Die Welt der chinesischen Kampfkünste ist faszinierend und vielfältig. Wer an China und die Kampfkunst denkt, dem kommen vermutlich die stark inszenierten Kampfkunstfilme von Bruce Lee, Jackie Chan, Jet Li oder Donnie Yen in den Sinn. Diese Schauspieler stellen in ihren Filmen Kämpfer mit überragenden Fähigkeiten dar. Auch wenn die filmische Darstellung teilweise übertrieben erscheint, so steckt doch ein Funken Wahrheit in allen diesen Martial-Arts-Filmen: Das Training der Kampfkunst kann zu besonderen Fähigkeiten führen.
Die verschiedenen Kampfsportarten haben fast alle ihren Ursprung in Fernost und sind von den Shaolin Mönchen geprägt worden, sie reichen von knallharter Selbstverteidigung bis hin zu sanfter, weicher Kampfkunst. Nahezu alle Kampfsportarten verbinden mit dem Training der Kampftechniken auch eine Philosophie. Sie stärken das Selbstbewusstsein, die Disziplin und die Selbstbeherrschung des Kämpfers.
Das Shaolin-Kloster: Ursprung der Kampfkünste
Habt ihr euch schon einmal gefragt, wo und wie die beeindruckende Kampfkunst des Shaolin Kung Fu entstanden ist? Vielleicht habt ihr sogar schon von der mystischen Geschichte des Shaolin-Klosters gehört, aber wisst ihr auch, welche tiefgreifenden Veränderungen diese Kampfkunst im Laufe der Jahrhunderte durchgemacht hat? Das Shaolin-Kloster, auch Shaolin-Tempel genannt, liegt am Fuße des Berges Songshan in der chinesischen Provinz Henan.
Die Geschichte des Shaolin-Klosters reicht bis ins 5. Jahrhundert zurück. Es wurde 495 n. Chr. während der Nordwei-Dynastie von Kaiser Xiaowen gegründet, um den indischen Mönch Batuo aufzunehmen. Bodhidharma, auch bekannt als Da Mo, kam im 6. Jahrhundert in das Kloster und stellte fest, dass die Mönche körperlich zu schwach waren, um lange Meditationen durchzuführen. Im Laufe der Zeit entwickelten die Mönche diese Übungen zu einem effektiven Selbstverteidigungssystem weiter. Dies war notwendig, da das Kloster häufig Ziel von Angriffen war.
Eine der bekanntesten Persönlichkeiten, die mit dem Shaolin-Kloster in Verbindung gebracht werden, ist der Mönch Jue Yuan aus dem 13. Jahrhundert. Im Laufe der Jahrhunderte hat Shaolin Kung Fu viele Veränderungen und Einflüsse erfahren. Besondere Bedeutung erlangte das Shaolin-Kloster während der Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.), als 13 Shaolin-Mönche halfen, den späteren Kaiser Li Shimin zu retten. Als Dank für ihre Hilfe erhielt das Kloster besondere Privilegien und wurde zum königlichen Tempel erklärt.
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In der Ming-Dynastie (1368-1644 n. Chr.) wurde das Shaolin Kung Fu weiter verfeinert und systematisiert. Neue Waffen wurden eingeführt und die Kampfkunst wurde in nördliche und südliche Stile unterteilt. Im Laufe der Geschichte wurde das Shaolin-Kloster mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Das heutige Shaolin-Kloster ist eine Rekonstruktion aus der Qing-Dynastie (1644-1912).
Trotz der vielen Herausforderungen und Veränderungen ist das Shaolin-Kloster bis heute ein aktiver Ort für das Training von Shaolin Kung Fu und zieht Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Welt an.
Die Kampfkunst der Shaolin
Das Shaolin Wushu ist der Ursprung aller asiatischen Kampfkünste. Grundtechniken des Shaolin Kung Fu umfassen eine Vielzahl von Schlägen, Tritten, Würfen, Hebeln und Würgegriffen. Es gibt auch eine Reihe von Waffen, die im Training verwendet werden, darunter Stöcke, Schwerter, Säbel und Speere. Die Techniken sind oft nach Tieren benannt und ahmen deren Bewegungen nach.
