Muay Thai: Der Nationalsport Thailands und seine Faszination

Schon mal von „Muay Thai“ gehört? Muay Thai ist DER Exportschlager aus Thailand und mittlerweile weltweit verbreitet.

Was Fußball für uns Deutsche ist, ist Muay Thai für die Thailänder: Nationalsport, der überall praktiziert wird. In jeder Ecke und in jeder Bar in Thailand flimmert Muay Thai über die Bildschirme, an jedem öffentlichem Sportplatz hängen Boxsäcke und schon kleine Kinder trainieren spektakuläre Schlag-und Trittkombinationen.

Dabei zeichnet sich Muay Thai vor allem durch seine Vielfältigkeit aus und vereint anmutige Kampfkunst, praktische Selbstverteidigung und schweißtreibender Wettkampfsport. In Thailand hat diese Kampfkunst seinen Ursprung und das Land des Lächelns gilt deshalb auch unter Kampfsport Fans und Sportler als beliebtes Urlaubsziel.

Die Geschichte des Muay Thai

Tatsächlich ist Muay Thai eine der ältesten Kampfsportarten überhaupt und viele Jahrtausende alt. Ursprünglich stammt Muay Thai von Muay Boran ab.

Muay Boran ist ein Selbstverteidigungssystem, das für das reine Überleben auf den Schlachtfeldern Thailands entwickelt wurde und über die Generationen weitergegeben wurde. Hier unterscheidet man zwischen einzelnen Lehren verschiedener Großmeister. Bekannt sind vor allem folgende Lehren: „Mae Mai“, „Look Mai“ und „Mai Kret“.

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Noch vor einigen Jahrhunderten wurden die Wettkämpfe von Muay Thai auf besonders brutale Art und Weise ausgetragen: Ohne Boxhandschuhe, ohne Regeln und ohne Zeitlimit - Ein Kampf auf Leben und Tod. Dies hat sich mittlerweile natürlich geändert.

Muay Thai heute

Heutzutage gibt es feste Regeln, ein Zeitlimit von einigen Minuten und je nach Level, auch Schutzkleidung. Unterschieden wird dabei zwischen Amateur und Profi Kämpfen.

Im Amateurbereich wird in voller Schutzmontur gekämpft: Es gibt Boxhandschuhe, Ellenbogenschoner, Kopf-und Mundschutz und Schienbeinschoner. Profis kämpfen dagegen nur mit Boxhandschuhen und gelegentlich Ellenbogenschonern.

Das Regelwerk im Muay Thai umfasst keine Hebeltechniken und Würfe. Dafür dürfen alle Faust-,Tritt-,Knie-,Ellenbogen-,und Clinchtechniken eingesetzt werden. Natürlich sind Tiefschläge, Augenstecher u.ä. nicht erlaubt.

Auch heute noch gilt Muay Thai als eine der härtesten und faszinierendsten Kampfsportarten. Besonders brutal sind Ellenbogenschläge, die schnell zu Cuts und offenen Wunden führen können. Spektakulär sind vor allem die Tritte, von denen es eine Vielzahl an Varianten gibt.

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Besonders beliebt sind die Wettkämpfe natürlich in Thailand. Nicht nur den Kämpfer, sondern auch den Zuschauern wird hier einiges geboten. Muay Thai füllt in Thailand ganze Arenen, in das größte Stadion das “Lumpinee Boxing Stadium“ passen bis zu 5000 Menschen!

Kämpfe finden an jedem Wochentag statt, also 7 mal pro Woche. Diese werden natürlich live im thailändischen Fernsehen übertragen. Übrigens Profi-Kämpfer werden in Thailand verehrt wie Popstars.

Auch in Deutschland erfreut sich Muay Thai als Wettkampfsport einer großen Beliebtheit. Sowohl im Amateur Bereich als auch auf Profi Level werden regelmäßig Newcomerturniere, Ranglistentunieren, Stadt-und Landesmeisterschaften ausgetragen. Auch gibt es deutsche Meisterschaften und Europameisterschaften.

