Warum gehen Frauen zum Kampfsport? Diese Frage impliziert, dass es "irgendwie seltsam" sein muss, dass Frauen Kampfsport betreiben. Doch es gibt viele Gründe, warum Frauen sich für Kampfsportarten wie Taekwondo, Kyokushinkai-Karate, Wettkampfjudo, Kickboxen oder Thaiboxen entscheiden.
Gründe für Kampfsport aus weiblicher Sicht
Es gibt so viele Gründe zum Kampfsport zu gehen wie es Frauen gibt. Jede wird dafür wohl ihre eigenen Gründe haben. Wer ernsthaft trainiert, wird auch einiges erreichen. Wer dies nicht tut ... naja, dann wirds wohl auch nix. Es gibt übrigens auch Frauen denen es total egal ist, ob sie blaue Flecken, Kratzer, Schrammen oder sonstwas haben.
Einige Frauen beginnen mit dem Kampfsporttraining aufgrund einer bestehenden Bedrohungssituation. Sie wollen sich im Notfall wehren können. Selbst wenn sie in einer solchen Situation Pech haben und nicht viel ausrichten können, wollen sie zumindest mit wehenden Fahnen untergehen und bei ihrem Angreifer so viel Schaden anrichten wie nur irgend möglich. Folglich nehmen sie das Training (meistens) sehr ernst und keine blauen Flecken halten sie davon ab.
Andere Frauen suchen im Kampfsport eine Möglichkeit, ihre dunkle Seite auszuleben. Kämpfen, schreien, schlagen - das kann alles sehr befreiend sein. Einige Frauen schaffen es, diese Seite auszuleben. Sicherlich ist die Tatsache, dass man sich selbst verteidigen lernt, ein wichtiger Grund, dass frau beweglicher und aktiver wird.
Es gibt auch Frauen, die Kampfsportarten wie Muay Thai oder Ähnliches betreiben, um fit zu bleiben. Und natürlich gibt es auch Frauen, die einfach Spaß daran haben. So wie jemand vielleicht mit Leidenschaft ein Instrument spielt, so geht halt ich mit Leidenschaft ins Training.
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Ernst genommen werden im Kampfsport
Wird man als Frau in diesen Kampfsportarten ernst genommen? Diese Frage zielt oft auf die körperliche Unterlegenheit der Frauen ab. Es gibt aber viele Trainer, die keinen Unterschied machen, ob sie einer Frau oder einem Mann gegenüberstehen. Und es gibt auch Frauen, die keinen Unterschied machen, ob sie einem Mann oder einer Frau gegenüberstehen.
Ich respektiere/ nehme jede/n ernst, der sein/ ihr Interesse ernsthaft verfolgt. Egal ob Mann oder Frau....wo soll da eigentlich das Problem sein? Ich verstehe diese Diskussionen eh nicht, wer was warum nicht oder doch machen sollte. Genetisch bedingt, oder nicht, oder was weiß ich...
Außerdem finde ich es für eine effektive Selbstverteidigung wesentlich sinnvoller, eine KK/KS zu betreiben, die mir meine Grenzen aufzeigt, an denen ich dann arbeiten kann. Und das ist in einer "Wir-haben-uns-alle-so-lieb"-KK/KS-Gruppe nicht möglich.
Ich kann nicht für andere Frauen antworten sondern nur für mich selbst, und ich mache schlicht und einfach deshalb meinen Kampfsport (Hapkido) weils mir unheimlich taugt.
Selbstverteidigungskurse boomen
Seit den Übergriffen der Silvesternacht strömen plötzlich auch Hausfrauen und Berufstätige, Mütter und Töchter in die Nahkampf-Kurse, in denen es wenig zimperlich zugeht. „Mein Mann hat mich dazu gedrängt, endlich Selbstverteidigung zu lernen“, sagt etwa Tanja N., eine 42-Jährige mit sanftem Gesicht, die extra aus dem gut 140 Kilometer Hockenheim angereist ist, um den mehrteiligen Kurs in Bad Homburg zu besuchen.
