Herbert Dreilich: Werdegang eines Musikers

Herbert Dreilich wurde am 5. Dezember 1942 im österreichischen Mauterndorf bei Salzburg geboren.

Im Jahre 1950 folgten zuerst eine Übersiedlung in die BRD und dann jahrelange Aufenthalte bei Verwandten in England.

Das Verhältnis zu seinem Vater soll nicht so gut gewesen sein, wie sich ein Freund heute noch erinnert.

Dies war wohl auch der Grund, weshalb seine Mutter mit ihm zusammen im Jahre 1959 schließlich nach Halle/Saale auswanderte.

Ebenfalls im Jahre 1959 begann Herbert eine Lehre zum Gebrauchswerber (heute sagt man Fachmann für Schaufenstergestaltung), die er 1962 auch abschloss.

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Anschließend arbeitete er auch eine Zeit lang in diesem Beruf.

Das Spielen auf der Gitarre hatte der junge Herbert autodidaktisch erlernt, als Sänger war er ein Naturtalent.

Eigentlich wollte er als Musiker mehr im klassischen Bereich und weniger beim Rock sein Glück finden.

Er hatte eine Laufbahn als Harfenist ins Auge gefasst, das Spielen auf der Harfe erlernt und damit auch ein Studium angestrebt.

Da dieses Instrument in der Klassik eher für Frauen vorgesehen war, verwarf er seinen Plan wieder.

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Ein Jahr nach dem Umzug in die Leopoldina-Stadt Halle fand Dreilich als Gitarrist und Sänger seinen Einstieg in die lokale Musikszene.

Er schloss sich im Jahre 1960 den dort bereits aktiven JAZZ YOUNGSTERS an und spielte Gitarre.

Mit ihm zusammen waren dort u.a. Reinhard Lakomy am Piano und Ecke Bethmann am Schlagzeug aktiv.

Einige Zeit später spielte er parallel dazu auch noch in der Leipziger Band BELL BOYS, zusammen mit den Gebrüdern Barthel, Ecke Bethmann und Sieghart Schubert.

Im Jahre 1965 schloss sich Herbert als Gitarrist und Sänger der Gruppe BLAU GOLD DELITZSCH an.

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Bei einem Auftritt dieser Kapelle zum Pressefest auf der Peißnitzinsel in Halle/Saale lernten sich Herbert und die Musiker Rudolf Lecke und Jörg Dobersch kennen und freundeten sich an.

Einige Monate später gründeten die drei Freunde zusammen mit Gregor Stenzel die Gruppe HALNICS, in der Herbert bis ins Jahr 1967 spielte.

Dort machte der junge Musiker dann auch erstmals Bekanntschaft mit staatlichen Restriktionen.

Von der Stadträtin für Kultur, so erinnert sich sein Musikerkollege Rudi Lecke heute noch, hatte Herbert ein Spielverbot ausgesprochen bekommen.

Dies wurde aber geschickt hintergangen: Die für einen Auftritt in der DDR nötige Spielerlaubnis wurde vom damaligen Manager, Joachim Hühnefeld, von der Halleschen UNI JAZZ BAND besorgt, mit der die Gruppe dann zusammen mit dem unter Spielverbot gestellten Herbert Dreilich wieder auftreten konnte.

Im Jahr 1967 zog es den jungen Herbert u.a. auch deswegen nach Berlin, wo er seine Profilaufbahn als Musiker startete.

Seine erste Station dort waren die MUSIC-STROMERS, eine ehemalige Skiffle-Band, die inzwischen im Bereich Beat-Musik aktiv war.

Hier spielte er u.a. gemeinsam mit Gerhard "Hugo" Laartz, dem späteren Gründer der MODERN SOUL BAND, und Udo Reichel.

Dreilich war dort u.a. auch dafür verantwortlich, dass erste eigene Titel entstanden.

Damals noch instrumental und ohne Texte, die beim Publikum aber extrem angesagtm waren.

Durch die steigende Popularität der Band holte ihn bei den MUSIC-STROMERS die Vergangenheit wieder ein.

Wie auch in der Zeit in seiner Heimatstadt Halle/S. musste er 1968 die Erfahrung machen, dass seiner Band von Seiten der Behörden ein Auftrittsverbot ausgesprochen wurde.

