90ern ihren Durchbruch an der Seite von Jackie Chan, bevor sie mit ihren Rollen in den mit Oscars überhäuften „Tiger & Dragon“ und „Die Geisha“ international bekannter wurde. Mittlerweile ist sie Teil des Marvel Cinematic Universe (in gleich zwei verschiedenen Rollen!) sowie Publikumsliebling aus „Star Trek: Discovery“, der nun sogar seinen eigenen Serienableger erhält.
Yen steht seit den 90ern für meisterhaftes Martial-Arts-Kino wie „Iron Monkey“ (ebenfalls von Yuen Woo-Ping), eroberte die internationale Filmwelt allerdings erst in den 2000ern - mit Rollen in „Blade II“, „Hero“ sowie „Shanghai Knights“ an der Seite von Jackie Chan. Heute kennt man das bald 60-jährige Kampfsport-Ass vor allem für die „Ip Man“-Reihe um Bruce Lees Mentor sowie natürlich als blinden Assassinen aus „John Wick 4“.
Oscar-Preisträgerin Michelle Yeoh im Film "Tiger and Dragon"
2023 schrieb Michelle Yeoh Geschichte, als sie als erste Asiatin den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann. Doch schon lange vor diesem Erfolg mit der grellbunten Science-Fiction-Komödie "Everything Everywhere All At Once" war die mittlerweile 62-jährige Malaysierin chinesischer Abstammung ein Superstar.
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Zu den Highlights ihres Schaffens gehört mit Sicherheit das Kampfkunst-Drama "Tiger And Dragon" (2000) des vielfach ausgezeichneten taiwanesischen Regisseurs Ang Lee, der die Kinowelt mit so unterschiedlichen Filmen wie "Eat Drink Man Woman" (1994), "Brokeback Mountain" (2005) oder "Life Of Pi" (2012) bereichert hat.
"Tiger and Dragon" - Darum geht's:
"Tiger and Dragon" spielt zur Zeit der Quing-Dynastie im Jahr 1779. Michelle Yeoh verkörpert darin die Wudang-Kämpferin Yu Xiu Lian. Sie bekommt von ihrem Freund und Weggefährten, dem berühmten Schwertkämpfer Li Mu Bai (Chow Yun-fat), sein legendäres, 400 Jahre altes Schwert "Grünes Schicksal" überreicht. Weil er sich zur Ruhe setzen möchte, soll sie es zu seinem Freund Sir Te (Sihung Lung) bringen.
Zunächst scheint alles gutzugehen, doch dann wird das symbolträchtige Schwert gestohlen. Es beginnt eine wilde Jagd danach und mit ihr ein großer Kampf um die Gerechtigkeit.
"Tiger and Dragon" sahnte bei Oscars und Golden Globes ab
Bei "Tiger and Dragon" handelt es sich um mehr als einen herkömmlichen Actionfilm. In der Tradition der chinesischen Wǔxiá-Helden-Filme ist er reich an fantastischen Elementen und tiefsinnigen, ethischen Weisheiten. Neben grandios choreografierten Kampfszenen mit durch die Luft wirbelnden Kämpfer:innen besticht der Film auch durch seine zeitlosen Themen wie unerfüllte große Liebe, Rache und Verzeihen sowie die Ungeduld der Jugend und dieser entgegengesetzt die Weisheit des Alters.
Die hohe, geradezu magisch erscheinende Kampfkunst beruft sich dabei unter anderem auch auf die intensive Meditationspraxis der ausführenden Figuren. "Tiger and Dragon" ist ein filmischer Leckerbissen, sowohl für Martial-Arts-Fans, als auch alle, die mehr über ostasiatische Kulturen erfahren möchten.
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Weitere Filme mit Michelle Yeoh
- Police Story 3 - Supercop
- Jackie Chan: My Story
- Butterfly Sword - Die Macht des Schwertes
- True Legend
- Fighting Angels - Easy Money
- Tai-Chi
Michelle Yeoh: Vom Sport zum Film
Michelle Yeoh wurde 1962 in Ipoh, Malaysia, als Chu Keng (auch bekannt als Michelle Khan) geboren. Schon als kleines Mädchen begeisterte sie sich für Sport und wurde bald zum Nachwuchstalent. Sie vertrat ihr Land in den Disziplinen Squash, Tauchen und Schwimmen bei verschiedenen Wettbewerben. Auch das klassische Ballett liebte sie.
So kam sie an die Royal Academie of Dance in London, welche sie aber nach einem Unfall verlassen musste. Sie studierte nun Theaterwissenschaften und Schauspiel und kehrte 1982 nach Malaysia zurück. Ihren Karrierestart hatte sie ihrer Mutter zu verdanken, die sie nun für die "Miss Malaysia" Wahl meldete - ohne das Wissen von Michelle.
Sie gewann den Titel und wurde in Melbourne außerdem zur "Miss Mooba" gekürt. Schnell kamen Filmangebote aus Hongkong und auch Action-Star Jackie Chan buchte Yeoh für Werbeaufnahmen. Durch diese Werbefilme noch bekannter geworden, hatte Yeoh bald Filmangebote in der Tasche und so gab sie 1984 mit der Action-Komödie "The Owl vs. Bumbo" ihr Kinodebüt.
Sie unterschrieb einen Vertrag mit der Produktionsfirma D&B in Hongkong und wurde schon mit ihrem ersten Film zur Action-Heldin. Mit "Yes, Madam!" wurde sie nicht nur zum Star, sondern sie revolutionierte das gesamte Genre, indem sie als starke Frau erstmals etablierten Männern wie Jackie Chan ebenbürtig gegenüberstand.
Michelle Yeoh untermauerte ihren Ruf als Top-Star mit zwei weiteren Filmen, "Royal Warriors" und "Magnificent Warriors" und zog sich dann - ihrer Ehe zuliebe - aus dem Geschäft zurück. Sie hatte Dickson Poon geheiratet, der Mitinhaber der Produktionsfirma D&B war, und legte eine fünfjährige Pause ein.
1992 feierte sie ihr furioses Comeback, als sie mit Jackie Chan Asiens Film des Jahres drehte, "Police Story III: Supercop". Herausragend waren dabei ihre Leistungen bei sämtlichen Stunts, die sie ohne Double drehte. Michelle Yeoh war ab diesem Streifen die populärste und bestbezahlteste Schauspielerin Asiens.
Als Kämpfertyp etabliert, bekam Yeoh 1996 die Chance, sich als ernsthafte Schauspielerin zu beweisen. Sie drehte "The Soong Sisters", womit sie sich als Charakterschauspielerin etablierte. Weltweite Aufmerksamkeit zog Yeoh 1997 auf sich, als sie neben Pierce Brosnan in "James Bond 007 - Der Morgen stirbt nie" für Furore sorgte.
