Denis Nikitin, eigentlich Denis Kapustin, ist eine umstrittene Figur, die in verschiedenen Kontexten Aufmerksamkeit erregt hat. Lange Zeit war er hauptsächlich unter dem Namen Denis Nikitin bekannt.
Frühe Jahre und Radikalisierung
Seine Biografie ist voller Widersprüche. So kam er 2001 mit seiner Familie als jüdischer Kontingentflüchtling nach Deutschland. Kapustin wuchs in Köln-Chorweiler in einer multikulturellen Nachbarschaft auf, wie der "Spiegel" 2019 berichtete. Früh knüpfte er Kontakt in die Hooligan-Szene des 1. FC Köln.
Kapustin war während seiner Zeit in Deutschland fest in der rechtsradikalen Szene verankert. Er pflegte laut "Spiegel" Kontakt zu Thorsten Heise und Thommy Frenck, zwei führenden Neonazis aus Ostdeutschland. Er pflegt Kontakt zu Größen wie dem NPD-Vize Thorsten Heise, hielt bei einem Rechtsrock-Konzert im thüringischen Themar 2017 eine Rede vor 6000 Neonazis.
"White Rex" und Kampfsport
Doch Kapustin ist nicht nur Straßenkämpfer und Neonazi, er ist auch Geschäftsmann. 2008 gründet er das Modelabel "White Rex", das schnell auf große Begeisterung in der Hooligan-Szene stößt. In ganz Europa wird die Marke zum Erkennungszeichen von Hooligans mit rechtsextremen Hintergrund. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung erklärte sein Label "White Rex", Ziel sei die "Verankerung des Sportes im gesunden Teil unserer europäischen Jugend". Was das für Kapustin bedeutet, lässt sich schon am Design der Artikel erahnen: So bietet er T-Shirts mit "88"-Aufschrift an.
Und Kapustin expandiert: Er beginnt Kampfsportevents auszurichten. Erst in Russland, ab 2013 in ganz Europa. Zunächst waren es Box-Turniere, in den 2010er Jahren konzentrierte sich die rechte Szene aber vor allem auf sogenanntes MMA (Mixed Martial Arts). Eine Kampfsportart, die Elemente aus praktisch allen Bereichen beinhaltet und insbesondere für Hooligans attraktiv ist, um den Straßenkampf zu trainieren.
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In Deutschland war Kapustin an der Reihe "Kampf der Nibelungen" involviert, sie gilt als größte Serie von neonazistischen Kampfsportveranstaltungen in der Bundesrepublik und in ganz Europa. Er wird auch im aktuellen nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht erwähnt. Dort heißt es, er trage maßgeblich dazu bei, die rechtsextreme Kampfsportszene zu professionalisieren. Dazu führe er zahlreiche rechtsextremistische Kampfsportveranstaltungen in mehreren Ländern durch.
Umzug in die Ukraine und das "Russische Freiwilligenkorps"
Wie der "Spiegel" berichtet, lebt Kapustin offenbar seit 2018 in der Ukraine.
Im Sommer 2022 soll er das "Russische Freiwlligenkorps" gegründet haben. Eine Kampftruppe bestehend aus russischen Staatsbürgern, die auf der Seite der Ukraine kämpfen. Ob die Gruppe bisher tatsächlich in Kampfhandlungen involviert war, ist laut "Spiegel" unklar. Laut dem kanadischen Journalisten Michael Colborne, der seit Jahren zu Kapustin recherchiert und wohl erst vor kurzem Kontakt zu ihm hatte, ist das ambivalente Verhältnis zu Russland kein Widerspruch. Kapustin lehne tatsächlich den russischen Staat und insbesondere Wladimir Putin ab. Er sei mehr ein "weißer Nationalist als ein russischer Nationalist", so Colborne. So unterstützte Kapustin sogar die Demonstrationen auf dem Maidan, wie das ZDF berichtet. Für Kapustin und sein rassistisches Denken ist selbst der aktuelle russische Unrechtsstaat zu liberal und weltoffen.
Kontroverse um Vorfall in Brjansk
Es waren erstaunliche Bilder, die am Donnerstag in sozialen Netzwerken auftauchten. Nahe der russischen Stadt Brjansk sollen Soldaten mehrere Dörfer angegriffen haben. "Freunde, es ist passiert: Das russische Freiwilligenkorps hat die Grenze der Russischen Föderation überschritten", so beginnt ein wenige Sekunden langes Video, das am Donnerstag auf verschiedenen sozialen Plattformen auftauchte. Darin zu sehen sind zwei Männer in Kampfanzügen mit gelben Armbinden und der Flagge ihrer Kampftruppe. Es wäre der erste Angriff von pro-ukrainischen Truppen in Russland. Doch das Video wirft viele Fragen auf. Die genaueren Hintergründe des Vorfalls sind noch nicht klar.
Ob Kapustin also tatsächlich auf eigene Faust gehandelt hat und mit seinen inoffizielle Einheiten auf russisches Territorium vorgedrungen ist, oder ob es sich um eine Inszenierung des Kremls handelt, bleibt abzuwarten. Kapustins Ideologie und der Hass auf Russland, das sein "zweite Heimat" die Ukraine zerstören will, würde einen Einsatz gegen den Aggressor glaubhaft machen. Allerdings wurden schon früh skeptische Stimmen laut, die darauf hinwiesen, dass die Uniformen, die die Soldaten trugen sauber und neu aussahen. Zudem ist ungeklärt, warum der Kreml es bislang nicht geschafft hat, die Truppe dingfest zu machen, obwohl die Sicherheitsvorkehrungen in Grenznähe massiv ausgebaut wurden.
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Verlust des Aufenthaltsstatus in Deutschland
Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" wurde Nikitin im Februar zunächst "von Amts wegen" in Köln abgemeldet. Der Kampfsportler hatte sich nach Behördenerkenntnissen demnach bereits längere Zeit nicht mehr in seiner Wohnung in Köln-Chorweiler aufgehalten und war ins Ausland gezogen. Im Mai folgte schließlich die "Erlöschung der Niederlassungserlaubnis" - damit besitzt er keinen aufenthaltsrechtlichen Status mehr.
