Kampfsportarten für Anfänger: Selbstständig Lernen

Du möchtest dich sportlich herausfordern und etwas Neues ausprobieren? Dann fange mit Kampfsport an! Diese Sportart bietet nicht nur zahlreiche Vorteile für deine körperliche Fitness, sondern auch für deine mentale Gesundheit. Dieser Artikel zeigt dir, wie du am besten mit Kampfsport anfangen kannst und was du bei der Wahl deiner Kampfsportart und deines Trainingsorts beachten solltest.

Die Wahl der richtigen Kampfsportart

Zuerst solltest du dir überlegen, mit welcher Kampfsportart du anfangen willst. Es gibt eine Vielzahl an mehr oder weniger etablierten Kampfsportarten in Deutschland. Die Wahl des richtigen Kampfsports oder der richtigen Kampfkünste hängt von verschiedenen Faktoren ab: deinen persönlichen Zielen, körperlichen Fähigkeiten und Vorlieben. Im Kampfsport stehen in der Regel Zweikämpfe im Fokus von Wettbewerben. Im Gegensatz dazu legt eine Kampfkunst den Fokus auf die strikte Einhaltung von Traditionen, Techniken und Etikette sowie das korrekte Verhalten innerhalb des Studios.

Um Ihnen eine Entscheidungshilfe zu geben, welcher Kampfsport für Sie in Frage kommt, folgen hier elf populäre Kampfsportarten im Kurzportrait. Diese Kampfsportarten-Liste lässt Sportarten wie Fechten oder Kendo aus, für die eine (kostspielige) Spezialausrüstung erforderlich ist.

Aikido

Aikido ist eine japanische Kampfkunst aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Kampfsportart Aikido ist defensiv: Hauptziel ist, die Bewegunsgenergie, die in einem Angriff steckt, abzuleiten und es dem Gegner oder der Gegnerin zu erschweren, den Angriff fortzuführen. Dazu gibt es spezielle Wurf- und Haltetechniken. Auf einen Gegenangriff wird verzichtet. Die Grundidee beim Aikido ist nicht, die angreifende Person zu bezwingen, sondern sie zur Aufgabe zu bewegen. Beim Aikido gibt es weder Alters- oder Gewichtsklassen noch eine Aufteilung nach Geschlechtern. Alle trainieren miteinander.

Boxen

Boxen gilt neben Ringen als die älteste Kampfsportart der Welt: Schon auf über 5000 Jahre alten Höhlenzeichnungen sind Boxer und Ringer abgebildet. Beim modernen Boxen versuchen die Sportler und Sportlerinnen Schläge auf den gegnerischen Kopf oder den Oberkörper zu landen, um Punkte zu erzielen oder einen Kampf durch K. O. zu gewinnen. Schläge auf den Kopf oder andere empfindliche Körperteile sind auch mit angemessener Schutzbekleidung gefährlich. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland das Leichtkontaktboxen. Hier sind harte Schläge verboten, um Verletzungen zu vermeiden. Es gibt keinen K. O.: Über Sieg und Niederlage wird ausschließlich nach Punkten entschieden. Technisch und konditionell ist diese Kampfsportart sehr anspruchsvoll.

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Capoeira

Die afro-brasilianische Kampfkunst Capoeira vereint Kampf, Musik und Tanz. Capoeira entstand im 17. Jahrhundert unter den Sklaven auf den Plantagen Brasiliens als eine Art Kampftanz. Im 20. Jahrhundert kamen Einflüsse anderer Kampfsportarten hinzu. Bei Capoeira kämpft man nicht gegen sein Gegenüber, sondern spielt mit ihm. Zwei Personen inszenieren in fließenden Bewegungen einen Kampf. Es gibt eine Vielzahl von Bewegungen und Bewegungskombinationen, darunter Kopfstöße, Würfe und Fußfeger, wobei Angriffe im letzten Moment gestoppt werden oder der Gegner oder die Gegnerin ausweicht. Den Bewegungsabläufen liegen unterschiedliche erlernbare Regeln zugrunde. Es gibt Capoeira-Meisterschaften, aber nicht alle betrachten Capoeira als Wettkampfsport, da der Wettkampfgedanke nicht zum kulturellen Hintergrund der Capoeira passe.

