Kampfsportfilme sind ein vielseitiges Genre und decken nahezu jede Art von Kampfsport ab, von MMA über Judo bis hin zu Karate. Diese Filme bieten kunstvoll inszenierte Stunts und sind äußerst sehenswert.
China ist nicht nur das Geburtsland des Kung Fu-Films, sondern auch vieler seiner wichtigsten Akteure.
Kung Fu Hustle: Eine Martial-Arts-Komödie
Carl Douglas' Kultsong „Everybody was Kung Fu fighting...“ aus dem Jahr 1974 ist bei Stephen Chows Film „Kung Fu Hustle“ Programm. Chows Werk ist zugleich Hommage und liebevolle Parodie auf die Kung-Fu-Filme aus dem Hongkong der 70er Jahre, welche den asiatischen Schauspielstar und Filmemacher seinerzeit nach eigener Aussage selbst begeistert und geprägt haben. Es geht um Kung Fu - und um ein großes, heilloses Durcheinander.
Im Shanghai der 40er Jahre hat der glücklose Möchtegern-Gangster Sing (Stephen Chow) einen großen Traum: Er möchte gern in die berühmt-berüchtigte „Axe Gang“ aufgenommen werden, die die ganze Stadt fest in ihrer Hand hat.
Die Zeit und Umgebung ist sehr stimmig, die schauspielerische Leistung ist top. Er bedient Klischees auf tolle Art und Weise. Die Kampfszenen machen sehr viel Spaß. Es ist ein wirklich sehr lustiger Film.
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Die Kampfszenen passen perfekt in den Film, vor allem die erste Auseinandersetzung mit den Axt-Männern. Die Spiezialeffekte sehen richtig real aus, wie man sie auch von keinem anderen chinesischen Film kennt.
Donnie Yen: Eine Legende des Actionkinos
Donnie Yen hat im Namen des Actionkinos mehr Schläge einstecken müssen, als er zählen kann. „Ich habe unzählige Verletzungen“, sagt Yen lachend. Das bringt der Job mit sich - schließlich kann man nicht 40 Jahre lang im Hongkong-Actionkino brillieren, ohne gelegentlich selbst einen Tritt verpasst zu bekommen.
Yen war am Set von Tsui Harks mittlerweile als Kultfilm geltendem “Last Hero - Once Upon a Time in China II” aus dem Jahr 1992, wo er die Art von Actionszenen drehte, die heute gar nicht mehr produziert werden. Er und die andere Martial-Arts-Legende Jet Li gehen mit Bambusstangen aufeinander los und bringen die Gebäude um sie herum buchstäblich zum Einsturz.
Eigentlich war die Szene simpel: Yen sollte einen gegnerischen Schlag mit seiner Stange abwehren und dabei die Miene eines knallharten Wushu-Meisters wahren. Aber das Stunt-Double verfehlte immer wieder die Markierung. Beim letzten Versuch schoss der Kerl über die Markierung hinaus und schlitzte Yens Augenbraue einen halben Zentimeter über dem Auge auf. Um ein Haar wäre der Actionheld erblindet.
Yen erzählt diese Geschichte nicht aus Prahlerei, sondern vielmehr, um einen Eindruck der ungezügelten Hongkonger Filmindustrie der 80er und 90er-Jahre zu wiederzugeben. Als er in die Branche eintauchte, war Hongkong längst als Epizentrum des chinesischen Kinos und als Schauplatz der spannendsten und waghalsigsten Actionfilme der Welt etabliert.
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Nach und nach lernte er ein paar Tricks, die Schläge abzuschwächen. „Ich steckte mir Wattebausche vor die Backenzähne, damit mir niemand die Zähne ausschlagen würde.“
Heute ist Yen einer der einflussreichsten Schauspieler Chinas und der letzte in einer Dynastie von Kampfsportgrößen, die von Bruce Lee über Jackie Chan bis hin zu Jet Li reicht.
So kann Yen seinen rechten Arm beispielsweise nicht mehr in die Höhe heben, was einem Zusammenstoß mit einer Ziegelmauer in “Mismatched Couples” (1985) geschuldet ist. „Ich habe keine Sehnen in der Schulter“, sagt er. Dieses Jahr wird er 60. Und sein täglicher Begleiter ist der Schmerz.
Ein anderer Schauspieler hätte vielleicht schon längst das Handtuch geschmissen - oder sich zumindest von physischen Einsätzen zurückgenommen. Aber nicht Yen. „Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich immer noch schnell, dynamisch und schlagkräftig bin“, sagt er.
Yen wurde auf dem chinesischen Festland in Guangzhou geboren. Im Alter von zwei Jahren zog er mit seinem Vater, einem Zeitungsredakteur, nach Hongkong. Aufgrund von Restriktionen der damaligen Mao-Regierung durfte Yens Mutter Bow-sim Mark, eine landesweit gefeierte Wushu-Großmeisterin, die beiden nicht begleiten.
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Erst als er zehn war, konnte die Familie wieder vereint werden. Sie zogen ins amerikanische Boston, wo sein Vater eine Stelle als Redakteur bei einer chinesischen Zeitung angeboten bekommen hatte. Die Stadt Boston zeigte sich nicht immer gastfreundlich. „Heute reden wir über Ungerechtigkeit - aber Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schlimm es damals war“, so Yen.
Seine Mutter eröffnete eine Kampfsportschule in Chinatown, und Yen wurde schnell einer ihrer vielversprechendsten Schüler - selbst wenn er sich gegen ihre drakonischen Lehrmethoden sträubte. Yen flüchtete sich in “Kung-Fu”-Filme und gab nicht selten zwei Dollar aus, um sich im Kino in der Innenstadt eine Doppelvorstellung von Bruce Lee reinzuziehen.
