Erinnerst du dich an Situationen in deinem Leben, in welchen dir alles was dir Schwierigkeiten bereitet hat, plötzlich einfach von der Hand ging oder sich überraschend Türen für dich öffneten, von denen du es nicht erwartet hast? Stell dir nun vor, du könntest dich in einen Zustand versetzen, in dem du diese Situationen bewusst hervorbringen kannst.
Karate, Judo oder Aikido mit Meditation? Wir kennen heute eine ganze Reihe an Kampfsportarten. Was viele von uns nur aus Filmen kennen, ist tatsächlich ein Teil davon: Kampfkunst hat meditative Elemente. Es stellt sich damit nicht die Frage, ob Kampfkunst und Meditation zusammengehören, sondern wie.
So haben Kampfsportarten wie Judo, Taekwondo, Karate, Jiu Jitsu, Kendo, Kung Fu, Aikido oder Capoeira, meditative Elemente. Viele Kampfkünste sind Teil einer Kultur oder Philosophie, wodurch die Meditation ein Ritual oder traditioneller Bestandteil ist. Es gibt bestimmte Kampfkünste, deren Üben ebenso wie die Praxis meditativ ist.
Hier finden wir die unterschiedlichen meditativen Elemente im Kampfsport. So wird die Capoeira mit Berimbau-Klängen und Perkussionsinstrumenten begleitet. Ausbildungs- und Austragungsorte der Kampfkunst können auch Orte der Stille sein wie beispielsweise das sogenannte Dojo bei den japanischen Kampfsportarten oder das Dojang beim Taekwondo. An diesen Orten herrscht im Idealfall absolute Ruhe, sowohl vor wie auch nach den Kämpfen.
In der Kampfkunst dient die Meditation vor allem dazu, die Kampfkünstler auf den Kampf vorzubereiten. Als Meditation zählen auch Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen. Bei manchen Kampfsportarten wird Wert auf eine stille Meditation gelegt. Damit kommt es ganz auf die Stilrichtung ebenso wie auf den Trainer an. Das stille meditative Element ist beim Karate besonders deutlich, da jedes Training mit einer kurzen Meditation beginnt und die Aufmerksamkeit auf den Atem gerichtet wird.
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Die Geschichte der Kampfkünste
Kampfkunst ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl von asiatischen und nicht-asiatischen Systemen zur Erhaltung der Gesundheit und zur Selbstverteidigung. Dazu gehören beispielsweise Krav Maga, Escrima, Baguazhang oder Wing Tsung. Diese Systeme umfassen sowohl körperliche Techniken als auch mentale und spirituelle Aspekte.
Ich glaube, die Kampfkünste (englisch: martial arts) kamen Hand in Hand mit der Entwicklung des Ackerbaus und der damit verbundenen Sesshaftigkeit. Denn von diesem Zeitpunkt an galt es Besitztümer zu verteidigen und dazu benötigte man Krieger. Damit will ich nicht behaupten, dass es vorher keine Auseinandersetzungen gegeben hat. Selbst organisierte Kriege setzen lediglich eine komplexe Sprache voraus, über die wir zu dem Zeitpunkt schon lange verfügten.
Vor etwa 10’000 Jahren gab es plötzlich aufwändig produzierte Messer, die grösser und stabiler waren, als diejenige, die man zum Zerlegen von Tieren gebraucht hätte. Ihre Form zeigt, dass sie von jemandem entwickelt wurden, der Erfahrung hatte, wie man gegen andere bewaffnete Menschen kämpft. Somit tauchten erste Waffen auf, die nicht von Jägern, sondern von Kriegern erfunden wurde!
Menschen, die lernten gegen andere Menschen zu kämpfen, um sich selbst und ihre Besitztümer zu verteidigen. Mit der Entdeckung der Bronze kamen dann Schwert und Schild zum Einsatz, wie sie (nur wenig weiterentwickelt und aus Stahl) von einigen Armeen bis vor 100 Jahren noch verwendet wurden.
Wahrscheinlich hatte ein Stamm je nach seiner Grösse nur eine Handvoll Krieger. Denn sie waren damals schon aufwändig im „Unterhalt“. Diese Leute wurden für einen Kampf ausgebildet und somit in einer Kampfkunst geschult.
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So sind auch heute noch Ethik und Moral Teile der meisten Kampfkünste. Aus dieser Tradition heraus sind wahrscheinlich die meisten Kampfkünste entstanden. Kampfkünste gibt es nicht nur in Asien, sondern in fast allen Ländern der Welt.
