Capoeira: Mehr als nur ein Kampfsport

Tauche ein in die Welt von Capoeira, einer dynamischen brasilianischen Kunstform, die Tanz, Kampf und Musik vereint. Erlebe ein einzigartiges Training, das Körper und Geist stärkt und ein Gefühl von Gemeinschaft und Freiheit vermittelt. Lass dich von erfahrenen Lehrern inspirieren und lerne die faszinierende Geschichte und Techniken dieser vielseitigen Disziplin kennen.

Was ist Capoeira?

Capoeira ist eine afro-brasilianische Kampfkunst und ein immaterielles Kulturerbe. Capoeira zählt unbestritten zu den Kampfsportarten. Trotzdem kann niemand genau sagen, ob es nun mehr Tanz oder mehr Kampfsport ist. Vor allem aus den Großstädten wie Rio de Janeiro heraus hat sich dieser auch als Kampftanz bezeichnete Sport mittlerweile erfolgreich in viele Länder der Welt exportiert.

Das Besondere an Capoeira ist der Facettenreichtum. Im Training werden Kraftausdauertraining, Beweglichkeit, Akrobatik und Musik verbunden. Die artistischen Bewegungen und die rhythmische Musik faszinieren viele Menschen. Capoeira ist eine Mischung aus Kampfsport, Tanz und Musik.

Ursprung und Geschichte

Capoeira entstand während der Kolonialisierung Brasiliens durch die Portugiesen. Während der Kolonialisierung Brasiliens durch die Portugiesen wurden vermehrt Ureinwohner Afrikas von der afrikanischen Westküste aus verschleppt, um sie als Zwangsarbeiter einzusetzen und den Verlust an einheimischen Sklaven auszugleichen. Die Sklaven, die hauptsächlich aus Angola nach Brasilien auf die Zuckerrohrplantagen gebracht wurden, sahen den brasilianischen Indianern beim Capoeiraspiel zu und begannen selbst - mit Unterstützung durch die Tupi-Guarani-Indianer - Capoeira zu erlernen. Da die Sklaven keine Möglichkeit hatten, sich mit Waffen gegen ihre Herren zu wehren, und es ihnen verboten war, jegliche Form von Kampfsport auszuüben, nutzten sie Capoeira, die sie heimlich und durch musikalische Begleitung als Tanz getarnt praktizierten.

So konnten sie bei einer Entdeckung der Strafe entgehen. Um ihre Kampfrituale weiter ausführen zu können, wurden sie als eine Art Tanz getarnt, welche von den Sklavenhaltern ansatzweise geduldet wurden. Capoeira wurde dadurch zu einem Befreiungskampf und einem der faszinierendsten Aspekte der brasilianischen Kultur. Historisch gesehen ist Capoeira mit der Sklaverei auf den Zuckerrohrplantagen und dem Widerstand der versklavten Menschen verbunden.

Lesen Sie auch: Capoeira-Grundlagen für Anfänger

Im Nordosten Brasiliens entwickelte sich vor Jahrhunderten, zunächst in den Gegenden, wo sich entflohene versklavte Menschen versteckten (den quilombos), die heutige Kampfkunst Capoeira. Die Wurzeln dieser Kampfkunst liegen vermutlich in traditionellen, afrikanischen Kriegstänzen und Ritualen, welche die Versklavten aus ihrer Heimat mitbrachten. Sie übten und verbesserten ihre Kampfpraktiken als Tanz getarnt. Waren Sklavenaufseher anwesend, wurden in der Muttersprache Lieder gesungen, geklatscht und getanzt.

Aus den ehemaligen brasilianischen Siedlungen entflohener Sklaven heraus hat sich diese Kampfkunst zunächst in den Straßen der entstehenden Großstädten wie Rio de Janeiro angesiedelt. Zunächst wurde daraus mehr eine Straßenkampftechnik, mit der sich rivalisierende Gangs untereinander bekämpft haben. Je nach Gesinnung der Obrigkeiten wurden Capoeiristas vermehrt beobachtet, des Öfteren verhaftet oder gar mit Verbannung gestraft, um sie an der Ausübung ihrer Kampfkunst zu hindern und deren Verbreitung zu unterbinden. Dieses Verbot führte dazu, dass sich Capoeira vermehrt als Kampfsport im Untergrund der Großstädte wie Rio de Janeiro oder Salvador de Bahia ausgebreitet hat.

Die Roda und das Jogo

Inhaltlich spielt sich Capoeira auf drei Ebenen ab: dem Kampf, der Musikund der roda (port. „Kreis“). Die Teilnehmer - capoeiristas genannt - und die Musiker bilden die ronda um die 2 kämpfenden Teilnehmer herum. Der Begriff stammt aus dem Portugiesischen und bedeutet Kreis. Der vermeindliche Kampf nennt sich jogo, das brasilianische Wort für Spiel.

Die Philosophie eines Capoeiristas während einer Roda (jemand, der gerade Capoeira spielt) basiert auf der Balance zwischen Verteidigung und Angriff, abhängig davon, was die Spielsituation erfordert. Die Kampftechniken selbst zeichnen sich durch extreme Flexibilität aus: Es gibt viele Drehtritte, eingesprungene Tritte und Akrobatik. Vielmehr geht es darum, sich gegenseitig zu necken und durch einfallsreiche Kombinationen oder Manöver zu beeindrucken. In seiner heutigen Form geht es im Capoeira nicht darum, den Gegner direkt zu treffen und zu verletzen.