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Die Übergriffe der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten haben daran entscheidenden Anteil. Ausgerechnet die Angst beschert der Branche einen unerwarteten Boom.
„Wir haben die Zahl unserer Frauenseminare bereits aufgestockt. Aber selbst das reicht kaum aus, die Kurse sind bis weit in den Sommer hinein ausgebucht“, sagt Raphael Wildemann, Geschäftsführer von „Krav Maga System“, der die israelische Kampftechnik mit Trainern wie Agatz an sieben Standorten in Deutschland lehrt, darunter auch das Seminar in Bad Homburg.
Auch beim Deutschen Karate-Verband (DKV) hat man sich auf die gestiegene Nachfrage eingestellt. „Wir bilden bereits seit 2009 Selbstverteidigungslehrer aus, die diesen Bereich des Karate dann besonders intensiv vermitteln können. Im Frühjahr werden wir dieses Angebot wieder um eine spezielle Fortbildung für die Zielgruppe Frauen und Mädchen erweitern, bei der die Trainer neben der Vermittlung geeigneter Kampftechniken auch gezielt im Bereich Selbstbehauptung geschult werden“, sagt Willm Wöllgens, Selbstverteidigungs-Beauftragter beim DKV.
Was ein gutes Selbstverteidigungstraining ausmacht
Realistische Selbstverteidigung sollte einer Frau bzw. einem Mädchen in absehbarer Zeit sowohl mentale als auch körperliche Selbstverteidigungstechniken vermitteln. Basiswissen kann ein Kurs vermitteln, aber richtiges Erlernen setzt ein regelmäßiges Üben voraus.
Ein gutes Selbstverteidigungstraining ist ernstfallorientiert und auf die Bedürfnisse einer Frau zugeschnitten. Somit fallen alle Kampfsportvereine weg, die von zwei Stunden Training dem Selbstverteidigungsaspekt gerade mal 10 Minuten geben und unrealistische Techniken vermitteln.
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Um dies zu vermitteln, sollte ein Trainingsprogramm für Frauen besonderen Wert auf die mentale Vorbereitung, das Stärken des Selbstbewusstseins und den Abbau von Hemmungen/Ängsten ausgerichtet sein. Im technikorientierten Teil sollten effektive Techniken vermittelt werden, die schnell zu erlernen sind und auch in Alltagskleidung anwendbar sind. Der praxisorientierte Teil sollte Verteidigungssituation unter vollem Einsatz (mit Schutzausrüstung) trainieren.
Die eigene Kraft einzuschätzen, unter Druck richtige Entscheidungen zu treffen und frei von Panik effektiv zu reagieren, ist das oberste Ziel.
Alltagsgegenstände als Waffen nutzen
Empfehlenswert ist es, sich von Anfang an Gedanken zu machen, wie sich Alltagsgegenstände als Waffe einsetzen lassen. Eine schwere Damenhandtasche kann man zum Zuschlagen benutzen, harte Gegenstände in Reichweite sind ebenfalls als Waffe zu gebrauchen (Autoschlüssel, Aschenbecher, Spazierstock, Schirm). Nicht unterschätzen sollte man auch die Schockwirkung von Gegenständen, die dem Gegenüber ins Gesicht geworfen werden (Bücher, Sand, Steine… ). Auch ein Deodorant kann ins Gesicht gesprüht sehr unangenehm für den Angreifer sein. Es lohnt sich, hier eine gewisse perverse Kreativität zu entwickeln...
Selbstbehauptung ist der erste Schritt
Selbstbewusste Frauen und Mädchen, die sich nichts gefallen lassen und ihre Grenzen deutlich machen, werden selten angegriffen. Dabei können schon Körpersprache, Mimik und Aussprache signalisieren: „Ich bin stark, ich bin kein Opfer!“. Dies bedeutet auch, sich nichts aufzwingen zu lassen und sich zu nichts überreden zu lassen. Sage mit Worten und Körpersprache deutlich „Nein!“, wenn du etwas nicht willst.