Die Vorteile von Kampfkunst und Meditation
Kampfkunst ist nicht nur eine Form der Selbstverteidigung, sondern auch ein kraftvolles Werkzeug zur Förderung der körperlichen und geistigen Gesundheit. Regelmässiges Training in Disziplinen wie Karate, Judo, Taekwondo oder Kung Fu stärkt den Körper, verbessert die Koordination und erhöht die allgemeine Fitness.
Durch die Kombination von aeroben und anaeroben Übungen tragen Kampfkünste zur Herzgesundheit bei und können helfen, das Körpergewicht zu regulieren. Auf mentaler Ebene fördern sie Disziplin, Konzentration und Selbstvertrauen. Die Praxis der Kampfkünste beinhaltet zudem oft meditative Elemente, die Stress abbauen und zur emotionalen Balance beitragen.
An der Texas A&M University wurde von Dr. Das Praktizieren traditioneller Kampfkünste kann zu einer Abnahme der Jugendkriminalität beitragen. Doch die „modernisierten“ Formen, der Kampfkünste fördern bei kriminell gefährdeten Jugendlichen eher deren Hang zur Aggressivität.
Die Untersuchungen ergaben, dass bei Kriminellen, denen sowohl die traditionelle Philosophie und Psychologie der Kampfkünste als auch deren psychische Aspekte nahe gebracht wurden, schon nach einem Jahr eine verminderte Aggressivität, eine geringere Ängstlichkeit, ein gesteigertes Selbstwertgefühl und ein ausgeprägtes Bewusstsein sozialer Werte beobachtet werden konnten.
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Wenn man eine Kampfkunst trainiert, ist das Training mehrheitlich sehr schonend für Gelenke, Sehnen und Muskeln - da es in der Zeit ihrer Entstehung keine Spitäler gab - ausserdem ist das Training meist ganzheitlich. Es stärkt den Körper, durch Bewegung, die emotionale Fitness durch Meditation und die geistige Fitness durch komplexe Formen. Kampfsporttraining vernachlässigt oftmals einen oder mehrere diese Aspekte. Dadurch kann es sinnvoll sein, wenn Du Dich zum Beispiel für Kickboxen-Training entscheidest, ergänzend Qi Gong oder Meditation zu praktizieren.
Kampfkunst vs. Kampfsport
Im Gegensatz zu einer Kampfkunst ist Kampfsport eine „versportlichte“ Variante einer für das Schlachtfeld entwickelten Kampfkunst. Die meisten Kampfsportarten haben strikte Regeln, welche entwickelt wurden, um das Verletzungsrisiko im Wettkampf zu reduzieren. Zudem wurden „letale“ (lebensgefährliche) Techniken komplett aus den Systemen entfernt.
Dies führt zu heftigen Diskussionen und auch zu Herausforderungen zwischen Praktizierenden einer traditionellen Kampfkunst und Kampfsportlern. Ich distanziere mich von diesen Diskussionen und weise darauf hin, dass 99 % der Trainierenden, wohl keine Wettkampf-Ambitionen haben und daher die Gesundheits- und Selbstverteidigungsaspekte primär zu betrachten sind.
Kampfkunst erfordert ein höheres Mass an Technik und Präzision, Kampfkunst ist eine Kunstform, die seit Jahrhunderten praktiziert wird. Im Kampfsport konzentriert man sich primär auf die körperlichen Aspekte des Kampfes, während in einer Kampfkunst auch die mentalen und emotionalen Aspekte des Kampfes berücksichtigt werden.
Vielleicht tue ich dem Kampfsport mit diesen Aussagen etwas unrecht, denn die ganzheitliche Herangehensweise findet man in der Zwischenzeit auch im Kampfsport. Es gibt zwar viele Videos auf YouTube, in denen Kampfkünstler gegen Kampfsportler antreten und den Kampf verlieren. Aber eine traditionelle Kampfkunst zu erlernen und zu praktizieren, heisst, sie zu leben - ganzheitlich, wie sie über Jahrhunderte von Kriegern entwickelt und von Meistern weitergegeben wurde. Dies setzt voraus, dass sie auch wirklich vollständig überliefert wurde.