Musik und Instrumente

Begleitet wird das Jogo von Musik und Gesang, die von einem Endlosrhythmus bestimmt werden. Instrumente und Gesang gehen auf Lieder aus der Sklaverei zurück, wobei man aber stets auf Brasilianisch singt. Hauptinstrument ist der sogenannte Berimbau - ein Musikbogen, der in seiner Bauart auf diverse afrikanische Vorbilder zurück geht.

Lesen Sie auch: Entwicklung der Capoeira

Capoeira Regional und Capoeira Angola

So gab es lange Zeit keine zentrale Entwicklung, bis 1937 der Diktator G. Zentrale Figur in der darauf folgenden Verbreitung des Capoeira war der Großmeister Mestre Bimba. Er hatte eine Art Katalog entwickelt, indem er Techniken aus anderen Kampfsportarten integrierte, um eine lehrbare Methodik zu erschaffen. So entstand schließlich das Capoeira Regional. Diese Variante gilt daher als die Modernere, da sie Elemente anderer Kampfkünste und vor allem akrobatische Figuren benutzt, die das Spiel sehr dynamisch machen.

Daneben entwickelte sich eine zweite Variante unter Mestre Pastinha: das Capoeira Angola. Im Allgemeinen gilt es als die ursprünglichere Form des Capoeira. Sie geht stärker auf die afrikanischen Wurzeln zurück und hat sich vor allem um Bahia herum verbreitet. Das Spiel des Capoeira Angola mutet etwas träger an, da sich die Capoeiristas langsamer und scheinbar zielloser hin und her bewegen. Die Melodien muten auch melancholischer an als beim Capoeira Regional.

Heutzutage hat sich unter der Bezeichnung Capoeira Contempôranea eine moderne Mischform der beiden Hauptvarianten des Capoeira entwickelt. Die Regeln sind weniger streng als im Capoeira Regional, aber die Elemente sind genau so frei und akrobatisch. Das Spiel an sich orientiert sich etwas stärker am Capoeria Angola, wo das harmonische Zusammenspiel im Mittelpunkt steht.

Capoeira heute

Seit 2014 steht es auf der Liste der immateriellen Weltkulturgüter der UNESCO. So fördert die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und die Erhaltung von Kulturformen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Kampfkunst, die eine Mischung aus Musik, Tanz und Kampf vereint, legt besonderen Wert auf Akrobatik, Fitness, Beweglichkeit, Wohlbefinden, Selbstbewusstsein und Teamgeist, aber auch die kulturelle Seite und ihre historische Entstehung werden unterrichtet. In Brasilien ist Fußball der Nationalsport Nummer 1. Doch fast genauso populär ist Capoeira.

Capoeira Pau Brasil

Die Gruppe Pau Brasil wurde 1987 von Mestre Formiga in Brasilien/São Paulo gegründet. Im Juni 2004 wurde die erste Batizado der Gruppe in Deutschland durchgeführt, dabei wurde die bereits seit 5 Jahren existierende Gruppe du Balé von Mestre Formiga übernommen. Nach dessen Tot führt nun sein Bruder, Contra Mestre Ganga, diese Arbeit fort. Der Name der Gruppe entstammt von einem in Brasilien vorkommenden Baum, dem Pau Brasil (Brasil-Holz), der auch dem Land seinen Namen gegeben hat. Dieser Baum war ein edles Naturprodukt, welches bald den portugiesischen Entdeckern zum Opfer fiel. Aufgrund seiner roten Pigmentierung, welche zum Einfärben von Kleidung verwendet werden kann, wurde er tonnenweise von Sklaven im Urwald geschlagen und anschliessend auf Segelschiffen nach Europa in die Textilfärbereien exportiert.

Lesen Sie auch: Kordel-Systeme im Capoeira

Graduierung und Uniform

Wie bei allen Kampfsportarten gibt es auch bei Capoeira eine Uniform. Diese besteht aus einer weissen Hose (Abadá genannt), einem T-Shirt mit dem Logo der Capoeira-Gruppe und dem Seil. Das Seil erhält man bei der Batizado (siehe Graduierung). Gekämpft wird grundsätzlich barfuss; leichte Kampfsportschuhe sind aber möglich. Die Uniform ist für alle Schüler*innen Pflicht. Das System der Graduierung wurde von Mestre Bimba eingeführt und am 26.12.1972 durch das Ministério da Educação e Cultura und die Confederação Brasileira de Pugilismo verankert. An diesem System orientiert sich auch die Gruppe Pau Brasil.

Bei der Graduierung wird dir ein farbiges Seil um die Hüften gelegt, wobei jede Farbe einen bestimmten Grad der Ausbildung repräsentiert. Die Verleihung der Seile findet im Rahmen der sogenannten Batizado statt. Zu dieser feierlichen Gelegenheit werden andere Gruppen und andere Meisterinnen eingeladen, und es wird eine große Roda veranstaltet. Im Verlauf dieser Roda musst du mit einemeiner Meister*in spielen und dich zu Boden werfen lassen.

Die Grade im Capoeira:

  • Professor1
  • Professor2
  • Professor3
  • Contra Mestre1
  • Contra Mestre2
  • Contra Mestre3
  • Mestrando1
  • Mestrando2
  • Mestrando3