Ein Problem, mit dem zu dieser Zeit viele Bands im ganzen Land zu kämpfen hatten, das speziell Herbert aber ein weiteres Mal ausbremste.

Nach dem Aus der MUSIC-STROMERS schloss sich Dreilich noch im gleichen Jahr dem HENRY KOTOWSKI QUINTETT und - als Ersatz für den zur Volksarmee eingezogenen Quaster Hertrampf - den PUHDYS an.

Die PUHDYS waren damals aber noch weit davon entfernt, eigene Lieder zu spielen oder ein eigenes Profil zu haben.

Es war zu diesem Zeitpunkt eine reine Coverband und Herberts Zeit dort nur kurz.

Ihn zog es im Jahre 1969 zu den ALEXANDERS, wo er auf ehemalige Kollegen wie Reinhard Lakomy und Udo Reichel, aber auch auf Kollegen traf, mit denen er später große Erfolge feiern sollte, nämlich Henning Protzmann und Ed Swillms.

Mit den ALEXANDERS gab es auch erste Studioproduktionen.

Beim Rundfunk der DDR produzierte die Gruppe die Lieder "Honigmond", "Hoffnung" und "Nachts", die häufig im Rundfunk gespielt wurden.

Im Jahre 1970 verließ Herbert zusammen mit Johannes Lemke, Ulrich "Ed" Swillms, Henning Protzmann und Joachim Schmauch die ALEXANDERS und gründete mit diesen und einigen anderen Kollegen, z.B. Frank Hille und Veronika Fischer, die Gruppe PANTA RHEI.

Zwischen 1971 und 1974 gehörte Herbert dieser All-Star-Truppe an, in der die Creme de la Creme der ostdeutschen Musikszene gemeinsam musizierte.

Ein Album (1973), drei Singles und eine Vielzahl von Rundfunk- und Live-Produktionen, die Jahre später erst auf Platte und CD erschienen sind, sind Dokumente des kreativen Schmelztiegels aus dieser Zeit, wobei die letzte Single ("Stunden") bereits unter Herberts Namen mit dem Zusatz "und die Gruppe Panta Rhei" erschienen ist.

Zu diesem Zeitpunkt waren bereits viele der Kollegen ausgestiegen und hatten sich anderen Bands angeschlossen.

Protzmann hatte z.B. gerade den Grundstein für seine neue Band KARAT gelegt.

Darum gilt die Single "Stunden" auch als ein Zwischending aus Band- und Solo-Platte.

Zwischen Ende der 60er und Mitte der 70er profitierte auch ein junger Hallenser Musiker vom Wissen und den Erfahrungen Herbert Dreilichs.

In der Hallenser Humboldtstraße, wo auch nach Herberts Umzug nach Ostberlin seine Familie weiterhin lebte, wohnte ein paar Häuser weiter die Familie Jones, die ebenfalls 1959 aus England nach Halle gezogen war.

Deren Sohn Martin lernte Herbert über die Töchter der Familie Schnelle kennen, mit denen er schon längere Zeit befreundet war.

Herbert war zu dem Zeitpunkt mit einer der Töchter, Uta (die spätere Mutter seines Sohnes Claudius), liiert.

Für den jungen Martin Jones wurde Herbert sowas wie der große Bruder.

Er protegierte Martin ein bisschen, führte ihn an die Musik heran und gab ihm seine Erfahrungen, die er in seiner bisherigen Laufbahn sammeln konnte, weiter.

Auch ging Herbert mit Martin zum Konservatorium und meldete ihn dort an.

Im Gegenzug besorgte ihm Martin später Instrumente, u.a. die beiden Gitarren, die Herbert in der Anfangszeit bei KARAT spielte.

In den 80ern wurde Martin Frontmann der M.Jones-Band und ihre Wege kreuzten sich bei Festivals wieder, bei denen seine Band und KARAT mit Herbert gemeinsam auftraten.

Nachdem sich die Gruppe PANTA RHEI ab 1974 Stück für Stück auflöste, hing Herbert ein wenig in der Luft.

Für ihn hatte sich noch keine neue Band aufgetan, der er sich hätte anschließen können.