Der Lemken Karat 10 ist ein vielseitiger Grubber, der für unterschiedliche Bodenbearbeitungsaufgaben eingesetzt werden kann. Mit seinen zahlreichen Ausstattungsvarianten und innovativen Lösungen hat sich der Karat 10 als eine grundsolide Maschine etabliert.
Technische Details und Ausstattung
Mit dem Karat 10 bietet Lemken diese Baureihe erstmals mit symmetrischer Zinkenanordnung an. Damit läuft der Grubber spurtreu hinter dem Schlepper und erleichtert den Einsatz mit einem Spurführungssystem. Der getestete Karat 10/500 KUA hat eine Arbeitsbreite von 4,98 m, ist klappbar (K), per Feder und Abscherschraube überlastgesichert (U) sowie aufgesattelt (A). Gekoppelt wird der Grubber im Dreipunkt. Am Anbauturm (Kat. III) war an der Testmaschine der optionale Zugkraftverstärker montiert (Aufpreis 2.550 Euro, alle Preise ohne MwSt.). Komfortabel ist der nach hinten verlagerte Drehpunkt, der spielfrei per Kugel gelagert ist und Einschlagwinkel über 90° erlaubt. Es gibt drei Deichselvarianten: kurz, mittellang und lang. Mit Scheibenvorläufer wird die mittlere Deichsel für max. 3,20 m breite Schlepper geliefert. In der Ausstattungsvariante KUA sind die Elemente per Feder und Abscherschraube gegen Überlast gesichert.
Die Zinkenträger aus 100er Quadratrohr ordnet Lemken mit 100 cm Abstand hintereinander an. Auf den ersten beiden Balken finden je vier Zinken Platz, auf dem dritten sechs. Hierdurch sind die Zinkenspitzen regulär 1,05 m voneinander entfernt, lediglich in der Maschinenmitte reduziert sich der Durchgang auf 80 cm. In Kombination mit 80 cm Rahmenhöhe ist der Grubber bei unseren Einsätzen nie verstopft. Die 2,2 x 7 cm starken Grindel sind bekannt - und mit zwei kräftigen Federn überlastgesichert. Sie lösen ab etwa 620 kg Schardruck aus. Der Federdruck steigt dann auf bis zu 750 kg an. Die Grindel sind serienmäßig mit einem Scharschnellwechselsystem versehen.
Arbeitsqualität und Leistung
Der Grubber konnte unter anderem beim flachen Stoppelsturz mit den optionalen DeltaCut-Scharen überzeugen. Ab etwa 4 bis 5 cm schneidet er ganzflächig. Mit den Delta-Cut-Scharen haben wir ganzflächig etwa 4 bis 5 cm tief gearbeitet, was uns sehr gut gefallen hat. Einen ebenso guten Job haben die 8 cm breiten Schare mit und ohne Flügel gemacht. Mit Flügeln sollte man nicht tiefer als 10 cm arbeiten. Ohne ist bei etwa 28 cm Arbeitstiefe Schluss. Sowohl die Scharvielfalt als auch das sehr gute Schnellwechselsystem macht den Grubber sehr universell einsetzbar.
Zur Einebnung hinter den Zinken nutzt Lemken Nivellierscheiben mit 52 cm Durchmesser. Hier kommen spezielle Scheiben mit acht Speichen und am Ende je leicht gekröpften Doppelspitzen zum Einsatz. Die Randscheiben haben sich beim Testgerät während des Klappvorgangs des Grubbers automatisch ein- und ausgeklappt, was sehr komfortabel ist. Betätigt wird die Kinematik über einen Hydraulikzylinder, der gut geschützt im Rahmen integriert ist.
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Als Walze haben wir überwiegend die Packerprofilwalze (PPW, 18.600 Euro Aufpreis) eingesetzt. Mit 1.620 kg auf 5 m Arbeitsbreite hat sie uns auf unseren schweren Bedingungen absolut überzeugt. Bei diesem Nachläufer handelt es sich um eine Doppelwalze. Vorne wird zunächst tief rückverfestigt und hinten sorgt das W-Profil für eine gleichmäßige Krümelstruktur.
Erfahrungen von Landwirten
Der Familienbetrieb Wolff aus Hohenthurm (Sachsen-Anhalt) betreibt einen Ackerbaubetrieb mit 790 ha. Im mitteldeutschen Trockengebiet bauen sie Zuckerrüben, Raps, Erbsen, Winterweizen und -gerste an. Für die Bodenbearbeitung löste im Frühjahr 2022 ein Karat 10 mit 7 m Arbeitsbreite einen Karat 9 ab. „Die vielfältigen Möglichkeiten haben uns überzeugt“, so Alfons-Josef Wolff. „Wir nutzen den Grubber für den flachen Stoppelsturz, zur mitteltiefen Bodenbearbeitung und für Grubberstriche bis rund 28 cm Tiefe“, erklärt Wolff. Für die verschiedenen Einsatzzwecke hält der Landwirt verschiedene Schare vor. „Uns überzeugt der Bedienkomfort. Nur einfach einzustellende oder schnell zu wechselnde Werkzeuge nutzt man auch“, ist Wolff überzeugt. Den Scheibenvorläufer nutzen sie z. B. zum Einarbeiten von Zwischenfrüchten oder unter extrem trockenen Bedingungen zum Vorschneiden des Bodens. „Die Scheiben schaffen mehr Einsatzmöglichkeiten, da man schnell reagieren kann.
