Wrestling: Mehr als nur Show? Eine Erklärung für Wrestling-Interessierte

Wrestling zählt in den USA zu den beliebtesten Sportarten und Unterhaltungsprogrammen. Auch in Deutschland gibt es die Möglichkeit, Wrestlingshows aus den USA im Fernsehen zu verfolgen. Doch was steckt wirklich dahinter? Ist Wrestling einfach nur Show oder steckt hinter der Fassade doch eine Sportart, die mit anderen Kampfsportarten vergleichbar ist?

Was ist Wrestling?

„Wrestling“ bedeutet aus dem Englischen übersetzt nichts anderes als „Ringen“ und zählt zur Rubrik der Schaukampfsportarten. Besonders in Japan, USA und Mexiko zählt Wrestling zu den beliebten Sportarten. Wrestling hat seinen Ursprung in den 1860er Jahren. Vorgänger ist das Ringen. Ringen diente auf Jahrmärkten nicht nur der Unterhaltung. Das Ziel war, Geld durch Wetten zu verdienen. Erst in den 1920er wurde Wrestling als internationale Sportart in den USA anerkannt. Mit der Gründung der WWF (world-wrestling-federation) gab es regelmäßige Wettbewerbe und wöchentliche Shows.

World Wrestling Entertainment - Die größte Wrestling-Liga der Welt

World Wrestling Entertainment (WWE) ist die einzige weltweit agierende Wrestling-Organisation. Sie wurde 1952 gegründet (damals noch unter dem Namen Capitol Wrestling Federation), 1963 in WWWF umbenannt, bevor sie 1979 in WWF (World Wrestling Federation) umbenannt wurde. Seit 1999 ist die WWE auch an der New Yorker Börse.Wrestling charakterisiert sich unter anderem durch seinen Showcharakter, weswegen oft die Frage aufkommt: Wie viel Echtheit steckt wirklich dahinter?

Bestimmung des Siegers eines Kampfs

Verglichen mit anderen Kampfsportarten wird hier der Sieger eines Kampfs bereits im Vorfeld festgelegt. Demnach gewinnt nicht der beste Kämpfer, sondern der beste athletische Entertainer. Rund um die Bestimmung des Siegers ist zusätzlich ein sogenanntes Kreativteam für das Storytelling zuständig. Das bedeutet, dass im und um den Ring Storylines im Vordergrund stehen, die Charaktereigenschaften des Wrestlers hervorheben oder auch zwischenmenschliche Beziehungen zum Vorschein bringen.

Wrestlingshow gleicht TV-Drehbuch

Für jede große WWE-Show wird ein Skript verfasst, in dem der Ablauf der Show detailliert festgelegt wird. Dazu zählen die Kämpfe, die Sieger der Kämpfe, Verlauf der Interviews, Promo-Segmente sowie abseits des Rings stattfindende Prügeleien.

Requisiten als Unterstützung der Unterhaltung

Wer dachte, dass die Champions ihre bekannten Meisterschaftsgürtel behalten dürfen, der liegt falsch. Sie sind Requisiten, die nach der Show wieder abgegeben werden müssen. Zusätzlich ist auch eine Kostümschneiderin vor Ort, die zur Stelle ist, falls Storylines umgeschrieben werden oder ein Wrestler kurzfristig noch ein Outfit benötigt.

Kampf einstudiert wie eine Tanz-Choreografie

Die Durchführung der Kämpfe ist in erster Linie choreografiert. Wie viel Choreografie und wie viel Improvisation in einem Kampf steckt, hängt von der Wichtigkeit des Kampfs sowie der Erfahrung der beteiligten Wrestler ab. Je routinierter ein Wrestler, desto mehr Improvisation findet statt. Absolute Profis bekommen als Choreografie nur die Grundzüge. Demnach sind auch Kreativität und Spontanität gefragt.

Das Training der Wrestler

Trotz einstudierter Choreografie kann es zu Verletzungen kommen. Um ihnen vorzubeugen, ist absolute Top-Form gefragt. Das heißt: Zusätzlich zum Training sind Fitnessstudiobesuche ein Muss, auch vor einem Kampf. Die körperliche Belastung ist also genauso echt, wie sie aussieht. Im Training wird neben Kampftechniken auch intensiv das „Fallen“ geübt. Im Kampf später besteht die Kunst darin, die Moves brutal aussehen zu lassen, während im besten Fall keine ernsthaften Verletzungen zustande kommen - dennoch ist die Verletzungsgefahr nicht ausgeschlossen. Zusätzliches Risiko für Verletzungen ist der harte Ringboden, der gefährlich werden kann. Was im Fernsehen aussieht, wie weiche Landematten, ist in Wirklichkeit ein harter Boden, der lediglich ein bisschen mitschwingt.

Schauspiel und Kampfsport in einem

Um die Storylines glaubhaft rüber zu bringen, sind gute Schauspielkünste gefragt. Auch die Beliebtheit eines Wrestlers ist enorm wichtig. Egal ob Jubel oder Buhen, beide Reaktionen des Publikums sind essenzielle Träger der Shows. Zwar sind beim Wrestling die Bewegungen gescriptet, der körperliche Einsatz ist aber echt. Ziel ist die beste Unterhaltung für die Zuschauer.

