Wenn die Olympischen Spiele am 26. Juli in Paris starten, gehört Igor Wandtke mit seinen 33 Jahren zu den erfahrenen Athleten im deutschen Olympiateam. Die Olympischen Spiele in Paris sind seine dritten und wahrscheinlich letzten Spiele.
Im Judo ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele besonders anspruchsvoll. Über zwei Jahre sind Höchstleistungen gefragt. „Unsere Qualifikation läuft über die Weltrangliste. Da muss man zwei Jahre konstant vorne dabei sein“, erklärt Wandtke.
Neben den regulären Trainingseinheiten nimmt Igor regelmäßig an internationalen Wettkämpfen teil, um wichtige Punkte für die Weltrangliste zu sammeln und seine Form zu testen. Diese Wettkämpfe sind nicht nur physisch fordernd, sondern auch logistisch und mental eine Herausforderung, da Reisen und Anpassungen an verschiedene Zeitzonen und klimatische Bedingungen bewältigt werden müssen.
Igor trainiert mehrmals täglich mit Fokus auf Kraft, Ausdauer, Technik und Taktik. „Es ist sehr anstrengend, sowohl körperlich als auch mental. Man muss sich ständig motivieren und darf keine Pausen machen“, beschreibt er die Herausforderung.
Dabei sein ist nicht alles! Und wie sieht es nun aus mit den Zielen beim dritten Mal Olympia? Igors Einstellung ist realistisch ehrgeizig: „Man sagt immer, dabei sein ist alles, aber wenn man dabei ist, möchte man mehr.
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Igor weiß um die Herausforderungen und die harte Konkurrenz in seiner Gewichtsklasse bis 73 kg. „Es ist sehr schwierig, eine Medaille zu gewinnen, aber ich bin einer derjenigen, die es schaffen können. Die Olympischen Spiele sind für Igor mehr als nur ein Wettkampf; sie sind eine Bühne, auf der er sich präsentieren und das Erlebnis in vollen Zügen genießen will. „In drei Viertel aller Sportarten gibt es nichts Größeres als die Olympischen Spiele. Bei uns ist es klar, die Weltmeisterschaft ist jedes Jahr, aber die Olympischen Spiele sind nur alle vier Jahre.
Am 29. Juli schied Igor Wandtke (Klasse bis 73 kg) in der Champ-de-Mars Arena bereits in der zweiten Runde aus. Der WM-Fünfte Wandtke verlor gegen den Kanadier Arthur Margelidon in einem ausgeglichenen Kampf aufgrund der dritten Bestrafung. "Es ist halt eine Enttäuschung, man braucht auch etwas Glück. Ich hatte ein gutes Los, und dann fehlte am Ende das Quäntchen Glück", sagte Wandtke.
Karriereende und dann?
Am 11. August enden die Olympischen Spiele in Paris. Igor Wandtke fährt dann hoffentlich mit einem glücklichen Gefühl und bestenfalls einer Medaille im Gepäck zurück. Und was kommt danach? Da hat der vierfache Deutsche Meister schon einige Karrierewege vorgeplant.
Welchen Weg er zukünftig gehen möchte und ab wann er sich aus dem Leistungssport verabschiedet, da lässt sich Wandtke noch nicht vollständig in die Karten blicken. „Ich habe schon immer gewusst, dass ich nach dem Leistungssport im Managementbereich arbeiten möchte. Mein Masterstudium ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung“, erklärt er.
„Der Körper sendet irgendwann Signale, dass es Zeit ist, aufzuhören. Ich habe schon jetzt jeden Tag Schmerzen, und das ist auf Dauer natürlich nicht gesund“, gibt er offen zu. Die Entscheidung, sich vom aktiven Leistungssport zurückzuziehen, fällt ihm jedoch nicht leicht.
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„Es ist schwer, sich von etwas zu verabschieden, das für so lange Zeit ein großer Teil deines Lebens war. Auch die psychische Umstellung ist eine Herausforderung. „Viele Sportler wissen nach dem Ende ihrer Karriere nicht, wohin sie wollen. Für mich ist es wichtig, schon jetzt klare Ziele zu haben und mich auf das Leben nach dem Sport vorzubereiten“, betont Wandtke. Klar ist aber: Mit seinem Fernstudium sieht er sich bereits jetzt sehr gut aufgestellt.
Nach seiner Sportkarriere hat Wandtke verschiedene berufliche Perspektiven im Blick. Ob freie Wirtschaft oder Werdegang als Sportfunktionär: „Ich kann mir beides vorstellen. Aber jetzt gilt der volle Fokus Paris 2024. Zwei Jahre intensiver Vorbereitung, 15 Jahre in der Nationalmannschaft sowie rund 50 Flüge und 20 internationale Einsätze pro Jahr sollen sich bestenfalls in olympischem Edelmetall auszahlen.
