Nach einem Bandscheibenvorfall war die Untergriesbacher Kickbox-Weltmeisterin Michaela Michl lange außer Gefecht.
Am Wochenende greift sie wieder an - als „Iron Mike 2.0“, wie sie selbst sagt.
Ziemlich genau ein Jahr sind die Bilder nun alt.
Sie zeigen Michaela Michl (31) so, wie man sie kennt: Strahlend, aufrecht, kampfeslustig.
Sie zeigen eine Frau, die gerade einen langen Kampf gewonnen hat, deutlich länger als jeder Fight im Ring.
Lesen Sie auch: Taekwondo-Karriere: Michaela Zimmermann im Porträt
Der Gegner: Ihre Bandscheibe, unerbittlich, übermächtig, ohne Hilfe von außen einfach nicht ruhig zu stellen.
„Ich habe gewusst, jetzt beginnt ein neuer Weg, der von ‚Iron Mike 2.0‘“, sagt Michl heute.
Die Kickbox-Weltmeisterin aus Untergriesbach (Lkr. Passau), die seit einigen Jahren in Erfurt trainiert und lebt, kehrt dieser Tage zurück auf die große Bühne.
Am 18. Februar verteidigt sie in der kleinen Münchner Olympiahalle ihren WKU-Titel in der Gewichtsklasse bis 65 Kilogramm.
Im März 2021 hatte sie sich den Gürtel mit einem Punkt-Sieg gegen den bis dato ungeschlagenen Kickbox-Star Marie Lang gesichert.
Lesen Sie auch: Thai Kickbox Studios Hannover
Der Weg zurück in den Ring
Die Münchnerin hat ihre Karriere inzwischen beendet, nun ist Michl der Star der Szene, die, die alle schlagen wollen.
Mitte Februar ist es Deborah Mehlhorn, die ihr den Titel streitig machen will.
„Ich denke schon, dass ich die Favoritin bin“, sagt Michl.
„Deborah ist sehr hungrig, aber ich bin die Titelverteidigerin.“
Und hungrig, das ist Michaela Michl ja auch, schon wegen ihres Naturells, aber auch wegen ihrer jüngsten Verletzungshistorie.
Lesen Sie auch: Kickboxen lernen in Limburg
Im Juli 2021 fährt ihr bei einem Trainingskampf etwas in die die Lendenwirbelsäule.
Schnell ist klar: Bandscheibenvorfall.
„Da war die Stimmung erst einmal nicht so gut“, erinnert sich Michl heute mit einem Schmunzeln.
„Die Gefahr hast du als Kickboxerin einfach. Der Verschleiß ist durch die Stoßwirkungen und die Rotation besonders groß.“
Die Niederbayerin probiert es ohne Operation, setzt auf Pilates, regenerative Behandlungen.
Doch sie verzweifelt an ihrem Körper.
„Die Ausstrahlungen ins Bein wurden immer stärker, ich konnte nachts nicht mehr schlafen, es war ein ständiger Schmerz da.“
Ein Sportarzt verabreicht ihr Spritzen, die die Schmerzen zumindest erträglich machen, zur Heilung tragen sie freilich nicht bei.
„Ich wollte einfach wieder beschwerdefrei sein, wieder in den Ring gehen“, sagt Michl.
Die Operation und die Zeit danach
Zusammen mit ihrem Team entscheidet sie sich für die OP in einer Münchner Klinik.
Ein Eingriff am Rücken ist immer ein Risiko, aber inzwischen Routine.
Ein Termin für den Spätherbst 2021 steht, die Rückkehr in den Ring soll Mitte 2022 folgen.
Doch es kommt wieder anders.
„Zwei Tage vor der OP habe ich Corona bekommen.“
Eingriff abgesagt, Comeback wieder verschoben.
„Es war ein emotionales Auf und Ab, ich musste noch einmal drei Monate Geduld haben.“
Für die quirlige Kampfsportlerin ist das wie Folter.
Im Januar 2022 liegt sie dann - endlich - unter dem Messer.
Die Ärzte stellen fest, dass der Wirbelkanal verengt ist und weiten diesen.
Jetzt ist er freier als je zuvor.
„Nach dem Aufwachen ging es mir dreckig, weil ich die Narkose nicht so leicht weggesteckt habe“, erinnert sich Michl, aber eines fällt ihr sofort auf: „Die Schmerzen waren weg.“
Im Kopf schmiedet die 31-Jährige schon Comeback-Pläne - doch ihre Wirbelsäule braucht zunächst wieder viel Ruhe.
Anfangs darf sie maximal spazieren gehen.
Dinge heben, und sei es nur der Wäschekorb, ist streng verboten.
„Der Arzt hat zu mir gesagt, ich soll jetzt einfach mal ein paar Wochen mein Leben genießen, ins Kino gehen.“
Andere würden der Aufforderung freudig nachkommen, für Michl sind die Wochen nach der OP eine harte Probe: „Geduld und Stillsitzen sind ja nicht unbedingt die Stärken eines Sportlers. Wie geht das?“
Doch sie hält durch, immer das Comeback im Ring vor Augen.
Rehabilitation und Rückkehr zum Training
Auf der anschließenden Reha, sagt sie, habe sie viel über sich und ihren Körper gelernt.
„Meine innere Stimme ist viel stärker geworden.“
Im August, sieben Monate nach der OP, absolviert Michl wieder erste Einheiten im Ring.
„Die Zeit war für mich eine emotionale Achterbahnfahrt, aber ich wusste immer, worauf ich hinarbeite.“
Rund ein Jahr nach dem erlösenden Eingriff ist Michaela Michl wieder bei 100 Prozent - oder sogar darüber?
„Ich bin fester, stabiler geworden als vor der Verletzung“, sagt sie.
Beweisen will „Iron Mike“, wie sie sich nennt, die weiterentwickelte Version ihrer selbst am 18. Februar - und hofft dabei auf die Unterstützung von Freunden und Familie aus der Heimat.
Als sie vor knapp zwei Jahren Marie Lang schlug, waren coronabedingt keine Zuschauer zugelassen.
Michl will es dem Publikum bei „Stekos Fight Night“ beweisen - und vor allem sich selbst: „Ich weiß, dass ich da hingehöre.