Vor- und Nachteile
- Vorteile:
- Vielseitigkeit durch verschiedene Scharvarianten
- Sehr gutes Schnellwechselsystem
- Symmetrische Zinkenanordnung für spurtreuen Lauf
- Gute Arbeitsqualität bei unterschiedlichen Bedingungen
- Nachteile:
- Umständliche Kopplung an den Schlepper
- Verstellung der Zustreicherscheiben etwas unglücklich
Leistungsbedarf
Zur flachen Bearbeitung (bis etwa 10 cm) sind wir mit rund 240 PS ausgekommen. Beim tiefen Grubberstrich hat der Karat mit knapp 5 m Arbeitsbreite sogar 390 PS auf schwerem Tonboden in die Knie gezwungen (maximal 7 km/h). Damit die Mischwirkung erhalten bleibt, hätten wir unter solchen Grenzbedingungen einen größeren Schlepper bevorzugt. Freigegeben ist der Grubber aber nur bis 350 PS.
Details und Komfort
Wenig komfortabel ist der An- und Abbau des Koppelturms: Damit dieser abgebaut nicht nach unten kippt, benötigt man den Oberlenkerbolzen zur Abstützung. Ziehen lässt sich der Bolzen zumindest komfortabel nur nach rechts, da links die gut gelungene Schlauchgarderobe im Weg ist. Dass man zum Parken den Oberlenkerbolzen ausbauen muss, ist unpraktisch. Die vier dw-Hydraulikanschlüsse für die vorlaufenden Schneidscheiben (Option), das Hubwerk, die Klappung und die Tiefeneinstellung lassen sich typisch kuppeln. Welche Leitung Plus oder Minus ist, lässt sich dagegen sehr schwer erkennen - das geht besser. Auch die Griffigkeit der farbig markierten Kupplungen könnte besser sein. Die Druckluftanschlüsse für den Karat 10, der in Testausstattung mit der Packerprofilwalze 7.660 kg wiegt, haben uns dagegen sehr gut gefallen.
Als erste Werkzeugreihe montiert Lemken optional 17 gezackte und leicht schräg zur Fahrtrichtung gestellte Hohlscheiben mit 52 cm Durchmesser (7.400 Euro Aufpreis). Hiermit kann man organische Masse zerschneiden, um Verstopfungen vorzubeugen. Alle Scheiben sind einzeln an Blattfedern aufgehängt und lassen sich mit Hilfe einer gelaserten und gut positionierten Skala sehr komfortabel hydraulisch aus der Kabine heraus verstellen - klasse! Einen geringeren Dieselverbrauch durch ein Vorschneiden des Bodens konnten wir auch nicht feststellen.
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Seitlich neben der dritten Balkenreihe gibt es schwimmend aufgehängte Leitbleche (1.470 Euro Aufpreis). Diese kann man stufenlos ein- und ausschieben und sechs Mal im Winkel verstellen. Die Arbeitstiefe der Nivellierscheiben verstellt man je Halbseite zentral - zumindest fast. Pro Halbseite muss man jeweils zwei Splinte öffnen und Bolzen ziehen. Dann kann man mit dem 24er-Bordschlüssel sehr feinfühlig die Tiefe verstellen. Noch komfortabler wäre pro Seite nur ein Verstellpunkt. Das Niveau der Randscheiben wird zusätzlich über eine Lochkulisse verstellt. Beim Sichern der Bolzen muss man auf die korrekte Steckrichtung achten - sonst verklemmen die Splinte beim Klappen. Aufgehängt sind die Zustreichscheiben an der Schwinge zwischen Hauptrahmen und Walze.
Zum Fahrwerk: Druckluftgebremste Pneus von Nokian in der Größe 710/35 R 22.5 passen gut zu dem Aufsattelgrubber. Den Aufpreis von 2.860 Euro im Vergleich zur Größe 550/45 R 22.5 würden wir vor allem für sensible Böden immer empfehlen. Die Tiefenführung des Zinkenfelds übernimmt pro Seite ein Stützrad in Kombination mit der Walze im Heck. Die Räder der Größe 11.5/80-15.3 sind platzsparend auf Höhe der ersten Zinkenreihe angeordnet und laufen innerhalb der Arbeitsbreite, nicht daneben. Die gelaserten Skalen sind gut einsehbar. Dass die Striegelhalter verrutschen, sollte nicht passieren.
Laut Lemken ist die Positionierung auf Sicherheitsvorschriften zurückzuführen. Der 24er- und der Schar-Schnellwechsel-Schlüssel haben ihre Parkposition hoch oben auf der rechten Maschinenseite. Vorne links wäre besser. Das mitgelieferte Zinken-Transportschutztuch für den Straßentransport müsste komfortabler sein. Der Zeiger der Tiefenskala hat sich zuweilen gelöst. Im Heck sind zum eingeklappten Parken Abstellstützen vorgesehen. Vorne ist ein Stützfuß gut in die Deichsel integriert. Es gibt insgesamt 25 Schmierstellen. Lackqualität und Schlauchverlegung sind gut.
Preis
Die Maschine kostet in der Grundausstattung ohne Feder-Überlastsicherung (KA) 42.500 Euro. Der KUA mit Federpaketen startet bei 53.750 Euro.
Zusammenfassung
Mit dem Karat 10 hat Lemken eine grundsolide Maschine auf die Beine gestellt. Das Arbeitsbild hat uns voll und ganz überzeugt. Das Scharwechselsystem ist ebenso wie die Tiefenführung spitze. Gestört haben uns Punkte wie die umständliche Kopplung an den Schlepper oder die etwas unglückliche Verstellung der Zustreicherscheiben.
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