2008 wurde Muay Thai von der Association for international Sport for All (T.A.F.I.S.A.) anerkannt, welches unter der Schirmherrschaft des Internationalen Olympischen Komitees (I.O.C.) steht. Die olympische Anerkennung ist damit nur noch eine Frage der Zeit. Die letzte Hürde ist die Mitgliedschaft in der World Games Association.

Muay Thai zur Selbstverteidigung

Muay Thai gehört zu den effizientesten Kampfsportarten der Welt und ist deshalb auch hervorragend zur Selbstverteidigung geeignet. Was macht Muay Thai so effizient? Das Verzichten auf komplizierte Showtechniken, die zwar schön aussehen, aber im Ernstfall nur selten effektiv verwendet werden können.

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Muay Thai konzentriert sich stattdessen auf Techniken, die in realen Kampfsituationen und unter Adrenalin anzuwenden sind. Das traditionelle Muay Thai bzw. Muay Boran umfasst deshalb nicht nur Attacken wie Faustschläge, Knie- und Ellenbogentechniken, Tritte, Würgegriffe, Umklammerungen und Hebeltechniken, sondern auch die Abwehr unbewaffneter & bewaffneter Attacken (z.B. Messer, Stöcke, etc.).

Muay Boran umfasst somit auch Techniken, die in Muay Thai Wettkämpfen verboten sind, z.b. Armbrecher, Genickheben, Beinhebel, Kopfstöße, Bodenkampf und Würgetechniken. Übrigens: Muay Boran ist das offizielle Selbstverteidigungssystem der Royal Thai Army.

Wer kann Muay Thai trainieren?

Muay Thai ist für jeden geeignet, der gesund ist und über keine großen körperlichen Beschwerden verfügt. Ob Mann oder Frau, ob jung oder alt - Muay Thai ist von jedem zu erlernen und macht zudem richtig Spaß!

Muay Thai als Kulturgut

Wie bereits kurz angedeutet hat Muay Thai einen sehr hohen Stellenwert in der thailändischen Kultur. Vor einigen Jahren wurde Muay Thai vom thailändischen Staat sogar offiziell zum nationalen Kulturgut erklärt.

Wer den Weg des traditionellen Kämpfers in unserer heutigen Zeit gehen möchte, kann die traditionellen Techniken lernen und durchläuft dabei ein spezielles Prüfungssystem. Wer Muay-Trainer werden möchte, muss eine strikte Ausbildung durchlaufen.

Die Ausbildung dauert ziemlich lange und beinhaltet verschiedene Stufen, die alle mit einer erfolgreichen Prüfung abgeschlossen werden. Die komplette Trainerausbildung wird vom Department of Physical Education in Bangkok anerkannt.

Zuständig für Prüfungen und Trainerausbildungen im Muay Thai ist die Internation Federation of Muay Thai Amateur (IFMA), in Deutschland ist dem IFMA der Muay Thai Bund Deutschland und der Muay Thai Verband Baden Württemberg angeschlossen.

Berühmte Muay Thai Kämpfer

Es gibt unzählige Muay Thai Kämpfer, die in Thailand wie Götter verehrt werden und Legendenstatus erreicht haben. In der heutigen Zeit sind es vor allem Buakaw Banchamek aus Bangkok und Saenchai, der der Lumpinee Championships in 4 verschiedenen Gewichtsklassen gewann.

Ein besondere Geschichte ist die von Nai Khanom Tom, der 1774 von Burmesen als Kriegsgefangener festgenommen wurde. Um zu überprüfen welches Kampfsystem besser war, lies der burmesische König die 10 besten Kämpfer seines Landes gegen Nai Khanom Tom antreten - der einen nach dem anderen besiegte.

Der burmesische König war so begeistert vom Muay Thai, das er Nai Khanom Tom begnadigte und ihn in seine Heimat zurückkehren ließ. Der 17. März ist jetzt Nationalfeiertag in Thailand: Es ist der Tag des Nai Khanom Tom.

Werte und Traditionen im Muay Thai

Im Muay Thai wird sehr viel Wert auf Respekt gegenüber Mitmenschen gelegt, sei es gegenüber dem Trainer, Eltern, dem Gegner oder dem Großmeister. Auch Höflichkeit und Bescheidenheit sind Werte, die in Thailand selbstverständlich sind. Dies spiegelt sich auch in der Kampfkunst wieder. Trotz seiner harten Kämpfe, wird der Gegner im Muay Thai stets respektiert.

