Denis Nikitin: Kampfsport-Hintergrund und Verflechtungen in der rechtsextremen Szene

Denis Nikitin ist eine Schlüsselfigur der extrem rechten Hooliganszene in Europa und Gründer des Kampfsportlabels „White Rex“. Er hat Kampfsportveranstaltungen in mehreren Ländern aufgebaut und gilt als Schlüsselfigur des rechtsextremen Hooliganismus in Europa.

Der "Kampf der Nibelungen" (KdN)

Der "Kampf der Nibelungen" (KdN) ist eine Kampfsportveranstaltung der rechtsextremen Szene. Die Szene hat erkannt, dass sich der Kampfsport neben dem Rechtsrock zur Rekrutierung von Nachwuchs, zur Vernetzung und Finanzierung der Szene eignet.

Robert Claus, Beobachter der Kampfsportszene, ordnet den KdN als eine sehr gefährliche Veranstaltung ein: In der Eigenwerbung werden Tradition, Naturverbundenheit, Härte und Disziplin gegen das verweichlichte demokratische System beschworen. Damit einhergehend hat der NS-Straight-Edge-Flügel großen Einfluss auf die Veranstaltung, man versucht etwa Drogen abzuschwören und hat mit „Wardon“ ein eigenes Label hierzu gegründet.

Entwicklung des KdN

Zwischen 2013 und 2017 wurde der „Kampf der Nibelungen“ (KdN - früher „Ring der Nibelungen“) konspirativ organisiert. Aber sie fing 2013 so an. Damals fand er in der Pfalz statt, dann jährlich in NRW und Hessen - stets geheim organisiert. Die ersten Events besuchten zwischen 100 und 200 Menschen. Auch das Ambiente war nicht sonderlich professionell. Doch hat sich die Veranstaltung stark weiterentwickelt und kommerzialisiert:

2017 besuchten knapp 600 Nazis das Event im Sauerland, zudem wurde die Marke offiziell registriert. Dieses Jahr findet das Event drei Mal statt: Zuerst am 20. April im Rahmen des „Schwert und Schild“-Festivals, am Samstag als reines Kampfsportevent und Anfang November wieder im Rahmen des Festivals. Diese Breitenwirkung sorgte dafür, dass der 6. „Kampf der Nibelungen“ mit Oktober 2018 mit 850 Teilnehmenden stattfand.

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Der KdN zielt darauf ab, regelmäßig über 1.000 Zuschauer anzuziehen und sich mit den Teamfights ein Alleinstellungsmerkmal aufzubauen. Damit droht eine nationalsozialistische Organisation in die Top Ten der Kampfsportveranstalter in Deutschland vorzustoßen. Daran kann eine demokratische Gesellschaft kein Interesse haben.

Verbindungen zur Neonaziszene

Die Dortmunder Neonaziszene ist eine tragende Gruppe in der Organisation. Extrem rechte Hooligans aus Dortmund, Aachen, Chemnitz und Cottbus gehören zum engen Kreis, sind immer dabei. Auch sonst reisen Neonazis und rechte Hooligans aus dem ganzen Bundesgebiet an. Dabei trainieren bei Weitem nicht alle in extrem rechten Gyms. Leider verharmlosen viele Anbieter die Teilnahme rechter Hooligans an ihren Trainings oder wollen es nicht sehen.

Auch international haben Kämpfer aus Frankreich, Russland, der Schweiz und Tschechien teilgenommen.

Denis Nikitin und "White Rex"

Zweiter wichtiger Akteur der Kampfsportszene ist Denis Kapustin („Nikitin“). Dabei handelt es sich um einen europaweit aktiven und vernetzten rechtsextremistischer Kampfsportler, Trainer, Organisator und Händler. Er ist seit 2008 Inhaber des Labels „White Rex“ und hat maßgeblich zur Professionalisierung rechtsextremistischer Kampfsportevents beigetragen.

Nikitin gründete die Neonazi- und Kampfsportmarke White Rex 2008. Europaweit hat er seither Kampfsportturniere für die rechtsextreme Szene aufgebaut, erst in Russland, später auch in Italien, Ungarn oder Griechenland. Es begann 2011 mit den MMA-Qualifikationsturnieren namens "Kriegergeist". Die ersten Veranstaltungen fanden u.a. in Woronesch und Noworossijsk statt, also fernab der russischen Großmetropolen, zum Teil noch in kleinen Räumen mit zehn Kämpfern und zwanzig Zuschauern. Dort konnten sich die Kämpfer für die finalen Turniere in Sankt Petersburg und Moskau qualifizieren. Es sind Turniere für rechtsextreme Schläger.

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White Rex wurde vom Rechtsextremisten Denis Nikitin gegründet. Sein Ziel sei die "Verankerung des Sportes im gesunden Teil unserer europäischen Jugend". Die von ihm gesponserten Sportler bezeichnet Nikitin als "Soldaten" - der Kurs zeigt nach Westeuropa.