Die Shaolin benötigen kein Fitnesscenter oder Fitnessstudio, um ihre Ausdauer und körperliche Fitness zu trainieren. Bei richtiger Ausübung haben die Shaolin Kung Fu Kampfmönche also eine ideale Möglichkeit zur Verbesserung Ihrer Fitness entwickelt. Eine gute körperliche Fitness wird durch besondere Trainingsmethoden der Shaolin Mönche erreicht.
Im Kloster erlernen die Shaolin Mönche die Meditation und Körperbeherrschung. Durch Meditation finden die Mönche ihr inneres Gleichgewicht. Die geistige Einstellung der Shaolin ist angepasst an ihre Lebensart. Die Legende besagt, dass die Shaolin unbesiegbar sind.
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Philosophie und Lebensweise
Die Philosophie des Shaolin Kung Fu ist tief im Buddhismus verwurzelt. Es geht darum, Körper und Geist in Einklang zu bringen und durch hartes Training und Hingabe Perfektion zu erreichen. Das Leben eines Shaolin-Mönchs ist geprägt von Disziplin, Hingabe und Askese. Die Mönche folgen einem strengen Tagesablauf, der aus Meditation, Training und Studium besteht.
Gemeinsam ist allen Kampfsport-Stilrichtungen das Bestreben, Körper und Geist in einem harmonischen Ganzen zu vereinigen, einen Ausgleich zwischen den polarisierenden Kräften des Yin und Yang zu schaffen.
Verschiedene Kampfsportarten und ihre Ursprünge
Viele Kampfsportarten haben ihren Ursprung in den Lehren und Praktiken des Shaolin-Klosters. Hier sind einige Beispiele:
- Wing Chun: Ist eine direkt vom Shaolin Kung Fu abgeleitete Kampfkunst. Nach der Zerstörung des Shaolin-Klosters durch die Mandchu-Regierung flüchtete u.a. die Nonne Ng Mui in den Weißen Kranich-Tempel am Tai Leung-Berg. Dort entwickelte Ng Mui eine neue Kampfkunst, die es auch einen schwächeren Menschen ermöglicht, einen körperlich überlegenen und in klassischen Kampfkünsten Trainierten, zu besiegen. Im Wing Tsung nimmt der Angegriffene die Energie des Angreifers auf, gibt nach, weicht aus, um dann mit reflexartigen Vorstößen, an den Gegner heranzukommen. Namensgeberin dieser Kampfkunst ist eine der ersten Schülerinnen von Ng Mui.
- Karate: Ist ursprünglich eine Selbstverteidigungstechnik, die in Japan entwickelt worden ist. Bei Karate werden die Gliedmaßen des Körpers, zu natürlichen Waffen ausgebildet. Karate besteht aus Abwehr-, Schlag-, Stoß- und Tritttechniken, Würfen, Hebel und Fesselgriffen, die gegen die empfindlichen Körperstellen des Gegners, ausgeführt werden. Karate ist die Kunst der Vielseitigkeit, der Harmonie von Körper und Geist, des unterbewußten Reagierens, deren Sinn darin besteht, mit waffenlosen Händen zu siegen.
- Taekwondo: Ist eine koreanische Zweikampfsportart auf der Basis von Fuß (Tae) und Handtechniken (Kwon).
- Tai Chi Chuan: (oder Tai Chi Chuan) heißt übersetzt „chinesisches Schattenboxen“, ist eine meditative Bewegungskunst. In einer traditionellen Abfolge werden sanfte und weich fließende Körperübungen, im Zeitlupentempo ausgeführt, die der altchinesischen Kampfkunst nachempfunden sind. Ursprünglich entstammt Tai Chi der chinesischen Heilkunde und trainiert den Fluss der körpereigenen Lebensenergie, dem Chi.
- Kendo: Kendo, ist die traditionelle Kriegskunst der japanischen Samurai, ursprünglich mit Schwertern und ohne Schutzpanzer ausgeführt. „Ken“ bedeutet Schwert und „Do“ Weg.