Da die Kampfkunst einen Vorteil gegenüber allen anderen Sportarten hatte: die natürliche Selektion! Kampfkunst erhält Deine Fitness und ist nachweislich schonend für Deinen Körper. Daher solltest Du keine Experimente wagen, sondern eine Kampfkunst erlernen, für welche es „Langzeit“-Erfahrungswerte gibt.
Shinson Hapkido: Ein Beispiel für Kampfkunst mit Meditation
Shinson Hapkido Hapkido ist ein aus der koreanischen traditionellen Kampfkunst, Selbstverteidigungskunst und Naturheilkunde aufgebautes Gesundheitstraining für jung und alt und wurde 1990 von Grossmeister (Sonsanim) Ko Myong aus Korea erstmals offiziell in der Schweiz unterrichtet.
Seit 1992 wird Shinson Hapkido in Cham unterrichtet, anfänglich in der Turnhalle des HZ Hagendorn, von 1998 bis 2022 an der Zugerstrasse 44 und seit dem 22. August 2022 ist der Verein im Lagerhaus auf dem Papieri-Areal an der Fabrikstrasse 9 zuhause. Weitere offizielle Schulen gibt es momentan in Luzern, Fribourg, Schwyz, Zug/Baar und Zürich.
Der Unterricht von Shinson Hapkido Kampfkunst und Bewegungskunst beinhaltet u.a. Selbstverteidigung, Konditionstraining, Gesundheitsgymnastik, Energie- und Atemübungen, Entspannungstraining und Meditation. Menschen allen Alters können Shinson Hapkido trainieren: Kinder ab 6 Jahren, Jugendliche, Erwachsene sowie ältere Menschen 50+.
Im Gegensatz zu vielen Kampfkunst oder Kampfsport-Arten wie Judo, Jiu Jitsu, Karate, Kung Fu, Kick-Boxen, Muay Thai, Taekwondo usw. gibt es im Shinson Hapkido keine sportlichen Wettkämpfe oder Meisterschaften. Die Gemeinschaft steht auch nebst dem Unterricht im Vordergrund. Es werden regelmässig verschiedene Anlässe wie Wanderungen, Ski-Weekends, Fondueplausch, Bike-Touren, Grillabende usw. organisiert. Die Aktivitäten sind jeweils mit einem sozialen und kulturellen Engagement verbunden.
Ziel des Shinson Hapkido Trainings ist Gesundheit, Menschlichkeit, (Selbst-) Vertrauen und Lebensfreude zu fördern. Nebst der Verbreitung der koreanischen Kampfkunst, Bewegungskunst, Selbstverteidigung, Meditation uvm. organisiert Shinson Hapkido auch Festivals, Konzerte, Workshops und weitere kulturelle Anlässe.
Eine Mitgliedschaft ist nicht erforderlich und die Teilnahme ist kostenfrei (Spendenmöglichkeit). Infos erhalten Sie jederzeit vom Dojangleiter Sabomnim Thomas Werder.
Der Begriff Chon-Jie-In stammt aus der koreanischen Naturphilosopie und bedeutet wörtlich übersetzt: Himmel, Erde und Mensch ist Eins! Alle Lebewesen, die Natur und das Universum, aus dem die Formen des Lebens entstanden sind, gehören untrennbar zusammen. Für den Einzelnen ergibt sich daraus die Chance, sich selbst als Teil des Ganzen zu erfahren und zugleich die Verpflichtung, sich und seine Mitmenschen zu achten und mit den Schätzen der Natur verantwortlich umzugehen.
Die Geschichte der Shinson Hapkido Kampfkunst Schule Cham begann am 18. März 1992 im Heilpädagogischen Zentrum in Hagendorn. Mit viel Fleiss und Schweiss wurden während 9 Monaten von vielen Helfern eine Kampfkunst Schule im eurasischen Stil aufgebaut. Am 12. den «Beinamen» Chon-Jie-In Dojang Cham. Dies ist für uns eine grosse Ehre. 1999, ein gutes Jahr später, erfolgte dann die Schulerweiterung. In einer zweiten Umbauetappe wurde das komplette Obergeschoss ausgebaut, so dass neu ein Therapieraum, Büro, Kraftraum sowie eine Medititationsraum auf gut 330 m2 zur Verfügung stehen. Zum 30 jährigen bestehen ist die Chomer Shinson Hapkido Schule ins Lagerhus an der Fabrikstrassse 9, direkt am Eingang zum neuen Papieri-Areal umgezogen.
