Die Entwicklung von Judo-Trainern ist ein vielschichtiger Prozess, der Engagement, kontinuierliche Weiterbildung und die Fähigkeit, Wissen zu vermitteln, erfordert. Dieser Artikel beleuchtet den Werdegang von Judo-Trainern, insbesondere im Kontext des TSV Abensberg und des Thüringer Judoverbandes.
Aus- und Weiterbildung im Thüringer Judoverband
Die diesjährige Trainer-C-Ausbildung fand unter gänzlich neuen Gesichtspunkten statt. Nicht nur, dass es die erste Trainer-Ausbildung unter dem neuen Lehrreferenten Tobias Danz mit Unterstützung durch Vincent Giller, Jens Keidel und Tino Berg war, auch die Ausbildung selbst wurde neu gestaltet und orientiert sich von nun an, an dem vom DJB eingeführten DOSB-Kompentenzmodell zur Trainerbildung. Dazu müssen die Teilnehmer neben 4 Präsenzwochenenden an der Landessportschule Bad Blankenburg in einem Blended-Learning System theoretisches Wissen erarbeiten und Aufgaben für die Präsenzwochenenden auf einer Online-Plattform zur Vor- bzw. Nachbereitung lösen. Weiterhin fand die Ausbildung im Rahmen des Projekts "Willkommen im Sport" des Landessportbundes (LSB) Thüringen statt, in dem 7 Sportler mit Migrationshintergrund teilnahmen und der LSB bei der Ausbildung unter anderem mit sprachlicher Unterstützung bei Übersetzungen sehr große Hilfe leistete.
Bei ihrem zweiten Lehrgangswochenende sollten die neuen Kampfrichter und die zukünftigen Trainer des Thüringer Judoverbandes einen gemeinsamen Wettkampf vorbereiten und durchführen. Dabei hat die Kampfrichter-Kommission und der Lehrreferent Tobias Danz bewusst auf die Zusammenarbeit auf und neben der Judomatte gesetzt. Im Zentrum des gemeinsamen Weiterbildungswochenendes stand für beide Gruppen die Auslegung der Wettkampfregeln. Jedoch mussten die zukünftigen Kampfrichter auch selbst kämpfen und andere Kollegen neben der Matte mit technischen und taktischen Hinweisen begleiten, während sich die Trainer in Handzeichen übten und selbst den ein oder anderen Kampf als Mattenleiter organisieren mussten. Seit einigen Jahren ist das Verständnis der Wettkampfregeln ein wichtiger Bestandteil der Trainer-Ausbildung, jedoch bringt erst der gemeinsame Austausch und die Anwendung der Regeln das eigentliche Verständnis für die jeweils andere Seite.
Für die Trainer folgen in den kommenden Wochen noch zwei Ausbildungswochenenden mit der abschließenden Lehrprobe. Bei den kommenden Veranstaltungen des Thüringer Judoverbandes werden sich die Teilnehmer aus beiden Lehrgängen nun mit mehr Verständnis begegnen. Der Thüringer Judoverband freut sich über die zahlreichen neuen jungen und engagierten Trainer.
Jan Steiner: Ein Vorbild für Thüringer Trainer
Das wohl schönste Weihnachtsgeschenk im letzten Jahr hat sich unser Landestrainer, Jan Steiner, selbst beschert. Als Ältester unter 47 Teilnehmern aus 7 Nationen und als erster Thüringer überhaupt absolvierte er erfolgreich das höchst anspruchsvolle Programm bis zum abschließenden Zertifikat. Das Programm war vor allem körperlich äußerst anstrengend. Täglich sieben Stunden Judo im olympischen/paraolympischen Trainingszentrum in Kienbaum waren zu bewältigen. Es spricht für den Ehrgeiz und die Fitness unseres Landestrainers, dass er keine Minute ausließ und alle Einheiten komplett absolvierte, auch wenn danach jeder Zentimeter seines Körpers schmerzte.
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Daneben waren 13 verschiedene Theoriethemen aus einer IJF-Datenbank im Selbststudium zu bearbeiten, zu denen es jeweils 5 Tests und jeweils noch eine Onlineprüfung gab. Dann gab es noch einen finalen Onlinetest über alle 13 Themengebiete. Wenn man diesen theoretischen Teil bestanden hatte, durfte man an der Praxiswoche teilnehmen, in der jeder u.a. 600 Nage-komi (sowohl als Uke, als auch als Tori) absolvieren musste. In den Praxisprüfungen musste man vormittags Standtechniken des Kodokan rechts und links und aus verschiedenen Bewegungsrichtungen und nachmittags alle Bodentechniken rechts und links inklusive Befreiungen sowie die Nage-no-Kata demonstrieren. Ein Hammer-Programm!