- Aikido: Defensive japanische Kampfkunst, die am Anfang des 20. Jahrhunderts von Großmeister Morihei Ueshiba ins Leben gerufen wurde. Philosophie und Techniken des Aikido basieren auf der Erkenntnis, dass eine Konfrontation meist zu Gunsten des physisch Stärkeren endet.
- Boxen: Der Ursprung des modernen Faustkampfs liegt in England. In einem Boxkampf werden nur Schläge mit der geschlossenen Faust ausgeführt. Die Benutzung anderer Körperteile ist laut Regelwerk nicht erlaubt.
- Judo: (sanfter Weg) wurde von dem Japaner Kano Mitte des 19. Jahrhunderts begründet und dient vorwiegend der Selbstverteidigung. Wurf-, Halte- und Würgetechniken dominieren.
Die Bedeutung von Yin und Yang
Yin und Yang bezeichnen die Gegensätze der Kräfte, die Pole in einem funktionierenden System und haben viele verschiedene Bedeutungen. Gemeinsam ist allen Kampfsport-Stilrichtungen das Bestreben, Körper und Geist in einem harmonischen Ganzen zu vereinigen, einen Ausgleich zwischen den polarisierenden Kräften des Yin und Yang zu schaffen.
Training und Wettkämpfe
Ein typisches Shaolin-Training ist eine Mischung aus körperlicher Ertüchtigung, Techniktraining und Formenübungen. Es kann auch Meditation und das Studium der buddhistischen Philosophie beinhalten.
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Es gibt auch Wettkämpfe im Shaolin Kung Fu. Diese Wettkämpfe sind sowohl eine Möglichkeit, die Fähigkeiten der Kämpferinnen und Kämpfer zu testen, als auch eine Gelegenheit, die Kunst des Shaolin Kung Fu zu demonstrieren und zu fördern.
Verbreitung und Anerkennung
In China ist Shaolin Kung Fu nach wie vor eine hoch angesehene und weit verbreitete Kampfkunst. Sie wird in zahlreichen Schulen und Institutionen im ganzen Land unterrichtet, darunter auch im ursprünglichen Shaolin-Kloster in der Provinz Henan. Auch weltweit hat Shaolin Kung Fu eine große Anhängerschaft gefunden.
Es gibt viele Möglichkeiten Shaolin Kung Fu zu lernen:
- Online Training: Dank der Digitalisierung ist es möglich, Shaolin Kung Fu von überall auf der Welt zu lernen.
- Training im Verein: In vielen Städten der Welt gibt es Shaolin-Vereine und -Schulen, die regelmäßig Kurse anbieten.
- Training im Shaolin-Tempel: Es ist nach wie vor möglich, im Shaolin-Tempel zu trainieren. Der Tempel und seine angeschlossenen Schulen nehmen Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Welt auf.
Vor- und Nachteile des Kampfsports
Fast jede Kampfsportart beansprucht den gesamten Bewegungsapparat und damit Ausdauer, Schnellkraft, Beweglichkeit, Reflexstimulation und Koordination. Einziger Nachteil des Kampfsports: je nach Kampfsportart ist das Risiko von Verletzungen recht hoch.
Die Entwicklung der chinesischen Kampfkünste
Die philosophischen und religiösen Weltanschauungen, die das damalige China geprägt haben, haben der Kampfkunst über ihre praktische Funktion hinaus eine metaphysische Ebene verliehen. Die Kampfkunst dient somit nicht nur der Selbstverteidigung und der Körperkultur, sondern kann auch eine spirituelle Entwicklung einschließen.
Das Feld der chinesischen Kampfkunst ist ein sehr großes. Und eine Klassifizierung der einzelnen Stile ist nicht immer möglich. Das liegt zum einen an der Vielzahl der Stile; zum anderen geht es auch auf die Entwicklungen innerhalb der jeweiligen Stile zurück.