Nikitin ist ein asketischer “Gesundheitsnazi”. Weitere Turnierreihen Nikitins waren die Events “Birth of a Nation” - woran auch der Dortmunder Hooligan Timo “Fritz” K. im Oktober 2013 teilnahm - sowie die “JungSturm League”, in der sich Nachwuchskämpfer beweisen können. Dabei agiert White Rex äußerst professionell, bewirbt seine Veranstaltungen mit dramaturgisch gut gemachten Videos und modernen Designs. So ist Nikitin Neonazi und Geschäftsmann. Er will auch Menschen jenseits der eigenen Szenen erreichen und verfolgt einen Businessplan, der sich nicht auf Sportevents beschränkt. Denn zu White Rex gehören auch die “Vandals”, eine rechtsextreme Wandergruppe, die Outdoormaterial verkauft.

White Rex - das ist dem Selbstverständnis zufolge die Marke für "die weißen Völker Europas". Und so spielt auch das Logo mit Nazi-Symbolik: Ein Wikinger posiert vor dem "Kolovrat", einer Art russischen Version des Hakenkreuzes, das im dortigen Neonazi- und Hooligan-Spektrum häufig als Tätowierung zu sehen ist. Wer den Katalog des Kampfsportartikel-Herstellers durchblättert, stößt schnell auf in Deutschland verbotene NS-Runen und T-Shirts mit 88-Aufdruck. Für die russische Neonazi-Band "You must murder" (Du musst töten) hat White Rex eigens ein T-Shirt hergestellt. Zu sehen ist ein Mann, das Kampfmesser in der Hand. Auch die weibliche Zielgruppe wird gezielt beworben, hier mit einem "Bomben 88"-Shirt.

Ideologische Rahmung und Erlebniswelt Kampfsport

Der Kampfsport, den diese und andere Akteure vorantreiben, unterliegt nach Ansicht von Dr. Thomas Pfeiffer einer ideologischen Rahmung. Die Opfer- und Normalitäts-Diskurse richten sich vor allem gegen die „Political Correctness“. Dabei werden - wie bei der AfD - die Grenzen und „Roten Linien“ des Sag- und Machbaren immer weiter nach rechts verschoben.

Dazu kommt die „rassistische Bestimmung der Wir-Gruppe“. Das wäre auch ein Problem: Denn Osteuropa und viele Länder bis hin zur Ukraine und Russland spielen nach Ansicht des Verfassungsschutzes eine wesentliche Rolle im Kampfsport, wie das Beispiel von „Nikitin“ zeigt.

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Die Erlebniswelt Kampfsport wird durch Ideologie, aber auch durch Lifestyle gerahmt. Dazu passt auch die Grundhaltung „Straight Edge“ - eine subkulturelle Bewegung, die den Verzicht von Alkohol, Zigaretten und Drogen propagiert. Auch Veganismus passt dazu, bzw. Dr. Diese Einstellungen haben auch Teile der Neonazis für sich entdeckt - und auch dies ideologisch eingebettet: Es geht darum, einen „Wehrhaften gesunden (Volks-) Körper“ zu entwickeln - auch wenn dies ein verächtlicher Blick auf andere rechte Jugendkulturen ist.

Die Kampfsportvereinigung „Wardon 21“ zelebriert „Straight Edge“. In einer Selbstdarstellung heißt es: „Unser Körper ist unsere Festung, die einen gesunden Geist birgt. „Es geht darum, besonders bewusst und nachhaltig zu leben, auch moralisch höherwertig“, so Pfeiffer. Das strahlt auch auf die rechtsextreme Straight-Edge-Bewegung ab. Diese „Stärke und moralische Überlegenheit“ werde konsequent in jeden Teil des Alltags integriert.

MMA und die Rolle im Rechtsextremismus

Aus Sicht dieser Szene besonders attraktiv sind diejenigen Kampfsport-Disziplinen, die dem Straßenkampf technisch am nächsten kommen, etwa Mixed Material Arts (MMA) oder Kickboxen. In diesen internationalen Kampfsport-Welten bilden Rechtsextremisten keine hermetisch abgeschottete Nische. Sie trainieren auch in Studios und Hallen, in denen viele andere aktiv sind, die dem Rechtsextremismus keinesfalls nahestehen.

MMA kommt damit den Hooligankämpfen auf abgelegenen Wiesen technisch am nächsten. Auch deshalb hat der Sport über die interessierten Kreise hinaus lange mit einem schlechten Image zu kämpfen. Es galt als sittenwidrig, auf blutende Gegner einzuschlagen.

Schlussfolgerung

Die Verflechtungen zwischen Kampfsport, rechtsextremer Szene und Hooliganismus sind komplex und vielschichtig. Akteure wie Denis Nikitin nutzen den Kampfsport zur Rekrutierung, Vernetzung und Finanzierung der Szene. Veranstaltungen wie der "Kampf der Nibelungen" dienen als Treffpunkt und zur Verbreitung extremistischer Ideologien. Die Professionalisierung der Gewaltkompetenz und die ideologische Rahmung des Kampfsports stellen eine Gefahr für die demokratische Gesellschaft dar.