Deshalb gibt es vor jedem Kampf ein traditionelles Ritual, das von den Kämpfern ausgeführt wird und dazu dient dem Gegner Respekt zu zollen. Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler ist ein wichtiger Aspekt im Muay Thai. Aufgabe des Trainers ist es nicht nur die Kampfkunst zu lehren, sondern seinen Schülern auch die richtigen Werte und einen respektvollen Umgang mit seinem Umfeld beizubringen.

Nicht jeder darf in jeder beliebigen Muay Thai Schule trainieren. In Thailand ist es Tradition, dass Schüler zunächst eine Probezeit durchlaufen müssen, bevor Sie angenommen werden. Schüler, die Muay Thai nur trainieren möchten, um die eigene körperliche Überlegenheit zu verbessern und nicht die notwendigen Charakter-Eigenschaften mitbringen, werden meist nicht zugelassen.

Wer aufgenommen wird, durchläuft eine traditionelle Zeremonie und ist anschließend offizielles Mitglied der Schule. Das bedeutet: Ohne Zustimmung des Trainers, darf der Schüler in keiner anderen Kampfsport-Schule trainieren gehen. Im Normalfall werden Trainer und Schüler nun den für den Rest Ihres Lebens miteinander in Kontakt bleiben. Traditionell besuchen auch ehemalige Schüler ihre Lehrer mindestens einmal im Jahr, um ihnen Respekt und Dankbarkeit zu zollen.

Ein Muay Thai Lehrer ist also viel mehr als ein Kampfsportlehrer, er ist ein Lehrer des Lebens. Klar, dass solch ein disziplinierter, traditioneller und harter Kampfsport nicht nur den Körper trainiert, sondern auch den Geist. Inneres Wachstum, eine harmonische Beziehung von Körper und Geist und Persönlichkeitsbildung sind wichtige Ziele im Muay Thai.

Durch die knallharten Wettkämpfe lernt ein Muay Thai Kämpfer nicht nur in Drucksituationen ruhig zu bleiben, sondern gelangt auch zu einer realistischen Selbsteinschätzung - in allen Bereichen seines Lebens. Zudem sind viele Prinzipien und Lehren des Muay Thais auch auf das alltägliche Leben übertragbar.

Muay Thai vs. Thai Boxen: Gibt es einen Unterschied?

Nein, Muay Thai und Thai Boxen bezeichnen die selbe Kampfkunst. Muay Thai ist die thailändische Bezeichnung, die auf Deutsch übersetzt so viel wie Thai Boxen bedeutet.

Muay Thai vs. Kickboxen: Was sind die Unterschiede?

Im Vergleich zum Kickboxen gibt es jedoch erhebliche Unterschiede, dies sind zwei verschiedene Sportarten. Während im Kickboxen nur Faustschläge und Tritte erlaubt sind, gibt es im Muay Thai zudem auch Ellenbogen- und Knietechniken und das sogenannte Clinchen.

Beim Clinchen wird der Gegner festgehalten und gleichzeitig mit Tritten und Schlägen bearbeitet. Im Kickboxen fehlen natürlich auch alle traditionellen Elemente des Muay Thais, wie z.B. das traditionelle Ritual (Whai Kru) das vor dem Kampf vorgeführt wird.

Hier ist eine Tabelle, die die wichtigsten Unterschiede zusammenfasst:

Merkmal Muay Thai Kickboxen
Herkunft Thailand Nordamerika
Techniken Faust, Tritt, Knie, Ellenbogen, Clinch Faust, Tritt
Traditionelle Elemente Vorhanden (z.B. Whai Kru) Nicht vorhanden

Unterschiede in der Grundstellung und Technik

In der Grundstellung gibt es schon die ersten großen Unterschiede zwischen Boxen und Thaiboxen. Der klassische Boxer stellt sich seitlich, mit der schwächeren Seite zum Gegner auf. Die Beine sind etwas mehr wie Schulterbreit aufgestellt und die Führhand wird in einem Abstand von ca. 15 cm auf Augenhöhe gehalten. Die Schlaghand wird zum Schutz der rechten Seite, auf Höhe der rechten Schläfe gehalten.

