Cobra Kai: Die wahre Karate-Geschichte hinter der Serie

Durch "Cobra Kai" sehen wir "Karate Kid" mit anderen Augen! Die Hit-Serie "Cobra Kai" bringt coole Karate-Kämpfe, Mega-Hits der 80er und eine Menge Nostalgie mit. Doch Netflix schafft es auch, den einstigen Bösewicht Johnny Lawrence zu einem Helden zu machen. Vor allem einer kann sich nach einstigem Hass kaum noch vor der Fan-Liebe retten, wie er verrät.

Vom unbeliebten "Arschloch" zum gefeierten Helden

William Zabka kehrt in "Cobra Kai" als Johnny Lawrence zurück und wird vom verhassten Schurken zum Fan-Liebling. Die neue Liebe, die Fans ihm entgegenbringen, überrascht den Schauspieler. Der Star hatte sich bereits damit abgefunden, in der öffentlichen Wahrnehmung stets der Schurke zu sein.

Nach rund 30 Jahren rückt "Cobra Kai" Zabkas Figur in ein neues Licht. Erst durch "Cobra Kai" (und möglicherweise zahlreiche Gast-Auftritte in "How I Met Your Mother") wurde dieses Bild gerade gerückt und Zabka sowie Johnny wurden zu absoluten Fan-Lieblingen!

Zu Beginn der Serie wird Johnny immer noch als Menschen-verachtender Eigenbrötler mit Aggressionen eingeführt. Die Netflix-Serie ist nicht mehr so schwarz und weiß gezeichnet wie einst "Karate Kid". "Cobra Kai" wirft die Frage auf, wer wirklich böse ist und wer vielleicht einfach nur missverstanden wurde.

Ich saß [bei Conventions] an dem Tisch, an dem Väter mit ihren Kindern vorbeigehen und sagen: 'Ich möchte, dass mein Kind Sie kennenlernt. Sie waren das größte Arschloch. Schön, Sie zu treffen'. Und dann gehen sie weg. Nun [nach 'Cobra Kai'] kommen die Menschen zu mir und sagen: 'Hey, ich liebe Sie in der Serie, Johnny ist cool'.

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Die Rollenverteilung zwischen Gut und Böse

Gleichzeitig geht Cobra Kai auch (dringend notwendige) neue Wege. So wird die Rollenverteilung zwischen Gut und Böse aufgelöst und - viel wichtiger - die machohafte Sichtweise der Protagonisten auf amüsante Art und Weise kontinuierlich in Frage gestellt.

Und genau an dieser Stelle setzt die Serie Cobra Kai an: Sie stellt den Bad Guy Johnny Lawrence in den Mittelpunkt - der Bösewicht wird nun zum Sympathieträger, denn sein Leben läuft alles andere als rund. Nun wohnt er in der alten (und sehr schäbigen) Nachbarschaft von Daniel LaRusso, versucht sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten, seinen Sohn sieht er zu wenig, Bier hat er dafür zu viel im Kühlschrank.

Das ändert sich als der Teenager Miguel Diaz (Xolo Maridueña) in den Gebäudekomplex einzieht. Durch ihn wird Johnny wieder zum Karate gebracht und er lässt das altbekannte Dojo seiner Jugend wieder aufleben: “Cobra Kai”! Es steht mit seinem Hau-drauf-Ansatz “Strike First, Strike Hard, No Mercy" im krassen Gegensatz zur ganzheitlichen Philosophie des Miyagi-Do von Daniel Larusso. Und natürlich lässt dieser nicht lange auf sich warten: Als er von Cobra Kai erfährt, werden die alten Feindschaften wieder neu aufgelegt.

Als wahre Fans haben sie nicht irgendwelche Schauspieler angefragt, sondern sie wollten unbedingt die Original-Schauspieler aus Karate Kid, also William Zabka und Ralph Macchio. Und die haben sie auch bekommen! Und nicht nur das. Im Laufe der beiden Staffeln tauchen noch einige der Original-Karate-Kid-Darsteller auf - zu viel wollen wir jetzt nicht verraten.

Die Kampfsport-Fähigkeiten der Stars

Die Stars, die in der Netflix-Serie mitspielen, müssen Sportlichkeit und Lernbereitschaft mitbringen, um den körperlich fordernden Mix aus dynamischen Stunts und einstudierten Choreographien zu bewältigen. In den Cobra-Kai-Reihen halten sich überraschend wenige wirklich geübte Karate-Kämpfer*innen auf. Die tatsächlichen Kampfsport-Vorkenntnisse schwanken im Ensemble aber beträchtlich.

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Die Kampfszenen in Cobra Kai bauen also auf ein solides Fundament aus Lernbereitschaft, vereinzelten Top-Fähigkeiten und allgemeiner Körperbeherrschung.

