Der Judogürtel, auch Judo-Obi genannt, ist ein wichtiger Bestandteil der Judo-Ausrüstung. Auf dieser Seite werden die wesentlichen Aspekte des Graduierungssystems im Judo für Interessenten und Eltern erläutert. Ferner werden die Basics, also die Eckdaten der Gürtelprüfungssystematik, erklärt.
Entstehungsgeschichte des Judogürtels
Die Entstehung des Judogürtels geht zurück auf den Begründer des Judo, Jigoro Kano (1860-1938). Die Geschichte des Judogürtels reicht zurück bis ins Jahr 1883, als Jigoro Kano das System der Farbkodierung einführte, um den Fortschritt der Schüler zu markieren.
In den Anfangsjahren des Judo gab es nur zwei Gürtelfarben: Weiß für Anfänger und Schwarz für Fortgeschrittene. Bereits kurz nach Kodokan-Gründung nahm Kano eine Unterscheidung in Nicht-Graduierte (Mudansha) und Graduierte (Yudansha) vor. Die weitere Unterteilung der Mudansha in Kyu-Grade wurde erst später vorgenommen.
In den 1930er Jahren wurde das Farbsystem, das heute noch verwendet wird, eingeführt. Zunächst gab es nur die Farben Gelb, Orange, Grün, Blau, Braun und Schwarz. Am Anfang waren die Dan-Grade.
Die Farben als Zeichen: Erst drei bis vier Jahre nach der Etablierung des Graduierungssystems, also 1886/87, begannen die Dan-Träger im Kodokan schwarze Gürtel als Zeichen für ihre Graduierung zu tragen. Farbige Gürtel zur Unterscheidung der Kyu-Grade wurden später schrittweise eingeführt.
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Das Kodokan-Judo hat dieses System im 19. Jahrhundert erstmalig verwendet. Vorher gab es kein Graduierungssystem nach Gürtelfarben in den Kampfkünsten aus Okinawa und Japan.
Bedeutung der Farben
Im Judo gibt es sechs Hauptfarben für den Gürtel, die jeweils einen bestimmten Rang oder Grad darstellen. Die Gürtelfarbe gibt die Graduierung des Judokas wieder, sagt also etwas darüber aus, wie viele erfolgreiche Gürtelprüfungen abgelegt worden sind. Dies dient den Trainern bei Zuordnung zu Übungsgruppen und Zuweisung von Aufgaben, die dem Entwicklungsstand gerecht wurden.
Die Reihenfolge der Farben ist in der Regel wie folgt: Weiß, Gelb, Orange, Grün, Blau, Braun und Schwarz. Es gibt auch eine Zwischenstufe zwischen Braun und Schwarz, die als Dan-Grad bezeichnet wird.
Ursprünglich gab es nur zwei Farben: Weiß für Anfänger und Schwarz für Meister. Heute gibt es insgesamt neun Gürtelfarben im Judo, beginnend mit Weiß für Anfänger und endend mit Schwarz für Meister. Der Weißgurt wird von Anfängern getragen und symbolisiert Reinheit und Unschuld. Der Gelbgurt steht für die Erde, die Grundlage des Judo. Orange repräsentiert die aufgehende Sonne, während der Grün-Gurt das Wachstum des Schülers im Judo symbolisiert.
Ab dem 1. Kyu, dem braunen Gürtel, wird der Schüler als fortgeschritten angesehen und nähert sich dem Schwarzgurt.
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Die Bedeutung der Farben variiert je nach Land und Verband. In Japan sind die Farben Weiß, Gelb, Orange, Grün, Blau, Braun und Schwarz gebräuchlich. Weiß steht dabei für den Anfängergrad, Schwarz für den höchsten Grad. In Europa und Amerika werden zusätzlich noch Zwischenstufen wie z.B. Der 2. Kyu ist der blau-weiße Gürtel und der 1.
