50 Jahre Karat: Eine Legende des Deutschrock feiert Jubiläum

Karat, eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands, feiert ihr 50-jähriges Bandjubiläum. Sie waren schon zu DDR-Zeiten so gefragt, dass sie regelmäßig im Westen touren durften.

Die Anfänge: Von Jazzmusikern zur Rockband

Am 21. Februar 1975 stand eine Kombo mit dem Namen "Karat" das erste Mal auf der Bühne im Kulturhaus "Otto Buchwitz" in Heidenau bei Dresden. Es waren überwiegend Jazzmusiker, die sich da zusammengetan hatten. Sie kennen sich aus dem vorherigen Projekt "Panta Rhei" in Berlin. Die ersten Probenphasen finden in einer Mühle im Elbsandsteingebirge statt.

Bernd Römer: Ein Urgestein der Band

1976 wird Bernd Römer Gitarrist bei Karat und ist es bis heute. Aus der Gründungsphase ist nur noch Gitarrist Bernd Römer Teil von Karat. Der Gitarrist ist dienstältester Musiker der Gruppe, zu der er 1976, ein Jahr nach ihrer Gründung, stieß. Bernd Römer ist dienstältester Musiker der Gruppe und seit 49 Jahren dabei.

Erste Erfolge im Westen und der Durchbruch mit "Über sieben Brücken"

1977 dürfen Karat zum ersten Mal im Westen spielen, bei einem Pressefest der West-Berliner SED in der "Neuen Welt" (heute Huxleys) in der Neuköllner Hasenheide. Im gleichen Jahr wird Herbert Dreilich fester Sänger der Band. Als das DDR-Fernsehen 1977 eine Band für den Titelsong zum Film "Über sieben Brücken musst du gehen" sucht, setzt sich Karat-Keyboarder Ed Swillms an die Komposition.

Der Titelsong zu "Über sieben Brücken musst du gehen" aber entwickelt sich zum erfolgreichen Hit - nicht nur in der DDR, sondern auch in der BRD. Für Karat und Sänger Herbert Dreilich ein Glücksfall, denn noch vor der Wende wird der Song zu einer deutsch-deutschen Hymne. Bei einem Konzert Anfang der 80er Jahre in Wiesbaden steht ein gewisser Peter Maffay an der Bühne und fragt Karat, ob er eine eigene Version von "Über sieben Brücken musst du geh'n" aufnehmen darf - auch sein Cover wird ein Hit.

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Als erste DDR-Band dürfen Karat ihre Platten in Ost und West herausbringen. Für die DDR bedeutet Karats Erfolg vor allem wertvolle Devisen, denn 80 Prozent der Einnahmen sollen in die Staatskasse geflossen sein.

Auch viele andere erfolgreiche Sänger haben die «Sieben Brücken» gecovert, etwa Heinz Rudolf Kunze, Helene Fischer, Chris de Burgh und Roland Kaiser. Karat, die mit Songs wie „Über sieben Brücken“, „Der blaue Planet“ oder „Albatros“ Klassiker schufen, war die einzige Band im Osten, die schon vor dem Mauerfall goldene Schallplatten in der Bundesrepublik gewann.

Die Zeit nach der Wende und der Verlust von Herbert Dreilich

Nach 15 Jahren Bandgeschichte zerbricht das politische System, in dem Karat aufgewachsen und vor allem erfolgreich geworden sind. Nach der friedlichen Revolution haben nicht nur sie, sondern auch viele andere erfolgreiche DDR-Bands in den folgenden Jahren Probleme, Konzerte zu füllen.

2004 müssen Karat bekanntgeben, dass ihr jahrzehntelange Sänger Herbert Dreilich Leberkrebs hat. Noch im gleichen Jahr stirbt er, nur wenige Tage nach seinem 62. Geburtstag. Das 30. Bühnenjubiläum der Band erlebt er nicht mehr mit.

