Die Wettkampf-Regeln im Judo wirken auf den Laien zunächst kompliziert und nicht auf Anhieb verständlich. Judo ist eine traditionsreiche Kampftechnik, die den Respekt vor dem Gegner hochhält. In diesem Beitrag erfahren Sie die Grundlagen der japanischen Kampfkunst.
Grundlagen des Judo-Wettkampfs
Nach der Durchführung des Anfangszeremoniells, einer freundschaftlichen Verbeugung der Judoka voreinander, ist das Ziel des Wettkampfs, den Gegner durch verschiedene Wurf- und Grifftechniken außer Gefecht zu setzen. Im Standkampf versucht der Judoka, seinen Gegner auf den Rücken zu manövrieren. Dabei nutzt er die Bewegungen des gegnerischen Kämpfers, um ihn durch verschiedene Wurftechniken zu Fall zu bringen.
Gelingt der Fall des Gegners, folgt der Bodenkampf. Hier versucht der Judoka, seinen Gegner mithilfe der drei verschiedenen Grifftechniken Halte-, Würge- oder Hebelgriff, außer Gefecht zu setzen. Der Haltegriff hält den Gegner in einer Position auf dem Rücken, in der er handlungsunfähig ist.
Schafft der Kämpfer es, seinen Opponenten 20 Sekunden lang in dieser Position zu halten, gewinnt er den Kampf. Ziel des Würgegriffs und des Hebelgriffs ist es dagegen, den Gegner zum Aufgeben zu zwingen. Der Würgegriff schneidet dem Opponenten dafür die Luft ab, während der Hebelgriff eine schmerzhafte Hebelwirkung auf das Ellenbogengelenk erzeugt.
Ein Judokampf hat eine Maximaldauer von 4 Minuten reiner Kampfzeit.
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Ausrüstung und Kampfbeginn
Gekämpft wird in der Regel im weißen Judo-gi (Judoanzug). Der zuerst aufgerufene Kämpfer bindet sich den weißen, der Zweitgenannte den roten Gürtel um. Bei Wettkämpfen auf höherem Niveau trägt der eine Kämpfer statt des Zusatzgürtels einen weißen, der andere Kämpfer einen blauen Judo-gi.
Der in der Wettkampfliste Erstgenannte bzw. zuerst Aufgerufene (weißer Zusatzgurt; weißer Judo-gi) stellt sich aus der Perspektive des Kampfrichters rechts auf der Matte auf. Je nach Alterskategorie dauern Judo-Kämpfe von zwei Minuten für die Kleinen bis zu vier Minuten plus sog. Der Kampf beginnt mit dem Kampfrichterkommando „Ha-jime“ und endet mit „Sore-made“. Mit dem Kommando „Mate“ wird der Kampf kurzzeitig unterbrochen.
Wertungen im Judo
Im Judo gibt es weder Tore noch Körbe. Um einen Gewinner zu bestimmen, vergeben die Kampfrichter darum während der Kampfhandlung Wertungen für erfolgreiche Manöver. Zwei Wertungen gibt es derzeit im Judo-Sport: Waza-ari und Ippon.
"Ippon" vergeben Kampfrichter bei einem nahezu fehlerfreien Wurf auf den Rücken, wenn er mit vollem Schwung und Kraft ausgeführt wurde. Ein 20 Sekunden andauernder Haltegriff ergibt ebenfalls Ippon. Die Wertung richtet sich nach der Ausführung und Qualität der Kampfhandlungen. Je kraftvoller und schwungvoller ein Wurf stattfindet, desto höher die Bewertung. Ein Wurf auf den Bauch ist ungültig.
Eine Waza-ari-Bewertung erfolgt, wenn es dem Judoka gelingt, den Gegner auf den Rücken zu werfen, die Bewegung jedoch nicht technisch einwandfrei oder nicht kraftvoll genug war. Die Waza-ari-Wertung kann während des Kampfes mehrfach vergeben werden.