Die Kyu-Grade im Detail
- Weiß-gelber Gürtel: Er symbolisiert das erste Stadium der körperlichen und geistigen Entwicklung im Judo. Der Schüler lernt in dieser Phase, grundlegende Techniken wie Würfe und Haltegriffe, um erfolgreich im Training zu sein.
- Gelber Gürtel: Er hat gezeigt, dass er Disziplin, Engagement und Ausdauer hat, um erfolgreich im Training zu sein.
- Gelb-orangener Gürtel: Er hat die grundlegenden Techniken gemeistert und kann sie in unterschiedlichen Situationen anwenden.
- Orangener Gürtel: Er hat seine Fähigkeiten und seine Techniken verbessert und kann sie in einem Kampf erfolgreich einsetzen.
- Orange-grüner Gürtel: Er hat seine Techniken perfektioniert und kann sie effektiv im Training und im Wettkampf anwenden.
- Grüner Gürtel: Er hat die Fähigkeit, komplexe Techniken auszuführen und kann sie in einem Kampf effektiv einsetzen.
- Blauer Gürtel: Er hat gezeigt, dass er ein hohes Maß an Technik, Wissen und Erfahrung besitzt.
- Brauner Gürtel (1. Kyu): Im Vergleich zum Schwarzgurt gibt es jedoch immer noch Bereiche, an denen Judoka auf diesem Niveau arbeiten können, um ihre Fähigkeiten zu verbessern. Die Technik auf dem 1. Kyu-Niveau anspruchsvoll und komplex sein kann, ist es auch wichtig, ein Verständnis für die Philosophie und Ethik des Judo zu haben.
Der Dan-Grad
Der schwarze Gürtel (auch bekannt als Dan-Grad) ist der höchste erreichbare Rang im Judo. Ein schwarzer Gürtel im Judo zeigt, dass der Träger ein Meister seines Handwerks ist und eine tiefe Verbindung zur Philosophie des Judo hat. Er muss durch harte Arbeit, Ausdauer, Disziplin und Demut verdient werden. Der schwarze Gürtel ist ein Symbol für Exzellenz und ein Zeichen für eine unerschütterliche Hingabe an das Judo.
Die Judo-Gürtelprüfung
Die Judo-Gürtelprüfung ist, wie ihr Name schon sagt, eine Prüfung. Im Rahmen der Prüfung wird nach vom Deutschen Judo-Bund (DJB) festgelegten Kriterien überprüft, ob das Prüfungsprogramm für die begehrte Graduierung in angemessenen Maß beherrscht wird. Die Prüfung ist also keine Formalie und kein Selbstläufer. Der Verein und die Trainer bereiten die Prüflinge darauf vor.
Jeder sollte den Gürtel erwerben, der dem Stand seines Judowissens und -könnens tatsächlich entspricht. Übermäßige Eile (bei beschränktem Trainingseinsatz) ist genauso wenig zweckmäßig, wie die Weigerung eine Prüfung anzutreten, um der Beste seiner Graduierung zu sein.
Eine Prüfung zum 1. Dan (Schwarz) ist grundsätzlich erst nach dem vollendeten 16. Lebensjahr möglich.
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Es geht nicht um das „Warten“, sondern den Zeitraum, der üblicherweise erforderlich ist, um bei regelmäßigem Training die (nächsten) Prüfungsinhalte so zu erlernen, dass sie sich gesetzt haben und beherrscht werden. Es geht also um den Vorbereitungszeitraum.
Empfohlene Vorbereitungszeiten laut DJB:
- Für Judoka bis 14 Jahre: 6 Monate (maximal drei Prüfungen pro Jahr)
- Für Judoka über 14 Jahre bis zum 3. Kyu: 3 Monate (maximal vier Prüfungen pro Jahr)
- Für den 2. Kyu- und den 1. Kyu-Grad: 6 Monate
Es ergibt keinen Sinn, auf eine Prüfung zu drängen und sich selbst zu überfordern. Fast immer ergibt es mehr Sinn, sich mehr Zeit zu lassen, auf der Matte mehr Spaß zu haben - und auch andere Aspekte des Judos zu vertiefen (Selbstkontrolle, körperliche Stärkung, Wettkampfjudo, usw.).
