Ist Kickboxen gefährlich? Eine Analyse der Risiken

Die Frage, ob Kickboxen gefährlich ist, beschäftigt Mediziner und Sportler gleichermaßen. Die Debatte dreht sich oft um das verwandte Boxen, aber die Erkenntnisse sind auch für Kickboxer relevant. Es gibt Studien, die negative Langzeitfolgen des Boxens nachweisen, wie beispielsweise Demenz. Die medizinische Fachwelt ist sich jedoch uneins, und es ist wichtig zu betonen, dass wir keine Mediziner sind.

Historischer Kontext des Boxens

Um die Risiken des Kickboxens besser zu verstehen, ist es hilfreich, einen Blick auf die Geschichte des Boxens zu werfen:

  • 688 v. Chr.: Boxwettkämpfe werden zu einer olympischen Disziplin.
  • Römisches Reich: Handschuhe werden mit Eisen und Blei verstärkt.
  • 18. Jahrhundert: Jack Broughton führt gedämpfte Boxhandschuhe ein und schlägt Regeln zum Schutz der Kämpfer vor.
  • 1867: Die Queensberry-Regeln werden vereinbart und umfassen das Tragen von Boxhandschuhen, Rundenzeiten und das Anzählen nach einem Niederschlag.

Während im Profiboxen weltweit abweichende Regeln gelten, werden im Amateurbereich seit 1946 die Schutzmaßnahmen zunehmend vereinheitlicht. Dazu zählen unter anderem:

  • Das Tragen eines Kopfschutzes
  • Stärker gepolsterte Handschuhe
  • Verkürzte Rundendauer und -zahl
  • Ein Abbruch nach der „outclassed rule“
  • Die Möglichkeit für den Boxer, den Kampf selbst abzubrechen
  • Die Option für den Ringarzt, einzuschreiten.

Amateurboxer werden regelmäßig medizinisch untersucht, während Profiboxkämpfe oft ohne diese Schutzmaßnahmen ausgetragen werden.

Akute Folgen des Kickboxens

Regelkonformes Ziel beim Kickboxen ist die Verteidigungsunfähigkeit des Gegners, oft durch ein stumpfes Schädel-Hirn-Trauma mit vorübergehender Bewusstlosigkeit (Knock-out, K. o.). Die Aufprallgeschwindigkeit der Faust zum Kopf kann 10 m/s und mehr betragen. Die Kraft kann bis auf mehr als 5 000 Newton ansteigen, was zu einer Translationsbeschleunigung des gegnerischen Kopfes von über 50 g führen kann.

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Weitere Verletzungen, die bei Kickboxkämpfen häufig beobachtet werden, sind:

  • Verletzungen an Kopf und Gesicht
  • Verletzungen von Conjunctiva, Cornea, Linse, Glaskörper, Retina und Papille

Akute Todesfälle

In Aufzeichnungen seit dem Jahr 1890 wurden etwa 10 Todesfälle pro Jahr dokumentiert. Die Ursachen waren vielfältig:

  • Kardiale Komplikationen
  • Risse von Leber oder Milz
  • Kopf- und Nackenverletzungen

Potenzielle Risikofaktoren für eine erhöhte Letalität sind:

  • Alter
  • Vorbestehende Hirnveränderungen
  • Somatische Erkrankungen
  • Medikamenteneinnahme
  • Dehydrierung
  • Starker Gewichtsverlust
  • Eine hohe Zahl von Kopftreffern
  • Das sogenannte „Second Impact Syndrome“

Subakute Folgen

Nach einem K. o. leiden viele Athleten unter fortbestehenden Symptomen wie:

  • Kopfschmerzen
  • Tinnitus
  • Vergesslichkeit
  • Hörstörungen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Gangstörungen

Kognitive Defizite können messbar länger anhalten als die subjektiv wahrgenommenen Probleme. Biochemische Untersuchungen zeigen, dass es innerhalb von 24 Stunden nach einem Schädel-Hirn-Trauma zu einer vermehrten Bildung von beta-Amyloid kommt.

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Chronische Folgen

Zehn bis 20 % der Profiboxer leiden unter anhaltenden neuropsychiatrischen Folgeerkrankungen. Die schwerwiegendsten Konsequenzen sind:

  • Motorik: Tremor, Dysarthrie, Parkinson-Symptomatik, Ataxie, Spastik
  • Kognition: Verlangsamung, Gedächtnisstörung, Demenz
  • Erleben und Verhalten: Depression, Reizbarkeit, Aggressivität, Kriminalität, Sucht

Risikofaktoren für Dementia pugilistica („Punch-Drunk-Syndrome“) sind:

  • Alter (> 28 Jahre)
  • Karrieredauer (> 10 Jahre)
  • Zahl der Kämpfe
  • Schlechte Abwehrreflexe
  • Häufige Knock-outs
  • Längeres Sparren
  • „Gutes Stehvermögen“
  • Apolipoprotein E4

Neuroradiologische Untersuchungen zeigen gehäuft Anomalien wie das Cavum septi pellucidi. Neuropathologische Befunde charakterisieren die chronisch traumatische Enzephalopathie vorwiegend durch gesteigerte Tau-Phosphorylierung und fleckförmig verteilte Neurofibrilleneinlagerung.

Kampfsportarten im Vergleich

Die folgende Tabelle vergleicht verschiedene Kampfsportarten hinsichtlich ihrer Verletzungshäufigkeit und typischen Verletzungen:

Kampfsportart Häufigste Verletzungen
Boxen Hautverletzungen, Frakturen, Schädelhirntraumen
Ringen Verletzungen der oberen Extremität, Wirbelsäule, Kniegelenk
Karate Prellungen, Distorsionen, Kapsel-Bandverletzungen, Frakturen
Taekwondo Kontusionsverletzungen, Hautverletzungen, Luxationsverletzungen, Kapsel-Bandverletzungen

Schutzmaßnahmen und Prävention

Das Tragen von angemessener Schutzausrüstung, wie es im Amateurbereich üblich ist, senkt die Gefahr von Langzeitschäden erheblich. In Deutschland werden Wettkämpfe der WAKO und der WKA in allen Disziplinen mit Kopfschutz und stärkeren Handschuhen ausgetragen. Es gibt einige Tipps, wie man sich vor Hirnschäden im Boxen schützen kann:

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  • Deckung hoch
  • Reaktion und Reflexe verbessern
  • Beinarbeit verbessern
  • Auswahl des richtigen Trainingspartners
  • Bedingtes Sparring
  • Mund- und Kopfschutz benutzen
  • Je weniger Ausdauer, desto gefährlicher
  • Weniger ist mehr

Kickboxen für Kinder

Kampfsporttraining bietet Kindern einen idealen Raum für spielerisches Kräftemessen. Das beste Einstiegsalter ist mit fünf, sechs Jahren. Karate und Taekwondo sind für schüchterne Kinder ein guter Anfang. Es ist wichtig für die Kinder zu erfahren, wie es ist, sich mit einem stärkeren oder größeren Gegner zu messen. Während des Unterrichts gibt es klare Regeln: Wer nach einem gewonnenen Kampf prahlt oder seinen Gegner gar auslacht, den lassen wir danach mit unserem Mat-Forcer, also dem besten aus der Riege, kämpfen.