Gegenwärtig wird von chinesischen Kampfkünsten in drei unterschiedlichen Paradigmen gesprochen: Neben den Begriffen „Wushu“ und „Kung Fu“ werden auch die Begriffe „Innere Kampfkünste“ und „Äußere Kampfkünste“ verwendet.
Der Begriff „Kung Fu“ (oder „Gongfu“ bzw. Gung Fu“) wird im Westen meist benutzt, um chinesische Kampfkünste zu bezeichnen. So spricht man vom Shaolin-Kung Fu oder vom Wing Tsun-Kung Fu. Allerdings ist der Begriff wesentlich weiter zu fassen, berücksichtigt man seinen Ursprung in der chinesischen Sprache. Übersetzt bedeutet „Kung Fu“ nämlich so viel wie „Etwas durch harte Arbeit Erreichtes“ oder „Etwas durch geduldige Arbeit Erreichtes“. Damit wird der Grad einer bestimmten Fertigkeit bezeichnet, der sich durch harte Arbeit ergeben hat. Es spielt keine Rolle, in welchen Bereichen sich die Fertigkeit entwickelt hat. Das heißt, dass jeder, der in irgendeiner Sache gute Fertigkeiten besitzt, Kung Fu beherrscht. Somit ist die Bezeichnung für Kampfkunststile sicher nicht gänzlich falsch.
Das Wort „Wushu“ kommt der Bezeichnung für die Kampfkünste sehr nah, denn es bedeutet übersetzt „Kriegskunst“. Hierbei muss allerdings wieder differenziert werden, denn seit den 1950er Jahren wird in China mit diesem Begriff ein System traditioneller Kampfkünste bezeichnet, die in ein modernes System integriert worden und um wichtige Aspekte verkürzt worden. Der Aspekt der Selbstverteidigung trat in den Hintergrund und publikumswirksame Elemente, wie Akrobatik und dynamische Bewegungen, traten in den Vordergrund. 1959 wurde dieses Wushu von der chinesischen Regierung offiziell anerkannt. In diesem Rahmen wird auch vom modernen Wushu gesprochen. Wenn man die chinesische Kampfkunst im Allgemeinen benennen möchte, dann ist der Begriff „Wushu“ nicht verkehrt.
Die chinesischen Kampfkünste können anhand ihrer Merkmale in die Kategorien „Innere Kampfkunst“ und „Äußere Kampfkunst“ gegliedert werden. Diese Unterteilung ist allerdings umstritten, da sowohl sogenannte „äußere“ Stile ebenso Merkmale der „inneren“ Stile aufweisen, wie „innere“ Stile auch „äußere“ Merkmale besitzen. Hinzu kommen noch zwei weitere Bestimmungsmerkmale. Ein weiterer Versuch der Kategorisierung ist das Einteilen der chinesischen Kampfkunst in nördliche und südliche Stile. Diese Unterteilung ist - genau wie die Differenzierung zwischen Innen und Außen - nicht haltbar, da die einzelnen Stile zu komplex sind, als dass sie einer Einteilung in ein Schwarz-Weiß-Schema standhalten würden.
Nordchinesische Stile sind durch weite Bewegungen, Sprünge, hohe Tritte und schnelle Läufe gekennzeichnet - außerdem durch eher harte Techniken. Die südlichen Stile zeichnen sich durch kurze und explosive Bewegungen sowie durch tiefe und stabile Stände aus. Die Technik der südlichen Stile gilt als weich. Es gibt nur wenig Lauf- und Sprungbewegungen.
Waffen in der chinesischen Kampfkunst
Innerhalb der chinesischen Kampfkunst existiert eine Vielzahl an Waffen. In der modernen Zeit wird nicht nur mit den traditionellen Waffen geübt, sondern auch mit neueren Waffen und mit Alltagsgegenständen, die der Selbstverteidigung dienen können. Häufig werden die Kampfkünste mit Schwert, Säbel, Fächer, Langstock und Hellebarde geübt. Hinzu kommen noch der Dreistock, der Kurzstock, der Speer, die Peitsche, das Nunchaku und Wurfpfeile. Weitere Waffen, die aber eher selten verwendet werden, sind Hakenschwerter, ein Seil mit Pfeilspitze, die Mondzahnschaufel und der Meteorhammer. Das Training mit Waffen setzt eine gute Körperbeherrschung voraus, um gefahrlos zu üben.