Angst braucht keiner zu haben. Und: Ja, die Gürtel-Prüfung ist bei ordentlicher Vorbereitung gut zu schaffen. Deswegen muss jeder Prüfungsteilnehmer sich ordentlich vorbereiten.
Vorbereitung auf die Prüfung
Der Verein (organisatorisch), der Trainer und jeder fortgeschrittene Judoka unterstützen, wenn ein Kandidat in der Vorbereitung nicht weiterkommt und Hilfe braucht. Aber jeder trägt eine Eigenverantwortung für das eigene Vorankommen im Judo, vor allem bei der Prüfungsvorbereitung.
Die Prüfungsinhalte werden durch den DJB vorgegeben und sind auf der DJB-Seite „Prüfungsprogramm“ nachlesbar.
Notwendiges Trainingspensum
Die Zulassung zur Prüfung setzt auch voraus, dass jeder Kandidat in einem Mindestumfang tatsächlich auf die Prüfung trainiert hat. Dabei ist logischerweise derjenige, der dreimal die Woche trainiert, schneller „prüfungsreif“ als derjenige, der nur einmal trainiert.
Gürtelprüfungs-Vorbereitungslehrgänge
Eine erfolgreiche Prüfung setzt eine gute Prüfungsleistung voraus. Dennoch kommt es vor, dass Prüflinge ggf. die formellen Prüfungsvoraussetzungen erfüllen, allerdings technisch noch nicht „prüfungsreif“ sind. Daher bieten wir systematisch vor den Prüfungen sog. Kyu-Gürtelprüfungs-Vorbereitungslehrgänge an, bei denen wir das gesamte Prüfprogramm durchgehen und uns den Stand der Prüflinge anschauen.
Prüfungsformalia: In der Regel finden zwei bis drei Prüfungen im Jahr statt; Prüfungszeiträume sind demnach in der Regel die Woche vor den Osterferien, die Woche vor den Sommerferien und die Woche vor den Weihnachtsferien.
Anmeldung zur Prüfung: Die Anmeldung erfolgt elektronisch im internen Bereich auf Eurem persönlichen digitalen Account. Bei „Buchung“ der Prüfung wird die Prüfungsgebühr in Eure Rechnung eingestellt und mit dem nächsten Beitragseinzug eingezogen, so dass weder Bargeldzahlung noch Überweisung notwendig sind.
Das neue Kyu-Graduierungssystem des DJB (ab 2022)
Der Deutsche Judo-Bund (DJB) hat unter Leitung von DJB-Ausbildungsleiter Ralf Lippmann und dem ehemaligen DJB-Vorstand Andreas Kleegräfe gemeinsam mit der DJB-Arbeitsgruppe „Graduierung“ das Kyu-Graduierungssystem überarbeitet und neu konzipiert.
Das neue Graduierungssystem soll hierbei sowohl Tradition und Moderne, als auch klare Standards und Flexibilität ermöglichen. Eine Verbindung von Wissen und Können unter Berücksichtigung individueller Entwicklung, Fähigkeiten und Fertigkeiten, gepaart mit individuellen Aufgabenstellungen und selbstständigen Lösungsansätzen werden angestrebt.
Im Mittelpunkt des „modernen Graduierungssystems“ steht neben der „Technik als Lösung einer Situation“ auch der vereinfachte Einstieg in den Judosport. Anders als bisher muss im Rahmen der Graduierung zum 8. Kyu kein erreichtes Fertigkeitsniveau, sondern ausschließlich ein Grundverständnis von und über Judo erlangt werden.
Der „neue“ weiß-gelbe Gürtel ist nicht mehr Teil des Graduierungssystems, sondern soll als „Einstiegsgürtel“ das Eintauchen in die Welt des Judosports schneller ermöglichen.