Am Ende konnte Jan die theoretische Prüfung mit 90 % Erfolg bestehen und die praktische Prüfung mit 80 %, insgesamt mit 85 %, wobei er bereits mit 60 % bestanden hätte. Rechnet man dies auf unsere Schulnoten um, hätte Jan mit einer grandiosen 1 (-) bestanden! Wir gratulieren unserem Thüringer Landestrainer Jan Steiner zu seinem einmaligen Erfolg, dem hoffentlich weitere Thüringer Trainer folgen werden. Für Landestrainer Jan Steiner war diese Nachricht indes keine große Überraschung mehr.
Die Rolle des TSV Abensberg in der Judo-Ausbildung
Jolina Reinhold stammt aus einer der deutschen Judohochburgen, dem TSV Abensberg. Schon früh wurde ihr sportliches Potenzial erkannt. Zusammen mit ihrem Trainer Radu Ivan bildet sie ein äußerst eingespieltes Team. Heimtrainer Peter Dremow vom TSV Abensberg bezeichnet den Werdegang der Rangdreizehnten der U18-Weltrangliste als „herausragend“: „Es ist ungewöhnlich in diesem Alter so erfolgreich zu sein.“ Jolina habe sich die Grundlagen mit zehn, elf und zwölf Jahren erarbeitet: „Sie hat viele Turniere besucht und entsprechend viele Kämpfe in den Armen und Beinen.“ Mit den Erfahrungen habe sich das Kampfverhalten stabilisiert. Von der harten Vorarbeit profitiere Jolina: „Bereits in der Altersklasse U15 war das Potenzial deutlich erkennbar“, so Dremow.
Es war damit zu rechnen, dass Jolina Reinhold rasch in die Altersklasse U18 aufrücken würde. „Dass es als 14-Jährige gleich im ersten U18-Jahr zur Teilnahme an der WM reicht, damit war aber nicht zu rechnen. Zumal die Gewichtsklasse bis 58 Kilogramm eine sehr starke ist.“ Für Jolinas WM-Premiere am 30. August - und ihre weiteren Pläne - werden im Lager des TSV Abensberg die Daumen gedrückt: „Wir sind gespannt, wie sich das Talent entwickelt“, so Dremow.
Jolina Reinhold: Eine Ausnahmeathletin des TSV Abensberg
Angreiferin: Jolina Reinhold hat in ihrer noch jungen Judokarriere bereits viele Herausforderungen erfolgreich geschultert. Den Kampfnamen El Toro hat sich Jolina Reinhold redlich verdient. Mit der Willenskraft, Ausdauer und Entschlossenheit eines Stieres wendet sich die 14-Jährige Judoka des TSV Abensberg ihren Zielen zu. Sportliche Hindernisse räumt die Schülerin der Johann-Turmair Realschule Abensberg auf den nationalen, aber auch den internationalen Wettkampfmatten aus dem Weg - und ist auch von den älteren Konkurrentinnen kaum zu stoppen. Mit viel Ehrgeiz hat die junge Dame ihr Judotalent entwickelt.
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Als Lohn für die Beständigkeit im Trainingsalltag und die kontinuierlichen Turniererfolge mischt Jolina Reinhold mit 14 Jahren bei den weltbesten Judoka der Altersklasse U18 mit. Vom 25. bis zum 30. August ist sie bei den U18-Weltmeisterschaften in Lima dabei. Die junge Neustädterin kämpft in der Gewichstklasse bis 58 Kilogramm um einen Platz auf dem Siegerpodest. Jolina Reinhold schreckt vor keiner Herausforderung zurück: „Bei mit ist der Siegeswille extrem ausgeprägt“, sagt die Neustädterin. „Ich will auf die Matte gehen und gewinnen - ich kann alle schlagen.“ Die Aufgaben bei der WM nehme sie aber ohne Druck in Angriff: „Natürlich wäre eine Medaille cool, aber ich bin die jüngste Kämpferin und möchte Spaß am Turnier und den Wettkämpfen haben“, so Reinhold.