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Die höchste Wertung einer Technik wird durch den Kampfrichter-Ausruf „Ippon“ signalisiert. Dies beendet den Kampf vorzeitig. Im Boden kann der Kampf ebenfalls entschieden werden. Den vollen Punkt, das Ippon, erhält der Sieger, wenn der Gegner z.B. aufgrund einer erfolgreichen Hebel- oder Würgetechnik (zulässig bei älteren Kindern und Erwachsenen) aufgibt. Die Aufgabe zeigt der Unterlegene dem Gegner und dem Kampfrichter durch festes zweimaliges Abklopfen mit den Händen oder Beinen an.
Eine Waza-ari-Wertung gibt es für einen Haltegriff (Osae-komi), der mindestens zehn aber weniger als 20 Sekunden gehalten wird. In der 20. Sekunde des ungelösten Haltegriffs ertönt das Kommando Ippon, welches den Kampf wiederum beendet.
Golden Score
Bei einem Gleichstand der Gegner nach abgelaufener Regelzeit beginnt die Verlängerung "Golden-Score". Die erste während dieses Zeitraums erzielte Wertung eines Kämpfers beendet den Kampf.
Haben beide Kämpfer am Ende der regulären Kampfzeit eine Waza-ari-Wertung auf der Anzeigetafel stehen (unabhängig von der Zahl der Shidos), geht der Vergleichskampf im Golden Score, also in der Verlängerung, weiter. Im Fall gleicher Wertungen wird der Kampf somit auch dann fortgesetzt, wenn z.B. In dieser Verlängerung gibt es keine zeitliche Obergrenze.
Regelung bei Verstößen
Drei Kampfrichter achten während des Wettkampfs auf die Einhaltung der Regeln. Durch Rufe und Handzeichen vergeben sie die Bestrafungen "Shidos". Kleine Verstöße, etwa eine passive Kampfweise, ziehen einen "Shido" nach sich. Ein einzelner Shido bleibt ohne Konsequenzen. Zwei Shidos führen zu einer Waza-ari-Bewertung für den Gegner. Der dritte Verstoß beendet mit Hansoku-make den Kampf zugunsten des Opponenten. Schwere Verstößen können direkt siegentscheidend sein.
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Die Disqualifikation heißt im Judo „Hansoku-make“. Drei Shidos führen zu einem Hansoku-make, also wiederum zur vorzeitigen Beendigung des Kampfes. Eine Ausnahme von dieser Regel begründen Shidos für das Greifen ans Bein während des Standkampfes.
Strafen werden auch für andere Unregelmäßigkeiten (z.B. wegen Inaktivität, unzulässiger Grifftechnik oder Beingreifen im Standkampf) erteilt.
Befürchtet der Kampfrichter in einer unübersichtlichen Bodenkampfsituation ein Risiko für einen der Kämpfer, so kann er den Kampf mit dem Kommando „Sono-mama“ unterbrechen. Beide Wettkämpfer verharren in der aktuellen Situation bis der Unparteiische die Situation - z.B. durch Kleiderordnen - bereinigt.
Die Kampffläche ist farblich eindeutig gekennzeichnet (bei uns durch rote Matten). Der darum gelegte Mattenbereich (bei uns in grüner Farbe) darf - mit wenigen Ausnahmen - nicht betreten werden. Ein Hinaustreten wird mit der Strafe „Shido“ geahndet.
Der dritte Shido, Hansoku-make, führt zur sofortigen Disqualifikation. Haben nach der regulären Kampfzeit beide Kämpfer/innen einen Gleichstand in den Bewertungen, beginnt die Golden Score-Zeit (ohne zeitliche Begrenzung). Die erste erzielte Wertung oder ein Hansoku-make entscheiden den Kampf.
Weitere Regeln und Hinweise
- Bei Wurfansätzen oder Bodentechniken, die innerhalb der Kampffläche begonnen haben, geht der Kampfverlauf auch auf der Sicherheitsfläche weiter bis die Kampfaktion abgeschlossen ist.
- Die Wettkampfregeln werden durch den Internationalen Judo-Verband (IJF) festgelegt und vom Deutschen Judo-Bund (DJB) übernommen. Sie werden des Öfteren angepasst.
- So dürfen die Kämpfer im Stand zurzeit nicht unterhalb des Gürtelbereichs (z.B. an die Beine des Gegners) greifen.
- Im Internet findet sich leider noch immer eine Vielzahl veralteter Regeln (z.B. mit den früheren Kleinwertungen Koka und Yuko). Diese sind obsolet.
