Die Menschen haben seit jeher in ihren waffenlosen Kampfsystemen Schlagtechniken mit Fäusten und Füssen entwickelt. Sei es nun das weithin bekannte Karate oder Kung Fu, Boxen, Muay Thai oder Taekwondo.
Die Ursprünge des Taekwondo
Taekwondo ist, wenn man es genau betrachtet, eine vergleichsweise junge Kampfkunst, die in ihrer heutigen Form erst vor etwas mehr als 40 Jahren entwickelt wurde. Dennoch reichen ihre Ursprünge tief in die Frühgeschichte Koreas zurück, das vor etwa 2000 Jahren aus den Königreichen Koguryo, Paekche und Silla bestand. Überlieferungen zufolge trainierten die Soldaten dieser Zeit in Subak, einer waffenlosen Kampfkunst, die später auch in der breiten Bevölkerung großen Anklang fand. Im Gegensatz zum europäischen Zweikampf war beim Subak der Einsatz aller Körperteile erlaubt, darunter Knie, Ellbogen und Füße.
Im Jahr 630 n. Chr. gründete das Königreich Silla die Organisation Hwa Rang, bestehend aus Adeligen und hochrangigen Persönlichkeiten. Ziel dieser Gruppe war es, die drei Königreiche Koreas zu vereinen. Dafür trainierten die Ritter nicht nur ihren Körper, sondern auch ihren Geist durch die Kampfkunst. Laut dem koreanischen Geschichtsdokument Samguk-Yusa bildeten die Kampftechniken der Hwa Rang die Grundlage des heutigen Taekwondo. Die Vereinigung der Königreiche gelang 668 n. Chr.
Während der japanischen Besatzung Koreas von 1909 bis 1945 wurde die Ausübung aller koreanischen Kampfkünste verboten. Nach der Befreiung Koreas versuchten die größten Kampfsportschulen, die verschiedenen Stile zu vereinigen. 1955 einigte man sich schließlich auf den Namen Taekwondo.
Die Entwicklung des Taekwondo in Deutschland
Taekwondo wurde durch verschiedene Einflüsse nach Deutschland gebracht. Einerseits führten die in Deutschland stationierten Amerikaner die Kampfkunst ein, andererseits sorgten bekannte koreanische Großmeister wie Kwon Jae Hwa und General Choi Hong Hi für die Verbreitung. 1965 führte eine koreanische Delegation Taekwondo in mehreren deutschen Städten vor, was bei den Medien einerseits Faszination, andererseits auch Skepsis auslöste. 1968 wurde Taekwondo als Sektion im Deutschen Judo Bund (DJB) aufgenommen, und noch im selben Jahr fand die erste offizielle Deutsche Taekwondo-Meisterschaft statt - zunächst ausschließlich für Männer. 1973 wurde die erste Weltmeisterschaft der Herren im Kukkiwon, dem Taekwondo-Zentrum der World Taekwondo Federation (WTF), ausgetragen. Frauen wurden erstmals 1979 bei Weltmeisterschaften zugelassen.
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Trotz des frühen Erfolgs führte Taekwondo in Deutschland zunächst ein Nischendasein. Dies änderte sich, als Heinz Marx 1971 die Führung des deutschen Verbandes übernahm. Die Entwicklung von Taekwondo in Deutschland wurde jedoch durch verbandspolitische Probleme gebremst. Aufgrund von Profilierungssucht und internen Konflikten entstanden zahlreiche kleine Verbände, die jedoch oft genauso schnell wieder verschwanden, wie sie gegründet wurden.
Taekwondo als vielseitige Bewegungsform
Taekwondo ist weit mehr als nur ein Sport - es ist eine vielseitige Bewegungsform, die Körper und Geist gleichermaßen fördert. Wie bei vielen asiatischen Kampfkünsten symbolisiert auch hier die Gürtelfarbe den Fortschritt und Leistungsstand des Schülers.
Viele beginnen Taekwondo aus dem Wunsch heraus, sich verteidigen zu können und gleichzeitig ihre körperliche Fitness zu verbessern. Die erste Gürtelprüfung erfolgt meist aus Neugier und spielerischer Motivation. Der Einstieg beginnt mit dem 10. Kup, dem weißen Gürtel, der den Anfang des Lernprozesses markiert.