Wie wird entschieden wer gewinnt? Gewinnen manche öfter als andere?

Wrestler sind angeheuerte Schauspieler. Sie spielen ihre Rolle. Ob sie gewinnen oder verlieren ist nebensächlich. Welche Rolle sie spielen und wer in welchem Kampf letztendlich gewinnt oder verliert, entscheidet der Booker - also jener, der die Wrestler auch angeheuert hat. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen: Der Marktführer WWE z.B. hat ein eigenes Kreativteam, bestehend aus ausgebildeten Drehbuchautoren, ehemaligen Wrestlern und Produzenten der Shows. Warum man sich für einen Wrestler als Gewinner entscheidet kann verschiedene Gründe haben: Mal hält ein Sieg eine Storyline am Leben, mal möchte man jemanden besonders stark darstellen, damit ein zukünftiger Titelgewinn in die Geschichte passt. Prinzipiell gewinnt derjenige, bei dem es in den Augen des Bookers am sinnvollsten ist.

Gibt es Kampfabläufe, Schlagfolgen oder sowas die quasi jeder lernen könnte, wie eine Choreographie beim Tanzen? Und üben die Kämpfer das gemeinsam?

Hier spielt sich die Magie ab. Manche Sequenzen werden geübt, manche werden spontan im Ring dem gegenüber angesagt. Wenn man genau hinschaut kann man ab und zu sehen, wie beide Gegner im Ring sich absprechen. Aber im Prinzip versuchen sich die Wrestler für gewöhnlich nicht zu verletzen. Es ist ein Spagat dazwischen, den Kampf möglichst echt aussehen zu lassen und mit der Gesundheit des Gegenübers verantwortungsvoll umzugehen. Das heißt, dass manche Aktionen durchaus abgebremst oder abgeschwächt sind. Gleichzeitig lassen sich aber bestimmte Dinge - etwa ein Sturz - nur bis zu einem bestimmten Grad faken.

Die Kunst des Storytellings im Ring

Wrestling ist in meinen Augen eine Kunstform. Ich kann dramaturgische Regeln, wie ich sie für alle anderen Formen des Storytelling benutze, auch hier anwenden. Die Kunst ist es, eine Geschichte im Ring zu erzählen, die das Publikum mit in seinen Bann zieht. Dies kann durch spektakuläre Moves passieren, durch überzogenes Drama, durch Interaktion mit dem Publikum, durch subtile und konsequente Aktionen (wie wenn z.B. der kleinere, schnellere Wrestler dem größeren, langsameren stets ausweicht und die Beine attackiert, damit dieser noch langsamer ist und ihn nicht zu packen kriegt) oder eben durch gute Rahmenstorylines. Jede Show baut auf die vorherigen Shows auf und führt die Handlung so weiter.

Der Kampf im Detail

Der Kampf beginnt, wenn die Ringglocke ertönt und endet in den meisten Fällen, mit dem sogenannten Pinfall. Hierbei wird der Gegner oder die Gegnerin auf den Ringboden gedrückt. Erst wenn die Schultern auf dem Boden liegen, fängt der Ringrichter oder die Ringrichterin an bis drei zu zählen. Beim dritten Schlag auf den Ringboden ist der Gegner oder die Gegnerin K.o. Alle Kämpfe finden in einem Ring statt, wie beim Boxen. Allerdings hat der Ring drei gespannte Seile auf jeder Seite und nicht vier. Der Ring ist viereckig und der Boden besteht aus gepolsterten Matten und Holz. Drumherum gibt es eine Absperrung, damit dem Publikum nichts passiert. Denn oft finden kleine Rangeleien auch außerhalb des Ringes statt.

Die verschiedenen Shows der WWE

Es gibt ein paar Untershows des WWE. Die älteste ist RAW oder auch “Monday-RAW” genannt. Seit 1999 gibt es den SmackDown, die erfolgreichste Wrestling-Show. Hier kämpfen die Superstars. Beim NXT handelt es sich nicht nur um einen Kampf, es ist eine Reality-Show mit Interviews, Reportagen und Hintergründen. Frauen waren am Anfang nur neben dem Ring zum Anfeuern und als Unterstützung da. Heute ist dies anders. Jetzt haben Frauen eine eigene Liga in allen Untershows und im WWE und sind genauso beliebt wie die Shows der Männer. Männer- und Frauen-Wrestling unterscheiden sich heutzutage nicht mehr. Es gibt viele Untershows des Wrestlings, mit speziellen Events.

Sport oder Show?

Beim Wrestling sind zwar die Bewegungen geplant, aber der körperliche Einsatz ist sehr hoch. Wrestler und Wrestlerinnen müssen einen gesunden Körper haben und viel trainieren, damit die Verletzungen am Ende nicht so stark sind.