Erfolgreiches U18-Wettkampfjahr
Dass sie es mit jeder Gegnerin aufnehmen kann, hat Reinhold bewiesen: Beim Cadets Cup in Teplice bezwang sie Hili Zakroisky (Israel). In diesem Jahr häuften sich Reinholds Erfolge: Mit den Goldmedaillen bei den Cadet European Cups in Teplice und Berlin sowie den beiden fünften Plätzen bei den Cadet European Cups in Porec und Bielsko, der Silbermedaille beim Thüringen-Cup in Bad Blankenburg sowie Bronze bei der Deutschen U18-Meisterschaft hatte sich das junge Talent national und international großen Respekt verschafft - und sich die Nominierung von U18-Bundestrainer Christopher Schwarzer für die Weltmeisterschaft in Peru verdient. In der Altersklasse U21 verpasste Jolina Reinhold mit Platz neun beim European Cup in Berlin knapp den Sprung in die Elite.
Früher Einstieg in den Judosport
Als dreijährige stand Jolina Reinhold beim TSV Abensberg erstmals auf der Judomatte und eiferte dem Hobby des Großvaters nach. Seitdem war ihre Begeisterung für die Kampfsportart aus Fernost nicht zu bremsen. Elf Jahre später hat die junge Judoka in den Sommerferien vor der neunten Jahrgangsstufe die Vorbereitung auf ihre erste WM-Teilnahme mit drei Trainingslagern abgeschlossen. Dankbar sei sie den Verantwortlichen der Johann-Turmair Realschule, die ihre sportlichen Aktivitäten stets unterstützten.
Langfristige Karriereplanung
Geht es nach der sportlichen Karriereplanung von Jolina Reinhold, ist die U18-WM lediglich der nächste Schritt auf dem langen Weg einer internationalen Wettkampflaufbahn. Das Ziel ist für das Jahr 2032 gesteckt: Dann möchte El Toro in Los Angeles bei den olympischen Spielen um eine Medaille kämpfen.
Henry Röder: Ein Thüringer Talent auf dem Weg nach oben
Henry Röder konnte vor allem in der 2. So konnte er sich bereits im Frühjahr als noch 15-jähriger mit einer souveränen Vorstellung den Vizemeistertitel bei der Deutschen Meisterschaft der u18 in Leipzig erkämpfen. Seinen größten internationalen Erfolg erreichte der gerade erst 16-jährige Sportschüler des Sportgymnasiums Jena jedoch erst vor einigen Wochen. Für das Jahr 2024 hat sich Henry Röder viel vorgenommen und trainiert dafür am Landesleistungsstützpunkt in Jena täglich mehrere Stunden.
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Beim gut besetzten Europacup in Koper, Slowenien, mit 342 Judoka aus 22 Nationen und 4 Kontinenten, erzielte Henry Röder vom JC Jena seinen bisher größten sportlichen Erfolg. Der TJV-Athlet kämpfte sich bis zur Bronzemedaille in der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm vor. Er gewann vier Kämpfe und erlitt eine unglückliche Niederlage. Im ersten Kampf siegte er vorzeitig mit einem rechts angesetzten Schulterwurf gegen den Kroaten Luka Petric. Im zweiten Duell punktete er vorzeitig mit seinem tief angesetzten Schulterwurf gegen Rino Vrljic aus Bosnien-Herzegowina. Im Viertelfinale gewann er wieder vorzeitig, diesmal mit einem tiefen Schulterwurf auf der Gegenseite gegen den Brasilianer Lucas Dell Aquila. Doch im Halbfinale unterlag er Noah Boue aus Frankreich nach einer Kontertechnik. Im Kampf um Bronze gegen den Kroaten Paolo Krajcar erzielte er eine mittlere Wertung mit einem Schulterwurf und verteidigte die Führung nervenstark bis zum Schluss. Damit sicherte er sich sein erstes Edelmetall bei der European Judo Tour und sammelte wichtige Punkte in der Weltrangliste. Sein Vereinskamerad Quentin Kucharczyk schied bereits in der Vorrunde der Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm gegen den Serben Marko Jankovic aus und sammelte dieses Mal nur Kampferfahrung. Im nun folgenden Trainingscamp haben unsere TJV-Athleten die Gelegenheit, sich in drei schweißtreibenden Trainingseinheiten mit den besten Judoka ihrer Altersklasse zu messen.