Die Grundstellung im Thaiboxen ähnelt der des Boxers, jedoch steht der Thaiboxer dem Gegner, mit dem Oberkörper frontaler zugeneigt. Die Beine stehen leicht versetzt, etwa schulterbreit auseinander. Der vordere Fuß steht gerade Richtung Gegner und der hintere in einem 45 Grad Winkel. Die Führ- und Schlaghand werden mit offenen Ellenbogen, beide mit leichtem Abstand vor dem Kopf gehalten.

Der Boxer ist ständig in Bewegung und verlagert sein Gewicht zwischen vorderen und hinterem Fußballen. So hat er die Möglichkeit blitzschnell nach vorne zu schießen und mit viel Power anzugreifen. Wird er selbst angegriffen nutzt er die Beinarbeit, um genau so schnell dem Angriff auszuweichen wie er ihn ausführt. Der feste Stand und die Beinarbeit sind im Boxen essentiell und werden immer trainiert.

Beim Thaiboxen ist die Beinarbeit nicht ganz so auffällig wie beim Boxen, sie ist jedoch äußerst wichtig und nicht zu vernachlässigen. Beim Boxen liegt der Fokus auf Schlagkombination auf Kopf oder Körper des Gegners. Dabei kommen leichte, schnelle Schläge z.B. Jabs zum Einsatz um die Deckung des Gegners zu öffnen um dann mit der Starken „Rechten“ Wirkungstreffer zu erzielen.

Auf der anderen Seite hat der Thaiboxer eine Vielzahl von Angriffsmöglichkeiten.

Unterschiede in der Deckung

Im klassischen Boxen versucht man in erster Linie den Schlägen auszuweichen bzw. aus der Schlagdistanz des Gegners zu gelangen. Gelingt dies nicht gilt es, sich bestmöglich zu schützten. Das wird erreicht, in dem man entweder den Schlag mit der Innenhand blockt, oder beide Hände mit der Innenhandfläche zum Gesicht, schützend vor seinen Kopf hält und sich zusammenzieht (Doppeldeckung).

Die Ellenbogen schützen hierbei die Seiten vor kräfteraubenden Schlägen in die Seiten z.B. Aus der Deckung heraus besteht die Möglichkeit selber Konter anzusetzen, z.B. sind Aufwärtshaken im Infight eine beliebte Waffe um den Gegner mitten in seiner eigenen Schlagkombination zu treffen.

Beim Thaiboxen muss durch die Vielzahl von Angriffsmöglichkeiten auch die Deckung wesentlich flexibler sein. Im Muay Thai wird daher großen Wert auf eine aktive Deckung mit Kontern gelegt. Beim Thaiboxen geht man daher, wenn man nicht blocken oder ausweichen kann, den Weg nach vorne und landet mit dem Gegner im Clinch.

Dieser wird beim Thaiboxen nicht vom Ringrichter unterbrochen, sondern gehört zum Kampf. Im Clinch haben Kämpfer die Möglichkeit ihren Gegner mit Knien und Ellenbogen kampfunfähig zu machen.

Unterschiede in der Ausrüstung

Beim Equipment sind die Unterschiede zwischen Boxen und Thaiboxen eher gering. Bei beiden Kampfsportarten tragen die Kämpfer Boxhandschuhe. Spezielle Thaibox-Handschuhe haben eine zusätzliche Polsterung an der Handkante um Verletzungen beim blocken von Kicks zu verhindern und bieten etwas mehr Bewegungsfreiheit im Handgelenk für den Clinch.

Kickboxen Dutch Style vs Muay Thai

Der Unterschied zwischen holländischem Kickboxen und Muay Thai besteht darin, dass beim holländischen Kickboxen kraftvolle Tritte mit schweren Schlägen und soliden Verteidigungstechniken kombiniert werden. Im Gegensatz dazu verfügt Muay Thai über Kick und Boxtechniken im Thai Style. Das sind Ellbogen und Knietechniken, ringerähnliche Techniken und sogar Würfe, Feger und Submissions.