Das Besondere an Taekwondo-Prüfungen ist, dass der Einstieg einfach gestaltet ist. Alles, was geprüft wird, wurde zuvor im Training erlernt. Bei den Anfängergraden konzentriert sich die Prüfung auf grundlegende Stellungen sowie einfache Fuß- und Handtechniken. Bei den Partnerübungen kommt es darauf an, die erlernten Techniken präzise und kontrolliert anzuwenden. Mit jedem höheren Gürtelgrad steigen die Anforderungen an die Komplexität der Übungen.
Die Bedeutung der Poomsae
Die Poomsae, eine der zentralen Säulen des Taekwondo, ist eine festgelegte Abfolge von Techniken, die einen Kampf gegen imaginäre Gegner simuliert. Je höher der Gürtelgrad, desto anspruchsvoller werden die Abläufe. Poomsae enthalten oft symbolische Botschaften.
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Von der ersten Stunde an lernen Schüler, dass Kraft allein nicht ausreicht. Köpfchen, Technik und Disziplin sind der Schlüssel zum Erfolg. Damit ist Taekwondo auch ein ideales Selbstverteidigungssystem, besonders für Frauen. Während der Freikampf besonders für junge, dynamische Sportlerinnen und Sportler geeignet ist, kann die Poomsae bis ins hohe Alter praktiziert werden. Ältere Sportler beeindrucken oft durch die Eleganz und Präzision ihrer Bewegungen, die mit zunehmender Reife noch ausgeprägter werden.
Bei Taekwondo-Prüfungen werden Geschlecht, körperliche Konstitution und Alter stets berücksichtigt. Das führt manchmal zu Missverständnissen, insbesondere bei jüngeren Schülern. Eine scheinbar gleiche Leistung kann unterschiedlich bewertet werden: Während ein älterer Schüler für sein Können gelobt wird, könnte ein jüngerer Schüler mit denselben Ergebnissen an der Prüfung scheitern.
Der Weg zum Meistergrad
Der Übergang vom Schüler zum Meister ist ein bedeutender Einschnitt im „Taekwondo-Leben“ - ein Schritt, der sowohl mental als auch körperlich eine große Herausforderung darstellt. Der Weg zum Schwarzgurt ist lang und anspruchsvoll, und etwa die Hälfte aller Prüflinge benötigt einen zweiten Anlauf, um diesen Meilenstein zu erreichen.
Bei einer Kup-(Schüler-)Prüfung werden Schwächen oft durch Stärken ausgeglichen. Ganz anders sieht es bei der Dan-(Meister-)Prüfung aus. Hier muss der angehende Schwarzgurt in jedem Prüfungsfach ein gewisses Mindestmaß an Können nachweisen. Von allen Meisterprüfungen gilt die Prüfung zum dritten Dan als die anspruchsvollste. Nach etwa zehn Jahren intensiven Trainings ist dies die letzte reine Leistungsprüfung. Hier muss der Prüfling alle Techniken nicht nur präzise und kraftvoll beherrschen, sondern auch situativ korrekt anwenden. Besonders in der Selbstverteidigung gegen mehrere Gegner - mit und ohne Waffen - wird das Können auf die Probe gestellt. Dabei muss der Prüfling auch die rechtlichen Vorgaben des Selbstverteidigungsparagraphen einhalten, denn ein Verstoß führt unweigerlich zum Nichtbestehen.
Nach dem dritten Dan verlagert sich der Fokus von der persönlichen Leistungsfähigkeit hin zur Vermittlung des Taekwondo. Die Lehrer- und Großmeistergrade erfordern nicht nur technisches Können, sondern auch pädagogische Fähigkeiten.
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Die Anforderungen an Beweglichkeit, Reaktionsfähigkeit und Ausdauer
Die Anforderungen an Beweglichkeit, Reaktionsfähigkeit, Ausdauer, Schnellkraft und nicht zuletzt Standfestigkeit und Durchhaltewillen machen ein Training notwendig, das sich auf diversen Ebenen des physischen und psychischen Körperbewusstseins auswirkt.
Kickboxen als Ergänzung
Kickboxen verbindet gemäss seiner Entstehunggeschichte die effektiven Selbstverteidigungs- und Angriffstechniken aus den erwähnten traditionellen Kampfsportsystemen zu einem neuen Sport für jedermann, frei von traditionellen Ritualen und ineffizienten Techniken.