Henry Röder vom JC Jena ging als einer der Favoriten in der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm an den Start. Dementsprechend kämpfte er sich auch mit vier ungefährdeten Siegen souverän bis ins Finale vor. Sein Trainingskamerad Thorben Pfotenhauer vom PSV Eisenach verlor nach einem Auftaktsieg in Runde zwei vorzeitig und musste deshalb den langen Weg durch die Trostrunde gehen. Mit einer enormen Willensleistung und taktisch cleverer Kampfesführung schaffte er nach weiteren drei Arbeitssiegen den lang ersehnten Sprung aufs Treppchen. Henry Röder fand leider im Finale gegen seinen Rivalen aus Berlin diesmal keine geeigneten Mittel und musste sich am Ende mit der Silbermedaille begnügen.
Ehrungen für verdiente Judoka
Der Trainingsbeginn der 8. Judo-Sommerschule des Bayerischen Judo-Verbandes in Fichtelberg war der würdige Rahmen für vier Ehrungen verdienter nordbayerischer Judoka, zumal der Grund für die verliehenen Ehrennadeln allesamt mit dieser großartigen Veranstaltung in Fichtelberg im Zusammenhang steht. Die Ehrennadel in Bronze erhielt Manfred Schmid, der auch Jugendleiter des Bezirkes Oberpfalz ist. Als ehrenamtlicher Betreuer und Trainer ist er bei der Judo-Sommerschule seit Beginn an dabei. Heinz König ist - ebenfalls seit Beginn der Judo-Sommerschule - der Organisator vorort. Er organisiert die Trainingshalle und die Bereitstellung der Matten und dies alles kostenlos. Für sein Engagement wurde ihm die Ehrennadel in Silber überreicht. Der Breitensportreferent des BJV, Jochen Kröppel, ist der "Vater" der Judo-Sommerschule. Sie bietet allen Breitensportlern, ob Jung oder Alt die Möglichkeit, zusammen mit exzellenten Trainern eine Woche lang zusammenzuarbeiten und Spaß am Judo zu haben. Ein Breitensportevent in Bayern, das mittlerweilen in das achte Jahr geht. Eine schwere Krankheit hat ihn nicht daran gehindert, weiterzumachen. Die vierte Ehrung war die Verleihung des 3.
André Klust: Vom Wettkämpfer zum Trainer
Die Erfolge des Hofer Wettkämpfers mit vielen Top-Plazierungen sowohl bei den Jugendlichen, bei den Junioren als auch bei den Männern prägen seinen sportlichen Werdegang. Von 1993 bis 1999 war er Mitglied im Nationalkader und von 1997 bis 2003 ging er in der 1. Bundesliga für den TSV Abensberg auf die Matte. Als Trainer mit A-Lizenz ist André für alle Altersklassen im Einsatz.
Taiso: Eine vielseitige Bewegungsform im Judo
Nach Yoga aus Indien und Tai Chi aus China findet nun auch das japanische Taiso immer mehr Anklang in Deutschland! In den Judonationen Japan und Frankreich ist diese vielseitige Bewegungsform bereits seit vielen Jahren fest im Vereinstraining verankert. Im Mutterland des Judosports wird Taiso gar im morgendlichen Rundfunk-Programm ausgestrahlt und von Judoka und Nicht-Judoka gleichermaßen praktiziert. Dabei ist Taiso auch in Deutschland nicht neu. Viele inhaltliche Übungen gehören bei Judo-Trainern und Athleten bereits zum festen Repertoire. Neu ist dabei der Ansatz, diese traditionellen japanischen Übungsformen unter dem Begriff Taiso zu etablieren und so attraktiv für den Sportmarkt zu machen.
Der Deutsche Judo-Bund (DJB) bietet nun auch Weiterbildungen in Form von Kursen, Workshops und Ausbildungen an. Taiso wird als allumfassende Körperschulung gesehen, die nicht nur die physische Stärkung des Körpers meint, sondern parallel die Stärkung des Geistes. Die Grundlage in der Praxis bildet ein Mobilisations-Modul. Darauf aufbauend stehen verschiedene Module mit unterschiedlichen Zielsetzungen zur Verfügung, die flexibel kombiniert werden können. Diese Module sind in einem Baukastensystem kategorisiert und decken Intensitäten von leicht bis schwer ab. Ob allgemeine sportliche Ziele, judo-spezifische Schwerpunkte oder spezielle Aspekte wie die Verbesserung der Atemtechnik - die Trainerinnen und Trainer entscheiden frei, mit welchen Modulen sie starten und wie sie die Intensitäten anpassen möchten.
