Heute beschäftigen wir uns mit dem Unterschied zwischen Boxen und Thaiboxen, auch Muay Thai genannt. In diesem Artikel geht es nicht darum, welcher der bessere Kampfsport ist oder was sich besser für eine effektive Selbstverteidigung eignet.
Grundlagen und Geschichte
"Thai Boxen" ist der Deutsche Ausdruck "Muay Thai" (มวยไทย) der Thailändische. Bedeutung ist die gleiche, wenn auch nicht wortwörtlich, denn es kann auch auf die Person bezogen sein. Eigentlich heisst das so viel wie "freies schlagen oder kämpfen", wobei sich das "frei" auf "waffenfrei" beziehen sollte. Es gibt allerdings viele widersprüchliche Erklärungen und wahrscheinlich wissen es nichtmal die Thais selbst genau... Nein, die Begriffe werden eigentlich analog verwendet. Das ist ein und das selbe.
Muay Thai fasziniert durch seine Mischung aus Tradition, Fitness und Selbstverteidigung. Als Nationalsport Thailands hat es sich weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Erstmals eingesetzt und entwickelt wurde es im alten Siam, dem heutigen Thailand. Damals verteidigten die Kämpfer mit Muay Thai ihr Königreich erfolgreich gegen die aggressiven Nachbarstaaten.
Die Wurzeln von Muay Thai können über 1000 Jahre in Thailand und dem benachbarten Burma zurückverfolgt werden. Das Kampfsystem wurde ursprünglich zur Kriegsführung ersonnen, zu einer Zeit, als Kriege noch mit Hieb- und Stichwaffen geführt wurden. Gingen bei den kriegerischen Auseinandersetzungen Waffen wie Schwerter und Lanzen verloren, konnten die Soldaten durch effektiven Kampftechniken mit Händen und Füßen auch Waffe weiterkämpfen. Aus diesem waffenlosen Kampfsystem entstand das Thaiboxen.
Muay Thai ist ein Vollkontaktkampfsportart, auch Ellenbogen- und Knietechniken finden bei Muay Thai regen Einsatz. Der Kampfsport ist in Thailand Nationalsport. Popularität: Muay Thai wird in fast 130 Ländern betrieben. Alle diese Länder sind Mitglieder der International Federation of Muaythai Amateur (I.F.M.A.), mit Sitz in Bangkok. Muay Thai wurde am 6.
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Grundstellung und Beinarbeit
In der Grundstellung gibt es schon die ersten großen Unterschiede zwischen Boxen und Thaiboxen. Der klassische Boxer stellt sich seitlich, mit der schwächeren Seite zum Gegner auf. Die Beine sind etwas mehr wie Schulterbreit aufgestellt und die Führhand wird in einem Abstand von ca. 15 cm auf Augenhöhe gehalten. Die Schlaghand wird zum Schutz der rechten Seite, auf Höhe der rechten Schläfe gehalten.
Die Grundstellung im Thaiboxen ähnelt der des Boxers, jedoch steht der Thaiboxer dem Gegner, mit dem Oberkörper frontaler zugeneigt. Die Beine stehen leicht versetzt, etwa schulterbreit auseinander. Der vordere Fuß steht gerade Richtung Gegner und der hintere in einem 45 Grad Winkel. Die Führ- und Schlaghand werden mit offenen Ellenbogen, beide mit leichtem Abstand vor dem Kopf gehalten.
Der Boxer ist ständig in Bewegung und verlagert sein Gewicht zwischen vorderen und hinterem Fußballen. So hat er die Möglichkeit blitzschnell nach vorne zu schießen und mit viel Power anzugreifen. Wird er selbst angegriffen nutzt er die Beinarbeit, um genau so schnell dem Angriff auszuweichen wie er ihn ausführt. Der feste Stand und die Beinarbeit sind im Boxen essentiell und werden immer trainiert.
Beim Thaiboxen ist die Beinarbeit nicht ganz so auffällig wie beim Boxen, sie ist jedoch äußerst wichtig und nicht zu vernachlässigen.
Angriffs- und Verteidigungstechniken
Beim Boxen liegt der Fokus auf Schlagkombination auf Kopf oder Körper des Gegners. Dabei kommen leichte, schnelle Schläge z.B. Jabs zum Einsatz um die Deckung des Gegners zu öffnen um dann mit der Starken „Rechten“ Wirkungstreffer zu erzielen.
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Auf der anderen Seite hat der Thaiboxer eine Vielzahl von Angriffsmöglichkeiten. Muay Thai bietet eine breite Palette an Faust- und Fußtechniken. Fausttechniken werden in „gerade“, „kurve“ und „gemischt“ klassifiziert.