Historische Entwicklung
Weil die chinesische Kampfkunst schon zu früheren Zeiten nicht nur der Selbstverteidigung gedient hat, sondern auch gesundheitliche und spirituelle Aspekte eine Rolle gespielt haben, lässt sich ein Indiz für die Anfänge der Kampfkunst in der Zeit des Kaisers Huangdi im 3. Jahrhundert v. Chr. finden. Zu dieser Zeit wurden dem chinesischen Volk „Tänze“ zur Gesunderhaltung verordnet. Weiterhin hat in dieser Zeit die alte Ringkampfkunst „Juedi“ existiert.
Weil man in der traditionellen chinesischen Sicht glaubt, dass gezielte Bewegungen heilend wirken und die Lebenskraft stärken können, wurden heilgymnastische Bewegungssysteme sowie Atemübungen entwickelt. Eines dieser Systeme geht auf den Arzt Hua To (190-265) zurück. Ca. 520 kam der indische Wandermönch Bodhidharma nach China. Er zog in das Shaolin-Kloster in der Provinz Honan ein. Dort lehrte er die Mönche körperliche Übungen, um der Müdigkeit bei langen Meditationen vorzubeugen. Weil die Zeiten unsicher waren und sich die Mönche verteidigen mussten, wurden auch Kampftechniken geübt. Damit hat sich die Idee der Gesundhaltung mit der Idee der Selbstverteidigung verbunden.
Im Shaolin-Kloster wurden die Kampftechniken und Kampfprinzipien weiter entwickelt. Das Kloster geriet mehrfach in chinesische Machtkämpfe, gewann an Einfluss, wurde gebrandschatzt und schließlich komplett zerstört. Die geflohenen Mönche sollen die chinesischen Geheimbünde (Triade) gegründet haben und ihr Wissen über die Kampfkunst geheim weitergegeben haben.
Die Jahre 960, 1247 und 1279 werden als die Geburtsjahre von Zhan San Feng angegeben. Er gilt als legendäre Gestalt in China und wird als Begründer der taoistisch geprägten Kampfkünste angesehen. Der Sage nach war Zhan San Feng ein Mönch, der in den Wudang-Bergen gelebt hat und eines Tages den Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange beobachtet haben soll. Der Schlange gelang es, den harten und gezielten Stößen des Kranichs immer wieder auszuweichen, so dass der Kranich schließlich erschöpft den Kampf beenden musste. Davon beeindruckt, hat Zhan San Feng ein Kampfsystem entwickelt, welches auf Nachgiebigkeit und weichen Bewegungen beruht.
Eine andere Legende erzählt, wie Zhan San Feng als alter Mann in ein Wudang-Kloster gezogen sein soll und sich der inneren Alchemie zu widmen. Von den beiden Ursprungserzählungen unabhängig, hat sich in China die Kampfkunst unter vielfältigen Einflüssen entwickelt und weiter ausdifferenziert. Es gab militärische, politische, medizinische, biologische, geographische, regionalkulturelle und religiöse Einflüsse. Diese und weitere Faktoren haben dazu beigetragen, die unterschiedlichen Kampfkünste immer wieder ganz speziellen Bedingungen anzupassen.
Im Mittelalter - vermutlich aber auch schon vorher - wurden die chinesischen Stile u.a. nach Japan exportiert und verschmolzen mit den Erfahrungen, die die Japaner im Kampf gesammelt haben. So konnte sich das Okinawa-Te entwickeln. In China wurde die Kampfkunst vor allem von Soldaten und Kriegermönchen praktiziert. Darüber hinaus gab es auch Praktiker, die die Kampfkunst geheim als Familientradition geübt haben.