Gurtfarben und Ränge im Überblick
Ähnlich wie beim Karate, Taekwondo oder Judo können die Trainierenden im Kickboxen Grade (Dan) erreichen, die durch einen farbigen Gurt gekennzeichnet werden. Zu Beginn erhält man den weißen Gurt. Danach können durch Prüfungen weitere Grade erreicht werden. Beim Erreichen des schwarzen Gurtes, hat man den 1. Meistergrad (1. Dan) erreicht.
Im Judo werden die Schüler-Grade 9. Kyū bis 1. Kyū häufig mit den Gurtfarben weiß, weiß-gelb, gelb-orange, orange-grün, blau und braun dargestellt.
Die Wichtigkeit von Disziplin
Im TRUST Tiger- und TRUST Kids-Unterricht geben die Kinder ihr Bestes, jede Bewegung und jede Aufgabe mit jedem Versuch ein Stück besser zu meistern - das ist für uns der Kern von „Disziplin“.
Gom Taekwondo: Symbolik des Bären
Gom heisst auf koreanisch Bär. Der Bär hat in der koreanischen Kultur eine tiefgehende symbolische Bedeutung, insbesondere in der Mythologie. In der Gründungslegende Koreas, dem Dangun-Mythos, verwandelt sich ein Bär durch Geduld und Disziplin in eine Frau, die schliesslich die Mutter des ersten koreanischen Königs wird. Daher wird der Bär oft mit Tugenden wie Geduld, Ausdauer und Transformation assoziiert. Der Bär spiegelt die Geduld und Entschlossenheit wider, die für das Erlernen und Perfektionieren von Taekwondo erforderlich sind. Er symbolisiert die Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern und Hindernisse zu überwinden. Der Bär ermutigt dazu, sich selbst zu vertrauen, Verantwortung zu übernehmen und eigenständig Entscheidungen zu treffen. Durch seinen Lebensrhythmus, wie den Winterschlaf, verkörpert der Bär die Bedeutung von Rückzug, innerer Einkehr und Erneuerung was wir als tiefgreifende Reflektion und anschliessendem Lernen verstehen. Er steht zudem für unbezähmbare Freiheit und die Bereitschaft, sich Widrigkeiten zu stellen.
Moderne Lehrmethoden im Taekwondo
Unsere Lehrmethoden basieren auf der Verbindung traditioneller Werte mit modernen Anforderungen. Während wir die klassischen Techniken des Taekwondo vermitteln, integrieren wir zusätzliche Elemente, um den Ansprüchen unserer Zeit gerecht zu werden:
- Fitness: Gezielte Übungen zur Kräftigung und Konditionierung des Körpers
- Selbstverteidigung: Praktische Anwendungen für den Schutz im Alltag
- Achtsamkeit: Förderung von Konzentration und innerer Ruhe durch meditative Elemente
Dieser ganzheitliche Ansatz bietet unseren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sowohl körperlich als auch geistig zu wachsen. Unser Ziel ist es, Taekwondo als Lebensweg zu vermitteln, der weit über die Kampfkunst hinausgeht und im Alltag Inspiration und Orientierung bieten kann.
Prüfungsprogramme im Detail
Im Folgenden werden einige Prüfungsprogramme für verschiedene Gurte aufgeführt:
- Prüfungsprogramm Halbgelbgurt (6.)
- Prüfungsprogramm Gelbgurt (5.)
- Prüfungsprogramm Orangegurt (4. Kyu): Alle vorhergehenden Prüfungsprogramme sind selbstverständlich ebenso zu beherrschen.
- Prüfungsprogramm Halbgrüngurt (4. Kyu): Alle vorhergehenden Prüfungsprogramme sind selbstverständlich ebenso zu beherrschen.
- Yoko-Shiho-Gatame: es müssen 3 verschieden Varianten gezeigt werden.
- Kuzure-Kami-Shiho-Gatame: es müssen 3 verschiedene Varianten gezeigt werden.
- Zusätzlich: Wie befreie ich mich aus den Festhaltern?
- Prüfungsprogramm Grüngurt (3. Kyu): Alle vorhergehenden Prüfungsprogramme sind selbstverständlich ebenso zu beherrschen.
- Prüfungsprogramm Blaugurt (2. Kyu): Alle vorhergehenden Prüfungsprogramme sind selbstverständlich ebenso zu beherrschen.
- Prüfungsprogramm Braungurt (1. Kyu): Alle vorhergehenden Prüfungsprogramme sind selbstverständlich ebenso zu beherrschen.