Jiu Jitsu

Die Kampfsportart Jiu Jitsu geht auf die japanischen Samurai zurück. Die Grundidee ist „Siegen durch Nachgeben“. Deshalb ist die erste Verteidigungsmaßnahme beim Jiu Jitsu schnelles und geschicktes Ausweichen, um dann die Kraft eines Angriffs gegen die angreifende Person selbst zu verwenden. Dazu stehen verschiedene Wurf-, Griff-, Hebel- und Schlagtechniken zur Verfügung. Je nach Art des gegnerischen Angriffs gehören zur Selbstverteidigung beim Jiu Jitsu auch Tritte und Würgen. Es gibt verschiedene Schulen des Jiu Jitsu, in denen jeweils unterschiedliche Techniken bevorzugt werden.

Judo

Der Jiu-Jitsu-Lehrer Jigoro Kano entwickelte Judo (deutsch: der „sanfte Weg“) Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Jiu Jitsu. Kano setzte den Schwerpunkt beim Judo auf Griffe, Hebel und Würfe - gefährliche Kampftechniken wie Schläge und Tritte strich er zugunsten von Fallübungen aus dem Training. Bei einem Judo-Wettkampf ist das Ziel, den Gegner oder die Gegnerin zu Boden zu bringen und dort für eine bestimmte Zeit festzuhalten. Außerdem gibt es Punkte für eingesetzte Wurf- und Grifftechniken.

Karate

Um 500 nach Christus erschufen chinesische Mönche aus gymnastischen Übungen eine waffenlose Kampfkunst zur Selbstverteidigung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich diese Kampftradition in Japan unter dem Namen Karate als Sport mit eigenem Regelwerk. Beim Karate erlernt man Stoß-, Schlag- und Tritttechniken. Schläge und Tritte müssen aber im Training und im Wettkampf abgestoppt werden, bevor sie den Gegner oder die Gegnerin berühren. Das erfordert eine gute Körperbeherrschung, die bei dieser Kampfsportart systematisch trainiert wird. Mit Karate steigerst du deine körperliche Fitness, Kraft, Ausdauer und Flexibilität. Durch das Training im Dojo (Trainingsraum) lernst du auch den Respekt und die Höflichkeit gegenüber anderer. Karate ist für jedes Alter geeignet.

Kickboxen

Kickboxen nahm als „Sport-Karate“ seinen Anfang in den USA der 1970er Jahre. Die Kampfsportart verbindet Schlagtechniken des klassischen Boxens mit Tritttechniken aus Karate und Taekwondo. Es gibt verschiedene Wettkampfarten des Kickboxens. Die Hauptvarianten sind Leicht-, Semi- und Vollkontakt. Die ersten beiden werden wie Karate auf der Matte ausgeübt. Es geht um die Anzahl der gelandeten Treffer und darum, wie sauber die Kämpfenden die Schlag- und Kicktechniken ausführen. Beim Vollkontakt-Kickboxen im Boxring ist ein Sieg auch über K. O. möglich.

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Krav Maga

Krav Maga ist hebräisch und bedeutet auf Deutsch „Kontaktkampf“. Der Selbstverteidigungsstil wurde für israelische Sicherheitskräfte entwickelt. Nach eigenem Selbstverständnis ist Krav Maga kein Sport, sondern ein Selbstverteidigungssystem. Deshalb gibt es auch keine sportlichen Wettkämpfe. Krav Maga beruht vor allem auf den intuitiven menschlichen Reaktionsmustern und Reflexen. Es geht weniger um Spezialtechniken wie in der asiatischen Kampfkunst, sondern um einfache und dennoch effektive Methoden, um sich gegen Angriffe zu wehren.

Mixed Martial Arts (MMA)

Mixed Martial Arts (kurz MMA) gehört zu den am stärksten wachsenden Kampfsportarten weltweit. Der Sport vereint Elemente aus allen Kampfsportarten und ist damit die Königsdisziplin des Vollkontakts. In einem MMA-Kampf treten zwei Kämpfer:innen im Ring oder Oktagon gegeneinander an und versuchen, ihre:n Gegner:in zu besiegen. Im Stand werden Schlag-, Tritt- und Wurftechniken aus Kampfsportarten wie Boxen, Thaiboxen und Ringen eingesetzt. Am Boden sind Hebel- und Würgegriffe aus Sportarten wie Jiu-Jitsu oder Judo typisch. Der Sport zeichnet sich durch seine technische Komplexität aus. Der Kampf endet entweder durch K. o., Aufgabe, oder Entscheidung der Kampfrichter:innen. Das Training bringt dich in jedem Fall an deine physischen Grenzen. MMA erfordert ein hohes Maß an körperlicher Fitness, Koordination und Durchhaltevermögen.