Die Wrestling Academy

Anfang des Jahres übernahm der 31-Jährige die Aufgabe des Head Coaches in der wXw Wrestling Academy in Essen. An dieser Sportschule lernen Anfänger*innen und Athlet*innen mit Vorerfahrung alles, um Profi-Wrestler*innen zu werden. Durch den Sport ist Dreissker auf der ganzen Welt herumgekommen, stand schon in Tokio und New York im Ring.

Das Training in der Wrestling Academy

Das Krafttraining spielt im Wrestling vor allem in Verbindung mit Ausdauer eine große Rolle. “Es ist nicht unbedingt wichtig, dass ein Wrestler 300 Kilo heben kann, sondern 100 Kilo so oft wie möglich stemmt”, erklärt Dreissker. Für Dreissker ist es schwierig, den Sportanteil und die Show in ein Verhältnis zu setzen. Bei ihm steht die sportliche Komponente ganz oben. “Wenn man keine Rolle vorwärts kann, bringt es nichts, ein toller Schauspieler zu sein.” Zuerst müssten die Wrestler*innen die sportlichen Basics kennen, dann könne man das Ganze überspitzen.

Charaktere und Storylines

Während andere Sportler*innen unter ihrem richtigen Namen an Wettkämpfen teilnehmen, kreieren Wrestler*innen eigene Persönlichkeiten für den Ring. “Nur allein mit dem sportlichen Aspekt zu überzeugen, ohne einen herausstechenden Charakter, ist eher unwahrscheinlich”, sagt Dreissker. Beim Publikum würden vor allem die Kämpfer*innen in Erinnerung bleiben, die in besonders ausgefallene und verrückte Rollen schlüpfen. Beliebt bei Anfänger*innen ist die Underdog-Story. Hierbei werden neue Wrestler*innen vorgestellt, die erst einmal einige Kämpfe verlieren. Sie verbessern sich so lange, bis sie eines Tages den ersten großen Sieg einfahren, auf den das Publikum so lange gehofft hat.

Die Gefahren im Ring

“Wenn jemand vom dritten Seil runterspringt, das zwei Meter hoch ist, dann springt der da runter. Auch wir können die Schwerkraft nicht ausschalten. Die Kunst liegt darin, die Aktionen so auszuführen, dass nicht wirklich etwas passiert.” Wie wichtig das ist, hat Dreissker schon am eigenen Leib erfahren. 2016 hat er sich während eines Kampfes die Schulter ausgekugelt und trotzdem noch 15 Minuten weitergekämpft. “Beim Wrestling legt man sich gegenseitig die Körper in die Hände”, sagt Dreissker. Obwohl die Gewinner*innen bereits vor dem Kampf feststehen, ist der nie ganz durchgeplant.

Die Interaktion mit dem Publikum

“Wenn die Zuschauer etwas total abfeiern, wäre man als Wrestler dumm, die Aktion nicht weiter zu machen. Schließlich ist das Ziel die Unterhaltung des Publikums”, sagt Dreissker. Den Zuschauer*innen gefalle es besonders gut, wenn jemand ein paar Schläge abbekomme. Da es in den Kämpfen so stark um Entertainment gehe, sei es Wrestler*innen egal, ob sie gewinnen oder verlieren.

Wrestling in Deutschland

In der deutschen Wrestling-Szene gibt es viel Action. Zur Zeit werden Shows ohne Publikum aufgezeichnet und auf der Streamingplattform von wXw veröffentlicht. Vor der Pandemie konnten Fans sich an jedem Wochenende mindestens eine Wrestling-Show in Deutschland anschauen. Besonders im Ruhrgebiet, in Hamburg und in Sachsen fanden oft Veranstaltungen statt. Da Wrestling hierzulande eher ein Nischensport ist, füllen die Veranstaltungen keine riesengroßen Hallen wie in manchen US-amerikanischen Städten. An einem guten Abend hat eine deutsche Show 1500 Zuschauer*innen. Pro Veranstaltung können fünf bis sechs Kämpfe stattfinden, aber auch bis zu elf Begegnungen im Ring. Wrestling ist ein männerdominierter Sport, wird aber in den vergangenen Jahren auch verstärkt von Frauen betrieben. Deswegen achten die meisten Veranstalter inzwischen darauf, dass mindestens ein Frauenkampf stattfindet. Dann treten entweder zwei Frauen gegeneinander an oder aber beim “Intergender Wrestling” eine Frau gegen einen Mann.

Hier ist eine Tabelle, die die wichtigsten Aspekte des Wrestlings zusammenfasst:

Aspekt Beschreibung
Definition Schaukampfsportart, die Elemente aus Sport und Unterhaltung kombiniert.
Ursprung Ringen auf Jahrmärkten im 19. Jahrhundert.
Ziel Unterhaltung des Publikums durch athletische Darbietungen und fesselnde Storylines.
Ablauf Kämpfe sind choreografiert, der Sieger steht im Vorfeld fest.
Training Intensives körperliches Training, Schauspielunterricht und Entwicklung einer eigenen Bühnenpersönlichkeit.
Risiken Hohe Verletzungsgefahr trotz Choreografie.

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