„Im Studium ist es halt genauso wie im Sport: Wenn man irgendwelche Ziele erreichen möchte, muss man dafür arbeiten“, ergänzt Igor Wandtke. Genau das hat er die letzten Jahre getan.
Hintergrund und Anfänge
Zum Judo ist er einst über seine Familie gekommen. „Meine Eltern haben einen Judoverein und als Kind musste ich natürlich immer mit in die Halle kommen. Irgendwann war mir das Zuschauen zu langweilig und ich dachte mir, das kann ich auch!“ Neben dem Judo hat er in der Jugend noch fünf Jahre lang Flag-Football gespielt.
Stück für Stück ist er dann in den Leistungssport hineingewachsen und damit gab es auch notwendige Entscheidungen für sein Weiterkommen. „Meine gesamte Jugend- und Junioren-Zeit war ich in meinem ersten Verein in Lübeck. Nach Beendigung der Schule bin ich dann nach Hannover gezogen, um am Olympiastützpunkt bei Sven Loll zu trainieren.“ Deshalb wechselte er auch den Verein und den Landesverband. Mittlerweile gab es in Hannover einen Umbruch in den Trainerstrukturen, sodass er seit 2021 bei Miguel Ogando trainiert.
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Nach einem Vorbild befragt, nennt er einen sehr erfolgreichen Judoka aus Korea, der einst das WM-Finale und dann auch das Olympiafinale gegen Ole Bischof bestritt: Kim Jae Bum. „Als Junior konnte ich ihm im Trainingslager nach dem Otto World Cup in Hamburg beim Randori zuschauen. Den Spaß und die Freude, die er im Randori ausgestrahlt hat, fand ich sehr beeindruckend.“
2016 nahm er an seinen ersten Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teil. In der Qualifikationsphase dafür hatte er seinen emotionalsten Erfolg errungen: Grand Slam-Bronze 2015 in Paris. „Das Tournoi de Paris ist eines der prestigeträchtigsten Turniere der Welt und das schon seit Generationen“, beschreibt er die Bedeutung dieser Medaille für sich.
Die Masters Bronzemedaille in Doha 2021 gehört mit dem 5. Für ihn ist Judo mehr als nur ein Sport. „Es ist eher eine Lebensphilosophie. Die Werte und Normen, die im Judo vermittelt werden, lebe ich auch in meinem Alltag.“ Daraus leiten sich auch seine Stärken vor allem auf der Matte ab. Disziplin, Fleiß und Willensstärke sind seine Erfolgsgaranten. Als Schwäche formuliert er: „Ich bin ein ziemlich ungeduldiger Mensch, ich will jedes Problem immer jetzt und sofort lösen.“
Engagement und Studium
Igor Wandtke setzt sich auch ehrenamtlich sehr stark im Judo ein. Bereits 2021 wurde er als Athletensprecher gewählt und ist in dieser Funktion im Präsidium des DJB tätig.
Für seine berufliche Entwicklung läuft er noch immer zweigleisig, da ihm neben dem Judoleistungssport für den Beruf bislang noch nicht so viel Zeit geblieben ist. Zum einen ist er in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. „Zum anderen studiere ich an der Fernuni SRH Riedlingen auf Master in Management.“ Das alles vereinnahmt ihn ziemlich stark. „Mein Studium ist gerade mein Hobby, viel mehr Zeit bleibt leider nicht übrig.“
Immer mit dabei ist in diesen Phasen auch sein Fernstudium. „Meine Bachelorarbeit habe ich zum Teil im Flugzeug nach Japan geschrieben. In den 12 Stunden im Flugzeug habe ich meine Interviews transkribiert. Wir Sportler studieren an den ungewöhnlichsten Orten, das geht nur mit einem flexiblen Fernstudium“, erinnert sich der Sportsoldat.
Das flexible Modell des Fernstudiums ermöglicht es ihm, Lernzeiten an sein Trainings- und Wettkampfprogramm anzupassen. Förderung erfährt er dabei auch von seinem Arbeitgeber, der Bundeswehr, die Sportsoldaten unter anderem bei den Studiengebühren unterstützt.
Nach seiner leistungssportlichen Laufbahn möchte er gern dem Sport treu bleiben. „Ich möchte junge Athleten auf ihrem Weg in den Leistungssport unterstützen.
Steckbrief
- Geboren am: 03.11.1990
- Größe: 1,76 m
- Beruf: Sportsoldat, Master-Student Management
- Graduierung: 4. Dan
- Aktiv seit: 1995
- Trainer: Miguel Ogando Lopez
- 1. Trainer: Vladimir Wandtke
- 1. Verein: BUDOKAN Lübeck e.V.
- Aktueller Verein: Judo-Team Hannover