Ringen

Seit 708 vor Christus ist Ringen eine Disziplin der antiken olympischen Spiele und ist bis heute olympisch. Schon in der Antike waren beim Ringen Schläge und Tritte verboten. Heute geht es bei der Kampfsportart darum, den Gegner oder die Gegnerin mit beiden Schultern auf die Matte zu bringen oder Punkte zu sammeln. Es gibt zwei Ringstile: griechisch-römisch und Freistil. Beim griechisch-römischen Ringen dürfen nur die Arme und der Oberkörper eingesetzt und festgehalten werden. Beim Freistil setzen die Sportler und Sportlerinnen auch ihre Beine ein und dürfen ihr Gegenüber auch unterhalb der Taille festhalten. Punkte gibt es für Techniken wie Würfe, Schleuder- und Hebelgriffe.

Taekwondo

Taekwondo ist eine koreanische Kampfsportart und bedeutet auf Deutsch „Fuß, Faust, Disziplin“. Taekwondo stammt aus der Zeit um 50 vor Christus und ist seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts der populärste Kampfsport in Korea. Es ähnelt vordergründig chinesischen oder japanischen Selbstverteidigungsstilen, ist aber eine selbständige Kampfsportart, die seit dem Jahr 2000 olympische Disziplin ist. Besondere Merkmale von Taekwondo sind die ausgeprägten Fußtechniken, Tritte, Drehungen und Sprünge. Der Gebrauch der Hände ist erlaubt, sie werden aber nicht so oft eingesetzt wie etwa beim Karate.

Wing Chun (Wing Chun Kung-Fu, Wingtsun)

Wing Chun ist ein spezieller Kung-Fu-Stil. Kung-Fu ist der Oberbegriff für unterschiedliche chinesische Kampfkünste. Ähnlich wie bei Aikido kommt es auch beim Wing Chun darauf an, die Kraft des gegnerischen Angriffs durch Schritttechniken und geschickte Wendungen abzuleiten. Die beste Kampfsportart für so eine Situation ist vielleicht Wing Tsun: Es ist darauf angelegt, dass du einen Kampf so schnell wie möglich erfolgreich beendest. Besonders wichtig ist, dass du mit möglichst wenig Energie und Kraftaufwand möglichst effiziente Treffer landest.

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Grappling

Grappling ist eine Kampfsportart ohne Schlag- und Tritttechniken, die sich auf den Bodenkampf und das Halten oder Würgen des Gegners oder der Gegnerin konzentriert. Grappling wird oft als Teil von MMA oder Brazilian Jiu-Jitsu praktiziert. Im Sport geht es darum, deinen Gegner durch verschiedene Techniken zu Boden zu bringen. Im Vordergrund stehen Hebel-, Wurf- und Würgetechniken, die Punkte geben oder den Gegner oder die Gegnerin zur Aufgabe zwingen. Grappling erfordert eine gute Körperbeherrschung, Kraft und Ausdauer. Es kann aber auch eine sehr effektive Form der Selbstverteidigung sein, da es dem Kämpfer oder der Kämpferin ermöglicht, einen größeren oder stärkeren Gegenüber zu besiegen. Darüber hinaus ist Grappling herausfordernd, da es strategisches Denken und schnelle Entscheidungen erfordert. Brazilian Jiu-Jitsu ähnelt dem Grappling in seiner Form.

Thaiboxen oder Kickboxen

Thaiboxen oder Kickboxen ist eine Kampfkunst, die Techniken aus dem Boxen, Karate, Muay Thai und Taekwondo vereint und im Stand stattfindet. In der Sportart treten zwei Kämpfer:innen in einem Ring gegeneinander an und versuchen, ihren Gegenüber zu besiegen. Schlag- und Tritt- und Knietechniken gehören zum Standardrepertoire. Die Kämpfe entscheiden sich durch K. o., technischen K. o. oder Punktentscheid. Im klassischen Thaiboxen sind im Gegensatz zum Kickboxen Ellenbogentechniken erlaubt.

Hier eine Zusammenfassung der vorgestellten Kampfsportarten:

Kampfsportart Fokus Besondere Merkmale
Aikido Defensiv Ableitung der Angriffenergie, Wurf- und Haltetechniken
Boxen Schlagtechniken Klassischer Zweikampfsport im Ring
Capoeira Kampf, Musik, Tanz Fließende Bewegungen, Kombinationen
Jiu Jitsu Selbstverteidigung Nutzen der gegnerischen Kraft, Wurf-, Griff-, Hebeltechniken
Judo Würfe, Bodentechniken Hebel und Würfe zur Kontrolle des Gegners
Karate Schlag-, Tritttechniken Disziplin, Körperbeherrschung, festgelegte Bewegungsabläufe (Katas)
Kickboxen Schlag- und Tritttechniken Kombination aus Boxen, Karate, Taekwondo
Krav Maga Selbstverteidigung Intuitive Reaktionen, einfache, effektive Methoden
MMA Vollkontakt Kombination aus allen Kampfsportarten
Ringen Würfe, Haltegriffe Gegner auf die Matte bringen
Taekwondo Tritttechniken Schnelle, kraftvolle Tritte, Drehungen, Sprünge
Wing Chun Selbstverteidigung Ableitung der gegnerischen Kraft, effiziente Treffer
Grappling Bodenkampf Halten und Würgen des Gegners
Thaiboxen/Kickboxen Schlag- und Tritttechniken Vereint Techniken aus Boxen, Karate, Muay Thai und Taekwondo

Wie man anfängt

Du kannst, wie fast jede andere Sportart, Kampfsport ohne Vorerfahrung anfangen. In einem guten Gym wird das Training zwischen Anfänger:innen und Fortgeschrittenen differenziert. Anfänger:innenkurse sind methodisch aufgebaut und die Techniken werden von Grund auf vermittelt. Das Training ist konditionell sehr anspruchsvoll und Konditionseinheiten sind in der Regel fester Bestandteil der Trainingseinheiten. Bevor du mit dem Kampfsporttraining anfängst, ist es ratsam, eine gewisse Grundlagenausdauer aufzubauen (beispielsweise durch regelmäßiges Joggen). Viele fangen als Kinder an, bestimmte Sportarten zu praktizieren. Aber es ist nie zu spät, eine Kampfsportart oder Kampfkunst zu lernen - egal, wie alt du bist. Du solltest ab einem gewissen Alter darauf achten, zu Beginn nichts zu überstürzen. So vermeidest du Zerrungen, Überdehnungen und andere Verletzungen.

Probetraining und Auswahl des Studios

In den meisten Studios für Kampfkünste oder Kampfsport kannst du ein kostenloses Probetraining durchführen - so hast du die Möglichkeit, dir in mehreren Trainingseinheiten ein Bild vom Gym zu machen. Bei der Auswahl des passenden Studios solltest du zuerst darauf achten, ob das angeboten wird, was du suchst. Weiterhin ist es wichtig, dass dir die Kampfsportart Spaß macht. Das Probetraining hilft dir, dich selbst vom jeweiligen Kampfsportstudio zu überzeugen. Mit einer Urban Sports Club Mitgliedschaft kannst du beispielsweise auch ganz einfach verschiedene Kampfsportanbieter ausprobieren - und das mit nur einer Mitgliedschaft! So hast du ein Probetraining in jeder Kampfsportart, die du lernen möchtest. Mit der Mitgliedschaft kannst du zusätzlich noch weitere Sportarten entdecken.

Kampfsport und Gesundheit

Menschen verfolgen mit Kampfsport in der Regel zwei Ziele: Sie möchten ihre Fähigkeit zur Selbstverteidigung steigern und ihre körperliche Fitness verbessern. Tatsächlich trainieren die meisten Kampfsportarten körperliche Fähigkeiten wie Beweglichkeit, Gleichgewicht, Koordination und Kondition. Studien haben positive Effekte von regelmäßigem Kampfsporttraining auf die körperliche Fitness nachgewiesen. Außerdem scheinen die Bewegungsabläufe bei asiatischen Kampfkünsten die Knochengesundheit besonders gut zu fördern. Studien haben zum Beispiel eine verbesserte Knochendichte bei jungen Menschen nachgewiesen, die Judo, Karate und Taekwondo ausüben. Als Gesundheitssport für Menschen über 60 Jahre sind vor allem „weiche“ Kampfsportarten gut geeignet.

Kampfsport kann sich zudem günstig auf die psychische Gesundheit auswirken. Die Rituale für Achtsamkeit, die Teil traditioneller asiatischer Kampfkünste sind, fördern die Selbstachtung und die Wertschätzung des Gegenübers. Eine neuere Studie liefert Hinweise darauf, dass Menschen, die japanische Kampfkünste über einen längeren Zeitraum regelmäßig ausüben, zufriedener und weniger anfällig für psychische Erkrankungen sind als der Durchschnitt der Bevölkerung. Außerdem lassen sich mit Kampfsportarten Aggressionen zielgerichtet abbauen. Und schließlich verleiht Kampfsport Sicherheit. Das Wissen, sich bei Gefahr angemessen verteidigen zu können fördert die Selbstsicherheit und das Selbstbewusstsein.