Die Bewertung der gezeigten Aktionen obliegt den auf der Matte befindlichen Kampfrichtern, dem auf der Matte stehenden Mattenleiter und zwei am Rand sitzenden Außenrichtern. Alle drei haben gleiches Stimmrecht, wodurch ein Höchstmaß an Objektivität gewährleistet werden soll. Die Außenrichter treten vor allem bei Situationen am Mattenrand oder bei der Korrektur von gegebenen Wertungen durch entsprechende Handzeichen in Aktion.
Kampfrichter sind in der Regel erfahrene Judokas, die sich einer speziellen Kampfrichter-Ausbildung unterziehen und je nach gezeigten Leistungen bei Wettkämpfen und Prüfungen unterschiedliche Lizenzen besitzen. Sie sollen Kämpfe unparteiisch bewerten und die geltenden Regeln sicher anwenden können. Zur Unterstützung ihrer Wirkung rufen sie nicht nur laut ihre Wertungen und Kommandos, sondern unterstützen dies durch eindeutige Handzeichen.
Golden Score kommt selten vor, da Judo eine schnelle Sportart ist und durch eine offensive Kampfweise die Mehrzahl der Kämpfe vorzeitig beendet wird.
Judo vs. Karate
Sowohl Judo als auch Karate sind asiatische Kampfsportarten mit langer Tradition. Im Laienbereich werden sie, trotz ihrer deutlichen Unterschiede, des Öfteren verwechselt.
Karate ist im Vergleich zu Judo die wesentlich ältere Kampfkunst. Während Karate bereits seit vielen Jahrhunderten praktiziert wird, entstand Judo erst im späten 19. Jahrhundert. Karate hat eine aggressivere Vorgehensweise. Aus einiger Entfernung werden Tritt- und Schlagtechniken ausgeübt, Körperkontakt hingegen vermieden. Im Judo ist Körperkontakt dagegen fester Bestandteil eines Kampfes.
Der japanischen Pädagoge Jigoro Kano erfand Judo als eine weniger gewaltsame Alternative zum Jiu-Jitsu. Während im Karate auch Angriffstechniken einstudiert werden, steht beim Judo die Selbstverteidigung im Vordergrund. Kicke und Hiebe in die gegnerische Richtung werden hier geahndet. Judo eignet sich für Menschen jeden Alters.
Die Judo-Werte
- Behandle deine Trainingspartner und Wettkampfgegner wie Freunde.
- Hilf deinem Partner, die Techniken korrekt zu erlernen. Sei ein guter Uke.
- Unterstütze als Höher-Graduierter/Trainingsälterer die Anfänger.
- Sei bei allen Übungen und im Wettkampf konzentriert und voll bei der Sache.
- Begegne deinem Lehrer/deiner Lehrerin und den Trainingsälteren zuvorkommend.
- Spiele dich selbst nicht in den Vordergrund. Sprich über deinen Erfolg nicht mit Übertreibung.
- Nimm im Randori und Wettkampf dein Herz in die Hand.
- Achte auf Pünktlichkeit und Disziplin bei Training und Wettkampf.
- Achte all diese Werte und alle Menschen.
Das erste Prinzip beschreibt, wie man die Judotechniken ausführen soll und wie man sich im Kampf zu verhalten hat. Es kann mit "Bester Einsatz von Geist und Körper " oder "Bester Einsatz der vorhandenen Kräfte" umschrieben werden und beinhaltet eine deutliche Absage an das 'Kraftmeiertum', die bloße Anwendung schierer physischer Kraft. Mit diesem Prinzip will Kano den Begriff Ju ("sanft, nachgeben, geschmeidig") des Wortes Judo näher charakterisieren.
Aggressionsrituale (Zweikampfspiele, Randori, Shiai) Aggressionsrituale sind bei vielen Naturvölkern die Praxis. Rituale wie sie bei Spielen und im Judo zum Tragen kommen, bergen allerdings auch eine Gefahr, nämlich die, befreiend zu wirken, ohne es tatsächlich zu sein. Auch deshalb ist die „Kommunikation danach“ in jedem Fall wichtig. (Warum? Wie ging es mir? ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ...