Im klassischen Boxen versucht man in erster Linie den Schlägen auszuweichen bzw. aus der Schlagdistanz des Gegners zu gelangen. Gelingt dies nicht gilt es, sich bestmöglich zu schützten. Das wird erreicht, in dem man entweder den Schlag mit der Innenhand blockt, oder beide Hände mit der Innenhandfläche zum Gesicht, schützend vor seinen Kopf hält und sich zusammenzieht (Doppeldeckung). Die Ellenbogen schützen hierbei die Seiten vor kräfteraubenden Schlägen in die Seiten z.B. Aus der Deckung heraus besteht die Möglichkeit selber Konter anzusetzen, z.B. sind Aufwärtshaken im Infight eine beliebte Waffe um den Gegner mitten in seiner eigenen Schlagkombination zu treffen.
Beim Thaiboxen muss durch die Vielzahl von Angriffsmöglichkeiten auch die Deckung wesentlich flexibler sein. Im Muay Thai wird daher großen Wert auf eine aktive Deckung mit Kontern gelegt. Im Thaiboxen geht man daher, wenn man nicht blocken oder ausweichen kann, den Weg nach vorne und landet mit dem Gegner im Clinch. Dieser wird beim Thaiboxen nicht vom Ringrichter unterbrochen, sondern gehört zum Kampf. Im Clinch haben Kämpfer die Möglichkeit ihren Gegner mit Knien und Ellenbogen kampfunfähig zu machen.
Im Thaiboxen darf eine gegnerische Beintechnik gefangen und sofort mit einem Konter beantwortet werden.
Regeln und Verbände
Muay Thai folgt einem strengen Regelwerk, das 1945 offiziell eingeführt wurde. Die thailändische Regierung gründete 1995 den World Muaythai Council (WMC), dem alle Muay-Thai-Verbände weltweit angehören.
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Ausrüstung
Beim Equipment sind die Unterschiede zwischen Boxen und Thaiboxen eher gering. Bei beiden Kampfsportarten tragen die Kämpfer Boxhandschuhe. Spezielle Thaibox-Handschuhe haben eine zusätzliche Polsterung an der Handkante um Verletzungen beim blocken von Kicks zu verhindern und bieten etwas mehr Bewegungsfreiheit im Handgelenk für den Clinch. Einen der größeren Unterschiede zwischen Boxen und Thaiboxen machen die Boxstiefel* aus, welche im Boxsport getragen werden.
Die Handschuhe sind, wie das auch bei dem Kickboxen der Fall ist, flexibler sowie am Handrücken dünner als die Handschuhe, die beim Boxen getragen werden. Zudem gibt es, da hier Tritte unter der Gürtellinie erlaubt sind, auch einen Tiefschutz, der den Genitalbereich schützen soll. Des Weiteren gibt es bei Muay Thai auch Schienbeinschoner, einen Bauschutz sowie Fußbandagen. Derartige Schutzmaßnahmen gibt es nur bei Muay Thai, da hier keine Körperpartien ausgenommen sind - man darf sozusagen „überall hinschlagen“.
Weitere Aspekte von Muay Thai
Muay Thai wird ohne Waffen gekämpft, der Körper ist die Waffe. Daher ist die Kampfsportart auch als „Kunst der acht Waffen“ bekannt. Muay Thai ist nicht nur eine Kampfsportart, sondern eine Kunst mit verschiedenen Stilen.
Die Abwehrtechniken in Muay Thai sind vielfältig und umfassen sowohl Block- als auch Kontertechniken. Die Grundstellungen in Muay Thai sind entscheidend für die Effektivität der Angriffs- und Abwehrtechniken. Die Techniken erfordern eine gute Körperbeherrschung und koordinative Fähigkeiten.
Während Online-Kurse und Webinare eine gute Einführung bieten können, ist der persönliche Unterricht in einer Schule unersetzlich. Online-Ressourcen können das Training ergänzen, aber die direkte Anleitung eines qualifizierten Trainers ist entscheidend für den korrekten Technikerwerb und die Vermeidung von Verletzungen.
Ein Urlaub in Thailand bietet die perfekte Gelegenheit, Muay Thai direkt an der Quelle zu erleben. Kings Cup: Ein bedeutendes Muay-Thai-Turnier, ausgetragen zu Ehren des thailändischen Königs.
Khan-Stufen
Das Graduierungssystem in Muay Thai ist nicht so formalisiert wie in anderen Kampfsportarten wie Karate oder Judo. Im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten wie Karate, die ein Gurtsystem verwenden, hat Muay Thai ein eigenes Graduierungssystem namens „Khan„. Die Khan-Stufen repräsentieren die Erfahrung und Fähigkeiten eines Kämpfers. Um die Khan-Stufe darzustellen, werden traditionelle Kopf- und Armschmuckstücke, bekannt als Mongkols und Prajeads, in verschiedenen Farben getragen. Um eine bestimmte Khan-Stufe zu erreichen, müssen Sportler Prüfungen bei den oben genannten Verbänden ablegen.