Erst zwischen 1920 und 1930 lässt sich eine relativ starke Verbreitung der Kampfkünste in der chinesischen Bevölkerung verzeichnen. 1928 wurde in Nanchino das Institut für das Studium der traditionellen Kampfkünste eröffnet. Eine Kommission aus etablierten Meistern der Kampfkunst hat in dieser Zeit zudem einen vereinfachten Kung-Fu-Stil entwickelt: das Lien Pu Chuan - das „Boxen zur Übung der Stellungen“. Damit wollte man den Schulkindern den Zugang zur Kampfkunst erleichtern. Weiterhin wurden die ersten sportlichen Wettkämpfe ausgetragen und auch Nicht-Asiaten in der Kampfkunst unterrichtet.
Da die starke Verbreitung der chinesischen Kampfkunst in der gesamten Welt einen enormen Kultur-Export darstellt und sowohl die Chinesen als auch die rezeptierenden Interessenten in anderen Gesellschaften und Nationen mit der Frage konfrontiert sind, wie sich damit am besten umgehen lässt, gibt es gegenwärtig viele unterschiedliche Versuche, Qualitätsstandards zu sichern, um einer „Verwässerung“ des Kulturguts vorzubeugen. Es haben sich neue Sub-Systeme, neue Hybrid-Stile, neue Wettkampfkulturen und neue Anwendungsbereiche ergeben.
Philosophische und religiöse Einflüsse
Die chinesische Kampfkunst ist in unterschiedliche philosophische und religiöse Muster eingebettet. Hierbei dominieren der Buddhismus und der Taoismus.
Klassischer Weise werden die „inneren Kampfkünste“ - vorausgesetzt man versteht darunter jene Kampfkünste, deren Ursprung im Wudang-Gebirge vermutet wird - dem Taoismus zugeordnet. Zwar gilt es als historisch wahrscheinlicher, dass die taoistischen Deutungsmuster erst später genutzt wurden, um die Prinzipien der Kampfkünste zu erläutern, so dass anzunehmen ist, dass die „inneren Kampfkünste“ schon zu früheren Zeiten praktiziert wurden und nicht in Folge taoistischer Überlegungen und Erkenntnisse erst entstanden sind.
Zu den „inneren Kampfkünsten“ werden typischerweise Tai Chi Chuan, Baguazhang und Xing Yi gezählt. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Stile, die den Anspruch erheben, eine taoistische Kampfkunst zu sein. Allen diesen Stilen ist nicht nur die Nähe zum Taoismus gemein, sondern auch eine besondere Form der Bewegungsqualität. Statt nur auf rohe Muskelkraft zu setzen, soll der Körper so entspannt und beweglich wie möglich werden, um der taoistischen Idee, Hartes mit Weichen zu besiegen, gerecht werden zu können.
Es wird zwar immer wieder die Behauptung aufgestellt, dass „äußere Kampfkünste“ mehr auf rohe Muskelkraft setzen würden, aber diese Behauptung ist nicht pauschal gültig und sollte stets am Einzelfall gemessen werden. Die Idee, Hartes mit Weichem zu besiegen, ist ein Kerngedanke, der mit dem zentralen Anliegen des Taoismus korrespondiert. Denn im Taoismus wird eine flexible Lebenseinstellung gefordert, die es möglich macht, sich stets dem Lauf der Dinge anzupassen. Statt krampfhaft den eigenen Willen durchsetzen zu wollen, wird eine heitere Gelassenheit geschult, mit der man den eigenen Willen in Einklang mit den Veränderungen der Welt bringen kann.
Diese Idee stützt auch das Konzept der „inneren Kampfkünste“, die nicht nur auf der körperlichen Ebene von der Entspannung und Ruhe ausgehen, sondern auch auf der mentalen Ebene eine Geisteshaltung abverlangen, die es möglich macht, in einem Kampf durch Anpassung und Geschmeidigkeit zu siegen. Cheng Man Ching (1901-1975), ein bekannter Tai Chi-Lehrer, sagte: „Ins Verlieren investieren.“ Mit diesem Ausspruch ist natürlich nicht die Selbstaufgabe im Sinne der Kapitulation gemeint. Er meint vielmehr das Loslassen von sämtlichen Wünschen, Bestrebungen und Zielen, damit man im Kampf im „Hier und Jetzt“ sein kann. Dies wiederum steht eng mit der Ethik des Taoismus im Zusammenhang.