Der Namensstreit und der Neuanfang mit Claudius Dreilich

Nach dem Tod von Herbert Dreilich kommt es zu einem fast schon unwürdigen Namensstreit. Karat müssen sich ab 2006 "K…!" nennen. Ohne Wissen seiner Bandkollegen hat sich Herbert Dreilich den Bandnamen 1998 schützen lassen, nach seinem Tod untersagt seine Witwe Susanne der Band die Weiternutzung mit der Argumentation, dass die Rechte an der Marke Karat ihr allein zustehen. 2007 schließlich unterliegt die Witwe vor Gericht. Karat heißt wieder Karat.

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Die Band braucht einen neuen Sänger, bei Dreilichs Sohn Claudius klingelt das Handy. Er zögert zunächst, hat vorher jahrelang erfolgreich in Moskau als Manager eines schwedischen Möbelhauses gearbeitet. Als dieser Ende 2004 einem Krebsleiden erlag, reifte die eigentlich nahe­liegende Idee unter den Karat-Musikern, dass ­Claudius Sänger der Band wird, die er schon seit frühesten Kindertagen kennt. Dabei war Herbert Dreilichs Sohn ein echter Glücksfall, denn ihm war es von ­Anfang an zu wenig, nur ein Plagiat seines ­Vaters zu sein. Natürlich, es geht darum, dem Erbe gerecht zu werden, es möglich zu machen, dass die Fans die alten Hits live ­hören können. Aber es geht auch immer darum, dass die Band sich weiterentwickelt und eben nicht zur Oldie-Kapelle mutiert.

Dreilich beschreibt die Gemeinsamkeit der neuen Songs so: «Es geht einzig und alleine um den Menschen. Um die Schattenseiten und die Sonnenseiten.» Und es gilt weiterhin: «Wir arbeiten viel mit Metaphern und zynischen Andeutungen.

Aktuelle Besetzung und das neue Album "Hohe Himmel"

Über die Jahre gibt es bei Karat immer wieder Umbesetzungen und Austritte: Zuletzt sind 2023 Heiko Jung als Schlagzeuger und Daniel Bätge als Bassist dazugekommen. Komplettiert wird die aktuelle Band von Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Schlagzeuger Heiko Jung. Die Musiker sind 49 bis 72 Jahre alt.

Zum 50. Bandjubiläum ist das neue Album "Hohe Himmel" erschienen und es folgt eine große Deutschlandtournee.

Fünf Jahrzehnte später sind sie nicht nur eine der einflussreichsten Bands aus Deutschland, sondern präsentieren mit Hohe Himmel ein brandneues Studioalbum - pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum. Die zwölf neuen Songs wurden live im Studio eingespielt - eine bewährte Methode der Band - und erscheinen nicht nur digital, sondern auch auf Vinyl.

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Musikalische Vielseitigkeit und emotionale Tiefe

Von der ersten bis zur letzten Note zeigt sich Hohe Himmel als vielseitiges Werk. Dabei bleiben die typischen Karat-Elemente stets präsent: Bernd Römers Gitarrensoli, Beckers einprägsame Synthesizer-Melodien sowie das dynamische Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug.

Ein Highlight des Albums ist die Zusammenarbeit mit dem legendären Musiker und Songschreiber Hansi Biebl. Ebenso beeindruckend ist die Rückkehr von Werner Karma als Texter für drei Songs - der Mann, der Karat mit seiner poetischen Sprache in der Vergangenheit bereits große Klassiker geschenkt hat. Seine Texte sind gewohnt eindringlich und spiegeln die Tiefe wider, die Karat seit jeher auszeichnet.

Ein Gänsehaut-Moment zum Schluss

Besonders bewegend ist das abschließende Stück Der Mensch, geschrieben von Claudius Dreilich. Es knüpft thematisch an den Karat-Klassiker Der blaue Planet an, in dem sein Vater Herbert Dreilich bereits 1982 die Bedrohung unseres Planeten besang. Heute, über 40 Jahre später, verleiht sein Sohn dieser Botschaft neue Aktualität: „Diese Welt braucht keinen neuen Gott zum Beten. / Denn diese Erde, sie ist krank.“

Mit „Hohe Himmel“ beweisen Karat, dass sie auch ein halbes Jahrhundert nach ihrer Gründung nichts von ihrer Schaffenskraft eingebüßt haben.