Durch Filme lernte Yen auch Kampfkünste jenseits der traditionellen Tai-Chi-Formen seiner Mutter kennen. So verbrachte er mehr und mehr Zeit in anderen Sportstudios rund um Boston.
Mit 16 ermöglichten ihm seine Eltern einen Trainingsaufenthalt beim berühmten Beijing Wushu Team in China. Die Schule, die nicht nur nationale Meister hervorbringt, sondern auch unterhaltsame Tourneen durch das ganze Land veranstaltet, hat bis dato eine Reihe von Elite-Kampfsportlern und Filmstars ausgebildet; zu Yens Mitschülern zählte auch Jet Li.
Zu dieser Zeit hatte Yen keinerlei Ambitionen, Schauspieler zu werden. Doch wie es der Zufall so wollte, hatte seine Mutter eine Verbindung zu dem Hongkonger Kung-Fu-Regisseur Yuen Woo-ping. (Sie hatte früher Yuens Schwester unterrichtet.) Yuen, der in Hollywood für seine Choreographie in Filmen wie “Tiger and Dragon”, “Matrix” und “Kill Bill” bekannt ist, hatte mit den Kultklassikern “Sie nannten ihn Knochenbrecher” und “Die Schlange im Schatten des Adlers” dabei geholfen, Jackie Chans Karriere neu anzukurbeln.
Und plötzlich war Yen in der Lehre bei einem der großen Actionregisseure des vielleicht letzten goldenen Zeitalters des Kung-Fu-Kinos. Zu dieser Zeit war das durch Jackie Chan verkörperte Hongkonger Kino dafür bekannt, die packendsten Actionfilme der Welt zu produzieren.
Diese frühen Filme mit Yuen erteilten Yen einen Crashkurs in der Kunst der Actionfilmproduktion. „Man lernt, aus jedem Winkel möglichst präzise und treffsicher zu sein. Ich weiß genau, wo die Kamera ist und wie sich das Bild ändert, wenn die Kameraführung verändert wird.“
Beispiele weiterer Filme mit asiatischen Schauspielern
- House of Flying Daggers: Eine Rebellenallianz attackiert den unfähigen Kaiser und seine korrupte Regierung.
- Unleashed - Entfesselt: Danny (Jet Li) wird von seinem "Besitzer" Bart (Bob Hoskins) wie ein Hund gehalten und zum Kämpfen gezwungen.
- Police Story: Police Detective Kevin (Jackie Chan) gelingt es, den mächtigen Drogenboss Chee zu verhaften.
- Die Schlange im Schatten des Adlers: Ein Küchenjunge der Kung-Fu-Schule wird durch Shaolin-Kung-Fu zum Superfighter.
- Ip Man 2: Martial-Arts-Filme sind ein vielseitiges Genre, das nahezu jede Art von Kampfsport abdeckt.
Fünf berühmte Martial-Arts-Schauspieler
Die fünf wohl größten und berühmtesten Martial-Arts-Schauspieler wollen wir euch zusammen mit ihren Filmen etwas näher vorstellen, auch wenn die meisten eigentlich keiner Vorstellung mehr bedürfen.
- Donnie Yen: Vor allem durch seine Rolle als Ip Man bekannt.
- Jet Li: Mit Filmen wie „Meister der Shaolin“ und „Once Upon a Time in China“ gelangte er zu großem Ruhm.
- Tony Jaa: Zu Tony Jaas größtem Erfolg gehört mit Abstand die „Ong-Bak“-Filmreihe.
- Jackie Chan: Bereits Anfang der 1960er Jahre wirkt Jackie Chan in etlichen Kampffilmen mit.
- Bruce Lee: Gilt nicht nur als Ikone des Martial-Arts-Films, sondern ist für viele sogar einer der größten Kampfkünstler des 20. Jahrhunderts.
Filme mit starken weiblichen Hauptrollen
Anfang der 2000er begann eine neue Welle von Filmen von China aus die Filmwelt im Sturm zu erobern. Anders als in den Filmen von Bruce Lee oder Jackie Chan setzen Filme wie „Hero“, „Tiger and Dragon“ oder „House of Flying Daggers“ auf starke weibliche Hauptrollen.
„Tiger & Dragon“ überzeugt vor allem durch die feine Ästhetik und die anmutig choreografierten Kampfszenen der beiden Protagonistinnen gespielt von Michelle Yeoh und Zhang Ziyi.
Einige Beispiele für die Entwicklung des Genres
Seit seinen Anfangsjahren hat der Martial-Arts-Film eine ständige Wandlung durchlaufen und so viele verschiedene Ausprägungen hervorgebracht. Neben den verschiedenen kämpferischen Stilen, haben sich auch unterschiedliche Genres gebildet, die unter anderem echte Filmstars hervorgebracht haben.
Bei der Unmenge an Martial-Arts-Filmen, die seit den 1960er Jahren bis heute erschienen sind, ist es ein Ding der Unmöglichkeit alle zu erwähnen.
Eines der wenigen Genres, das ein vielköpfiges, treues Publikum anzieht, sich aber dennoch diese Aura des Undergrounds bewahrt: die Filme zum Thema Martial Arts. Zu den Pionieren zählen Giganten wie Bruce Lee oder Jackie Chan, die Filme sind mal äußerst ernsthaft angelegt, dann wieder mit einigem an Slapstick unterfüttert.