Hier eine Übersicht über die Karate-Vorkenntnisse der Schauspieler:

Schauspieler Rolle Karate-Vorkenntnisse (Mr. Miyagi-Punkte) Kampfsport-Training vor/während Cobra Kai
Jacob Bertrand Hawk - Begann mit 8 Jahren Karate-Training, bis zum violetten Gürtel. Unterbrach für andere Griffkampfarten und Skateboard. Inzwischen Ultimate Fighting.
Xolo Maridueña Miguel Diaz 2/10 Zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr. Nach einer Unterbrechung begann er mit Muay Thai.
Mary Mouser Sam LaRusso 1/10 Unsportlich bis Cobra Kai. Jetzt fleißigste Karate-Schülerin.
Peyton List Tory Nichols 1/10 Vollkommen unbeleckt in Sachen Kampfsport.
William Zabka Johnny Lawrence 8/10 Sportlich vor Cobra Kai, aber keine Kampfsporterfahrung. Trainierte nach Karate Kid weiter, gezwungenermaßen für Rollen.
Thomas Ian Griffith Terry Silver 9/10 Begann jung mit Karate, war sein Sport in der High School. Beibehaltung von Teilen des Trainings sein ganzes Leben.
Martin Kove John Kreese - Verfolgt privat Martial-Arts-Leidenschaften. Geübt in verschiedenen Kampfkunst-Stilen, darunter Shihan Tak Kobota, Kendo und Tae Kwon Do. Schwarzen Gürtel in Okinawa-te.

William Zabka war zwar sportlich vor Cobra Kai, hatte aber keine Kampfsporterfahrung. Die Karate Kid-Filme waren sowas wie eine Erweckung. Zabka trainierte weiter, gezwungenermaßen. Denn er wurde häufig für Kampfsport-Rollen gecastet.

Wie sich Kove während der Dreharbeiten fit hält ist nicht bekannt, aber er versammelt das wohl größte Kampfkunst-Portfolio in sich. John Kreese ist der Veteran der Karate Kid-Welt. Schauspieler Martin Kove verfolgt Berichten zufolge auch privat Martial-Arts-Leidenschaften, wobei er seine Fähigkeiten vornehmlich beruflich in Filmen und Serien ausübt.

Griffith erklärt The Wrap vor seiner Rückkehr seine Karate-Erfahrung: "Ich habe jung angefangen zu trainieren, [Karate] war mein Sport in der High School. Ich habe Teile des Trainings mein ganzes Leben beibehalten. [...] Es war immer da."

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Die japanische Kampfkunst Karate

Sensei Johnny Lawrence (William Zabka) unterrichtet in der Netflix-Serie "Cobra Kai" den japanischen Kampfsport Karate.

Gegründet wurde das Cobra-Kai-Dojo im "Karate Kid"-Universum in Kalifornien von Sensei John Kreese (Martin Kove). Seinen Stil hat er nach dem Training von Kim Sun-Yung (C.S.

Kreese unterrichtet der National Karate & Kobudo Federation zufolge einen Mix aus Shotokan-Karate und Tang Soo Do. Oft als koreanisches Karate bezeichnet, ist Tang Soo Do eine Kampfsportart, die sich nur geringfügig von Taekwondo unterscheidet.

Während der Karate-Stil von Cobra Kai dem koreanischen Tang Soo Do entsprungen ist, unterrichtet Daniel (Ralph Macchio) einen traditionell japanischen Stil, den er von seinem Meister Mr. Miyagi (Pat Morita) gelernt hat. Der Goju-Ryu-Stil enthält viele Elemente des chinesischen Boxens des 17. bis 19. Jahrhunderts.

Der falsche japanische Kampfschrei in Cobra Kai

Seit Jahren brüllen die Cobra Kai-Charaktere ein japanisches Wort, das auf einem peinlichen Übersetzungsfehler basiert, der seit dem Film Karate Kid besteht.

Die Rede ist von Kampfschrei "Aitsu!". Cobra Kai wiederholt seit 6 Staffeln den falschen japanischen Kampfschrei.

Erstmals zu hören ist Aitsu! beziehungsweise Aits! (weil U ein oft nicht mitgesprochener Schwundvokal im Japanischen ist) im allerersten Karate Kid-Film von 1984, wenn Daniel-san (Ralph Macchio) zu John Kreese (Martin Kove) ins Dojo kommt.

Kurzgesagt: Jemand hat vor vier Dekaden beim Transkribieren des japanischen あいっ einen Fehler gemacht und es als あいつ gelesen. Seht ihr, dass die letzte Silbe (tsu) im ersten Beispiel kleiner dasteht als im zweiten Fall? Das liegt daran, dass es eben nicht die Silbe tsu ist, sondern ein ähnlich aussehender Konsonanten-Doppler oder Eillaut, der am Ende eines japanischen Wortes einen harschen Abbruch andeuten kann.

Der vollständige Kampfkunstschrei, der in anderen Disziplinen wie Kendo und Aikido ebenfalls vorkommt, lautet übrigens Kiai!

Was die Angelegenheit noch viel ulkiger macht, ist die Tatsache, dass es aitsu natürlich auch als japanisches Wort gibt. Es heißt übersetzt so etwas wie "der/die da", oder etwas abfällig "dieser Kerl da". Ein Karate-Training in Cobra Kai klingt also ein bisschen so, als würde der Sensei auf japanisch den Deutsch-Rap-Hit Die da!?! von der Gruppe Die fantastischen Vier rezitieren.