Verfolgt man die obere Einteilung zwischen „inneren“ und „äußeren“ Kampfkünsten, dann gelten alle Kampfkünste als „äußere“, wenn sie unter dem Einfluss des Buddhismus stehen. Diese Einteilung ist aber nur als Orientierungshilfe gedacht, denn schon früh gab es regen Austausch zwischen den Vertretern der verschiedenen Weltanschauungen.
Auch im Buddhismus spielt die Idee, Starkes mit scheinbar Schwächerem zu besiegen, eine wichtige Rolle. Im Zen-Buddhismus, der die chinesische Kampfkunst besonders geprägt hat, geht es sehr stark um die Erfahrung von Erleuchtung. Dafür ist jedoch eine korrekte Versenkung unabdingbar. Versenkung gelingt nur durch eine entsprechende Geisteshaltung und durch einen kräftigen und entspannten Körper. Durch die Kombination von Kampfkunst und Zen kann genau dies erreicht werden. Das regelmäßige Training soll nach buddhistisch geprägter Auffassung zu einer geistigen Versenkung führen, in der der Übende einen Ich-losen Zustand erreichen kann, um die Erfahrung der Erleuchtung zu gewinnen.
Bereits in der legendären Ursprungsgeschichte wird diese Kombination von Kampfkunst und Geistesübung deutlich: Bodhidharma hat drei Ziele verfolgt, als er im Shaolin-Tempel war. Er wollte die Mönche gesund und fit halten, ein meditatives System lehren und den Aspekt der Selbstverteidigung trainieren. Außerdem ist im Buddhismus auch die Frage nach dem Umgang mit Gewalt ausschlaggebend: Darf ein buddhistischer Mönch sich für einen Kampf wappnen, wenn er unter dem Gebot des Nicht-Tötens steht?
Gerade wenn eine Kampfkunst in einen philosophischen Kontext gerückt wird, ist sie mehr als nur ein System zur Selbstverteidigung. Die chinesischen und die japanischen Kampfkünste zeichnen sich durch die Bedeutung philosophisch-religiöser Lehren besonders aus. In Japan hat sich „Bushido“ - der Weg des Kriegers - entwickelt. Und auch in den modernen westlichen Gesellschaften wird die Kampfkunst als Lebensweg angeboten, sich den Anforderungen der modernen Zeit zu stellen.
Auch wenn in unserer Zeit und in unserer Gesellschaft keine offenen Kriege stattfinden, so werden wir doch immer wieder mit Situationen konfrontiert, die uns Geduld, Selbstdisziplin, Maßhaltigkeit oder Mitgefühl abverlangen. Und diese Tugenden bzw. Geisteshaltungen werden in der Kampfkunst kultiviert. Der Anspruch des modernen Shotokan-Karate ist beispielsweise die Vervollkommnung des Charakters.
Kampfsportarten im Überblick
Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über verschiedene Kampfsportarten und ihre Charakteristika:
| Kampfsportart | Ursprung | Merkmale |
|---|---|---|
| Shaolin Kung Fu | China (Shaolin-Kloster) | Vielfältige Techniken, Waffen, Philosophie |
| Wing Chun | China | Direkt vom Shaolin Kung Fu abgeleitet, Selbstverteidigung |
| Karate | Japan | Schlag-, Stoß-, Tritttechniken, Selbstverteidigung |
| Taekwondo | Korea | Fuß- und Handtechniken |
| Tai Chi Chuan | China | Meditative Bewegungskunst |
| Kendo | Japan | Schwertkampf der Samurai |
| Aikido | Japan | Defensive Kampfkunst, Harmonie |
| Boxen | England | Faustkampf |
| Judo | Japan | Wurf-, Halte-, Würgetechniken, Selbstverteidigung |