Die Bedeutung von Karat im vereinten Deutschland

Als Karat 15 Jahre alt ist, verschwindet die DDR. Im Jahr 2025 sind es 35 Karriere-Jahre im vereinten Deutschland. Noch immer werden die Berliner als DDR-Band oder Ost-Band bezeichnet. Dreilich hat sich darüber schon viele Gedanken gemacht und ist zum Schluss gekommen: «Es lässt sich nicht wegreden. Ich empfinde es als Güte-Siegel.» Musik von Bands mit DDR-Wurzeln sei ein richtiges eigenes Genre geworden. Alle großen Karat-Hits entstanden vor dem Mauerfall.

Vielleicht sollte man sich besser freuen, dass Karat alle Höhen und Tiefen überlebte, dass die Band nicht in die Bedeutungslosigkeit abdriftete, dass sie auch heute noch ihre Konzerte ausverkauft, neue Titel komponiert und neue Alben aufnimmt. Und dass sie jetzt ein rundes Jubiläum ­feiert: 50 Jahre Karat!

Bernd Römer im Gespräch

Karat, die Edelsteine des Deutschrocks, glänzen, glitzern und funkeln seit fünfzig Jahren. Auf ihrer Jubiläumstournee machten sie in der FILharmonie Filderstadt Station. Der Banater Journalist Helmut Heimann traf vor dem Konzert Bernd Römer (72) zum folgenden Gespräch.

Eine oppositionelle Band wollte Karat nie sein, doch "ganz unpolitisch ist man ja nie. Und wir haben ja solche Werke wie 'Albatros', wo ganz klar ausgedrückt wird, dass man sich in Ketten gefesselt fühlt und in die Freiheit möchte", sagt Gitarrist Bernd Römer. Sänger Claudius Dreilich ergänzt: "Es ist natürlich so, dass wir uns überhaupt nicht als politische Band verstehen. Das ist ganz klar. Aber wo fängt Politik an und wo hört sie auf? Wir sehen ja auch Probleme, Missstände, Sachen, die uns stören oder die uns gefallen.

Ich weiß gar nicht, wem ich dafür danken kann, dass mich fünfzig und wesentlich mehr Jahre diese Musik, praktisch mein ganzes Leben lang, begleitet hat, die mich mit dreizehn Jahren irgendwann mal angezündet hat, als ich Fan wurde durch die Beatles, Rolling Stones und alles, was so Mitte der 1960er-Jahre zu uns rüberkam über die Mauer.

Die Tour zum 50-jährigen Jubiläum

50 Jahre Karat, das heißt auch: Es gibt ein neues Album samt ausgiebiger Jubiläumstour. Bis Dezember sind bundesweit knapp 60 Konzerte terminiert - unter anderem in der Hamburger Elbphilharmonie und der Dortmunder Westfalenhalle. Am 22. Februar, dem Band-Geburtstag, erscheint das neue Album «Hohe Himmel».

Karat gibt live und open air am Waschhaus Potsdam am 08. Juni (Sonntag) um 20 Uhr ein Konzert.

Wichtige Ereignisse in der Geschichte von Karat
Jahr Ereignis
1975 Erstes Konzert in Heidenau
1976 Bernd Römer wird Gitarrist
1977 Erster Auftritt im Westen
1978 Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival Dresden mit "Über sieben Brücken musst du gehn"
1979 Erste DDR-Band, die Platten in Ost und West veröffentlichen darf
2004 Herbert Dreilich stirbt an Krebs
2006 Band nennt sich "K…!" aufgrund eines Namensstreits
2024 50-jähriges Jubiläum und Veröffentlichung des Albums "Hohe Himmel"